{"id":20255,"date":"2024-11-27T10:34:17","date_gmt":"2024-11-27T09:34:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/11722-01\/"},"modified":"2024-11-27T10:34:20","modified_gmt":"2024-11-27T09:34:20","slug":"11722-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/11722-01\/","title":{"rendered":"Verfahrensentwicklung zur Sch\u00e4dlingsbek\u00e4mpfung in der Hopfenproduktion ohne chemische Pflanzenschutzmittel"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Die Sonderkultur Hopfen wird im weltweit gr\u00f6\u00dften zusammenh\u00e4ngenden Anbaugebiet, der Hallertau, allj\u00e4hrlich regelm\u00e4\u00dfig von zwei Hauptsch\u00e4dlingen befallen: Der Hopfenblattlaus (Phorodon humuli) und der Gemeinen Spinnmilbe (Tetranychus urticae). Da Hopfen als Monokultur \u00fcber Jahrzehnte immer auf derselben Fl\u00e4che angebaut wird, sind die Hopfenpflanzer aufgrund der Forderungen des Braugewerbes als praktisch alleinigem Abnehmer des Erntegutes zu intensivem Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel gezwungen. Zielsetzung des Vorhabens ist, im Rahmen von drei Teilprojekten diesen Pflanzenschutzmittel-Einsatz langfristig fl\u00e4chendeckend erheblich zu reduzieren, was nicht nur zu einer Kostenersparnis f\u00fcr die Pflanzer f\u00fchrt, sondern vor allem die Umweltbelastung deutlich verringert.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDas Vorhaben l\u00e4\u00dft sich in drei Teilprojekte untergliedern, die jeweils \u00fcber drei Jahre bearbeitet werden:<br \/>\n\u00b7\tF\u00fcr die Z\u00fcchtung blattlausresistenter Hopfensorten ist die Identifikation genetisch verankerter Resistenzen in bestimmten Sorten Grundbedingung. Daf\u00fcr werden in umfangreichen Freiland- und Gew\u00e4chshausversuchen Hopfenblattl\u00e4use als Biomonitoren an zwei Sorten eingesetzt, um \u00fcber das Zuflugsverhalten sowie die einzelnen differenzierten Verhaltensweisen und die Vermehrungsraten der Tiere auf den Wirtspflanzen gesicherte Unterschiede zwischen einzelnen Sorten zu ermitteln.<br \/>\n\u00b7\tF\u00fcr die Erarbeitung einer Bek\u00e4mpfungsschwelle f\u00fcr die Gemeine Spinnmilbe ist ein fl\u00e4chendeckendes, \u00fcber die gesamte Hallertau verteiltes Monitoring von mehr als 100 Hopfeng\u00e4rten verschiedener Sorten, mit unterschiedlichen Bodenarten, Bodenbedeckung etc. vonn\u00f6ten, um auch R\u00fcckschl\u00fcsse auf die verschiedenen Faktoren zu erhalten, die unterschiedliche Befallsh\u00e4ufigkeit bzw. Befallsst\u00e4rke bedingen. Eine auch durch Ertrags- und Qualit\u00e4tsfeststellung gesicherte Bek\u00e4mpfungsschwelle kann zum Wegfall zahlreicher unn\u00f6tiger chemischer Pr\u00e4ventivbehandlungen f\u00fchren.<br \/>\n\u00b7\tDie Grundlagen der Erarbeitung einer Methode zur Kontrolle der Gemeinen Spinnmilbe durch Leimbarrieren an den Hopfenreben wurden in vierj\u00e4hrigen Versuchen bereits gelegt, die Methode wird z.T. bereits erfolgreich von Bioland-Hopfenbetrieben angewendet. Die Applikationstechnik dieser \u00e4u\u00dferst arbeitsintensiven Methode mu\u00df f\u00fcr eine gro\u00dffl\u00e4chige Umsetzung in die Praxis in Zusammenarbeit mit einer Landtechnikfirma jedoch noch verbessert werden.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Bei den Untersuchungen zur Resistenz unterschiedlicher Hopfensorten gegen die Hopfenblattlaus konnten zwischen den beiden Sorten Spalter Select (SE) und Hallertauer Magnum signifikante Unterschiede in der Blattlausanf\u00e4lligkeit ermittelt werden, wobei HM von gefl\u00fcgelten Blattl\u00e4usen etwa um den Faktor vier bis f\u00fcnf st\u00e4rker angeflogen wurde als SE, und die Vermehrungsrate auf HM nach vier Wochen etwa um den Faktor acht h\u00f6her lag als auf SE. Dieses neue Wissen um die verschiedenen Mechanismen der Blattlaustoleranz von SE kann nun gezielt in biotechnologische bzw. biochemische Untersuchungen f\u00fcr die zuk\u00fcnftige Z\u00fcchtungsarbeit einflie\u00dfen.<br \/>\nBei der Erarbeitung einer Bek\u00e4mpfungsschwelle f\u00fcr die Gemeine Spinnmilbe im Hopfenbau wurde ein h\u00f6chst erfolgversprechendes Modell entwickelt, bei dem mit Hilfe eines neuen, sechsstufigen Befallsindex f\u00fcr Spinnmilben \u00fcber zwei Bonituren (Mitte Juni und Mitte\/Ende Juli) f\u00fcr jeden Hopfengarten ein konkreter Befallswert ermittelt werden kann, ab dem eine Akarizidbehandlung tats\u00e4chlich notwendig ist oder nicht. Diese Bewertung muss allerdings in jedem Hopfengarten jedes Jahr durchgef\u00fchrt werden. Die Datengrundlage f\u00fcr dieses Modell bildete ein dreij\u00e4hriges Monitoring in \u00fcber 100 Hallertauer Hopfeng\u00e4rten mit akarizid-unbehandelten Parzellen sowie insgesamt 36 Versuchsernten, bei denen der zum Erntezeitpunkt tats\u00e4chlich durch Spinnmilben entstehende Schaden festgelegt werden konnte. Die Ergebnisse des Monitorings ergaben, dass in 63% aller bewerteten F\u00e4lle (n=310) die pr\u00e4ventive Akarizidbehandlung tats\u00e4chlich nicht notwendig gewesen w\u00e4re. Durch das Bek\u00e4mpfungsschwellenmodell k\u00f6nnen bei richtiger Anwendung mindestens 20% der Akarizideins\u00e4tze eingespart werden, was allein f\u00fcr die Hallertauer Hopfenpflanzer eine Entlastung von etwa 0,5 Millionen \u0080 pro Jahr bedeuten w\u00fcrde &#8211; die kaum quantifizierbaren Folgekosten einer deutlich geringeren Umweltbelastung sind dabei nicht mit eingerechnet.<br \/>\nBei der Weiterentwicklung der Kontrolle der Gemeinen Spinnmilbe durch Leimringe an den Reben konnte die Methodik durch die Entwicklung eines schlepperbetriebenen Ger\u00e4tes zur deutlich vereinfachten und zeitsparenderen Applikation des Leims entscheidend verbessert werden. Der Prototyp des Ger\u00e4tes wird zun\u00e4chst \u00f6kologisch wirtschaftenden Hopfenpflanzern als derzeit den Hauptansprechpartnern f\u00fcr das Leimverfahren pr\u00e4sentiert. F\u00fcr konventionell arbeitende Pflanzer stellt das Verfahren in Zukunft eine wichtige, wenngleich zeitaufwendigere Alternative zum Akarizideinsatz dar: Bei einer m\u00f6glichen Knappheit zugelassener, wirksamer Akarizide kann das Verfahren sofort und dauerhaft \u00fcbernommen werden, da die Spinnmilben wohl kaum eine Resistenz gegen Leim entwickeln k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Im Rahmen von 29 Vortragsveranstaltungen wurde v.a. das Bek\u00e4mpfungsschwellenmodell mit hervorragender Resonanz etwa 2200 Personen aus Hopfen- und Brauwirtschaft (v.a. Pflanzer) und Forschung vorgestellt. Im Jahr 2001 wird im Anschlu\u00df an das Projekt versucht, das Modell vom Projektbearbeiter \u00fcber die intensive Schulung von Multiplikatoren (z.B. amtliche Berater, Ringbetreuer, Berater der Pflanzenschutzmittelindustrie und des Hopfenhandels) an die Pflanzer weiterzugeben und somit m\u00f6glichst schnell in der Praxis zu etablieren. Diese Schulungen gehen \u00fcber Bayern hinaus, da auch das Anbaugebiet Elbe-Saale 2001 mit in die Verbreitung der Ergebnisse eingebunden wird. Zudem wurden bzw. werden die Teilbereiche des Projekts in bislang acht Publikationen in Fachzeitschriften ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die in dem Projekt erzielten Ergebnisse liefern in allen Teilbereichen wichtige neue Bausteine f\u00fcr ein integriertes Pflanzenschutzkonzept in der Sonderkultur Hopfen. Besonders \u00fcber das Bek\u00e4mpfungsschwellenmodell f\u00fcr Spinnmilben wird h\u00f6chstwahrscheinlich der pr\u00e4ventive Einsatz von Akariziden sehr schnell um mindestens 20% verringert werden. Da daraus nicht nur eine entsprechende finanzielle Entlastung f\u00fcr die Hopfenbaubetriebe, sondern auch eine weitere Umweltentlastung durch die Reduktion ausgebrachter Pflanzenschutzmittel resultiert, kann das Ziel des F\u00f6rderprojektes allein durch diesen Teilbereich als deutlich erreicht bewertet werden. Die beiden anderen Teilbereiche sind hingegen eher als Investitionen in die Zukunft zu betrachten, wobei allerdings das Leimverfahren unter Umst\u00e4nden schlagartig eine wichtige Rolle in der Spinnmilbenkontrolle spielen k\u00f6nnte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Die Sonderkultur Hopfen wird im weltweit gr\u00f6\u00dften zusammenh\u00e4ngenden Anbaugebiet, der Hallertau, allj\u00e4hrlich regelm\u00e4\u00dfig von zwei Hauptsch\u00e4dlingen befallen: Der Hopfenblattlaus (Phorodon humuli) und der Gemeinen Spinnmilbe (Tetranychus urticae). 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