{"id":20304,"date":"2025-06-27T10:32:05","date_gmt":"2025-06-27T08:32:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/12469-01\/"},"modified":"2025-06-27T10:32:05","modified_gmt":"2025-06-27T08:32:05","slug":"12469-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/12469-01\/","title":{"rendered":"Modellvorhaben Koordinierte wissenschaftliche Untersuchungen und Analysen an vier national wertvollen umweltgesch\u00e4digten Parkanlagen in Mecklenburg-Vorpommern"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>In Mecklenburg-Vorpommern gibt es ca. 1.200 Parkanlagen. Davon sind ca. 50 % denkmalgesch\u00fctzt. In dem \u00fcberwiegenden Teil dieser Anlagen f\u00e4llt ein schlechter Zustand und eine Ver\u00e4nderung der Originalsubstanz und Raumstruktur durch dramatische Umweltsch\u00e4den auf. Durch eine unterlassene Parkpflege konnten sich im Laufe mehrerer Jahrzehnte Lebensr\u00e4ume von Tier- und Pflanzenarten herausbilden.<br \/>\nUm bei der Wiederherstellung von f\u00fcnf national bedeutsamen Parkanlagen (Landschaftspark Putbus\/R\u00fcgen; Wallanlagen und Stadtwald der Hansestadt Stralsund; Schlossparks Remplin und Ulrichshusen; Gutspark G\u00fctzkow) Umweltsch\u00e4den zu beseitigen und die Belange des Naturschutzes und der Denkmalpflege gleichrangig zu ber\u00fccksichtigen, wurde das o.g. Modellvorhaben realisiert und im Rahmen des sogenannten Landesparkprogramms umgesetzt.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie Methodik klingt nahezu lehrbuchartig: Zur Umsetzung der o.g. Zielsetzungen sind zun\u00e4chst vier Parkanlagen 1994 genau vermessen worden. Danach wurde eine gutachterliche Bestandsaufnahme und Dokumentation sowie Analyse der Originalsubstanz (Erarbeitung von Leitkonzepten) vorgenommen. Im Ergebnis sind die zusammengetragenen Zeitdokumente mit der noch vorhandenen Originalsubstanz verglichen und ein Ma\u00dfnahmekatalog erarbeitet worden. Die Bestandsaufnahme aus naturschutzfachlicher Sicht beinhaltete zudem eine gutachterliche Erfassung und Bewertung einzelner Tiergruppen (V\u00f6gel, Tag- und Nachtfalter, K\u00e4fer) sowie der Baum-, Strauch- und Krautschicht. Diese Bestandsaufnahmen wurden durch Baumgutachten zu einer Vielzahl von Altb\u00e4umen vervollst\u00e4ndigt. Nach Vorlage, Einsichtnahme und Diskussion sind die o.g. Gutachten als Arbeitsgrundlage durch die beteiligten Beh\u00f6rden und Eigent\u00fcmer 1996 best\u00e4tigt worden. Im Rahmen des o.g. Modellvorhabens begannen ab 1997 die tats\u00e4chlichen Wiederherstellungsma\u00dfnahmen. 1997 kam der Park Ulrichshusen als f\u00fcnfte Anlage hinzu.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>1.\tLandschaftspark Putbus: Insgesamt konnten etwa 4.500 m3 Schutt und F\u00fcllboden aus dem Park beseitigt werden. Gleichzeitig wurde die Vern\u00e4ssung alter Eichenstandorte durch starkes Hangdruck-wasser und Schmutzwasser unterbunden. Sichtachsen zum R\u00fcgischen Bodden wurden wiederhergestellt. Baumpflegema\u00dfnahmen im Trauf-, Stamm- und\/oder Kronenbereich erfolgten an etwa 150 dendrologisch wertvollen Alt-B\u00e4umen. Die Bedeutung des Alt- und Totholzes im Park hat gro\u00dfen Einfluss auf die Vogel- und Insektenarten: Von den insgesamt 43 im Park kartierten Brutvogelarten sind 50 % H\u00f6hlenbr\u00fcter; zwei der seltenen Holzk\u00e4ferarten wurden erstmals f\u00fcr Mecklenburg-Vorpommern nachgewiesen  (Uloma culinaris und Ctesias serra).<\/p>\n<p>2.\tWallanlagen und Stadtwald der Hansestadt Stralsund: Die Wiederherstellungsma\u00dfnahmen konzentrierten sich auf die historisch wertvollen Wallanlagen. So wurde die Feldsteinmauer an der n\u00f6rdlichen K\u00fcterbastion einschlie\u00dflich der historischen Treppe und des Gehweges wiederhergestellt. Mit der Wiederherstellung der historischen Garten- und Parkanlage Wulflamufer wurde begonnen. Natur-schutzfachliche Ma\u00dfnahmen (z.B. F\u00f6rderung seltener Baumarten) sollen im Stadtwald in den kommenden Jahren durchgef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>3.\tSchlosspark Remplin: Im Rahmen von Ma\u00dfnahmen wurden der Schwanenteich, der Lange Kanal und der Breite Kanal wiederhergestellt. Dadurch ist es gelungen, das parkpr\u00e4gende Element des Wassers wieder st\u00e4rker im Park aufleben zu lassen. Dies kam auch dem vorwiegend alten Baumbestand im Park zugute. Im Ergebnis der faunistischen Erhebungen ist bemerkenswert, dass in dem nur etwa 9 ha gro\u00dfen Park 163 K\u00e4ferarten nachgewiesen wurden, wobei davon 63 Arten Holzbewohner sind; darunter z.B. auch der in Mecklenburg-Vorpommern im Bestand als stark gef\u00e4hrdet geltende Kleine Eichenbock (Cerambyx  scopoli). Unter den 118 kartierten Nachtschmetterlingen wurden ebenfalls mehrere seltene Arten nachgewiesen, die entweder an alten Laubb\u00e4umen oder an Schilf gebunden sind. Dazu z\u00e4hlt z.B. die kleine Spannerart Eupithecia egenaria. Von den 44 beobachteten Vogelarten br\u00fcten 29 im Park, darunter die f\u00fcr Mecklenburg-Vorpommern als gef\u00e4hrdet eingestufte Art Dendrocopos medius (Mittelspecht). Aufgrund der Vielfalt der an Alt- und Totholz gebundenen und nachgewiesenen Arten erfolgten bis lang keine gr\u00f6\u00dferen Baumpflegema\u00dfnahmen an Altb\u00e4umen. Bemerkenswert ist das Vorkommen der in der Bundesrepublik Deutschland seltenen Pflanze Geranium phaeum (Brauner Storchschnabel).<\/p>\n<p>4.\tSchlosspark Ulrichshusen: Im Park hatten Ma\u00dfnahmen der Denkmalpflege Vorrang, um den Charakter der einzigen in Mecklenburg-Vorpommern noch relativ gut im Original erhaltenen Renaissance-Wasserschlossanlage zu festigen. So wurden alle Teichanlagen im Park wiederhergestellt. Aus naturschutzfachlicher Sicht erfolgte die Neuanpflanzung einer Ebereschenallee. Die Eberesche z\u00e4hlt in Mecklenburg-Vorpommern zu den seltenen Alleebaumarten.<\/p>\n<p>5.\tGutspark G\u00fctzkow (bei Altentreptow): Mit der Wiederherstellung der Teichanlagen wurde begonnen. Allein aus einem Uferbereich wurden bisher 1.970 m3 Bauschutt und Hausbrandasche beseitigt. Mehrere Pflegema\u00dfnahmen wurden an den Altb\u00e4umen in den Alleen durchgef\u00fchrt wie z.B. der Einbau von Kronensicherungssystemen in den Lindenalleen. Eine etwa 120-150 Jahre alte Hainbuchenhecke wurde gepflegt. Bemerkenswert ist aus naturschutzfachlicher Sicht, dass in dem nur 5 ha gro\u00dfen Park 165 Gef\u00e4\u00dfpflanzenarten nachgewiesen wurden.<\/p>\n<p>Das o.g. Modellvorhaben hat im Rahmen des Landesparkprogramms dazu beigetragen, dass sich eine Zusammenarbeit zwischen den Denkmalpflege- und Naturschutzbeh\u00f6rden unter Einbeziehung bzw. Mitfinanzierung der Eigent\u00fcmer entwickeln konnte. Modellhaft war an dem o.g. Projekt, dass eine fach\u00fcbergreifende Zusammenarbeit stattfand und diese zur Beseitigung von Umweltsch\u00e4den und zur Erhaltung von f\u00fcnf national bedeutsamen Parkanlagen unter Ber\u00fccksichtigung der Belange Naturschutz\/Denkmalpflege beigetragen hat.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Der Verlauf und die Ergebnisse des Landesparkprogramms einschlie\u00dflich des o.g. Modellvorhabens werden im Rahmen einer Ausstellung der \u00d6ffentlichkeit pr\u00e4sentiert. Soweit dies die Ausstellungstafeln f\u00fcr den Schlosspark Putbus betrifft, erfolgte eine erste Pr\u00e4sentation bereits am 23. Mai 2002 in Putbus. Die Ausstellungstafeln zu den anderen vier Anlagen soll noch bis Ende 2002 fertiggestellt werden.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Es hat sich gezeigt, dass die Umsetzung einzelner Ma\u00dfnahmen mehr Zeit in Anspruch nimmt als urspr\u00fcnglich angenommen wurde. Dies hat vor allem finanzielle Ursachen. Trotz der finanziellen Engp\u00e4sse sollte es Ziel sein, das Programm in zwei oder drei neuen Anlagen fortzuf\u00fchren. Gleichzeitig muss die \u00d6ffentlichkeit \u00fcber die denkmalpflegerische und naturschutzfachliche Bedeutung der historischen Parkanlagen weiter sensibilisiert werden. Langfristiges Ziel sollte es zudem sein, einen Prozess in der Gesellschaft zu f\u00f6rdern, bei dem die Erhaltung und Pflege historischer Parkanlagen zu einem kulturellen Grundbed\u00fcrfnis wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens In Mecklenburg-Vorpommern gibt es ca. 1.200 Parkanlagen. Davon sind ca. 50 % denkmalgesch\u00fctzt. In dem \u00fcberwiegenden Teil dieser Anlagen f\u00e4llt ein schlechter Zustand und eine Ver\u00e4nderung der Originalsubstanz und Raumstruktur durch dramatische Umweltsch\u00e4den auf. 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