{"id":20180,"date":"2023-07-13T15:12:28","date_gmt":"2023-07-13T13:12:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/08176-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:12:32","modified_gmt":"2023-07-13T13:12:32","slug":"08176-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/08176-01\/","title":{"rendered":"F\u00f6rderschwerpunkt Holz: Insektenhormon-Analoga als nicht-neurotoxische Insektizide f\u00fcr den Einsatz in Holzschutzmitteln"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Die im Holzschutz bislang eingesetzten Insektizide sind durchweg Neurotoxine mit einem entsprechend breiten Spektrum an potenziellen Nebenwirkungen. Um diese toxikologischen und \u00f6kotoxikologischen Nachteile der in Holzschutzmitteln eingesetzten Insektizide zu vermeiden, bietet sich nur der Schritt hin zu wirklich selektiven Wirkstoffen, die m\u00f6glichst keinen Angriffspunkt in Nicht-Zielorganismen haben. Derart hochselektive Wirkstoffe finden sich in der Insektizidgruppe der Insektenhormon-Analoga, mit denen nicht mehr direkt in irgendwelche Stoffwechselprozesse eingegriffen wird &#8211; wie mit den Neurotoxinen und H\u00e4utungshemmern -, sondern die hormonelle Regelkreise fehlsteuern, die nur bei Insekten vorkommen. Damit m\u00fcsste der h\u00f6chste Sicherheitsabstand zwischen Ziel- und Nicht-Zielorganismen bei in-sektizidhaltigen Produkten erreichbar sein, der derzeit m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenIn der ersten Projektphase erfolgt ein Wirkstoffscreening gem\u00e4\u00df der EMPA-SOP1228 und der REM-MERS Sandwich-Methode; in dieser Phase erfolgt weiterhin eine Validierung der eingesetzten Pr\u00fcfmethoden, eine Methodenentwicklung zum Aktivit\u00e4tsmonitoring von Termiten und der Aufbau analytischer Nachweismethoden f\u00fcr die Insektenhormone. Die zweite Projektphase befasst sich mit der \u00dcberarbeitung und Anpassung der Pr\u00fcfmethoden an die wirkstofftypischen Wirkmechanismen, der Entwicklung geeigneter Holzschutzmittelformulierungen zur Einarbeitung der Insektenhormone, dem Aufbau analytischer Nachweismethoden f\u00fcr die Insektenhormone in Holzschutzmittelformulierungen und ersten Versuchen zum Aktivit\u00e4tsmonitoring von Termiten. Im dritten Arbeitsschritt soll das Leistungsspektrum der In-sektenhormone in Standardformulierungen unter Verwendung praxisnaher, Wirkstofftyp-angepasster Pr\u00fcfmethoden aufgezeigt, erste Ergebnisse zu den Repellent-Eigenschaften dieser Wirkstoffgruppe bei der Verwendung als Termiten-K\u00f6dergifte erarbeitet und die Analysenmethoden zum Nachweis dieser Insektizide im Holz aufgebaut werden.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die Ecdyson- und Juvenilhormon-Analoga zeigen einen deutlichen Unterschied in der Wirkung gegen\u00fcber dem Hausbock Hylotrupes bajulus. Die Ecdyson-Analoga haben in den gepr\u00fcften Dosierungen eine geringe ovizide Wirkung, jedoch eine deutliche Wirkung gegen die Altlarven. Bei einer Dosis von 1250 mg\/m2 erreicht Halofenozid nach 27 Wochen bzw. Tebufenozid nach 40 Wochen eine 100 %ige Mortalit\u00e4t. Anders verhalten sich die beiden Juvenilhormon-Analoga Fenoxycarb und Pyriproxyfen. Sie zeigen ohne Alterung der behandelten Holzoberfl\u00e4che eine klar erkennbare bis hohe ovizide Wirkung, jedoch kaum einen ausreichenden bek\u00e4mpfenden Effekt. Beim Fenoxycarb konnte bei einer Dosis von 1250 mg\/m2 erst nach 94 Wochen eine Mortalit\u00e4t von 100 % erreicht werden. Pyriproxyfen hat nach 124 Wochen bei einer Dosis von 1250 mg\/m2 inzwischen eine Mortalit\u00e4t von 96 % bewirkt.<br \/>\nIn den Alterungsversuchen erweisen sich Fenoxycarb und Pyriproxyfen als wenig witterungsbest\u00e4ndig. Dies bedingt, dass behandeltes Holz in der Gef\u00e4hrdungsklasse 3 stets mit einem Deckanstrich gegen Witterungseinfl\u00fcsse gesch\u00fctzt werden muss. Denn eine 2-monatige Freiland- oder eine ad\u00e4quate k\u00fcnstliche Bewitterung hat zur Folge, dass ohne Deckanstrich die Wirkstoffkonzentration um mindestens zwei Zehnerpotenzen erh\u00f6ht werden m\u00fcsste, damit die nach EN 599.1 geforderte biologische Wirkung gegen Eier und Eilarven erreicht wird. Juvenilhormon-Analoga in der Grundimpr\u00e4gnierung k\u00f6nnen trotz eines Deckanstrichs ihre Wirkung entfalten. Ohne Bewitterung bleibt die Wirkung der Juvenilhormone erhalten. Dies bedeutet, dass die Aktivsubstanzen durch die L\u00f6semittel des Deckanstrichs angel\u00f6st und verteilt werden oder, dass sie durch die gepr\u00fcften Topcoats diffundieren k\u00f6nnen. Durch die Bewitterung der Proben mit Anstrichsystem wurde die Wirkung von Fenoxycarb reduziert. Mit Ausnahme der braunen Lasur (FK 46 %) sch\u00fctzten die gepr\u00fcften Deckanstrichmittel Pyriproxyfen zu 100 % gegen Auslaugung und photochemischen Abbau.<br \/>\nIm Gegensatz zum Hausbock reagiert Lyctus brunneus um einiges empfindlicher gegen\u00fcber der Ecdyson-Analoga. Eine Dosis von 1250 mg\/m2 Halofenozid bewirkt schon nach 12 Wochen (Hausbock nach 27 Wochen) eine Mortalit\u00e4t von 100 %. Nach 24 Wochen Tebufenozid-Kontakt waren 81 % der Lyctiden tot (Hausbock 100 % Tote nach 40 Wochen). Auffallend ist auch die gute, bek\u00e4mpfende Wirkung von Fenoxycarb gegen\u00fcber Lyctus brunneus. Nach 12 Wochen waren schon alle Larven abgestorben, w\u00e4hrend beim Hausbock in derselben Dosierung die 100 %ige Mortalit\u00e4t erst nach ca. 80 Wochen Versuchsdauer erreicht wird. Beim Nagek\u00e4fer Anobium punctatum ist die fehlende Wirkung von Tebufeno-zid augenf\u00e4llig. Nach 80 Wochen sind bei der h\u00f6chsten Dosierung erst 8 % der Larven abgestorben. Auch bei Halofenozid ist die Wirkung verglichen mit Lyctus und Hylotrupes um einiges schlechter. 100 % Mortalit\u00e4t wird erst nach einem Jahr erreicht; bei Lyctus nach 12 Wochen und beim Hausbock nach 27 Wochen.<br \/>\nIn den Belastungsversuchen mit Wirkstoffen und Formulierungen zeigte sich besonders das Fenoxycarb als ausgesprochen wenig witterungsbest\u00e4ndig; diese Problematik konnte aber durch eine filmbildende Deckbeschichtung deutlich reduziert werden. Der unter Freilandbedingungen auftretende Wirksamkeitsverlust f\u00fchrt zu praxisrelevanten Anwendungskonzentrationen, die in der Gr\u00f6\u00dfenordnung von etwa 2 Zehnerpotenzen \u00fcber den Grenzwerten liegen, die gem\u00e4\u00df Norm nach k\u00fcnstlicher Alterung (EN 84 und EN 73) im Labor ermittelt wurden.<br \/>\nEin Vergleich der bek\u00e4mpfenden und der schlupfverhindernden Wirkung gegen Hausbock und Anobium haben gezeigt, dass die Hormon-Analoga bei den gew\u00e4hlten Versuchsmethoden eine bessere bek\u00e4mpfende als schlupfverhindernde Wirkung aufweisen.<br \/>\nZur Quantifizierung des Verhaltens von Termitenkolonien wurde eine neue Pr\u00fcfmethode entwickelt und weitgehend optimiert. Mit dieser Methode wird die Laufaktivit\u00e4t von kleinen Laborkolonien zwischen ihren Futterpl\u00e4tzen von einem Mikrocomputersystem erfasst und gespeichert. Auf diese Art wurden in intakten Laborkolonien von Reticulitermes santonensis mit 500 Individuen im Mittel ca. 350 bis 400 Orts-ver\u00e4nderungen pro Stunde gez\u00e4hlt. Interessanterweise zeigen Termiten &#8211; ebenso wie andere Holzzerst\u00f6rer &#8211; keine circadiane Aktivit\u00e4tsrhythmik und z\u00e4hlen damit zu den K-Strategen, die ihre Konkurrenz\u00fcberlegenheit nicht durch zeitliche Einnischung, sondern durch Maximierung der Fra\u00dfleistung sichern.<br \/>\nGegen\u00fcber Reticulitermes santonensis wurden f\u00fcr Fenoxycarb, Halofenocid und Flufenoxuron Repellent-Eigenschaften bei Anwendungskonzentrationen von \u00a3 0,05 % ermittelt; bei Pyriproxyfen und Tebu-fenocid konnten bis zu Anwendungskonzentrationen von 0,05% keine repellenten Eigenschaften nach-gewiesen werden.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Darstellung des Vorhabens auf der DGfH-Tagung 1998 in Rosenheim.<br \/>\nVer\u00f6ffentlichung der Termiten-Ergebnisse im Rahmen der IRG 2001 in Nara<br \/>\nVer\u00f6ffentlichung der IGR-Eigenschaften im Rahmen der IRG 2002 in Cardiff<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die gestellten Projektziele wurden erreicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Die im Holzschutz bislang eingesetzten Insektizide sind durchweg Neurotoxine mit einem entsprechend breiten Spektrum an potenziellen Nebenwirkungen. 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