{"id":20512,"date":"2023-07-13T15:15:43","date_gmt":"2023-07-13T13:15:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/12944-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:15:44","modified_gmt":"2023-07-13T13:15:44","slug":"12944-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/12944-01\/","title":{"rendered":"Nutzungsorientierte Gestaltung von Passivh\u00e4usern auf der Grundlage psychologisch-physikalischer Untersuchungen"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Passivh\u00e4user erm\u00f6glichen bei geringen baulichen Mehrkosten und unter Voraussetzung eines angemessenen Nutzungsverhaltens eine entscheidende Reduzierung der Energieverbr\u00e4uche. Sie tragen damit wesentlich zur Umweltentlastung bei und k\u00f6nnen einen wichtigen Beitrag zum nachhaltigen Bauen und Wohnen liefern. Untersuchungen in Passivhaus-Siedlungen haben gezeigt, dass die Verbr\u00e4uche in nahezu identischen Wohneinheiten bei gleicher Bewohnerzahl um ein Vielfaches schwanken. Die hohen Schwankungsbreiten der Energieverbr\u00e4uche sind haupts\u00e4chlich auf den Einfluss der Nutzer zur\u00fcckzuf\u00fchren. Die genauen Ursachen der Mehrverbr\u00e4uche sind bisher unklar.<br \/>\nDie Zielsetzung des Projekts besteht in der Erarbeitung von Gestaltungsgrundlagen und der Entwicklung konkreter technischer L\u00f6sungen zur nutzungsorientierten Gestaltung von Passivh\u00e4usern auf der Basis eines physikalisch-psychologischen Untersuchungsansatzes. Hiermit k\u00f6nnen aus der Analyse des Nut-zungsverhaltens Ma\u00dfnahmen zur Reduzierung der nutzungsbedingten Mehrverbr\u00e4uche abgeleitet werden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie Grundlagen und Vorschl\u00e4ge zur nutzungsorientierten Gestaltung werden aus sozialwissenschaftlichen Analysen der Nutzerprofile und deren Gegen\u00fcberstellung zur korrespondierenden energetischen, raumklimatischen sowie raumlufthygienischen Situation abgeleitet. Die Erhebung der psychologischen Daten erfolgt auf der Basis einer zu entwickelnden Prozessdarstellung, welche die Zusammenh\u00e4nge zwischen Nutzungsverhalten und dessen Ursachen sowie Abh\u00e4ngigkeiten aufzeigt. Dargestellt werden die Einflussgr\u00f6\u00dfen und ihr strukturelles Zusammenwirken. Um effektive Interventionsma\u00dfnahmen ableiten zu k\u00f6nnen, die \u00fcber einfache Verhaltensregeln hinausgehen, ist zu kl\u00e4ren, wie Verhaltensfehler motiviert sind und mit welchen pers\u00f6nlichen Werthaltungen, Wissensdefiziten und Gewohnheiten diese Verhaltensdefizite korrespondieren. Die physikalische Wohnsituation wird auf der Basis von Messgr\u00f6\u00dfen und zus\u00e4tzlich durch aufbauende Simulationsl\u00e4ufe bestimmt.<br \/>\nDie empirische Untersuchung erfolgt an einem Wohnkomplex mit 40 Wohneinheiten in Passivbauweise in Kassel. Im Gegensatz zu bisherigen Pilotvorhaben, bei denen die Bauherren auch die Nutzer waren, handelt es sich bei diesem Projekt um das Engagement einer Wohnungsbaugesellschaft im sozialen Mietwohnungsbau. Es ist zu erwarten, dass das Nutzerverhalten unter diesen Umst\u00e4nden einen noch ausgepr\u00e4gteren Einfluss auf den Energieverbrauch haben wird.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>im Geschosswohnungsbau auch unter den Nutzungsbedingungen durch Mieter erfolgreich zu realisieren ist. Bei generell hohen Zufriedenheitswerten wird das Wohnen im Passivhaus von den Mietern &#8211; auch im Sommer &#8211; als deutliche Komforterweiterung empfunden.<br \/>\nEs wurden moderate Fenster\u00f6ffnungszeiten ermittelt. Die Mieter sind jedoch nicht bereit, vollst\u00e4ndig auf das Fensterl\u00fcften zu verzichten. Wie bei vergleichbaren Projekten konnten keine signifikanten Korrelati-onen zwischen \u00d6ffnungszeiten und Heizw\u00e4rmeverbr\u00e4uchen festgestellt werden. Die bisher an die Nutzer gerichtete Forderung, die Fenster geschlossen zu halten, damit der Passivhausstandard eingehalten wird, muss nicht mehr als entscheidende Voraussetzung aufrechterhalten werden. Es hat sich gezeigt, dass die \u00d6ffnungszeiten stark witterungsabh\u00e4ngig sind und in K\u00e4lteperioden von einem weitgehend angemessenen L\u00fcftungsverhalten ausgegangen werden kann. Die Frischluftversorgung \u00fcber die L\u00fcftungsanlage erreichte hohe Zufriedenheitswerte. Bei Planung und Montage ist noch erh\u00f6hte Aufmerksamkeit auf Ger\u00e4uschemissionen der Anlagen zu richten. Die als Neuerung realisierte zeitbegrenzte Maximal-L\u00fcftungsstufe hat sich als wirksam erwiesen und sollte zum Standard werden.<br \/>\nDie gemessenen Raumtemperaturen schwanken je nach WE in einem Ausma\u00df, das bei keinem der Vergleichsprojekte erreicht wurde. Die als genau richtig empfundene Temperierung reicht bis zu 24\u00b0C und stellt damit den entscheidenden Nutzereinfluss dar. Prinzipiell wurde der Wunsch nach k\u00fchleren Schlaf-zimmern ge\u00e4u\u00dfert. Angepasste Temperaturwahl, \u00c4nderungen im Nutzungsverhalten und Gew\u00f6hnungsprozesse f\u00fchrten jedoch zu einer weitgehenden Akzeptanz der Gesamttemperierung.<br \/>\nIm Verh\u00e4ltnis zu bisherigen Untersuchungen von Passivh\u00e4usern treten extreme Streuungen der Heizw\u00e4rmeverbr\u00e4uche auf (Mittelwert 17,5; Min 0,1; Max 46,7 kWh\/m\u00b2). Den wesentlichen Erkl\u00e4rungsbeitrag hierf\u00fcr liefern durch Temperaturdifferenzen zwischen den Wohnungen induzierte W\u00e4rmestr\u00f6me. Hier zeigt sich als entscheidender Nutzereinfluss die Wahl der Raumtemperatur. Verst\u00e4rkende Einfl\u00fcsse auf die Streuungen durch ein spezifisches Nutzungsverhalten von Mietern sind nicht erkennbar.<br \/>\nEin Vergleich mit den vorliegenden Auswertungen der \u00e4hnlich gelagerten und zeitlich z. T. parallel gelaufenen Untersuchungsprojekte in Wiesbaden und Leipzig zeigt folgende Ergebnisse:<br \/>\n&#8211;\tBei generell moderaten Fenster\u00f6ffnungszeiten ist bei den Passivh\u00e4usern keine signifikante Korrelation zwischen \u00d6ffnungszeiten und Heizw\u00e4rmeverbr\u00e4uchen feststellbar.<br \/>\n&#8211;\tF\u00fcr Temperierung und Behaglichkeit wurden hohe Zufriedenheitswerte erreicht. Auff\u00e4llig sind die hohen Raumlufttemperaturen in Kassel und Leipzig. Hier wurden Wohnungen mit einem Heizperioden- Mittelwert \u00fcber 23\u00b0C festgestellt<br \/>\n&#8211;\tDie Heizw\u00e4rmeverbr\u00e4uche der Passivh\u00e4user in Wiesbaden liegen noch unter den Projektierungswerten. Im Kasseler Geb\u00e4ude \u00fcberschreitet der Mittelwert bei extremen Streuungen leicht den Grenzwert, bedingt durch das hohe gew\u00e4hlte Temperaturniveau.<br \/>\n&#8211;\tDie Zufriedenheit der Bewohner in Wiesbaden und Kassel dr\u00fcckt sich in hohen Zustimmungen auf die Aussagen aus Ich w\u00fcrde jederzeit wieder in ein Passivhaus einziehen und Ich w\u00fcrde Passivh\u00e4user weiterempfehlen. Sie stellen damit die wirksamsten Multiplikatoren f\u00fcr die Verbreitung der Passivhaus-Technologie dar.<br \/>\nAusgehend von den Befragungen und von Meldungen der Mieter wurden Verbesserungsma\u00dfnahmen entwickelt und umgesetzt. Die zumeist technischen Ma\u00dfnahmen wurden in Form von Gestaltungshinweisen zusammengestellt und in die Fach\u00f6ffentlichkeit transferiert. Der vorliegende Vorschlag f\u00fcr eine pauschalierte Warmmiete im Passivhaus-Geschosswohnungsbau erfordert als wesentliche nichttechnische Neuerung zun\u00e4chst einen Praxistest \u00fcber einen Modellversuch. Anlass f\u00fcr diese soziale Innovation sind die extremen Streuungen der Heizw\u00e4rmeverbr\u00e4uche und damit der Heizkostenabrechnungen, die f\u00fcr die Mieter nicht nachvollziehbar sind und die wegen der W\u00e4rmestr\u00f6me zwischen den Wohnungen auch nicht auf dem Eigenverbrauch beruhen. In Zusammenhang mit einem zeitnahen Feedback zur Verhinderung steigender Verbr\u00e4uche k\u00f6nnte mit einer garantierten Obergrenze der Warmmiete die Verbreitung der Passivhaustechnologie im Mietwohnungsbau wesentlich unterst\u00fctzt werden.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Projektergebnisse, durchgef\u00fchrte Verbesserungsma\u00dfnahmen und entwickelte Empfehlungen f\u00fcr Folgeprojekte wurden &#8211; zugeschnitten auf die Zielgruppen &#8211; in die Fach\u00f6ffentlichkeit transferiert (5 Vortr\u00e4ge auf Fachtagungen, Informationsveranstaltung f\u00fcr die Architektenkammer Hamburg).<br \/>\nNachgefragt wurden die Ergebnisse dar\u00fcber hinaus von Instituten, die sich mit nachhaltiger Entwicklung und Konsumforschung besch\u00e4ftigen. Hier ist das Einbringen der Ergebnisse in die laufende Nachhaltigkeitsdebatte im Bereich Bauen und Wohnen gelungen. Seit Januar 2002 flie\u00dfen die Projektergebnisse in den weiterbildenden Studiengang Energie und Umwelt der Universit\u00e4t Kassel in die Ausbildung von Geb\u00e4udeenergieberatern ein.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Passivhaus-Technologie konnte inzwischen so robust, fehlertolerant und nutzerfreundlich gestaltet werden, dass auch unter den Nutzungsbedingungen durch Mieter die Gew\u00e4hrleistung der Funktionsf\u00e4higkeit der H\u00e4user gegeben ist und die Passivhaus-Grenzwerte einzuhalten sind. Der aus Umweltschutzgr\u00fcnden anzustrebenden Verbreitung des Passivhaus-Standards im Mietwohnungsbau steht damit nichts entgegen.<br \/>\nEine innovativ gestaltete Gesamtkosten-Miete w\u00fcrde die Verbreitung der Passivhaustechnologie im Mietwohnungsbau wesentlich unterst\u00fctzten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Passivh\u00e4user erm\u00f6glichen bei geringen baulichen Mehrkosten und unter Voraussetzung eines angemessenen Nutzungsverhaltens eine entscheidende Reduzierung der Energieverbr\u00e4uche. Sie tragen damit wesentlich zur Umweltentlastung bei und k\u00f6nnen einen wichtigen Beitrag zum nachhaltigen Bauen und Wohnen liefern. 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