{"id":20213,"date":"2023-07-13T15:12:01","date_gmt":"2023-07-13T13:12:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/07355-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:12:02","modified_gmt":"2023-07-13T13:12:02","slug":"07355-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/07355-01\/","title":{"rendered":"Modellhafte Beseitigung von Umweltsch\u00e4den am Backstein des Werbener Elbtors in Zusammenarbeit mit der BMBF-Pilotforschung"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Das Elbtor Werben wurde um 1460 aus mittelalterlichem Backstein errichtet. Es besteht aus einem zweigeschossigen Turm mit Wehrgang und einer Tordurchfahrt. Sowohl Ziegelzerfall an Einzelziegeln, M\u00f6rtelverluste, Salzausbl\u00fchungen und Krusten als auch Risse im Mauerwerk f\u00fchrten neben dem \u00e4sthetischen Verfall zunehmend zu Gefahren f\u00fcr den Durchgangsverkehr und zu Nutzungseinschr\u00e4nkungen. Im Rahmen des BMBF-Forschungsprogramms wurden die Ursachen des Ziegelzerfalls gekl\u00e4rt. Ziel des DBU-Vorhabens war die Sanierung des Mauerwerks nach Erkenntnissen der BMBF-Forschungsergebnisse. Dies schlo\u00df die Beseitigung der Schadensursachen ein, um einen langfristigen Erhalt des Denkmalbestandes zu sichern. Die Stadt Werben kombinierte das Vorhaben ihrerseits mit der Beseitigung der statisch bedingten Schadensursachen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenArbeitsschritte:<br \/>\n1. Bau- und Reparaturgeschichte, Baufehlerregistrierung, Schadensbeobachtung im Witterungsverlauf, Schadenskartierung auf Me\u00dfbildunterlagen, naturwissenschaftliche Voruntersuchungen (im Rahmen der BMBF-Forschung)<br \/>\n2. baustatisches und Baugrundgutachten (Stadt Werben)<br \/>\n3. baustatische Sanierung mittels Ringanker in der Tordurchfahrt, Verf\u00fcllung von innenliegenden Hohlr\u00e4umen, Nadelung des Zinnenkranzes am Wehrgang, Beseitigung des (statisch unsinnigen) st\u00e4hlernen Au\u00dfenringes am Turm (F\u00f6rderung des Landes Sachsen-Anhalt)<br \/>\n4. Sanierung des Au\u00dfenmauerwerks einschlie\u00dflich der Schadensursachenbeseitigung (DBU-Projekt)<br \/>\nMethoden:<br \/>\nIm Ergebnis der Voruntersuchungen wurde der Ziegelaustausch an Einzelziegeln festgelegt, die Austauschziegel und M\u00f6nch\/Nonneziegel (f\u00fcr die Zinnenabdeckung) wurden entsprechend der vorgegebenen Parameter der Ursprungsziegel gesondert hergestellt, die Verfugung erfolgte mit einem dem Ur-sprungsm\u00f6rtel angepa\u00dftem Kalk-Zement-M\u00f6rtel, die Zinnen wurden fachgerecht eingedeckt, die Entw\u00e4sserung wurde mittels Gef\u00e4llever\u00e4nderung und Verrohrung so verlegt, da\u00df das Mauerwerk feuchtegesch\u00fctzt bleibt.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Bei den im Rahmen der BMBF-Forschung durchgef\u00fchrten Voruntersuchungen handelte es sich \u00fcberwiegend um die unbedingt erforderlichen Untersuchungen, die f\u00fcr eine denkmalgerechte Sanierungsplanung erforderlich sind:<br \/>\n1. Archivstudien zur Bau- und Reparaturgeschichte<br \/>\n2. Pr\u00fcfung des Mauerwerkaufbaus und seiner Feuchtebelastung<br \/>\n3. Pr\u00fcfung der Salz- und mikrobiologischen Belastung<br \/>\n4. Untersuchung der keramtechnischen Eigenschaften der Ziegel und der chemisch-mineralogischen Eigenschaften der historischen M\u00f6rtel<br \/>\n5. Mit einer Schadenskartierung konnte nachgewiesen werden, da\u00df wetterexpositionsunabh\u00e4ngig die R\u00fcckwitterung den gr\u00f6\u00dften Ziegelschaden darstellt. Die ebenfalls schadensrelevaten Salzausbl\u00fchungen, Krusten und Abschalungen waren abh\u00e4ngig von der Feuchtebelastung aus Baufehlern.<\/p>\n<p>Es zeigten sich drei Hauptursachen f\u00fcr die Ziegelr\u00fcckwitterung, die eine komplexe Wechselwirkung haben:<br \/>\n\u00b7 Sch\u00e4den durch Salz- und mikrobiologische Belastung aus reaktiven Bestandteilen der Luftverschmutzung, neben Sulfaten besonders Nitrate aus landwirtschaftlicher Umgebung (Umweltschaden)<br \/>\n\u00b7 der Einsatz nicht vollst\u00e4ndig ausgebrannter (Ursprungs-)Ziegel im Vormauerbereich (keine Umweltresistenz)<br \/>\n\u00b7 Dauerhafte Befeuchtung gr\u00f6\u00dferer Mauerwerksabschnitte durch jeweils fehlerhafte Niederschlagsentw\u00e4sserung und Zinnenabdeckung (Baufehler)<\/p>\n<p>Mit der Beseitigung der Baufehler und der gesch\u00e4digten Ziegel (die ihrerseits wieder zur Salzbildung beitragen) sowie einer Neuverfugung konnten die Angriffsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr reaktive Bestandteile aus der Luft so erheblich reduziert werden, da\u00df ein langfristiger Bestand der originalen Denkmalsubstanz gesichert ist. Die in Betracht gezogene Anwendung von Ziegelantragsmassen wurde aus material-technischen und technologischen Gr\u00fcnden abgelehnt. Eine ebenfalls in Betracht gezogene Anwendung von Steinfestigungsmitteln wurde auf Grund entsprechender Erfahrungswerte aus der Forschung als unangemessen verworfen.<br \/>\nDie aus auelehm\u00e4quivalentem Ton gefertigten Handformziegel aus der Ziegelei Glindow wurden nach Farbmuster und vorgegebenen Parametern den Parametern: Rohdichte: 1,80 &#8211; 1,85 g\/cm\u00b3, Wasseraufnahme: 14 &#8211; 16%, Druckfestigkeit: 15 &#8211; 22 N\/mm\u00b2 hergestellt. Der Austausch der M\u00f6nch-Nonnen-Deckung auf den Zinnen erfolgte mit Handformdachsteinen aus auelehm\u00e4quivalentem Ton nach Farbmuster und den Parametern: Rohdichte: 1,75 &#8211; 1,85 g\/cm\u00b3, Wasseraufnahme: 16 &#8211; 18%, Biegefestigkeit: 3,5 &#8211; 4,0 N\/mm\u00b2, Durchtropfverhalten nach DIN 452: kein Tropfenabfall nach 3 Stunden. Beide Materialien erwiesen sich als gelungenes Beispiel in der Denkmalsanierung.<br \/>\nAls Fugenm\u00f6rtel und Putzm\u00f6rtel wurde mit M\u00f6rtel der Zusammensetzung: Wei\u00dfkalkhydrat und C3A-freier Zement 2:1 und \u00f6rtlich anstehendem gewaschenem Sand im B-Z-Verh\u00e4ltnis 1: 4 empfohlen und verwendet. Die Verwendung von C3A-freiem Zement ist der Salzbelastung angepa\u00dft.<br \/>\nAuf allen Plattformen und dem Wehrgang wurde ein abgesandeter PUR-Fu\u00dfboden auf Gef\u00e4lleestrich mit Gef\u00e4lle zu je einem Fallrohr auf den (verdeckten) S\u00fcd- und Nordseiten des Bauwerks verlegt.<br \/>\nDie statische Sicherung der Tordurchfahrt erfolgte mit Dywidag-Ankern, die Zinnen wurden im Abstand von 1,66 m mit Edelstahlankern von 1,60 m L\u00e4nge vernadelt. Die aufgefundenen Hohlr\u00e4ume \u00fcber dem Gew\u00f6lbe der Tordurchfahrt wurden mit Tra\u00dfzement verf\u00fcllt (nicht Bestandteil des DBU-Projekts).<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Ergebnisse des Vorhabens wurden im Kurzbericht der BMBF-Forschung zum Elbtor Werben mit dargestellt (Bezug \u00fcber Deutsches Zentrum f\u00fcr Handwerk und Denkmalpflege, Propstei Johannesberg, Fulda e.V., 36041 Fulda [ZHD]). Die Ergebnisse und Erfahrungen des Vorhabens wurden und werden in der Architektenfortbildung des ZHD als Beispiel vorgetragen sowie bei vergleichbaren Restaurierungsprojekten angewandt.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die modellhafte Beseitigung von Umweltsch\u00e4den am Backstein des Werbener Elbtors in Zusammenarbeit mit der BMBF-Pilotforschung zeugt von einem gelungenen Beispiel f\u00fcr die praktikable Anwendung von Forschungsergebnissen. Die positiven Erfahrungswerte dieses Projekts beziehen sich sowohl auf die praxisrelevante Optimierung von Untersuchungsleistungen am Objekt als auch auf die konstruktive Zusammenarbeit zwischen dem Architekten\/Baufirma (Praxis), der Stadtverwaltung\/ Bauamt\/ Denkmalpflegeamt (Theorie) und dem Forschungsteam (Forschung). Der Wissentrasfer ist in dieser Zusammenarbeit gewachsen und wirkt beispielhaft und zukunftsweisend auf anstehende Sanierungsprojekte, vor allem in der Region.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Das Elbtor Werben wurde um 1460 aus mittelalterlichem Backstein errichtet. Es besteht aus einem zweigeschossigen Turm mit Wehrgang und einer Tordurchfahrt. Sowohl Ziegelzerfall an Einzelziegeln, M\u00f6rtelverluste, Salzausbl\u00fchungen und Krusten als auch Risse im Mauerwerk f\u00fchrten neben dem \u00e4sthetischen Verfall zunehmend zu Gefahren f\u00fcr den Durchgangsverkehr und zu Nutzungseinschr\u00e4nkungen. 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