{"id":20303,"date":"2023-07-13T15:15:09","date_gmt":"2023-07-13T13:15:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/12134-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:15:10","modified_gmt":"2023-07-13T13:15:10","slug":"12134-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/12134-01\/","title":{"rendered":"Modellhafte Untersuchungen zur Bewertung von bausch\u00e4dlichen und gesundheitsgef\u00e4hrdenden Substanzen am Sandstein des historisch bedeutsamen Krematoriums in Gotha"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Untersuchung verschiedener Bauteile aus Sandstein (Sockel, S\u00e4ulen, Giebel) sowie aus Glas und Stahl (Kolumbarium) zur Schadstoffbelastung durch den Kremationsbetrieb und infolge Feuchtebelastung (Salztransport im Mauerwerk), Untersuchung der vorhandenen Oberfl\u00e4chenbildungen wie Krusten, Schalen, Staubablagerungen, Auswahl verschiedener Sanierungsvarianten f\u00fcr Steinkonservierung an Musterachsen und Erg\u00e4nzung von Fehlstellen, Ableitung von Aussagen zur Entsorgung des belasteten Materials sowie Ma\u00dfnahmen zum Gesundheitsschutz bei den Sanierungsarbeiten, Ableitung von M\u00f6glichkeiten der Nachnutzung der Ergebnisse bei der Sanierung anderer Krematorien.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenZun\u00e4chst wurde die vorherrschende Situation des Objektes erfasst und bewertet. Dazu wurden die angetroffenen Schadbilder in den Teilbereichen des Krematoriums aufgenommen. Es wurden begleitend stichprobenartige Untersuchungen zur Situation des Sockelmauerwerkes hinter der Kalksteinverkleidung, zur Gr\u00fcndung des Sockelmauerwerkes und zur Situation der Wasserf\u00fchrung im Dachbereich vorgenommen. Zur Sondierung der grundlegenden Belastungssituation wurden Ausbl\u00fchungen und Oberfl\u00e4chenbildungen im Sockelbereich und im Bereich des Dachgesimses r\u00f6ntgendiffraktometrisch untersucht. Aufgrund der gewonnenen Hineise ist die Situation der Feuchte- und Salzbelastung in ausgesuchten Bereichen des Sockelmauerwerkes und unmittelbar dar\u00fcber ermittelt worden. Die Untersuchung erfolgten mittels chemischer Analyse und Leitf\u00e4higkeitsmessungen. Es wurde auch die stoffliche Problematik der Feuerbestattung recherchiert sowie Grenz- und Richtwerte f\u00fcr den Betrieb von Krematorien zusammengestellt. Die Ergebnisse der Untersuchung anorganischer und organischer Spurenstoffe in St\u00e4uben und Anlagerungen wurden bez\u00fcglich ihrer Exposition am Objekt bewertet. Im Ergebnis der Untersuchungen wurde entsprechend der Belastungssituation ein speziell angepasstes M\u00f6rtelsystem zur Erg\u00e4nzung und Verfugung der Natursteinbereiche erstellt werden. Die Materialien wurden im Sockelbereich \u00fcber eine Winterperiode erprobt. Begleitende Untersuchungen zur Wirksamkeit von Entsalzungsma\u00dfnahmen an Ziegelmauerwerk, zur Salzbelastung des Au\u00dfenputzes sowie mikroskopische Untersuchung zum Putz-aufbau geben weitere Hinweise f\u00fcr Sanierungsma\u00dfnahmen der Putzbereiche des Krematoriums .<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Es wurden die vorherrschenden Schadbilder, welche auf Umwelteinfl\u00fcsse zur\u00fcckzuf\u00fchren sind sowie Sch\u00e4den infolge fr\u00fcherer Ma\u00dfnahmen zur Sanierung erfasst. Es treten Sch\u00e4den infolge Feuchte und Salzbelastungen auf, die sich als Putz- und Farbabplatzungen \u00e4u\u00dfern k\u00f6nnen. Am freigelegten Natursteinsockel fehlen Gesimsteile vollst\u00e4ndig. Andere Sandsteinelemente waren stark besch\u00e4digt. Der Erhaltungszustand der originalen Oberfl\u00e4chenstrukturen der Sandsteine ist qualit\u00e4tsbedingt unterschiedlich. Im erdber\u00fchrten Bereich des Mauerwerkes sind starke Durchfeuchtungen vorhanden. Hinweise auf vertikale und \/ oder horizontale Absperrungen des Mauerwerkes wurden nicht gefunden. Die Ursachen f\u00fcr den hohen Feuchtegehalt im erdber\u00fchrten Bereich und im Sockelbereich des Krematoriums werden u.a. auf die zum damaligen Zeitpunkt vorherrschende Situation der Dachentw\u00e4sserung zur\u00fcckgef\u00fchrt. R\u00f6ntgendiffraktometrische Untersuchungen der Oberfl\u00e4chenbildungen der Natursteine ergaben, dass es sich \u00fcberwiegend um Gipsanlagerungen mit absandenden Steinresten handelt. Im Kontakt mit dem Verlegem\u00f6rtel der Muschelkalkverkleidung hat sich aus dem Gips und Alkalien des Zementes h\u00e4ufig Thenardit oder auch Sygenit gebildet. In der N\u00e4he von Wegen oder Eing\u00e4ngen finden sich Reste von Auftausalzen. In Einzelproben sind auch Anteile von nitrathaltigen Salzen und eventuell auch Phosphate enthalten. Diese k\u00f6nnen R\u00fcckst\u00e4nde aus der Verbrennung sein, da die Probenahmestellen in Einflussbe-reich der Abgasfahne der Schornsteines liegen. Auch im Gesimsbereich ist die Belastung durch Nitrate gering und lokal begrenzt. Diese k\u00f6nnen hier m\u00f6glicherweise durch Algenbewuchs oder durch Exkremente von Tieren angereichert worden sein. Andere Quellen sind jedoch nicht auszuschlie\u00dfen. Die Untersuchungen zur Feuchtebelastungen im Sockelmauerwerk und dem Wandbereich oberhalb zeigten expositionsbedingte Abh\u00e4ngigkeiten der Feuchtegehalte. Die Feuchtigkeitsprofile nehmen tendenziell von der Oberfl\u00e4che in tiefere Mauerwerksbereiche ab. Anhand der Leitf\u00e4higkeiten in Eluaten der Proben von M\u00f6rteln und Gesteinen, wird auf geringe bis mittlere Gehalte bausch\u00e4digender Salze im Sockelmauerwerk der beprobten Bereichen geschlossen. \u00dcber den Mauerwerksquerschnitt wurden besonders in oberfl\u00e4chennahen Bereichen die vergleichbar h\u00f6chsten Gehalte bausch\u00e4digender Salze festgestellt. Ten-denziell nehmen die Gehalte mit zunehmender Mauerwerkstiefe ab. Der Einfluss der spezifischen Belas-tung der Umwelt bez\u00fcglich des Abgasaussto\u00dfes des Krematoriums in der Vergangenheit wurde an den Gehalten anorganischer und organischer Spurenstoffe in St\u00e4uben und Oberfl\u00e4chenbildungen bewertet. Es wurden Grenzwert\u00fcberschreitungen festgestellt, die aber lokal begrenzt sind und sich auch auf andere Ursachen schlie\u00dfen lassen. Aufbauend auf den Ergebnissen der Untersuchungen wurde ein angepasstes M\u00f6rtelsystem zur Erg\u00e4nzung von Fehlstellen erstellt. Der Vergleich der Kennwerte der Natursteine und des Steinerg\u00e4nzungsm\u00f6rtels zeigte, dass keine Unvertr\u00e4glichkeiten der Materialien zu erwarten sind. Als M\u00f6rtel zur Verfugung der Natursteine ist ebenfalls eine angepasste Rezepturvariante als Baustellenmischung anzuwenden. Der M\u00f6rtel ist als sulfatbest\u00e4ndig einzustufen. Musterfl\u00e4chen der Materialien wurden im \u00f6stlich exponierten Bereich der Leichenhalle angelegt. Eine Bewertung der Qualit\u00e4t der Erg\u00e4nzungsm\u00f6rtel erfolgte in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden. Es wurde festgelegt, welche der erprobten Re-zepturen zu verwenden sind. Aufgrund der doch massiven Sch\u00e4digungen der weiterhin freigelegten Sockelbereiche ist fast ausschlie\u00dflich den Austausch der Natursteine durch Neuteile vorzunehmen. Die noch erhaltenen Originalteile werden mit Steinerg\u00e4nzungsm\u00f6rtel erg\u00e4nzt. Flankierende Ma\u00dfnahmen, die durchgef\u00fchrt wurden sind die vertikale Abdichtung des Mauerwerkes im erdber\u00fchrten Bereich gegen Si-ckerwasser und Verlegung einer Drainage sowie die Kontrolle und teilweise Neueinbindung der Dachentw\u00e4sserung in die Kanalisation. Im Rahmen der begleitenden Untersuchungen an den Putzfassaden wurde festgestellt, dass Kompressenentsalzung zur Reduktion bausch\u00e4dlicher Salze im Ziegelmauerwerk unter diesen Voraussetzungen keine Wirksamkeit zeigte. In ausgew\u00e4hlten Putzproben wurden Gipsanreicherungen im oberfl\u00e4chennahen Bereich sowie erh\u00f6hte Nitrat- und Chloridgehalte ermittelt. Mikroskopische Untersuchungen an D\u00fcnnschliffen ausgew\u00e4hlter Putzproben geben Hinweise auf den originalen Zustand historischer Putze bez\u00fcglich ihres Schichtenaufbaues und evtl. Sch\u00e4digungen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Ergebnisse der Untersuchungen sollen am 08.02.2001 in einer Vortragsveranstaltung in Gotha Interessenten aus dem Territorium vorgestellt werden.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Untersuchungen zeigten, dass kein massiver Einfluss des Betriebes der Kremierungsanlage auf Schadstoffanreicherungen Oberfl\u00e4chenbildungen der Natursteinoberfl\u00e4chen nachgewiesen werden kann, der erh\u00f6hte Anforderungen bez\u00fcglich des Arbeitsschutzes und der Entsorgung von Reinigungsg\u00fctern ect. zur Folge haben k\u00f6nnte. Basierend auf den Ergebnissen entstand ein Konzept zur Sanierung der Natursteinbereiche des Krematoriums. Dieses Konzept wurde bereits im Rahmen dieses Projektes an einer Musterfl\u00e4che umgesetzt. Die Ergebnisse begleitender Untersuchungen bez\u00fcglich der \u00dcberarbeitung der Putzfl\u00e4chen flossen ebenfalls in die Arbeiten ein, sodass der Portalbereich der Leichenhalle als Gesamtheit wiederhergestellt werden kann. Die Ergebnisse k\u00f6nnen f\u00fcr weitere Sanierungsabschnitte genutzt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Untersuchung verschiedener Bauteile aus Sandstein (Sockel, S\u00e4ulen, Giebel) sowie aus Glas und Stahl (Kolumbarium) zur Schadstoffbelastung durch den Kremationsbetrieb und infolge Feuchtebelastung (Salztransport im Mauerwerk), Untersuchung der vorhandenen Oberfl\u00e4chenbildungen wie Krusten, Schalen, Staubablagerungen, Auswahl verschiedener Sanierungsvarianten f\u00fcr Steinkonservierung an Musterachsen und Erg\u00e4nzung von Fehlstellen, Ableitung von Aussagen zur Entsorgung des [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"template":"","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[47,2425,51,71,52,53],"class_list":["post-20303","projektdatenbank","type-projektdatenbank","status-publish","hentry","tag-klimaschutz","tag-kulturgueter","tag-ressourcenschonung","tag-thueringen","tag-umweltforschung","tag-umwelttechnik"],"meta_box":{"dbu_projektdatenbank_az_ges":"12134\/01","dbu_projektdatenbank_medien":"","dbu_projektdatenbank_pdfdatei":"A-12134.pdf","dbu_projektdatenbank_bsumme":"66.467,94","dbu_projektdatenbank_firma":"Stadt Gotha","dbu_projektdatenbank_strasse":"","dbu_projektdatenbank_plz_str":"99852","dbu_projektdatenbank_ort_str":"Gotha","dbu_projektdatenbank_p_von":"1997-09-03 00:00:00","dbu_projektdatenbank_p_bis":"2001-03-02 00:00:00","dbu_projektdatenbank_laufzeit":"3 Jahre und 6 Monate","dbu_projektdatenbank_telefon":"03621\/222-109","dbu_projektdatenbank_inet":"","dbu_projektdatenbank_bundesland":"Th\u00fcringen","dbu_projektdatenbank_foerderber":"19","dbu_projektdatenbank_ab_bericht":"","dbu_projektdatenbank_ist_nachbewilligung_von":"","dbu_projektdatenbank_hat_nachbewilligung":"","dbu_headerimage_cover":"","dbu_submenu":"","dbu_submenu_position":"","dbu_submenu_entry":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/20303","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/projektdatenbank"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/20303\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":33306,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/20303\/revisions\/33306"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=20303"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=20303"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=20303"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}