{"id":20385,"date":"2023-07-13T15:15:21","date_gmt":"2023-07-13T13:15:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/12481-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:15:24","modified_gmt":"2023-07-13T13:15:24","slug":"12481-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/12481-01\/","title":{"rendered":"Entwicklung eines Stoffstrommanagements f\u00fcr KMUs f\u00fcr Autoreparaturlackierung"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>In der neueren Umweltgesetzgebung ist neben der Bestimmung der Verbrauchswerte eine zunehmende Erfordernis zur Bilanzierung der betrieblichen Eingangs- und Ausgangsstoffe festzustellen (z. B. Kreislaufwirtschafts- u. Abfallgesetz und EU-L\u00f6semittelrichtlinie). KMU werden von der Bilanzierungspflicht aufgrund der geringen personellen und finanziellen Ausstattung besonders stark belastet. Aufgrund der Komplexit\u00e4t der Lackierprozesse k\u00f6nnen viele Emissions- und Kostenminderungspotentiale erst durch eine ganzheitliche Betrachtungsweise ermittelt werden. Ziel des Forschungsprojektes ist daher die Entwicklung praxisorientierter Instrumente zur effizienteren Gestaltung der betrieblichen Stoff- und Energiestr\u00f6me bei Unternehmen der Autoreparaturlackierung. Mit dem betrieblichen Stoffstrommanagement sollen Kosten- und Emissionsminderungspotentiale besser erkannt und die Betriebe bei der Erf\u00fcllung der Anforderungen aus der neueren Umweltgesetzgebung unterst\u00fctzt werden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenZur besseren Erkennung und Nutzung der vorhandenen Potentiale zur Kosten- und Emissionsminderung sind die einzelnen Arbeitsprozesse und deren Abh\u00e4ngigkeiten untereinander genauer betrachtet und die betrieblichen Stoff- und Energiestr\u00f6me analysiert worden. F\u00fcr die betriebsspezifische Ermittlung der Stoff- und Energieverbr\u00e4uche und der Kosten- und Emissionsminderung durch Stoffsubstitution (z. B. Einsatz l\u00f6semittelarmer Lacke) und Verfahrensumstellungen (z. B. oversprayarmer Applikationsverfahren) ist das computergest\u00fctzte Stoff- und Energieflu\u00dfmodell IMPROVE entwickelt worden. Mit diesem Instrument werden die Arbeitsweise und die technologische Ausstattung sowie alle relevanten betrieblichen Stoff- und Energiestr\u00f6me im Sinne einer ganzheitlichen Betrachtungsweise ber\u00fccksichtigt. Das computergest\u00fctzte Stoff- und Energieflu\u00dfmodell IMPROVE basiert auf der kommerzielle \u00d6kobilanzsoftware Umberto\u00e2. Die dem Modell zugrundeliegenden Daten (z. B. fl\u00e4chen-, bauteil- und fahrzeugbezogene Verbrauchswerte, Auftragsstruktur, Arbeitszeiten) sind in zwei ausgew\u00e4hlten Referenzbetrieben in Baden-W\u00fcrttemberg erhoben und mit zahlreichen Branchenexperten bei Herstellern und Berufsverb\u00e4nden abge-stimmt worden. Im Modell wird zwischen 15 unterschiedlichen Lackierprozessen mit jeweils maximal 55 Arbeitsschritten von der Fahrzeugannahme bis zur Fahrzeugabgabe und einer gro\u00dfen Anzahl unterschiedlicher Einsatzstoffe und Technologien pro Arbeitsschritt unterschieden.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Im Stoff- und Energieflu\u00dfmodell IMPROVE werden die Arbeitsprozesse eines Modellbetriebes abgebildet, der ausgehend von den Erfahrungen in den beiden ausgew\u00e4hlten Autoreparaturlackierbetrieben in Baden-W\u00fcrttemberg in Zusammenarbeit mit den Branchenexperten definiert worden ist und dessen Arbeitsweise und technologische Ausstattung f\u00fcr ca. 60 &#8211; 70 % der Betriebe repr\u00e4sentativ ist. Dieser Modellbetrieb stellt die Basis f\u00fcr die Ermittlung der \u00f6kologischen und \u00f6konomischen Auswirkungen von pro-zessintegrierten Emissionsminderungsma\u00dfnahmen im Bereich der Autoreparaturlackierung dar. So sind f\u00fcr den Modellbetrieb, in dem j\u00e4hrlich 750 Kundenauftr\u00e4ge, d. h. 1.875 Fahrzeugteile, bearbeitet werden, u. a. folgende Minderungspotentiale ermittelt worden:<br \/>\n\u00d8\tDie Applikation feststoffreicher Lacke im F\u00fcller-, Uni- und Klarlackbereich und wasserbasierender Lacke im Vorlack- und Basislackbereich mit oversprayarmen Spritzpistolen (z. B. HVLP-Spritzpistolen) nach dem Stand der Technik f\u00fchrt zu einer L\u00f6semittelemissionsreduktion von 61 % und zu einer j\u00e4hrlichen Kosteneinsparung von 34.430 DM (15 % der Prozesskosten). Vier neue HVLP-Spritzpistolen f\u00fcr jede Lackschicht amortisieren sich bereits nach 3,5 Wochen.<br \/>\n\u00d8\tBeim Einsatz einer W\u00e4rmer\u00fcckgewinnungsanlage mit einem branchen- und anlagen\u00fcblichen W\u00e4rmer\u00fcckgewinnungswirkungsgrad von h = 46 % f\u00fcr die kombinierte Lackier- und Trockenkabine ist f\u00fcr den Modellbetrieb eine j\u00e4hrliche Einsparung von 1.940 DM (0,85 % der Prozesskosten) ermittelt wor-den. In Verbindung mit einer neuen Lackier- und Trocknungskabine amortisiert sich f\u00fcr den Modellbetrieb eine solche Anlage aber erst nach 14,5 Jahren. Die Installation einer W\u00e4rmer\u00fcckgewinnungsanlage empfiehlt sich daher erst bei vergleichsweise gro\u00dfen Betrieben und einer entsprechenden Kabi-nenauslastung.<br \/>\n\u00d8\tEine Frequenzumformeranlage in Verbindung mit einer kombinierten Lackier- und Trockenkabine f\u00fchrt zu einer j\u00e4hrlichen Kosteneinsparung von 4.330 DM (1,9 % der Prozesskosten). Eine Fre-quenzumformeranlage amortisiert sich f\u00fcr den Modellbetrieb bereits nach 2,5 Jahren.<br \/>\n\u00d8\tDer Einsatz einer Destillationsanlage zur R\u00fcckgewinnung des Reinigungsl\u00f6semittels f\u00fchrt zu einer j\u00e4hrlichen Kosteneinsparung von 820 DM (0,36 % der Prozesskosten). Die Destillationsanlage amor-tisiert sich f\u00fcr den Modellbetrieb aber erst nach 20 Jahren. F\u00fcr kleine Betriebe ist daher aufgrund des geringen Aufkommens eine externe Aufbereitung des Reinigungsl\u00f6semittels eher empfehlenswert.<br \/>\n\u00d8\tWeitere untersuchte Ma\u00dfnahmen zur Abfall- bzw. Kostenminderung, wie z. B. der Einsatz von Schleifscheiben mit L\u00f6chern zur besseren Schleifstaubabsaugung, f\u00fchrten nur zu vergleichsweise geringen erreichbaren Emissions- und Kostenminderungen.<br \/>\nZus\u00e4tzlich sind spezielle Handlungs- und Orientierungshilfen zu verschiedenen Themengebieten erarbeitet worden, deren Aussagen und Ergebnisse auf den mit dem Modell durchgef\u00fchrten Berechnungen beruhen. Diese Hilfen versetzen die Autoreparaturlackierbetriebe in die Lage, eigenst\u00e4ndig oder mit Unterst\u00fctzung der Betriebsberater von Berufsverb\u00e4nden und Herstellern, in kurzer Zeit die notwendigen Stoff- und Energiebilanzen (z. B. L\u00f6semittelbilanzen) zu erstellen und m\u00f6gliche Kosten- und Emissionsminderungspotentiale zu identifizieren. Die Orientierungshilfen eignen sich durch den \u00fcbersichtlichen Aufbau und durch die einfache Ermittlung von Kosteneinsparungen und Amortisationszeiten f\u00fcr ein schnelles Selbststudium in den Betrieben.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Im Projektzeitraum sind insgesamt 7 Workshops mit den Arbeitskreismitgliedern und 15 Pr\u00e4sentationen bei Herstellern, Verb\u00e4nden und branchennahen Institutionen durchgef\u00fchrt worden und insgesamt 16 Ver\u00f6ffentlichungen in branchennahen Fachzeitschriften erschienen. Der Forschungsendbericht ist in die Schriftenreihe der Deutschen Bundesstiftung Umwelt aufgenommen worden.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die mit IMPROVE ermittelten Auswirkungen beim Einsatz von Emissionsminderungsma\u00dfnahmen zeigen sowohl f\u00fcr den Modellbetrieb als auch f\u00fcr die beiden Referenzbetriebe, dass Emissions- und Kostenminderung vielfach nicht im Gegensatz zueinander stehen. Insbesondere mit dem Einsatz l\u00f6semittelarmer Lacke in Verbindung mit oversprayarmen HVLP-Spritzpistolen lassen sich vielfach gleichzeitig Kosten- und Emissionsminderungen in Autoreparaturlackierbetrieben erzielen. Aufgrund der insgesamt positiven Aussagen der Branchenvertreter aus Lackindustrie und Berufsverb\u00e4nden werden in den n\u00e4chsten Jahren voraussichtlich eine Vielzahl von Autoreparaturlackierbetrieben mit den entwickelten Instrumenten bei der Umstellung auf emissionsarme Produkte und Technologie unterst\u00fctzt. Das entwickelte Stoff- und Energieflussmodell IMPROVE und die Handlungshilfen werden seit Anfang des Jahres mit ersten Erfolgen sowohl vom Hauptverband Farbe, Gestaltung und Bautenschutz in Frankfurt a. M. als auch von einem namhaften Lackhersteller f\u00fcr die betriebsspezifische Beratung von Autoreparaturlackierbetrieben eingesetzt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens In der neueren Umweltgesetzgebung ist neben der Bestimmung der Verbrauchswerte eine zunehmende Erfordernis zur Bilanzierung der betrieblichen Eingangs- und Ausgangsstoffe festzustellen (z. B. Kreislaufwirtschafts- u. Abfallgesetz und EU-L\u00f6semittelrichtlinie). KMU werden von der Bilanzierungspflicht aufgrund der geringen personellen und finanziellen Ausstattung besonders stark belastet. 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