{"id":20204,"date":"2023-07-13T15:10:55","date_gmt":"2023-07-13T13:10:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/05779-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:10:56","modified_gmt":"2023-07-13T13:10:56","slug":"05779-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/05779-01\/","title":{"rendered":"F\u00f6rderschwerpunkt Bioabfallverwertung: Gesundheitlich-hygienische Bewertung neuartiger Biofilter in Biotonnen"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Untersuchung der Wirksamkeit eines speziellen Deckelsystems mit Biofiltereinsatz (Euro Patent Nr. 0597282) in Biotonnen in Hinblick auf eine Reduzierung der Geruchsemissionen, des Madenbefalls und der Pilzentwicklung bei der getrennten Sammlung von Abf\u00e4llen. Die gute biologische Abbaubarkeit des Biom\u00fclls sowie die Entsorgung auch geruchsintensiver Lebensmittelreste k\u00f6nnen neben seuchenhygienischen Problemen auch erhebliche Geruchsemissionen verursachen, die &#8211; unter Umst\u00e4nden kombiniert mit einer starken Maden- und Fliegenentwicklung &#8211; beim Betreiber zu Ekelgef\u00fchlen f\u00fchren und h\u00e4ufig erheblichen Widerstand gegen die Benutzung einer Biotonne produzieren. Das Ziel dieser Studie war es deshalb, zu untersuchen, ob und wie die m\u00f6glichen Nachteile der Sammlung kompostier-barer Abf\u00e4lle: 1. Geruchs- und Madenentwicklung und 2. die Freisetzung von medizinisch relevanten Pilzsporen durch Einsatz eines Filterdeckels minimiert oder gar \u00fcberwunden werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie Untersuchungen der Wirksamkeit des Filterdeckelsystems wurde in vier Feldversuchen unter realen Bedingungen (Gemeinde Havixbeck) und in vier Versuchen unter kontrollierten Bedingungen getestet. Bei den Feldversuchen wurden normale Standard-M\u00fclltonnen mit dem Filterdeckelsystem ausger\u00fcstet und im Vergleich zu unver\u00e4nderten Tonnen analysiert. Die Versuchsperioden lagen im Sommer und Herbst 1994 und im Sommer 1995. Erhoben wurden Daten zum Standort, dem F\u00fcllzustand, der Standzeit, dem Geruch bei geschlossener und offener Tonne, der Madenentwicklung, dem Ameisenbefall sowie zur Pilzsporenemission. Zus\u00e4tzlich wurde das System durch die Verbraucher mittels eines Fragebogens bewertet. Die Pilzentwicklung wurde sowohl im Substrat (kontrollierte Versuche) als auch in der Luft mit Hilfe von Sedimentationsplatten sowie Schlitzsammlern bestimmt. Als wesentlich f\u00fcr die Beurteilung einer m\u00f6glichen Gesundheitsgef\u00e4hrdung erwies sich die Etablierung eines Expositionsmodells, das eine zeitproportionale Bestimmung der Pilzsporenfreisetzung unter realen Bedingungen beim Bef\u00fcllungsvorgang erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Bei unseren Untersuchungen konnten wir in Feld- und Laboruntersuchungen erhebliche Geruchsemissionen aus Biotonnen feststellen. Bei normalen Standardtonnen war der Geruch auch bei geschlossenem Deckel in erheblichem Ma\u00dfe feststellbar. Mit wachsender Standzeit nahmen sowohl in den Feldversuchen wie bei den Versuchen unter kontrollierten Bedingungen die Geruchsemissionen deutlich zu. Durch den Einsatz des dicht schlie\u00dfenden Deckelsystems mit Biofilter l\u00e4sst sich eine erhebliche Verbes-serung dieser Situation erreichen. Dieses Deckelsystem wurde von der Firma Biologic innerhalb der Untersuchungsperiode mehrfach optimiert. Aus Tonnen mit Filterdeckeln sind praktisch keine unangenehmen Ger\u00fcche mehr wahrnehmbar. Dies lie\u00df sich sowohl in den Feldversuchen als auch unter kontrollierten Bedingungen eindeutig nachweisen. Auch im 2. Sommer war keine Verschlechterung der Wirksamkeit des Filters erkennbar. Pathogene Keime oder Pilze waren im Filtermaterial nicht nachweisbar. Damit bietet sich durch den Einsatz des Filterdeckels eine effiziente M\u00f6glichkeit an, Geruchsprobleme bei der getrennten Abfallsammlung zu minimieren und dadurch die Akzeptanz deutlich zu erh\u00f6hen. Neben Geruchsbel\u00e4stigungen werden von den Betreibern in erster Linie erhebliche Ekelgef\u00fchle durch massenhaftes Auftreten von Maden genannt. Bei unseren Untersuchungen beobachteten wir teilweise extreme Madenentwicklungen in den normalen Standardtonnen, was zu einer starken Ablehnung der Biotonne f\u00fchrte. Durch den Einsatz des dicht schlie\u00dfenden Filterdeckels wurde das Maden- und auch Fliegenproblem sowohl im Feldexperiment wie unter kontrollierten Bedingungen praktisch vollst\u00e4ndig gel\u00f6st. Nur in Tonnen mit Filtersystem wirkt sich eine auf 14 Tage verl\u00e4ngerte Standzeit nicht weiter negativ aus.<br \/>\nNeben den Bel\u00e4stigungsfaktoren Geruch und Ungeziefer stellt Bioabfall ein Reservoir f\u00fcr verschiedenste Infektionserreger dar. Allergisierungen durch Pilzsporen und oft t\u00f6dlich verlaufende Infektionen durch Schimmelpilze werden in den letzten Jahren mit wachsender Tendenz von vielen Autoren beschrieben. Neben Aspergillus fumigatus, dem unstreitig die gr\u00f6\u00dfte Bedeutung zukommt, treten jedoch vermehrt auch Infektionen durch andere Schimmelpilze, in der Regel bei immungeschw\u00e4chten oder immunsupprimierten Personen, auf. Welche Sporenmengen f\u00fcr eine Infektion aufgenommen werden m\u00fcssen, ist weitgehend unbekannt. \u00dcber die Gr\u00f6\u00dfe des Infektionsrisikos f\u00fcr Personen mit gest\u00f6rter oder unterdr\u00fcckter Immunabwehr im privaten h\u00e4usliche Umfeld liegen keinerlei Hinweise in der Literatur vor. Insbesondere kann die Rolle der Abfallentsorgung zur Zeit nicht ausreichend sicher beurteilt werden. Bei unseren Versuchen konnten in allen Biotonnen teilweise erhebliche Belastungen mit Pilzsporen gemessen werden. Im Laufe der Untersuchung erwies es sich als notwendig, die Messmethode zu standardisieren. Aus diesem Grund wurde ein Expositionsmodell entwickelt, das den Bef\u00fcllungsvorgang durch den Betreiber simuliert und eine zeitproportionale Erfassung der Sporenbelastung erm\u00f6glicht. Bei unseren Untersuchungen kam es beim Abwurf von Material in die Tonne zu teilweise explosionsartigen Freisetzungen von Pilzsporen. Unter kontrollierten Bedingungen erreicht die Sporenemission nach ca. 6-8 Tagen ihr Maximum. Bei den Arten dominieren in der Anfangsphase Rhizopus und Mucor, w\u00e4hrend Penicillium spec. und A. fumigatus \u00fcber die gesamte Standzeit in hohen Konzentrationen gefunden werden. Zwischen der Substratbelastung mit Pilzen und den Sporengehalten in der Luft bestehen keine erkennbaren Abh\u00e4ngigkeiten, so dass Substratmessungen f\u00fcr eine Expositionsabsch\u00e4tzung ungeeignet sind. Einen deutlichen Einfluss auf die Sporenemission hat die Bauform der Tonne. Aus Tonnen, deren Wandungen gelocht waren, traten \u00fcber l\u00e4ngere Zeitr\u00e4ume und erheblich mehr Sporen in die Umgebungsluft aus als bei normalen Standardtonnen. Der Einbau von Filterdeckeln erbrachte innerhalb dieser Studie statistisch nicht v\u00f6llig eindeutige Ergebnisse in Hinblick auf die Produktion und Freisetzung von Pilzsporen. In einer Feldstudie, bei den Innenraumversuchen und bei den Umtonnenversuchen war eine tendenziell geringere Sporenfreisetzung bei Tonnen mit Filterdeckel zu. Im Laborexperiment erweisen sich die Sporenbildner des Biofilters als stark pilzhemmend, insbesondere gegen\u00fcber Aspergillus fumigatus. Es erscheint auf jeden Fall geboten, Ma\u00dfnahmen und Verhaltensregeln zu entwickeln, die zu einer deutlichen Reduzierung der Sporenbelastung durch die M\u00fcllentsorgung f\u00fchren. Die Empfehlung des Bundesgesundheitsamts f\u00fcr immungeschw\u00e4chte Personen, Biotonnen nicht zu benutzen, sollte auf jeden Fall solange weiter aufrecht erhalten werden, bis gesichertes Zahlenmaterial aus weiteren Untersuchungen vorliegt.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>\u00dcber die Ergebnisse wurde in der Presse und den elektronischen Medien ausf\u00fchrlich berichtet. Die wissenschaftlichen Aspekte wurden im Forum St\u00e4dtehygiene publiziert sowie auf dem 53. Informationsgespr\u00e4ch der ANS in Delmenhorst und auf dem 4. Kongress der Gesellschaft f\u00fcr Hygiene u. Umweltmedizin (Luft zum Leben) als Vortrag vorgestellt.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Entwicklung des Filterdeckelsystems mit Biofilter f\u00fcr Biotonnen f\u00fchrt zu einer erheblichen Verminderung der negativen Auswirkungen bei der Sammlung kompostierbarer Abf\u00e4lle und zu einer deutlichen Verbesserung der Akzeptanz der getrennten Sammlung von Abfall beim Verbraucher. Die Versuche haben die Brauchbarkeit und Standfestigkeit des Systems erwiesen, so dass der Einsatz des Filterdeckels generell als Optimierungsma\u00dfnahme empfohlen werden kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Untersuchung der Wirksamkeit eines speziellen Deckelsystems mit Biofiltereinsatz (Euro Patent Nr. 0597282) in Biotonnen in Hinblick auf eine Reduzierung der Geruchsemissionen, des Madenbefalls und der Pilzentwicklung bei der getrennten Sammlung von Abf\u00e4llen. 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