{"id":20369,"date":"2024-11-27T10:34:25","date_gmt":"2024-11-27T09:34:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/12424-01\/"},"modified":"2024-11-27T10:34:26","modified_gmt":"2024-11-27T09:34:26","slug":"12424-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/12424-01\/","title":{"rendered":"Optimierung eines Konservierungsverfahrens zur Beseitigung von Umweltsch\u00e4den an wertvollen Glasfenstern in der Gotthardtkirche in Brandenburg"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Beseitigung von Umweltsch\u00e4den an Glasmalerei des fr\u00fchen 20. Jahrhunderts. Sch\u00e4digung neben Vandalismus vor allem durch aggressive  Luftschadstoffe an empfindlicher Schmelzfarbenmalerei. Einrichtung von Schutzverglasung zur Verhinderung neuer Umweltsch\u00e4digung an den Glasgem\u00e4lden.<br \/>\nNaturwissenschaftliche Untersuchungen zu den Problemen des Zweitbrandes bei Schmelzfarben- und Schwarzlotmalerei auf historischen Gl\u00e4sern<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenAusbau der Felder mit der Glasmalerei<br \/>\na) Wiederherstellungsma\u00dfnahmen in der Glasmalereiwerkstatt Atelier Berkei unter der Fachaufsicht der Arbeitsstelle f\u00fcr Glasmalereiforschung, Potsdam: Erg\u00e4nzung mechanisch zerst\u00f6rter Fehlstellen.  Sicherung und Stabilisierung der Glasmalereifelder zum Wiedereinbau. Herstellung und Einbau von Schutzverglasung in 6mm VSG mit Rechteckteilung. Verwendung von V4A-Edelstahl f\u00fcr das Halterungssystem. Wiedereinbau der Originale in einen gesch\u00fctzten Zustand (isothermische Schutzverglasung)<\/p>\n<p>b) Naturwissenschaftliche Untersuchungen durch die Bundesanstalt f\u00fcr Materialforschung und -pr\u00fcfung, Berlin: Probenentnahme an zerst\u00f6rten Originalteilen der ausgebauten Glasmalerei. Herstellung und Pr\u00e4parierung von Modellgl\u00e4sern zum Vergleich mit den Proben von den Originalen. Unterschiedliche Reinigungsverfahren an den Originalglas-Proben. Behandlung der Proben mit Schwarzlot bzw. Schmelzfarben. Neubrand. Aussetzung im Klimaschrank zur Simulierung von Langzeitsch\u00e4digung. Untersuchung der behandelten Proben mittels Elektronenmiskroskop auf Ri\u00dfbildung, Ri\u00dfwachstum, Entmischung\/Kristallisation und auf m\u00f6gliche \u00c4nderung des Korrosionsverhaltens. Vergleich mit im Klimaschrank belasteten Proben ohne Zweitbrand<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die Glasanalysen ergaben die f\u00fcr die Zeit der Herstellung typischen chemischen Zusammensetzungen (14 &#8211; 17 % Na2O, 69 &#8211; 74 % SiO2 und 9 &#8211; 11 % CaO; weitere Komponenten in sehr geringen Konzentrationen.<br \/>\nEine der sechs Proben war ein farbloses Grundglas mit roter \u00dcberfangschicht, die von einem blei- und boroxidhaltigen Glas gebildet wurde.An einer Glasprobe wurde die Transformationstemperatur und der chemische Ausdehnungskoeffizient bestimmt. Die mikroskopische Auswertung der Neubrandproben ergab keine Hinweise auf Ri\u00dfwachstum oder Glasverf\u00e4rbungen. <\/p>\n<p>Die Analysen der Malschichten (Schwarzlote) ergaben bei allen Proben Zusammensetzungen mit relativ hohen Gehalten an Boroxid von 15 &#8211; 20 %. Das Verh\u00e4ltnis von SiO2 zu PbO schwankte sehr stark von 1,5 bis 3. Als Farbpigmente waren die Oxide von Chrom, Mangan, Eisen, Kobalt und Kupfer nachweisbar. Die Lote waren teilweise inhomogen und por\u00f6s. Sie zeigten in starkem Ma\u00dfe korrosive Umwandlungen. Als Korrosionsprodukte waren Salze (Sulfate und Carbonate) des Bleis und Calciums eindeutig nachweisbar.  <\/p>\n<p>Die Konturen und Lasuren sind offenbar aus identischen Schwarzloten hergestellt worden. Aufgrund der d\u00fcnnen Schichtdicke der Lasuren unterliegen sie wahrscheinlich st\u00e4rker der Umwandlung durch Verwitterung. Die Gl\u00e4ser der St. Gotthardt-Glasmalereien sind sehr weitgehend r\u00fcckseitig mit Lasuren abgedunkelt worden. Beim Neubrand mit einer Temperatur von 500 \u00b0C oder dar\u00fcber kommt es zu einer starken Rotf\u00e4rbung der gesamten R\u00fcckseite. Die Ursache hierf\u00fcr ist ein oxidative Umwandlung des im Lot enthaltenen schwarzen Eisenoxids (Fe3O4) in rotes alpha-Fe2O3. <\/p>\n<p>Der Neubrand f\u00fchrte in keinem Fall zu einer Wiederverschmelzung und Haftungsverbesserung der noch vorhandenen originalen Schwarzlotkontur. Infolge der bereits sehr deutlichen Umwandlung des urspr\u00fcnglichen Schwarzlots in Korrosionsprodukte f\u00fchrte jede Wiedererw\u00e4rmung vielmehr zu einer weiteren Zersetzung, die sich durch ein Aufrauhung (verst\u00e4rkte Porosit\u00e4t, Blasigkeit) der Konturen zu erkennen gab. <\/p>\n<p>Die Untersuchungen zum Alterungsverhalten der Schwarzlote im Klimaschrank ergaben, da\u00df die selbstentwickelten Schwarzlote (zuammensetzung gem\u00e4\u00df Analyse der aus dem 19. Jh. stammenden St. Gotthardt-Proben) schlechter best\u00e4ndig waren als Schwarzlot SLD (Fa. Degussa). Die Ursache daf\u00fcr d\u00fcrfte im h\u00f6heren Boroxidgehalt und im etwas ung\u00fcnstigeren SiO2 \/ PbO -Verh\u00e4ltnis liegen.<\/p>\n<p>Die von der Werkstatt Berkei zun\u00e4chst erprobte Einbrenntemperatur von 480 \u00b0C (mattes optisches Erscheinungsbild) war nicht ausreichend f\u00fcr eine mechanisch feste und chemisch best\u00e4ndige Haftung. Die Klimaschrankbewitterung ergab gute Best\u00e4ndigkeit ab 540 \u00b0C.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Nach Beendigung der Arbeiten erfolgte am 21. Juni 1999 eine Abschlu\u00dfveranstaltung mit Vertretern der Projektpartner und der St.Gotthardt-Gemeinde, auf welcher f\u00fcr die anwesende \u00d6ffentlichkeit Verlauf und Ergebnisse noch einmal vorgestellt worden sind.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Von allen Seiten wurde die fachlich gute und kollegiale Arbeit der Beteiligten hervorgehoben. Die von der Bundesanstalt f\u00fcr Materialforschung und &#8211; pr\u00fcfung, Berlin, festgestellten Ergebnisse zur Untersuchung von Zweitbr\u00e4nden werden in die weitere Behandlung von Wiederherstellungsfragen historischer Glasmalerei einflie\u00dfen und sowohl auf Fachveranstaltungen wie z.B.  Weiterbildungskurse f\u00fcr Glasmalereiwerkst\u00e4tten und Kolloquien als auch durch Fachpublikationen der Arbeitsstelle f\u00fcr Glasmalerei-forschung des CVMA, Potsdam verbreitet werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Beseitigung von Umweltsch\u00e4den an Glasmalerei des fr\u00fchen 20. Jahrhunderts. Sch\u00e4digung neben Vandalismus vor allem durch aggressive Luftschadstoffe an empfindlicher Schmelzfarbenmalerei. Einrichtung von Schutzverglasung zur Verhinderung neuer Umweltsch\u00e4digung an den Glasgem\u00e4lden. 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