{"id":20314,"date":"2023-07-13T15:15:09","date_gmt":"2023-07-13T13:15:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/12165-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:15:11","modified_gmt":"2023-07-13T13:15:11","slug":"12165-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/12165-01\/","title":{"rendered":"Modellhafte Vorplanung zur umweltgerechten Gestaltung mehrerer Kleinwasserkraftanlagen an der Mahlgera\/Th\u00fcringen"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>N\u00f6rdlich von Erfurt teilt sich die Gera an einem Wehr in zwei Arme, in die Mahlgera und in die Wilde Gera. An der Mahlgera wurde seit \u00fcber 500 Jahren die Wasserkraft genutzt. Zuletzt arbeiteten hier in einer Kaskade 11 Getreide- und \u00d6lm\u00fchlen mit jeweils etwa 20 &#8211; 30 kW Ausbauleistung. In den 70er Jahren wurden die M\u00fchlen stillgelegt. Durch Bauma\u00dfnahmen und Abriss der Sch\u00fctzenanlagen des Hauptwehres im Jahre 1981 wurde der Wassereinlauf in die Mahlgera stark eingeschr\u00e4nkt und unregulierbar gemacht. Hierdurch und auf Grund fehlender Pflegema\u00dfnahmen verschlammte die Mahlgera, angrenzende Feuchtwiesen fielen trocken und ein gro\u00dfer Teil des Altbaumbestandes starb ab. Ziel ist es nunmehr, die Wasserkraftnutzung an der Mahlgera zu reaktivieren. Dadurch k\u00f6nnen perspektivisch acht Standorte mit einer gesamten Leistung von ca. 240 kW reaktiviert werden. Hierzu sind folgende Schritte erforderlich:<br \/>\n\u00b7\tGrundr\u00e4umung und naturnahe Gestaltung der Mahlgera;<br \/>\n\u00b7\tUmbau des Hauptwehres und des Mahlgeraeinlaufes;<br \/>\n\u00b7\tReaktivierung der Wasserkraftstandorte;<br \/>\n\u00b7\tBau von Umgehungsb\u00e4chen und Fischaufstiegshilfen zur Biotopvernetzung.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie Vorplanung gliedert sich in zwei Hauptteile, in eine technische und wirtschaftliche Vorplanung sowie in das Biomonitoring. Die technische Vorplanung umfasst im Wesentlichen folgende Arbeiten:<br \/>\n\u00b7\tDie Grundlagenermittlung;<br \/>\n\u00b7\tVorplanung (einschlie\u00dflich landschaftspflegerischer Begleitplanung -LBP-, Betrachtung des Gera-Wehres und der einzelnen M\u00fchlenstandorte);<br \/>\n\u00b7\tBetrachtung weiterer Umwelteinwirkungen au\u00dferhalb des LBP (insbesondere durch die Einleitersituation);<br \/>\n\u00b7\tWirtschaftlichkeitsbetrachtung.<br \/>\nDas Biomonitorring umfasst im Wesentlichen folgende Untersuchungen:<br \/>\n\u00b7\tBestandserhebung der Vegetation und Fauna;<br \/>\n\u00b7\tBestandserhebung des Bodens in der Aue;<br \/>\n\u00b7\tweiterf\u00fchrende Untersuchungen zur Wasserwirtschaft;<br \/>\n\u00b7\tErmittlung der Gew\u00e4sserstrukturg\u00fcter;<br \/>\n\u00b7\tBeratung der Verwaltungsgemeinschaft Gera-Aue w\u00e4hrend des gesamten Planungsprozesses sowie Pr\u00fcfung der Planungen auf Plausibilit\u00e4t und Kosten.<br \/>\nDiese Untersuchungen bilden die Grundlage, um die Auswirkungen einer m\u00f6glichen sp\u00e4teren Reaktivierung erfassen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Vorplanung:<br \/>\nIm Ergebnis wurde insbesondere eine Aussage zur Standsicherheit des vorhandenen Gera-Wehres unter Ber\u00fccksichtigung der erforderlichen Umbauarbeiten und ein belastbares Kostenger\u00fcst f\u00fcr das Gesamtvorhaben erarbeitet. Im Rahmen der durchgef\u00fchrten Untersuchung hat sich weiter gezeigt, dass von den 11 ehemaligen M\u00fchlenstandorten nur noch 6 f\u00fcr die Erzeugung regenerativer Energien zur Verf\u00fcgung stehen. Sie arbeiten an der Grenze der Wirtschaftlichkeit, wenn keine gen\u00fcgende F\u00f6rderung erm\u00f6glicht wird. Dies r\u00fchrt aus dem desolaten Bauzustand der M\u00fchlen und Wehre her. Das Gew\u00e4sser wurde f\u00fcr einen Maximalabfluss von 2,5 m\u00b3\/s konzipiert. Daf\u00fcr wurden die erforderlichen R\u00e4umungsbereiche ermittelt und kostenm\u00e4\u00dfig erfasst. Durch die Errichtung von Fischaufstiegshilfen an den Wehrstandorten wird die Durchg\u00e4ngigkeit des Gew\u00e4ssers f\u00fcr Fische und Benthos erreicht. Bei entsprechendem Platzangebot wurden Umgehungsgerinne in naturnaher Bauweise vorgesehen. Die Relikte der nicht wieder reaktivierbaren M\u00fchlen werden zur\u00fcckgebaut bzw. durch Sohlgleiten ersetzt. Im landschaftspflegerischen Begleitplan wurden Ma\u00dfnahmen zur Wiederherstellung des nat\u00fcrlichen Erscheinungsbildes und der \u00f6kologischen Funktionen der Mahlgera insbesondere f\u00fcr die Entwicklung der Ufervegetation ermittelt und darge-stellt. Die baulichen Eingriffe k\u00f6nnen durch diese Ma\u00dfnahmen kompensiert werden.<br \/>\nVorstudie (Biomonitoring wissenschaftliche Begleituntersuchung)<br \/>\nDie vegetationskundliche und bodenkundliche Untersuchung zeigte im Verein mit der Auswertung der Grundwassermessungen, dass die zun\u00e4chst erwartete Wiedervern\u00e4ssung der Aue nicht eintreten wird. Die \u00f6kologischen Verbesserungen, die mit der Wiederaufnahme der Nutzung der regenerativen Energie Wasserkraft verbunden sind, bleiben auf das engere Gew\u00e4sserumfeld beschr\u00e4nkt. Hier sind sie jedoch nicht unerheblich: Die Mahlgera, als Kraftwerkskanal und Ortgew\u00e4sser, wird wiederbelebt. Die Gew\u00e4sserg\u00fcte wird durch den erh\u00f6hten Zufluss aus der Wilden Gera verbessert. Uferrandstreifen schaffen neue Biotope und bilden eine wichtige Pufferzone zu haupts\u00e4chlich ackerbaulich genutzten Auen. Durch die mit der Reaktivierung der Wasserkraftanlagen verbundene Wiederherstellung der Gew\u00e4sserdurchg\u00e4n-gigkeit f\u00fcr Fische und Benthosorganismen werden die der Mahlgera seitlich zuflie\u00dfenden Gew\u00e4sser an das Flie\u00dfgew\u00e4ssersystem angeschlossen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>B\u00fcrgerbeteiligung und beh\u00f6rdliche Koordination:<br \/>\n22. Februar 2001: Vorstellung der Vorplanung und Vorstudie, Verwaltungsgemeinschaft Geraaue, Gebe-see<br \/>\nVortr\u00e4ge und Ver\u00f6ffentlichungen:<br \/>\nJahreshauptversammlung der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr M\u00fchlenkunde, 6.-8. Juni 1997 in Gemen T\u00f6nsmann, F.; Sch\u00f6tz, D. und Trostdorf, F.: Reaktivierung der Wasserkraft am Beispiel der Mahlgera\/ Th\u00fcringen.<br \/>\nZweites Anwenderforum Kleinwasserkraft des Ostbayerischen Technologie-Kollegs (OTTI), 1999 in Passau<br \/>\nT\u00f6nsmann, F.; Sch\u00f6tz, D.; und Trostdorf, F. Reaktivierung von Kleinstwasserkraftanlagen an der Mahlgera (Th\u00fcringen).<br \/>\nSauerwein, B,; Sch\u00f6tz D.; T\u00f6nsmann, F. und Trostdorf, F.: 2001: Reaktivierung von ehemaligen Kleinstwasserkraftanlagen an der Mahlgera in Th\u00fcringen. Wasserkraft &#038; Energie 1\/01: 47-64. Moritz Sch\u00e4fer Verlag. Detmold.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Vorstudie zeigte, dass die Reaktivierung der Wasserkraftnutzung an der Mahlgera hart an der Grenze der Wirtschaftlichkeit liegt. Die F\u00f6rderung der Sanierung des Gerawehres und des Baus von Fisch-p\u00e4ssen an den einzelnen Anlagen ist Voraussetzung f\u00fcr die Umsetzung des Projektes und damit f\u00fcr eine m\u00f6gliche \u00f6kologische Aufwertung der Mahlgera und ihres Uferbereiches sowie der ihr zuflie\u00dfenden Gew\u00e4sser. Die Bestanderhebung zum Biomonitoring zeigte, dass durch die Reaktivierung der Mahlgera der M\u00fchlgraben wiederbelegt werden kann. Obgleich die positive \u00f6kologische Wirkung auf den Nahbereich des Gew\u00e4ssers beschr\u00e4nkt ist, entsteht eine Aufwertung durch eine Verbesserung der Gew\u00e4sserg\u00fcte und der Gew\u00e4sserstrukturg\u00fcte, durch die Entwicklung von Saumbiotopen im Uferrandstreifen sowie durch die m\u00f6gliche Wiederherstellung des Gew\u00e4sserkontinuums (Durchg\u00e4ngigkeit f\u00fcr Gew\u00e4sserorganismen). Das Projekt mit seinen sechs reaktivierbaren Wasserkraftanlagen und seinem 15 km langen M\u00fchlgraben ist durch \u00f6kologische und bauliche Eigenarten gekennzeichnet, die zahlreiche M\u00f6glichkeiten bieten, Ergebnisse eines weiteren Biomonitorings beispielhaft auf andere Reaktivierungsprojekte zu \u00fcbertragen. Beispielsweise wird angesichts unterschiedlicher lokaler Bedingungen die Gew\u00e4sserdurchg\u00e4ngigkeit durch verschiedene bauliche L\u00f6sungen erreicht werden, wodurch die M\u00f6glichkeit besteht, deren \u00f6kologische Effektivit\u00e4t vergleichend zu untersuchen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens N\u00f6rdlich von Erfurt teilt sich die Gera an einem Wehr in zwei Arme, in die Mahlgera und in die Wilde Gera. An der Mahlgera wurde seit \u00fcber 500 Jahren die Wasserkraft genutzt. Zuletzt arbeiteten hier in einer Kaskade 11 Getreide- und \u00d6lm\u00fchlen mit jeweils etwa 20 &#8211; 30 kW Ausbauleistung. 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