{"id":20342,"date":"2023-07-13T15:15:13","date_gmt":"2023-07-13T13:15:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/12312-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:15:16","modified_gmt":"2023-07-13T13:15:16","slug":"12312-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/12312-01\/","title":{"rendered":"Die Lenkung der r\u00e4umlichen Konzentration brutgestimmter Buchdrucker (Ips typographus L.) zur Unterbindung von Brutherden in Fichtenbest\u00e4nden"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Durch die wichtigste Borkenk\u00e4ferart, den Buchdrucker (Ips typographus L.) entstehen j\u00e4hrlich hohe wirtschaftliche Verluste an der Fichte (Picea abies L.), dem wichtigsten Forstbaum. Die sog. Saubere Wirtschaft ist kostspielig und kann nur unzul\u00e4nglich neuen Befall vermeiden. Sie wird den Anforderungen einer weit kosteng\u00fcnstigeren naturnahen Waldwirtschaft nicht gerecht und verhindert die nat\u00fcrliche Dynamik auf Naturschutzfl\u00e4chen. Im Vorhaben wird nach Faktoren gesucht, welche eine Lenkung der r\u00e4umlichen Konzentration der Buchdrucker in gef\u00e4hrdeten Fichtenbest\u00e4nden erm\u00f6glichen. Es soll ein Verfahren zur weitgehenden Kontrolle des Buchdruckers entwickelt werden durch eine wirksame \u00dcber-wachung, eine verl\u00e4ssliche Befallsentwicklung und eine gelenkte intensive Absch\u00f6pfung.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenNach der Kennzeichnung aller Versuchsb\u00e4ume und ihrer Vermessung wurde \u00fcber alle Jahre die allgemeine Flugaktivit\u00e4t mittels \u00fcber die Fl\u00e4chen verteilter Monitorfallen registriert. Ebenfalls \u00fcber den gesamten Zeitrum wurde das Klima mittels automatisch aufzeichnender Klimastationen erfasst. An Windw\u00fcrfen wurden gezielte Befalls-, Verhaltens- und Brutbilduntersuchungen durchgef\u00fchrt. Untersuchungen zum Konzentrationsverm\u00f6gen sowie die Erfassung des Zuflugs und der vorzeitigen Abwanderung stan-den dabei neben dem Reproduktionserfolg im Vordergrund. Dispersions- und Konzentrationsverhalten des Buchdruckers wurden an stehenden Fichten \u00fcber Fallenf\u00e4nge beobachtet. Die Besiedlung von Einzelfichten, die Entstehung von Brutherden und der Befallsverlauf wurden mitgezeichnet. Geschlechtsbestimmungen von K\u00e4ferstichproben sollten Aufschluss \u00fcber evtl. populationsbedingte Gr\u00fcnde schwacher Reproduktionserfolge geben.<br \/>\nZus\u00e4tzlich wurden Versuche installiert, die unter vorgegebenen Bedingungen einzelne Faktoren quantifi-zierbar machen sollten. So konnten Anflugversuche Aufschluss \u00fcber das allgemeine Suchverhalten, aber auch den direkten Anflug von Lockzentren geben. \u00dcber eigens entwickelte Aggregationsfallen, eine Kombination aus herk\u00f6mmlicher pheromonbek\u00f6derter Schlitzfalle und einem f\u00fcr den K\u00e4fer unzug\u00e4nglichen Angebot von frischem Fangholz wurde der Einfluss des Fangholzes gegen\u00fcber dem Einsatz von k\u00fcnstlichen Pheromonen, aber auch deren Kombination getestet. Pr\u00e4parierte stehende Fangb\u00e4ume lieferten zus\u00e4tzliche Vergleichsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr die Einsch\u00e4tzung der geschnittenen Fangh\u00f6lzer.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Aufgrund der Notwendigkeit naturbelassener Versuchsfl\u00e4chen wurden alle Untersuchungen in den forstschutzfreien Zonen des Nationalpark Harz durchgef\u00fchrt. Hier befindet sich die Fichte in ihrem nat\u00fcrlichen Verbreitungsgebiet.<br \/>\nWeitr\u00e4umige Dispersion und durch Aggregationspheromone und optimales Mikroklima gesteuerte r\u00e4umliche Konzentration bestimmen den Entwicklungszyklus des Buchdruckers. Dispersion und Konzentration werden von attraktiven nat\u00fcrlichen Lockzentren gleichzeitig ausgel\u00f6st.<br \/>\nDie Fangzahlen in den bek\u00f6derten Schlitzfallen und den unbek\u00f6derten Kreuzfallen zeigten, dass Buchdrucker allgegenw\u00e4rtig sind: auf Freifl\u00e4chen, Lichtungen, an Waldr\u00e4ndern und im Bestandesinnern. Die Aktivit\u00e4tsdichten k\u00f6nnen erheblich schwanken, vornehmlich wetterbedingt und durch die Entwicklungszyklen der Art.<br \/>\nBuchdrucker disperieren in Teilpopulationen, von denen etwa ein Drittel ortstreu ist, w\u00e4hrend unter g\u00fcnstigen Umst\u00e4nden andere bis zum 20 km weit fliegen. Nach der Dispersion setzt die Konzentrationsphase ein. Hier kommt es abh\u00e4ngig von Lage und Qualit\u00e4t nat\u00fcrlicher Lockzentren bei einzelnen ge-schw\u00e4chten, stehenden Fichten eher zu Streubefall, bei vitalen Fichten ist eine starke Konzentration zur \u00dcberwindung der Besiedlungsschwelle notwendig. Die st\u00e4rksten Flugaktivit\u00e4ten fanden im Fr\u00fchjahr statt. Die vorhandenen Windw\u00fcrfe wurden meist schlagartig und stark besiedelt, soweit sie ausreichend besonnt waren. Diese Br\u00fcckenk\u00f6pfe bildeten teilweise den Ausgangspunkt f\u00fcr die Besiedlung stehend benachbarter Fichten.<br \/>\nIm Laufe des Jahres 1998 wurden von f\u00fcnfzehn vorhandenen Brutherden sechs im Laufe des Jahres durch insgesamt 339 neubesiedelte Fichten erweitert. 1999 gab es nur drei neubesiedelte Fichten, die einen neuen Brutherd bildeten. Die bestehenden Brutherde verzeichneten keine weitere Aktivit\u00e4t. 2000 konnte trotz hoher Flugaktivit\u00e4t keine Fichte mehr besiedelt werden. Nach Aussagen der Nationalparkverwaltung wurden auch im restlichen Gebiet kaum nennenswerte Befallsherde mehr gefunden.<br \/>\nDieser bedeutsame nat\u00fcrliche Schrumpfungsprozess einer Buchdruckerpopulation deutet an, dass die Anf\u00e4lligkeit der Fichten wechselt und offenbar weitr\u00e4umig wirksamen Einfl\u00fcssen unterliegt. Sie muss daher auch wesentlich \u00fcber den Erfolg einer k\u00fcnstlichen Lenkung des Buchdruckers mitbestimmen.<br \/>\nBesonderes Augenmerk wurde auf die Besiedlung manipulierter St\u00e4mme gelegt. Um den Einfluss der Fangh\u00f6lzer isolieren zu k\u00f6nnen, wurden sie in einem neu entwickelten Fallentyp, der Aggregationsfalle angeboten. Entscheidend an diesem Fallentyp ist, dass eine Besiedlung der Fangh\u00f6lzer unterbunden wird, es also nicht zur Pheromonproduktion der K\u00e4fer kommt und nur so die Duftstoffe der Rinde angeboten werden.<br \/>\nW\u00e4hrend generell die Lockwirkung der Fangh\u00f6lzer durch Zugabe von PheroPrax\u00a9 gesteigert werden konnte, trat der unerwartete Effekt auf, dass diese Fangleistung in allen F\u00e4llen erheblich unter der von nur mit PheroPrax\u00a9 best\u00fcckten F\u00e4llen blieb. Dies wird vor allem auf die Duftstoffzusammensetzung der Fichtenabschnitte zur\u00fcckgef\u00fchrt, die offensichtlich den Anflug hemmende Bestandteile enthielt.<br \/>\nDie Bildung nat\u00fcrlicher Lockzentren wird vor allem vor der Disposition der Fichten bestimmt. Sie unterliegt offensichtlich einem zeitlichen Wechsel, so dass hohe K\u00e4ferdichten nicht unbedingt einen Befall ausl\u00f6sen und nicht immer aufwendige Bek\u00e4mpfungsaktionen rechtfertigen.<br \/>\nSo wurde eine Methode entwickelt, die es erlaubt, den wechselnden Einfluss der Fangh\u00f6lzer auf die Lockwirkung des PheroPrax\u00a9 zu bestimmen, damit sich pr\u00fcfen l\u00e4sst, ob dieser Einfluss als Indikator f\u00fcr die jeweilige Befallsanf\u00e4lligkeit der Fichten verwendet werden kann, um \u00fcberfl\u00fcssige Bek\u00e4mpfungsaktionen zu vermeiden und die nat\u00fcrlichen Regulationsprozesse n\u00fctzen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Das Vorhaben wird nicht \u00fcber die Projektlaufzeit hinaus fortgef\u00fchrt. Im Rahmen einer Dissertation werden die Ergebnisse weiter vertieft und in den Zusammenhang der gesamten abgelaufenen Borkenk\u00e4fer-gradation gestellt.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Frische Fangh\u00f6lzer k\u00f6nnen die Lockwirkung des PheroPrax\u00a9 erheblich beeintr\u00e4chtigen. Dieser unerwartete Effekt hat die aktive Rolle der Fichte in den Wechselbeziehungen zwischen K\u00e4fer und Wirtsbaum betont.<\/p>\n<p>Daraus kann abgeleitet werden, dass die Notwendigkeit einer Bek\u00e4mpfung vornehmlich von dem jeweiligen Anf\u00e4lligkeitsgrad der Fichten bestimmt wird. Deshalb wurde der Schwerpunkt auf die Entwicklung von Aggregationsfallen gelegt, die diese wechselnde Anf\u00e4lligkeit der Fichten verdeutlichen k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Durch die wichtigste Borkenk\u00e4ferart, den Buchdrucker (Ips typographus L.) entstehen j\u00e4hrlich hohe wirtschaftliche Verluste an der Fichte (Picea abies L.), dem wichtigsten Forstbaum. Die sog. Saubere Wirtschaft ist kostspielig und kann nur unzul\u00e4nglich neuen Befall vermeiden. 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