{"id":20287,"date":"2023-07-13T15:15:05","date_gmt":"2023-07-13T13:15:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/12068-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:15:07","modified_gmt":"2023-07-13T13:15:07","slug":"12068-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/12068-01\/","title":{"rendered":"Wasser und andere Umweltleistungen: Multilaterale Kooperation in der Wassergewinnungsregion Nord-Hannover (Fuhrberger Feld); Modellhafte Entwicklung und Erprobung eines integrierten Schutzgebietsmanagements unter dem Primat des Trinkwasserschutzes"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Die Bodennutzung im Wassergewinnungsgebiet Fuhrberger Feld hat Auswirkungen auf die Wasserqualit\u00e4t. Folgende Problembereiche wirken in ihrer Kombination nachteilig und m\u00fcssen verbessert werden:<br \/>\n1.\tMangelnde Effizienz: Die Kombination aus Beratung und Pr\u00e4mien reicht nicht aus, um den gew\u00fcnschten Erfolg zu erzielen.<br \/>\n2.\tMotivationsdefizite: Die bisherige Regulierungspraxis motiviert die Landwirte nicht, tats\u00e4chlich Umweltleistungen zu erbringen.<br \/>\n3.\tUnzureichende Ausnutzung von Synergieeffekten: M\u00f6glichkeiten f\u00fcr multifunktionale Ma\u00dfnahmen werden nicht ausreichend wahrgenommen.<br \/>\n4.\tMangelnde Transparenz: Die Zusammenh\u00e4nge zwischen den jeweiligen Formen der Landnutzung und der Grundwasserbeschaffenheit ist zu wenig nachvollziehbar.<br \/>\n5.\tUnzureichende Partizipation: gegenw\u00e4rtig werden fast ausschlie\u00dflich Land-\/ und Forstwirtschaft beteiligt<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie Aktivit\u00e4ten der Wasserwirtschaft, der Land- und Forstwirtschaft, des Umwelt- und Naturschutzes sollen koordiniert und aufeinander abgestimmt werden. Dadurch sollen Synergieeffekte zwischen den verschiedenen Nutzungsinteressen im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung ausgesch\u00f6pft werden.<br \/>\n&#8211;\tEntwicklung von Zielkonzepten: Gemeinsame Ziele aus Sicht der verschiedenen Nutzungsinteressen zusammengetragen und Entwicklung von Gestaltungsspielr\u00e4umen, um diese Ziele zu erreichen.<br \/>\n&#8211;\tHonorierung von Umweltleistungen: Erg\u00e4nzung bestehender Honorierungsmodelle f\u00fcr Umweltleistungen zur Erh\u00f6hung der Motivation zur Teilnahme an freiwilligen Ma\u00dfnahmen und zur Verbesserung des Images und der Akzeptanz land- und forstwirtschaftlicher Nutzungen im Wasserschutzgebiet.<br \/>\n&#8211;\tEinrichtung eines Finanzierungspools: Instrument bzw. Organisationsform zur B\u00fcndelung unterschiedlicher Finanzquellen.<br \/>\n&#8211;\tAufbau einer Informations- und Steuerungsplattform: Planungshilfe, Steuerungsinstrument und Kommunikationsmedium (GIS, Internet).<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Entwicklung von Zielen<br \/>\nF\u00fcr das Fuhrberger Feld wurden die Ziele der Wassergewinnung, des Naturschutzes und der Landwirtschaft herausgearbeitet. Die Wassergewinnung ben\u00f6tigt Ma\u00dfnahmenpriorit\u00e4ten f\u00fcr die Erreichung konkreter Ziele bei der Grundwasserqualit\u00e4t, die auf einzelne Teileinzugsgebiete heruntergebrochen und dabei drei Anspruchsniveaus zugeordnet werden. Die Ziele des Naturschutzes aus Landschaftspl\u00e4nen und Gutachten wurden um das Biotopentwicklungspotential erg\u00e4nzt und zu einem umfangreichen digitalen Karten- und Informationsangebot zusammengefasst. Die Ziele der Landwirtschaft wurden nach den Vorstellungen der im Gebiet wirtschaftender Landwirte herausgearbeitet: verst\u00e4rkte Lenkung von Kompensationsma\u00dfnahmen auf Forstfl\u00e4chen, Unterst\u00fctzung bei einer rentablen Gr\u00fcnlandnutzung die Bereitschaft, im Rahmen freiwilliger Ma\u00dfnahmen u.a. Acker in Gr\u00fcnland umzuwandeln, wenn eine R\u00fcckumwandlung m\u00f6glich bleibt. Finanzielle Mittel und neue Instrumente sollten Zukunft vor allem auf den Erhalt von Gr\u00fcnland konzentriert werden.<br \/>\nSteuerungs- und Kommunikationsplattform<br \/>\nDie Plattform besteht aus drei physikalisch getrennten Komponenten:<br \/>\n1) Eine f\u00fcr Fachanwender konzipierte GIS-basierte Fachinformationsplattform, in der Daten und Ergebnisse von Grundwassermodellierungen und Landnutzungsinformationen zusammengef\u00fchrt wurden.<br \/>\n2) Eine internetbasierte Kommunika-tionsplattform, die am 22. M\u00e4rz 2002 \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich ins Netz gestellt wurde. Sie ist seither \u00fcber die Adresse www.fuhrberger-feld.de erreichbar, die Tr\u00e4gerplattform liegt unter www.waterclick.de. Die aktuel-len Inhalte k\u00f6nnen im Internet eingesehen werden.<br \/>\n3) Ein Interaktives Prognoseverfahren Fl\u00e4chenmanagement und Rohwasserqualit\u00e4t (Nicomat): Das pragmatische, umsetzungsorientierte Simulations- und Prognoseverfahren visualisiert interaktiv die Zusammenh\u00e4nge zwischen Fl\u00e4chenmanagement und Rohwasserqualit\u00e4t in Raum und Zeit.<br \/>\nDer Endanwender nutzt dabei ein speziell vorbereitetes Tabellenkalkulationsblatt, das im Hintergrund auf Ergebnisdaten der Grundwassermodellierung und der Fachinformationsplattform zugreift.<br \/>\nHonorierung \u00f6kologischer Leistungen<br \/>\nNeben einer Analyse von Kombinationen unterschiedlicher Finanzierungsinstrumente (F\u00f6rderprogramme &#8211; Eingriffsregelung) zum Zwecke des Grundwasserschutzes wurde insbesondere die ergebnisorientierte Honorierung von arten- bzw. bl\u00fctenreichem Gr\u00fcnland mit 7 Landwirten auf 86 ha praktisch erprobt. Sie ist  sehr positiv angenommen worden und konnte mit Unterst\u00fctzung der Nieders\u00e4chsischen Umweltstiftung fortgef\u00fchrt werden. Im Rahmen einer Diplomarbeit wurde die bisherige F\u00f6rderpraxis zwei neuen Honorie-rungsmodellen f\u00fcr Umweltleistungen gegen\u00fcbergestellt. Zum diesem Themenkomplex Finanzierungspool wurde ein Vorschlag f\u00fcr die Aufgaben und die Organisation einer neuen Institution der Wasser- und Landschaftsagentur entwickelt, deren Hauptaufgaben in der gezielten Nutzung des F\u00f6rdermittelmarktes, im Ma\u00dfnahmenmanagement und in der \u00d6ffentlichkeitsarbeit gesehen wird.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Dem partizipativen Projektansatz entsprechend wurden die lokalen Akteure der Region umfassend in die Entwicklungs- und Entscheidungsprozesse einbezogen. Dies erfolgte im wesentlichen durch die Bildung von Arbeitskreisen, die Integration der Projektergebnisse in die laufende Kooperationsarbeit, durch die Einbeziehung der Akteure in die zweimal abgehaltenen Regionalen Wassertage sowie durch zahlreiche informelle Gespr\u00e4che. Anfang 2002 wurden diese Aktivit\u00e4ten durch Initiative der Projektpartner und der Bezirksregierung Hannover zum Gespr\u00e4chskreis Multilaterale Kooperation weiterentwickelt. Anfang Dezember wurden die Projektergebnisse im Zentrum f\u00fcr Umweltkommunikation der DBU in Osnabr\u00fcck einem erweiterten Interessentenkreis vorgestellt. Der Abschlussbericht wird auf Fuhrberger-Feld.de zum download bereitgestellt.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Das Oberziel, ein ganzheitliches (integriertes) Schutzgebietsmanagement zu induzieren, wurde erreicht. Die Beteiligung der regionalen Akteure wird als Multilaterale Kooperation weitergef\u00fchrt. Mit dem vorhandenen Datenpool werden in Zukunft z. B. im Rahmen der Eingriffsregelung Kompensationsma\u00dfnahmen zu beiderseitigem Nutzen (Grundwasserschutz und Naturschutz) durchgef\u00fchrt.<br \/>\nDie Zusammenarbeit zwischen Naturschutz und Wassergewinnung in der erprobten Form ist neu. F\u00fcr die  Grundwasserschutz-<br \/>\nkoordination wurden bereits vorhandene Ideen erweitert, verst\u00e4rkt und konkretisiert. Sie konnten au\u00dferdem in einer verbesserten Arbeitsatmosph\u00e4re sehr viel schneller realisiert werden, als dies ohne das Projekt der Fall gewesen w\u00e4re. Au\u00dferdem hat das Projekt den Realisierungszeitraum erheblich abgek\u00fcrzt und auch unter Ber\u00fccksichtigung der bisher noch nicht umgesetzten Teilergebnisse den Grundstein daf\u00fcr gelegt, dass sich sowohl nach dem top-down- (Treibende Kraft) als auch nach dem bottom-up Prinzip (Beteiligung der lokalen Akteure) ein integriertes Schutzgebietsmanagement entwickeln kann. Dabei sind die Faktoren Geduld und Beharrlichkeit zwei wichtige Erfolgskriterien.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Die Bodennutzung im Wassergewinnungsgebiet Fuhrberger Feld hat Auswirkungen auf die Wasserqualit\u00e4t. Folgende Problembereiche wirken in ihrer Kombination nachteilig und m\u00fcssen verbessert werden: 1. Mangelnde Effizienz: Die Kombination aus Beratung und Pr\u00e4mien reicht nicht aus, um den gew\u00fcnschten Erfolg zu erzielen. 2. 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