{"id":20258,"date":"2023-07-13T15:10:30","date_gmt":"2023-07-13T13:10:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/04936-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:10:31","modified_gmt":"2023-07-13T13:10:31","slug":"04936-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/04936-01\/","title":{"rendered":"Reduzierung und kontinuierliche Quantifizierung der Ammoniak- und Lachgasemissionen in geschlossenen H\u00e4hnchenmastst\u00e4llen durch Konditionierung des Kot\/Einstreugemisches und Multigasmonitoring"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Die aus der Mastgefl\u00fcgelproduktion im Raum Weser-Ems resultierenden Ammoniakemissionen tragen erheblich zur Belastung der \u00d6kosysteme bei. Mit der in situ-Einstreubel\u00fcftung kann ein innovatives Verfahren in die Praxis Eingang finden, das auf dem Vermeidungsprinzip basiert (Vermeidung der enzymatischen Abspaltung von Ammoniak aus Harns\u00e4ure) und nach niederl\u00e4ndischen Untersuchungen eine erhebliche Ammoniak-Emissionsminderung bewirken soll. Es gilt allerdings zu pr\u00fcfen, ob im Gegensatz hierzu nicht die Emissionen an klimarelevanten Gasen, wie z.B. Lachgas (N2O) zunehmen.<br \/>\nZiel dieses Vorhabens ist es, in Bezug auf die Spurengase Ammoniak und Lachgas, den Umfang der Emissionsminderung im Vergleich zur konventionellen Haltungstechnik zu erfassen. Zur Einordnung und Bewertung des Systems sollen Daten zu betriebswirtschaftlich relevanten Faktoren, wie z.B. Energiekosten, Mastleistung und Tiergesundheit, erfa\u00dft werden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenIn einer Vorbereitungsphase von Mai 95 bis August 95 wurde die Genehmigung nach BImSchG eingeholt, die Einstreubel\u00fcftung installiert und die Stallabteile l\u00fcftungstechnisch entsprechend den Vorgaben der Genehmigungsbeh\u00f6rde modifiziert. Nach einigen Vorversuchen schlo\u00df sich ein einj\u00e4hriger Me\u00dfzeitraum an, der im Dezember 1996 endete. Es wurden folgende Parameter gemessen: Abluftvolumenstr\u00f6me, Gaskonzentrationen (NH3, N2O, CO2, H2O), Temperaturen (u.a. Stalluft und Einstreu), N\u00e4hrstoffgehalte der Einstreu, Daten zur Tiergesundheit und zur Mast- und Schlachtleistung sowie der Energieverbrauch zur Einstreubel\u00fcftung. Zur kontinuierlichen Messung der Gaskonzentrationen wurde ein Multigasmonitor mit Multisampler (Fa. Br\u00fchl und Kjaer) verwandt. Das Me\u00dfintervall betrug etwa 30 Minuten. Zeitgleich wurde an allen Emissionspunkten der Abluftvolumenstrom kontinuierlich erfa\u00dft. Die Messung erfolgte unter Verwendung von kalibrierten Me\u00dfventilatoren. Die w\u00e4hrend des Me\u00dfzeitraumes gewonnenen Erfahrungen wurden genutzt, um das System zur Einstreubel\u00fcftung in Bezug auf den Energieverbrauch zu optimieren.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Es konnte die nachhaltige Wirksamkeit des Trampoline-Systemes in Hinblick auf die Trocknung der Einstreu best\u00e4tigt werden. Der Feuchtegehalt der Einstreu betrug im konventionellen Stallabteil im Mittel 40,3% (s=4,3%). Durch Einstreubel\u00fcftung konnte die Feuchte der Einstreu auf im Mittel 24% (s=6%) gesenkt werden. Die Harns\u00e4urekonzentration ist mit im Mittel 1,15 \u00b1 0,28g Harns\u00e4ure \/ kg TS in der Einstreu des konventionellen Stalles erheblich geringer als in der Einstreu des Stalles mit Einstreubel\u00fcftung (3,95 \u00b1 0,66g Harns\u00e4ure \/ kg TS). Gegen\u00fcber dem konventionellen Verfahren betr\u00e4gt die Emissionsminderung in Bezug auf Ammoniak im Mittel etwa 70%, ohne da\u00df zus\u00e4tzliche Emissionen an Spurengasen nachzuweisen sind. Die Lachgaskonzentration \u00fcberschreitet in beiden Stallabteilen nicht wesentlich die Hintergrund-Konzentration. Es kann also angenommen werden, da\u00df der emissionsmindernde Effekt tats\u00e4chlich auf einer Reduktion der enzymatischen Freisetzung von Ammoniak aus Harns\u00e4ure beruht. Die Reduktion der Ammoniakfracht beruht in erster Linie auf einer Senkung der Ammoniakkonzentration in der Stalluft. In den Wintermonaten wurden im konventionellen Stallabteil Ammoniakkonzentrationen bis zu 35 mg NH3 pro m\u00b3 Stalluft gemessen. In dem Abteil mit Trampoline-Boden wurden 10 mg NH3 pro m\u00b3 Stalluft nicht \u00fcberschritten. Entsprechend konnten durch das Trampoline-System chronisch-toxische Ammoniakkonzentrationen in den Wintermonaten vermieden werden. Mikrobielle Umsetzungsprozesse f\u00fchren in konventionellen H\u00e4hnchenmastst\u00e4llen zu einem me\u00dfbaren Abbau organischer Substanz (Reduktion um 20% im Vergleich zum Stallabteil mit Trampoline-Boden). In Stallanlagen mit Trampolinesystem wird eine W\u00e4rmeproduktion in der Einstreu weitgehend vermieden und die Abw\u00e4rme der Tiere \u00fcber die nach unten gerichtete Bodenbel\u00fcftung abgef\u00fchrt. Hierdurch kann in warmen Sommermonaten ein ung\u00fcnstiges Mikroklima im Tierbereich verhindert werden. Der Energiemehrbedarf f\u00fcr die Einstreubel\u00fcftung betr\u00e4gt etwa 80Wh pro abgeliefertes Masth\u00e4hnchen. Hieraus errechnen sich bei einem Strompreis von 0,23DM\/kWh Energiemehrkosten von 0,018DM pro abgeliefertes Masth\u00e4hnchen. Unter Ber\u00fccksichtigung des speziellen Stromtarifes des Versuchsbetriebes und Verwendung entsprechender Regeltechnik konnten jedoch die Mehrkosten f\u00fcr Energie auf 0,01DM pro Tier und Durchgang begrenzt werden. Niederl\u00e4ndische Versuchsergebnisse weisen darauf hin, da\u00df ein Teil dieser Kosten durch eine deutlich bessere Mastleistung kompensiert wird. In den eigenen Untersuchungen wurde im Mittel der bisher abgeschlossenen sechs Mastdurchg\u00e4nge in dem Abteil mit Einstreubel\u00fcftung ein im Vergleich zum Referenzstall um etwa 67g (s=24g) h\u00f6heres Endgewicht erzielt. Hieraus resultieren [im Mittel 45g (s=26g)] signifikant h\u00f6here Schlachtgewichte. Im der konventionellen Stall liegt das durchschnittliche Mastendgewicht im Mittel von 5 Durchg\u00e4ngen bei 1.719 g, das Schlachtk\u00f6rpergewicht bei 1.182 g.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Bei einer Vielzahl von Veranstaltungen wurden die Projektinhalte sowohl der wissenschaftlichen \u00d6ffentlichkeit als auch praktischen H\u00e4hnchenm\u00e4stern vorgestellt. Anl\u00e4\u00dflich der Tagungen der DGZ\/DGFT und des F\u00f6rderkreises Stallklima (1996) sowie den Jahresversammlungen der Gefl\u00fcgelwirtschaftsverb\u00e4nde Niedersachsen und Sachsen-Anhalt wurden Fachvortr\u00e4ge gehalten. Im Rahmen einer Fachinformationsveranstaltung der Fa. Wiesenhof wurde das Projekt den etwa 60 Mitgliedern der Schlachtgefl\u00fcgel-Erzeugergemeinschaft vorgestellt. Mit Studentengruppen, Besuchern des Institutes und Beh\u00f6rdenvertretern wurde die Stallanlage besichtigt.<\/p>\n<p>Wissenschaftliche Ver\u00f6ffentlichungen (Auswahl):<br \/>\nMacke, H. und H. Van den Weghe (1997): Kotbel\u00fcftung in Trampoline-St\u00e4llen, Reduzierung der Emissionen aus Gefl\u00fcgelkot in Broilerst\u00e4llen. Landtechnik 52, S. 94-95<br \/>\nArkenau, E.; H. Macke und H. Van den Weghe (1997): Einflu\u00df der Bodenbel\u00fcftung in Broilermastst\u00e4llen auf Mastleistung und Tierverluste. Z\u00fcchtungskunde 69(4). S. 307-313<br \/>\nMacke, H. und H. Van den Weghe (1997): Wirksamkeit der in situ-Kotbel\u00fcftung in Broilerst\u00e4llen zur Reduzierung der Emissionen aus Gefl\u00fcgelkot. Bau, Technik und Umwelt in der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung. 3. Internationale Tagung vom 11. bis 12. M\u00e4rz 1997 in Kiel<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Das Verfahren der Einstreubel\u00fcftung ist geeignet, Ammoniakemissionen aus der H\u00e4hnchenmast erheblich (um etwa 70%) zu reduzieren, ohne da\u00df andere klimarelevante Spurengase, wie z.B. Lachgas, vermehrt emittiert werden. Gleichzeitig k\u00f6nnen die stallklimatischen und stallhygienischen Rahmenbedingungen und damit auch die Produktionsleistung positiv beeinflu\u00dft werden. Insgesamt hat die eingef\u00fchrte Technologie ein hohes Potential f\u00fcr ein umweltgerechtes und \u00f6konomisch tragbares Produktionssystem zur H\u00e4hnchenmast. Derzeit befinden sich weitere zwei Stallanlagen mit jeweils 20.000 Mastpl\u00e4tzen in Untersuchung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Die aus der Mastgefl\u00fcgelproduktion im Raum Weser-Ems resultierenden Ammoniakemissionen tragen erheblich zur Belastung der \u00d6kosysteme bei. 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