{"id":20557,"date":"2023-07-13T15:16:16","date_gmt":"2023-07-13T13:16:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/13612-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:16:19","modified_gmt":"2023-07-13T13:16:19","slug":"13612-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/13612-01\/","title":{"rendered":"Entwicklung einer Logistikkette zur Versorgung von Holzheizwerken mit Biomasse aus der Landschaftspflege"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Aufgrund steigenden Aufkommens an kommunalem Baum- und Strauchschnitt (Gr\u00fcngut aus Landschaftspflegema\u00dfnahmen und kommunalen sowie privaten Gr\u00fcnanlagen) auf regionalen H\u00e4ckselpl\u00e4tzen und der damit verbundenen mehr und mehr steigenden Kompostmengen (teure Entsorgungswege), sahen wir uns veranlasst nach alternativen Nutzungsm\u00f6glichkeiten von Gr\u00fcngut zu suchen.<br \/>\nZiel des Vorhabens war die Weiterentwicklung eines von uns entwickelten und bereits patentierten Aufbereitungsverfahrens zur Gewinnung von definiertem hochkalorischem Brennstoff aus zerkleinertem Gr\u00fcngut f\u00fcr eine Nutzung in Biomasseheiz(kraft)werken, um den seitherigen stand der Technik bei der Gr\u00fcngutverwertung (Kompostierung) abzul\u00f6sen. S\u00e4mtliche Untersuchungen haben im Zeitraum von September 2000 bis September 2002 statt gefunden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenZun\u00e4chst wurde das Gr\u00fcngut nach dem Zerkleinern mit einer speziell patentierten Zerkleinerungseinheit mittels Trommelsieb abgesiebt um die m\u00f6gliche Ausbeute an verholzten hochkalorischen Bestandteilen feststellen zu k\u00f6nnen.<br \/>\nIn mehreren Messreihen wurde das Verh\u00e4ltnis von verholzten Bestandteilen zu unverholzten (Vol.- und Gew.-%) bestimmt. Anschlie\u00dfend erfolgte jeweils die Beprobung von Versuchsmieten. In darauf folgenden Untersuchungen wurde der Trockensubstanz-, organische Trockensubstanz-, Asche- und Energiegehalt (MJ\/kg Hu) bestimmt, sowie Gutdichtebestimmungen (kg\/m\u00b3) und Siebkennlinien durchgef\u00fchrt. Weiterhin sind die Ver\u00e4nderungen der Parameter bei Lagerung auf Mieten im Freien ohne Bel\u00fcftung und in der Halle, je bel\u00fcftet und unbel\u00fcftet, gepr\u00fcft worden.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die Potentialanalysen im Feldma\u00dfstab im Landkreis B\u00f6blingen ergaben einen Volumenanteil an Gr\u00fcnguthackschnitzel (energetisch verwertbaren Bestandteilen, mit \u00dcberl\u00e4ngen) von durchschnittlich 64,58%. Im Landkreis Heilbronn ergab sich ein Anteil an Gr\u00fcnguthackschnitzel von durchschnittlich 60,72%. Die Potentialanalysen im Versuchsma\u00dfstab ergaben einen Anteil an Gr\u00fcnguthackschnitzel (energetisch verwertbaren Bestandteilen, mit \u00dcberl\u00e4ngen) von durchschnittlich 63,74%. Somit stimmen die Versuche weitgehend mit den Feldmessungen \u00fcberein. Somit ist ein ganz entscheidendes Ziel der Arbeit \u00fcber unsere Erwartungen erf\u00fcllt worden. Die Kompostmengen lassen sich mit dem vorliegenden Verfahren um nahezu ein Drittel der urspr\u00fcnglichen Menge reduzieren.<br \/>\nDie Mittlere Dichte der Gr\u00fcnguthackschnitzel betrug ca. 220 kg bei einem TS-Gehalt von ca. 65%, sowie einem Aschegehalt von ca. 7% bezogen auf die Trockensubstanz, was einem Aschegehalt von ungef\u00e4hr 10kg\/m\u00b3 Gr\u00fcnguthackschnitzel entspricht. Daraus resultiert ein durchschnittlicher Heizwert von ca. 640 kWh\/m\u00b3. Dieser Wert wurde auch in einer einj\u00e4hrigen Messphase im Heizwerk Kreuz\u00e4cker der Stadtwerke Bietigheim im Praxiseinsatz unserer Gr\u00fcnguthackschnitzel best\u00e4tigt. Dort konnte unter Ber\u00fccksichtigung eines Kesselnutzungsgrades von 80% eine W\u00e4rmeleistung von ca. 630kWh\/m\u00b3 erzielt werden. Der Aschegehalt lag dort bei durchschnittlich 8kg\/m\u00b3. Hierbei f\u00e4llt der deutlich niedrigere Aschegehalt gegen\u00fcber den Laborversuchen auf. Dies ist vermutlich darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren, dass wir zur Verbesserung der Flie\u00dfeigenschaft der Gr\u00fcnguthackschnitzel, Waldhackgut beigemischt haben, welches einen deutlich niedrigeren Aschegehalt aufweist.<br \/>\nBei im Landkreis BB in H\u00f6he von 80.000m\u00b3\/a anfallenden Gr\u00fcngutmengen die sich zur Gr\u00fcnguthackschnitzelproduktion eignen, errechnet sich aus den o.g. Werten eine m\u00f6gliche Erzeugung von ca. 32.000 MWh aus Gr\u00fcnguthackschnitzeln. Damit k\u00f6nnten 11 Hackschnitzelheizungen in der Gr\u00f6\u00dfenordnung wie in Bietigheim (1,5 MW Kesselleistung, Versorgung eines Schulzentrums, eines Neubaugebietes mit 600 Wohneinheiten sowie einem Altenheim) logistisch versorgt werden. Dort kommen 50% der gesamten er-zeugten Energie aus Gr\u00fcnguthackschnitzel. Der Rest mit zwei Gaskesseln und einem \u00d6lkessel f\u00fcr die Spitzenlastabdeckung bzw. Schwachlast im Sommer, wenn der Holzkessel abgeschaltet ist. Die Heiz\u00f6leinsparung durch Gr\u00fcnguthackschnitzel betrug ca. 290.000 Liter im Jahr 2002 gegen\u00fcber. Dies f\u00fchrte zur Einsparung an spezifischen CO2-Emissionen um ca. 750t.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Wir haben die Ergebnisse an zwei Tagen der offenen T\u00fcr im Rahmen der Europ\u00e4ischen Biomassetage mit den Stadtwerken Bietigheim einer breiten \u00d6ffentlichkeit pr\u00e4sentieren k\u00f6nnen. Am Sonntag, dem 29. Oktober 2002 in Pfaffenhofen auf unserem Firmengel\u00e4nde sowie am Freitag, dem 4. Oktober 2002 im Heizwerk Kreuz\u00e4cker der Stadtwerke Bietigheim. In dieser Konstellation konnten wir der \u00d6ffentlichkeit auf beeindruckende Weise den Energiekreislauf von der Herstellung der Gr\u00fcnguthackschnitzel bis zu deren Nutzung im Heizwerk aufzeigen. Bei bestem Wetter entpuppten sich diese Tage als ein voller Erfolg. Wir hatten \u00fcber 2000 Besucher, sowohl privat interessierte als auch Fachpublikum.<br \/>\nH\u00f6hepunkt bildet ein Vortrag auf dem n\u00e4chsten internationalen Holzenergiekolloquium in Stuttgart, welches vom Institut f\u00fcr Dampfkesselwesen (IVD) der Uni Stuttgart durch Prof. Baumbach veranstaltet wird. Au\u00dferdem ist Prof. Baumbach im europ\u00e4ischen Normierungsausschuss f\u00fcr Biomassebrennstoffe. Bei dieser Gelegenheit sind die Ergebnisse unserer Arbeit nach seiner Auskunft bereits ma\u00dfgeblich mit ein-geflossen.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Das Projekt war ein voller Erfolg. Hier seien insbesondere die Reduzierung der Kompostmengen um ca. zwei Drittel erw\u00e4hnt. Dies hat den Landkreisen B\u00f6blingen und Heilbronn bereits enorme Haushaltsmittel gegen\u00fcber der fr\u00fcheren Verfahrensweise der Kompostierung und teuren Verwertung in der Landwirtschaft (meist nur mit Zuzahlung), eingebracht.<br \/>\nWir wollen im Anschluss an dieses Projekt mit de IVD ein von der EU finanziertes Projekt durchf\u00fchren, welches auf den Ergebnissen der vorliegenden Arbeit aufbauen soll. Insbesondere wird in dem Projekt an Pelletierung der von uns untersuchten Brennstoffe gedacht. Weiterhin soll untersucht werden, inwiefern auch das Feinmaterial, welches seither kompostiert wird, sich zur Pelletierung eignet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Aufgrund steigenden Aufkommens an kommunalem Baum- und Strauchschnitt (Gr\u00fcngut aus Landschaftspflegema\u00dfnahmen und kommunalen sowie privaten Gr\u00fcnanlagen) auf regionalen H\u00e4ckselpl\u00e4tzen und der damit verbundenen mehr und mehr steigenden Kompostmengen (teure Entsorgungswege), sahen wir uns veranlasst nach alternativen Nutzungsm\u00f6glichkeiten von Gr\u00fcngut zu suchen. 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