{"id":20338,"date":"2025-06-25T10:32:09","date_gmt":"2025-06-25T08:32:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/12275-01\/"},"modified":"2025-06-25T10:32:09","modified_gmt":"2025-06-25T08:32:09","slug":"12275-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/12275-01\/","title":{"rendered":"Einf\u00fchrung des Integrierten Pflanzenschutzsystems (IPS-Modell Weizen) zur Optimierung und Minimierung des Pflanzenschutzmitteleinsatzes in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Die Entscheidung \u00fcber die Notwendigkeit einer Fungizidanwendung, \u00fcber den Einsatztermin und die Wahl der Wirkstoffe unterliegt dem Willen des Landwirts und richtet sich bisher weitgehend nach Erfahrungswerten aus. Sie wird nach dem Prinzip der Risikoversicherung routinem\u00e4\u00dfig, am Entwicklungsstadium der Pflanze ausgerichtet, vollzogen. Diese Ma\u00dfnahmen k\u00f6nnen leider in vielen F\u00e4llen unter Ber\u00fccksichtigung \u00f6konomischer und unter \u00f6kologischen Aspekten als nicht optimal angesehen werden.<br \/>\nZiel des Gesamtvorhabens ist es, an der Modellfrucht Weizen zu zeigen, wie der Pflanzenschutz &#8211; im konkreten der Einsatz von Fungiziden &#8211; im Zusammenhang mit wissenschaftlich fundierten Schwellen-werten und reduzierten Aufwandmengen durch Interaktion in die epidemiologisch sensible Phase ein Optimum an biologischer und ertraglicher Kontrolle des Befallsgeschehens und somit ein auf das not-wendige Ma\u00df reduzierten Pflanzenschutzmitteleinsatz gew\u00e4hrleistet werden kann.<br \/>\nDas Gesamtvorhaben wurde aufgrund seiner hohen Effektivit\u00e4t \u00fcberregional in landwirtschaftlichen Betrieben \u00fcberpr\u00fcft, um unmittelbaren Eingang in eine breite Praxis durch die kooperierenden Institutionen (Universit\u00e4t, Amtlicher Dienst) in den Bundesl\u00e4ndern Schleswig-Holstein (SH), Niedersachsen (NS) und Nordrhein-Westfalen (NRW) zu finden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie \u00fcberregionalen Studien zum Befallsauftreten und der Schadensdynamik von Weizenpathogenen wurden mit einer Indikatorsorte (Ritmo) und zus\u00e4tzlich einer regional bedeutenden Winterweizensorte, die \u00fcber die Bundesl\u00e4nder variierte, durchgef\u00fchrt. Da letztlich die genetische Gleichheit der Sorte Ritmo die standort- und jahresspezifischen Einflussfaktoren (Witterung, Anbausystemfaktoren) auf das Pathogenspektrum und die Schaddynamik geoepidemiologisch widerspiegelt, werden die zusammenfassenden Ergebnisse an dieser Sorte dargestellt. Das gesamte Datenmaterial des Projektes findet in den ausf\u00fchrlichen Berichten (s. Anlage) f\u00fcr die Bundesl\u00e4nder Schleswig-Holstein (SH), Niedersachsen (NS) und Nordrhein-Westfalen (NRW) differenziert Ausf\u00fchrung.<br \/>\nDie populationsdynamischen Studien in der Weizenkultur wurden in jeweils 2 Sorten, 3 Versuchsvarianten mit jeweils 4 Wiederholungen je Versuchstandort durchgef\u00fchrt, die mit einer Agrarmeteorologischen Messstation ausgestattet waren. Die Versuche in der Sorte Ritmo der Jahre 1999-2001 wurden in ran-domisierten Blockanlagen durchgef\u00fchrt und repr\u00e4sentierten eine Fallstudienzahl von 70 Versuchen (Tab.1). Jeder Versuch differenzierte sich wie folgt:<br \/>\n1. Kontrolle = unbehandelt (fungizidfreie Kulturbioz\u00f6nose zur ungest\u00f6rten Befallsentwicklung der Pathogene) 2. Gesundvariante mit 3 &#8211; 4 Stadienbehandlungen zur Quantifizierung des am Versuchsstandort absolut eingetretenen Schadpotentials, 3. IPS-Modell Weizen, ein an das aktuelle Befallsgeschehen epidemiologisch orientierte Bek\u00e4mpfung nach Exaktdiagnose, Schwellenwertindikation.<br \/>\nDie Pflanzenpathogene wurden von fr\u00fchesten bis sp\u00e4testen Phasen pflanzlicher Entwicklung auf allen Pflanzenorganen qualitativ und quantitativ erfasst. Die Bestandesf\u00fchrung (praxis\u00fcblich), schwellen- und stadienorientierte Fungizidbehandlungen sowie die Beerntung der Pflanzenbest\u00e4nde erfolgten durch die kooperierenden Pflanzenschutz\u00e4mter der L\u00e4nder. Die Differentialdiagnose, Verrechnung, graphische Darstellung, Auswertung und Interpretation oblag den im Projekt beteiligten Mitarbeitern.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>In der genetisch identischen Sorte Ritmo variierte \u00fcberregional (insg. 70 Fallstudien) erwartungsgem\u00e4\u00df das standort- und jahresspezifische Befallsauftreten (Beginn und Verlauf der Epidemien, Zusammensetzung des Pathogenspektrums) sowie die resultierende Schadwirkung mitunter erheblich. In SH und NS dominierten in abnehmender Reihenfolge die Erreger Septoria tritici (ST), Blumeria syn. Erysiphe graminis (EG), in NRW war das Befallsbild zudem durch Puccinia recondita (PR) gepr\u00e4gt. In Abh\u00e4ngigkeit der Bodenbearbeitung und Fruchtfolgekonstellation trat Drechslera triticirepentis (DTR) mitunter stark auf. Insgesamt konnte das nachgewiesene Erregerauftreten in SH, NS und NRW durch zwei schwellenorientierte Fungizidma\u00dfnahmen mit reduzierten Aufwandmengen in hohem Ma\u00dfe kontrolliert werden. Im Mittel der Untersuchungen betrug die ausgebrachte Wirkstoffmenge zur erforderlichen Bek\u00e4mpfung nachgewiesener Erregerkomplexe in SH 724, in NS 613 und NRW 849 g a. i.\/ha.<br \/>\n\u00dcber die Jahre und Standorte resultierte in der unbehandelten Kontrolle ein Ertragsniveau von 83,5 dt\/ha. Das erregerspezifische Gesamtverlustpotential aufgetretener Schaderreger,  bemessen durch die Differenz von Gesund- (gemittelter Ertrag 106,5 dt\/ha) und Kontrollvariante (gemittelter Ertrag 83,5 dt\/ha), betrug insgesamt 23 dt\/ha bzw. 27%. Das Ertragsniveau der schwellenorientierten IPS-Variante lag mit 103,3 dt\/ha um 3,2 dt\/ha unterhalb der Ertragsleistung der Gesundvariante. Die zur IPS-Variante vergleichend ausgebrachte Wirkstoffmenge der Gesundvariante betrug im Mittel in SH 1808, in NS 1777 und in NRW 2077 g a.i.\/ha; nach epidemiebezogenen Fungizideinsatz des IPS-Modells Weizen wurde demnach eine ann\u00e4hernd hohe Befallskontrolle und Ertragsleistung mit einer um 50% reduzierten Wirk-stoffmenge erzielt. Die Betrachtung der \u00f6konomischen Wertsch\u00f6pfung unter Bemessung der Kosten 1. des Weizenerzeugererl\u00f6ses, 2. der Fungizidkosten und 3. der Kosten f\u00fcr \u00dcberfahrten, f\u00fchrt \u00fcber die Jahre in SH zu einem fungizidbereinigten Mehrerl\u00f6s vergleichend zur unbehandelten Kontrolle in H\u00f6he von 85 Euro\/ha, in NS von 139 Euro\/ha und NRW von 164 Euro\/ha. Im Mittel der Jahre und Standorte wurde insgesamt ein pathogenbedingter Schaden in H\u00f6he von 130 Euro\/ha durch die an die aktuelle Be-fallssituation angepasste IPS-Variante (Diagnose -Bek\u00e4mpfungsschwelle &#8211; reduzierte Fungizidaufwandmenge) gegen\u00fcber der unbehandelten Kontrolle aufgefangen. Die Gesundvariante, die durch 3-4-fach stadienorientierte Ma\u00dfnahmen eine Befallsfreiheit der Pflanzenbest\u00e4nde repr\u00e4sentierte und aus-schlie\u00dflich zur Bewertung des Verlustpotentials vergleichend zur Kontrolle und des IPS-Modells Weizen eingesetzt wurde, f\u00fchrte im Vergleich zur Kontrolle zu einem Mehrerl\u00f6s 61 Euro\/ha.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Insgesamt wurde das Projekt durch vier Ver\u00f6ffentlichungen und zwei nationalen (Mykologentagung der Deutschen Phytomedizinischen Gesellschaft, Deutsche Pflanzenschutztagung) und einer internationalen Tagung (55th International Symposium on Crop Protection, Gent, Belgium) pr\u00e4sentiert. Mit Fertigstellung der letzten Dissertationsschrift (Juni 2003) wird eine abschlie\u00dfende Publikation in einer international renommierten Fachzeitschrift durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Das IPS-Modell Weizen dokumentiert durch den diagnostischen Erregernachweis und einen gezielten Pflanzenschutzmitteleinsatz auf Basis von Schwellengrenzwerten eine an die jeweilige Befallssituation angepasste, optimierte Kontrolle des Befallsgeschehens unter Ber\u00fccksichtigung eines bedarfsgerechten und reduzierten Wirkstoffeintrages. Anhand der \u00fcber die Jahre und \u00fcber verschiedene Bundesl\u00e4nder durchgef\u00fchrten Untersuchungen wird die Bedeutung des Modells sich als bedeutender Mosaikbaustein des Integrierten Pflanzenschutzes deutlich. Durch die intensive Zusammenarbeit mit den Pflanzenschutzdiensten der L\u00e4nder im Rahmen dieses Forschungsprojektes wird die Konzeption und Methode aufgrund der dargestellten Effizienzkriterien weiteren Eingang in die weizenanbauende Praxis Deutschlands erfahren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Die Entscheidung \u00fcber die Notwendigkeit einer Fungizidanwendung, \u00fcber den Einsatztermin und die Wahl der Wirkstoffe unterliegt dem Willen des Landwirts und richtet sich bisher weitgehend nach Erfahrungswerten aus. Sie wird nach dem Prinzip der Risikoversicherung routinem\u00e4\u00dfig, am Entwicklungsstadium der Pflanze ausgerichtet, vollzogen. 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