{"id":20582,"date":"2023-07-13T15:11:10","date_gmt":"2023-07-13T13:11:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/06178-02\/"},"modified":"2023-07-13T15:11:12","modified_gmt":"2023-07-13T13:11:12","slug":"06178-02","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/06178-02\/","title":{"rendered":"Reaktivierung der Wasserkraftanlage des Klosterstifts St. Marienthal, Ostritz"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Reaktivierung der 1967 eingestellten Stromerzeugung bei weit h\u00f6herer Effizienz unter Beibehaltung der \u00f6rtlichen Gegebenheiten, die von den Rahmenbedingungen des Denkmalschutzes vorgegeben werden. Verzicht auf tiefe Eingriffe in den Unterlauf des Flusses, der durch Br\u00fcckentr\u00fcmmer des zweiten Weltkrieges im Ablauf St\u00f6rungen zeigt. Trotz h\u00f6herer Wasserentnahme als bei der historischen Anlage soll die Durchg\u00e4ngigkeit f\u00fcr Fische  mittels einer Fischtreppe verbessert werden. Ziel ist es, das Kloster selbst und das auf seinem Gebiet eingerichtete Internationale Begegnungszentrum St. Marienthal vom Jahresertrag her selbst zu versorgen und \u00fcbersch\u00fcssigen Strom in das Netz der Energieversorgung Sachsen Ost AG einzuspeisen.<br \/>\nDie Besonderheit dieser Anlage besteht darin, die bestehenden historischen Bauwerke weiter zu nutzen, die umweltvertr\u00e4gliche Nutzung der o. g. Wasserkraft zu demonstrieren und im Rahmen der energie\u00f6kologischen Modellstadt Ostritz darzustellen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenZun\u00e4chst m\u00fcssen die Auflagen der Genehmigung abgearbeitet und das Finanzierungsmodell mit der Bank abgestimmt werden, um im Anschluss daran die n\u00f6tigen Fachingenieure vertraglich bis zur Ausf\u00fchrungsphase binden zu k\u00f6nnen. Die Oberbauleitung soll dabei einem Ingenieurb\u00fcro \u00fcbertragen werden, das sich verpflichtet, den vorgegebenen Kostenrahmen und die Auflagen der Genehmigung strikt einzuhalten. Auch sind alle baulich bedingten Belastungen der Umwelt auf ein Mindestma\u00df zu reduzieren.<br \/>\nDie Ausf\u00fchrungsplanung soll bis Juni 1999 vorliegen, um die Inbetriebnahme im Dezember 1999 zu erm\u00f6glichen. Mit dem Einbau der Technik sollte auch die Fischaufstiegshilfe in das Wehr integriert  und die Wehrkrone erneuert werden.<br \/>\nIn der gesamten Planungs- und Bauzeit wird das Vorhaben durch Prof. Horlacher von der TU Dresden wissenschaftlich betreut.<br \/>\nS\u00e4mtliche Daten zur Erzeugung des elektrischen Stromes werden \u00f6ffentlich dargestellt.<br \/>\nMit der Fertigstellung wird der letzte Ausstellungspunkt der energie\u00f6kologischen Modellstadt Ostritz auf der EXPO 2000 erf\u00fcllt.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die gesteckten Ziele hinsichtlich Termintreue, Leistung und Kosten wurden nicht im vollen Umfang erreicht. Zun\u00e4chst verz\u00f6gerte sich die Projektierung, so dass ein Baubeginn erst im Oktober 1999 erfolgen konnte. Damit war die Inbetriebnahme der Anlage f\u00fcr den Probelauf erst im August 2000 realisiert worden.  Bedingt durch eine extrem geringe Wasserf\u00fchrung der Nei\u00dfe konnte bis zum M\u00e4rz 2001 keine Optimierung der Anlage erfolgen. Die h\u00f6heren Wasserst\u00e4nde der Nei\u00dfe im Fr\u00fchjahr 2001 legten offen, dass auch die projektierte Leistung von 103 kW in keinem der Betriebszust\u00e4nde erreicht werden konnte. Hier sind noch Nacharbeiten n\u00f6tig, die im Rahmen der Garantieleistung erbracht werden. Die \u00e4u\u00dferen Bedingungen und Vorgaben der Denkmalpflege, die die alte Ansicht mit dem Grobrechen verlangte, schaffte Str\u00f6mungsbedingungen, die f\u00fcr solch eine Anlage in der bestehenden Form bei mittlerer Leistung  einen Fallh\u00f6henverlust von 10 &#8211; 15 cm bringt. Die Anordnung der Br\u00fcckenpfeiler um etwa 45\u00b0 gegen die Str\u00f6mungsrichtung und der nicht im vollen Umfang m\u00f6gliche Zulaufquerschnitt vor diesen Bauteilen bringen weitere Verluste. Korrekturen m\u00fcssen hier noch erfolgen.Gegen\u00fcber der Kostenberechnung der Ingenieure mit allen Eventualit\u00e4ten ergab sich bei der Ausschreibung schon eine Kostensteigerung von ca. 10 %. Es konnte im Vorfeld des Vorhabens nicht exakt gekl\u00e4rt werden, ob bei Probebohrungen vorgefundene Steine Bestandteil einer Gr\u00fcndung der angrenzenden Geb\u00e4ude oder des Baugrundes waren. So musste die Wand des angrenzenden M\u00fchlengeb\u00e4udes mittels einer HDI-Unterfangung zus\u00e4tzlich neu und tiefer gegr\u00fcndet werden. Die Vorgaben f\u00fcr die Wasserhaltung w\u00e4hrend der Bauzeit wurden zwar vom Baubetrieb eingehalten, erwiesen sich in der Realit\u00e4t als zu niedrig. So wurde die Baustelle im Winter durch aufgefrorenes Eis am n\u00e4chsten Wehr und durch Schmelzw\u00e4sser f\u00fcnf Mal \u00fcberschwemmt, was durch die Baufirma nicht zu verantworten war.<br \/>\nDie positiven Effekte \u00fcberwiegen. So ist der Gesamteindruck der fertiggestellten Anlage sehr harmonisch in ein Denkmal eingeordnet worden. Auch in der \u00d6ffentlichkeit wird das Umfeld des neu eingerichteten Fischpasses f\u00fcr Erholung und Entspannung stark frequentiert. Abgesehen von diesem nicht projektierten Nutzen erweist sich der Fischaufstieg als funktionst\u00fcchtig. Beim Probefischen durch die Fischereibeh\u00f6rde konnte ein der Nei\u00dfe vergleichbarer Fischbesatz festgestellt werden. Schon vor dieser Kontrolle wurde durch diese Beh\u00f6rde erstmals eine Fischart oberhalb dieses Passes neu festgestellt.Im durchschnittlichen Jahresertrag erreichen wir zwar nicht die projektierte Jahresarbeit von 600.000 kWh, aber bedingt durch Strompreissteigerungen und eine sehr hohe Zuverl\u00e4ssigkeit der Anlage mit \u00fcber 8.500 Benutzungsstunden im  Jahr wird der projektierte Nutzen erreicht.<br \/>\nGro\u00dfe Probleme sehen wir in der Schwemmgutentsorgung. In Sachsen muss alles ber\u00fchrte Schwemmgut entnommen und durch den Betreiber einer Anlage entsorgt werden. Hier sollten bundeseinheitlich Vorgaben erarbeitet und untersucht werden. Nach unserem Verst\u00e4ndnis kann es durch Anreicherung mit pflanzlichen Teilen, die auch schon in der Vergangenheit eingetragen wurden zu keiner N\u00e4hrstoff\u00fcberreicherung des Wassers kommen. Diese entnommenen Teile sollten auch dem Fluss wieder zugef\u00fchrt werden k\u00f6nnen. Die gr\u00f6\u00dferen Schwierigkeiten liegen aber in der M\u00fcllvermeidung und M\u00fclltrennung. Es ist enorm, welche Mengen Verpackungen, Schuhe, Spielzeug, Autoreifen und Baufolien in die Nei\u00dfe und deren Zufl\u00fcsse entsorgt werden. Wenn wir schon verpflichtet werden, diesen M\u00fcll soweit m\u00f6glich zu bergen, sollten uns daf\u00fcr aber nicht die Kosten zugeschrieben werden.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Gesamtanlage ist zur Besichtigung freigegeben. Im Klostergel\u00e4nde werden unter dem Thema Mensch-Energie-Werkstatt F\u00fchrungen angeboten, die die Besichtigung der Dauerausstellung, das historische S\u00e4gewerk und die Wasserkraftanlage beinhalten. \u00dcber das Internet kann man sich in die Anlage einw\u00e4hlen und bei Vorhandensein des entsprechenden Programms alle Daten, die zu Verwaltung der Anlage gebraucht werden, auslesen. F\u00fcr spezielle Interessenten k\u00f6nnen besondere F\u00fchrungen vereinbart werden.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Vorbereitung solch einer Ma\u00dfnahme erforderte viel Zeit, wenn ausl\u00e4ndische Stellen mit einbezogen werden m\u00fcssen. Die Wirtschaftlichkeitsgrenze ist sehr schnell erreicht, wenn wasserbauliche Ma\u00dfnahmen erforderlich sind. Die Einordnung eines Fischpasses ist je nach Gestaltung nicht nur \u00f6kologisch sinnvoll, sondern durchaus ein architektonisches Gestaltungsmittel. Erst mit der Nutzung aller M\u00f6glichkeiten an Energiegewinnung aus erneuerbaren Energietr\u00e4gern l\u00e4sst sich ein gewisser Ausgleich zum Bedarf herstellen. F\u00fcr das Modell der Stadt Ostritz sollte noch eine M\u00f6glichkeit der Energiespeicherung in gr\u00f6\u00dferem Ma\u00df geschaffen werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Reaktivierung der 1967 eingestellten Stromerzeugung bei weit h\u00f6herer Effizienz unter Beibehaltung der \u00f6rtlichen Gegebenheiten, die von den Rahmenbedingungen des Denkmalschutzes vorgegeben werden. Verzicht auf tiefe Eingriffe in den Unterlauf des Flusses, der durch Br\u00fcckentr\u00fcmmer des zweiten Weltkrieges im Ablauf St\u00f6rungen zeigt. 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