{"id":20507,"date":"2024-11-27T10:34:28","date_gmt":"2024-11-27T09:34:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/12925-01\/"},"modified":"2024-11-27T10:34:29","modified_gmt":"2024-11-27T09:34:29","slug":"12925-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/12925-01\/","title":{"rendered":"Beispielhafte bau\u00f6kologische Sanierung am Umweltzentrum T\u00fcbingen"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Ziel war die F\u00f6rderung der Kenntnisse \u00fcber M\u00f6glichkeiten zur Ausf\u00fchrung von klimaschutzrelevanten Sanierungsma\u00dfnahmen im denkmalgesch\u00fctzten Altbaubestand bei Bev\u00f6lkerung und Handwerkerschaft. Dabei war besonderes Anliegen, im Gespr\u00e4ch zwischen Denkmalamt, Baurechtsbeh\u00f6rde und dem Kooperationspartner eb\u00f6k das Verst\u00e4ndnis &#8211; auch der Beh\u00f6rden &#8211; f\u00fcr klimagerechte Sanierung zu verbessern. Zwar existiert ausreichendes Wissen bei den Fachleuten \u00fcber anwendbare Methoden, dennoch wird von Handwerkern und Bauherrschaften h\u00e4ufig zur Sicherheit auf Standardmethoden zur\u00fcckgegriffen. Stand der Technik und des Wissens sind somit nicht identisch mit den vorgefundenen Realit\u00e4ten. Prinzipiell war die Sanierung des Geb\u00e4udes mit Niedrigenergie-Standard m\u00f6glich. Die Realit\u00e4t der Ausf\u00fchrung musste sich im Spannungsfeld Denkmalschutz-Baurecht-Bauphysik-Finanzen orientieren.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenNach Erstellung eines Energiegutachtens (Programm Energieberatung vor Ort) wurden in Diskussionen zwischen Bau-Arbeitskreis und dem Plenum des Umweltzentrums einerseits sowie den Fachleuten von eb\u00f6k, Denkmalamt und Baurechtsbeh\u00f6rde andererseits die Ma\u00dfnahmen festgelegt, die unter Ber\u00fccksichtigung der Parameter Klimawirksamkeit, Umwelt- und Gesundheitsvertr\u00e4glichkeit, Denkmalschutz, baurechtliche Vorgaben und Finanzen die sinnvollsten Kompromisse darstellen. Die Entscheidungsfindung wurde, ebenso wie die Ausf\u00fchrung, dokumentiert. Dabei wurde Wert darauf gelegt, dass beispielhafte und \u00fcbertragbare Ma\u00dfnahmen so aufbereitet wurden, dass die Vermeidung von Fehlerm\u00f6glichkeiten aufgezeigt werden konnte. Zus\u00e4tzlich wurden an wichtigen Stellen gl\u00e4serne W\u00e4nde eingebaut, um die getroffenen Ma\u00dfnahmen in situ erfahrbar zu machen. Seminare und Vortr\u00e4ge vervoll-st\u00e4ndigten die \u00d6ffentlichkeitsarbeit bei Handwerkern und Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Zur Verwirklichung dieser Ziele wurde aus der Mitte des Umweltzentrums ein Bau-AK gegr\u00fcndet, der im Diskurs mit externen Fachberatern, den \u00fcbrigen Mitgliedern (Plenum) und den Fachbeh\u00f6rden die Leitlinien und die Entwicklung und Beurteilung von Sanierungsma\u00dfnahmen erarbeiten sollte. Der Bau-AK musste dabei neben der Verfolgung der Ziele des Projekts gleichzeitig die \u00f6konomischen Rahmenbedingungen im Auge behalten. Damit die Bauma\u00dfnahmen auch einen zuk\u00fcnftigen Nutzen \u00fcber die eigentliche Erstellung hinaus haben k\u00f6nnen, wurden die didaktischen Ma\u00dfnahmen (Einbau von Gl\u00e4serner D\u00e4mmschicht, theoretische und praktische Schulung von Handwerkern, Seminare) in den Bauablauf integriert. Aus dieser komplexen Situation heraus war es notwendig, die Planung flexibel zu halten, um auf unvorhergesehene Ver\u00e4nderungen der Rahmenbedingungen (Anforderungen der Beh\u00f6rden), das Auftreten von baulichen Schwierigkeiten oder auf neue Erkenntnisse bei der Materialbeurteilung reagieren zu k\u00f6nnen. Die neue Form des Diskurses hat bei den beteiligten Beh\u00f6rden einen Denkprozess ausgel\u00f6st, der zuk\u00fcnftigen Vorhaben den Weg zu konsensuellen Ergebnissen ebnen kann. Die Ergebnisse bez\u00fcglich des Prozesses sind \u00fcbertragbar auf \u00e4hnliche Einrichtungen (Schulen, Universit\u00e4tsinstitute, Firmen). Auch in den Entscheidungen selbst hat der Prozess sich positiv ausgewirkt:<br \/>\nDurch Heizungserneuerung, W\u00e4rmed\u00e4mmung von OG-Decke, EG-Fu\u00dfboden, Geb\u00e4uder\u00fcckwand und (vorl\u00e4ufig) Teild\u00e4mmung im EG und kontrollierte Rauml\u00fcftung wurde die Absenkung des rechnerischen Energieverbrauchs von 76.000 kWh\/a auf ca. 17.000 kWh\/a erreicht. Dies entspricht einer Verringerung des Energieverbrauchs auf 22%. Die Weiterverwendung von Materialien (Fenster, T\u00fcren, Baustoffe) f\u00fchrte zur Verringerung von Baustellen-Abfall um ca. 1 t. Die R\u00fcckkoppelung mit den Vereinsmitgliedern gab wertvolle Hinweise zur weitgehenden Vermeidung gesundheitlich und \u00f6kologisch problematischer Materialien.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation waren Teil des Gesamtprojekts. Sie wurden durch die B\u00fcrgerberatung, die Pr\u00e4sentation der erstellten Ausstellungstafeln und die Vorf\u00fchrung der Lehrvideos auf Messen und Veranstaltungen realisiert, sowie durch Modelle und Gl\u00e4serne Wand, die im \u00f6ffentlich zug\u00e4nglichen Beratungs- und Veranstaltungszeitraum des Umweltzentrums pr\u00e4sentiert werden. Durch die Internet-Pr\u00e4senz k\u00f6nnen die Ergebnisse, wie auch die M\u00f6glichkeiten der Kontaktaufnahme ohne die materialaufw\u00e4ndige Erstellung einer Brosch\u00fcre weltweit kommuniziert werden.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Es konnte nachgewiesen werden, dass auch in historischer Bausubstanz und unter den Auflagen des Denkmalschutzes weitgehende Klimaschutzma\u00dfnahmen an Geb\u00e4uden m\u00f6glich sind. Allerdings sind Standardl\u00f6sungen nicht ohne weiteres tauglich. Bei der Planung und Realisierung ist ein hohes Ma\u00df an Flexibilit\u00e4t bei Bauherrschaft, Architekt und den ausf\u00fchrenden Handwerkern n\u00f6tig.<br \/>\nDie Denkmalbeh\u00f6rde hat an unserem Beispiel gesehen, dass sich ihre Belange und das Ziel der Energieeinsparung mit gutem Ergebnis kombinieren lassen. Sie ist inzwischen f\u00fcr dieses Thema aufgeschlossen.<br \/>\nEs wird empfohlen, Sanierungsvorhaben vergleichbarer Art in Diskursform mit allen Beteiligten zu planen und auch die Ausf\u00fchrung in Diskursform zu begleiten. Eine Moderation des Prozesses ist ratsam, um f\u00fcr alle Beteiligten gleiche Chancen im Diskurs zu gew\u00e4hrleisten. Zukunftsf\u00e4hige L\u00f6sungen und die Zufriedenheit aller mit den Ergebnissen sind auf diese Weise zu erwarten.<br \/>\nAus dem Projekt haben sich Folgeprojekte entwickelt, so die Motivierungskampagne Klimagerechte Altbausanierung Altbau mit Zukunft, die in Zusammenarbeit mit dem T\u00fcbinger Agenda-Tisch Klima und der Stukkateur-Glaser-Innung durchgef\u00fchrt und vom Land Baden-W\u00fcrttemberg als konkretes Projekt einer Lokalen Agenda gef\u00f6rdert wurde. Eine kooperative Beratungsstelle mit den Beteiligten des T\u00fcbinger W\u00e4rmepasses und anderen ist in der Diskussion.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Ziel war die F\u00f6rderung der Kenntnisse \u00fcber M\u00f6glichkeiten zur Ausf\u00fchrung von klimaschutzrelevanten Sanierungsma\u00dfnahmen im denkmalgesch\u00fctzten Altbaubestand bei Bev\u00f6lkerung und Handwerkerschaft. 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