{"id":20135,"date":"2023-07-13T15:14:11","date_gmt":"2023-07-13T13:14:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/10745-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:14:13","modified_gmt":"2023-07-13T13:14:13","slug":"10745-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/10745-01\/","title":{"rendered":"Einflu\u00df der Einstreutrocknung auf die Milbenpopulationen in H\u00e4hnchenmastst\u00e4llen und die daraus resultierende m\u00f6gliche Verringerung der Allergenbelastung f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Es soll untersucht werden, welchen Einflu\u00df die Einstreutrocknung auf die Artenzusammensetzung und H\u00e4ufigkeit von Milbenpopulationen in H\u00e4hnchenmastst\u00e4llen hat. Die Untersuchungen werden vergleichend in einem doppelst\u00f6ckigen Stallgeb\u00e4ude mit einem konventionellen und einem nach dem Trampoline-Stallsystem durchgef\u00fchrt. Erste Voruntersuchungen haben ergeben, da\u00df in einem Gramm Substrat im konventionellen Stall mehrere Tausend Milben vorkommen, im getrockneten Substrat des Trampoline-Stalls dagegen nur ein kleiner Bruchteil davon. Die Hausstaub- und Vorratsmilben spielen als Allergen-Produzenten eine wichtige Rolle, und es soll untersucht werden, ob die Substrat-Trocknung auch einen Einflu\u00df auf die Allergenproduktion und -emission hat.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDas Projekt beginnt am 30.01.1997 mit der Einstallung von H\u00e4hnchenk\u00fcken in die beiden Stallsysteme. Als Einstreu wird in beiden St\u00e4llen geh\u00e4ckseltes Stroh (1 kg pro Quadratmeter) eingesetzt. Die Trocknung des Substrates erfolgt durch kontinuierliche Bel\u00fcftung mit der relativ trockenen, warmen Stalluft. Der Milbenbesatz der Einstreu, des Futters und im vorhandenem Staub wird zu Projektbeginn qualitativ und quantitativ untersucht und w\u00e4hrend mehrerer Durchl\u00e4ufe (jeweils 36 Tage) im w\u00f6chentlichen Abst\u00e4nden wiederholt. Au\u00dferdem soll der Gehalt an Milbenderivaten in der Luft ermittelt und die Gesamtemission berechnet werden. Im Sommer 1997 sollen mykologische Untersuchungen durchgef\u00fchrt, da die Trocknung des Substrates einerseits \u00c4nderungen in der Populationsdichte der Milben, andererseits aber auch eine Auswirkung auf die Pilzflora, die teilweise allergene Sporen produzieren, erwarten lassen. Die Probenahme, die Milbenextration und die quantitative Erfassung erfolgt in Vechta. Die Pr\u00e4paration und Determination der Milben erfolgt in Kooperation mit Dr. Dabert von der Universit\u00e4t Posen\/Polen.<br \/>\n\u00dcber Hausstaubmilben in Wohnungen liegen f\u00fcr Deutschland nur wenig Untersuchungen vor, \u00fcber das Vorkommen dieser Milben in Gefl\u00fcgelst\u00e4llen gibt es nur eine Arbeit, bei der aber nicht die Einstreu ber\u00fccksichtigt wird. Wenn durch kontinuierliche Einstreutrocknung das Milbenvorkommen stark eingeschr\u00e4nkt wird, sollte es auch eine Auswirkung (Verringerung) auf die Menge der produzierten Allergene geben und damit auch auf die Belastung der Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die Milbe Sancassania berlesei kommt in beiden untersuchten Stallsystemen und in mehreren St\u00e4llen vor. In konventionellen St\u00e4llen ist sie eudominant und erreicht einen Anteil von bis zu 99 % an der Milbenfauna. Sie kommt im konventionellen Stall in maximalen Populationsdichten von 3.000 bis 5000 Milben pro Gramm Bodensubstrat vor. Eine hohe Substratfeuchtigkeit scheint f\u00fcr ihre Massenentwicklung Voraussetzung zu sein. W\u00e4hrend einer Mastperiode von 36 &#8211; 40 Tagen durchlaufen die Milben dieser Art eine charakteristische Populationsentwicklung. Ungef\u00e4hr zwei Wochen nach Mastbeginn erfolgt ein starker Anstieg der Populationsdichte und nach ungef\u00e4hr drei Wochen ein rapider Zusammenbruch. Eine direkte Korrelation zwischen dem Zusammenbrechen der Population und der Substrattemperatur sowie dem Ammoniakgehalt konnte nicht festgestellt werden. Wahrscheinlich ist eine Kombination verschiedener Um-weltfaktoren und die davon ausgehende Wirkung f\u00fcr diesen Zusammenbruch verantwortlich. Dieses Ph\u00e4nomen konnte neunmal in insgesamt drei konventionellen St\u00e4llen beobachtet werden.<br \/>\nSancassania berlesei hat bei 38\u00b0 C eine Generationsdauer (von Ei zu Ei) von sieben Tagen. Die Lebensdauer kann einige Monate betragen. Bei 42\u00b0 C findet noch eine Entwicklung statt. Die Lethaltemperatur liegt bei 45\u00b0 C. Die kurze Generationsdauer erm\u00f6glicht es der Milbe, in kurzer Zeit so gro\u00dfe Populationen aufzubauen. Sie bildet unter ung\u00fcnstigen Lebensbedingungen Dauerstadien. Ihr prozentualer Anteil in der Population nimmt gegen Ende der Mastperiode zu und kann nach dem Ausstallen in Substratresten 31 % der Gesamtpopulation erreichen.<br \/>\nDie Besiedlung des Substrates bei einem neuen Mastdurchgang kann auf verschiedene Wege erfolgen: von verbliebenen Substratresten nach dem Ausstallen, mit dem eingebrachten Stroh, mit dem Futter und durch Phoresie (Transport der Dauerstadien z. B. durch Schwarzk\u00e4fer).<br \/>\nDie Substrattrocknung im Trampoline-System f\u00fchrt zu einer starken Reduktion der Milben. Der Maximalwert der Population von Sancassania berlesei ist in Halle nur 0,1 % so gro\u00df wie der der Population dieser Milbe zur selben Zeit im konventionellen System, in Werlte sogar nur 0,01 %. Der weitere Vergleich der Stallsysteme ergibt, da\u00df die Allergene produzierenden Milben in Halle im Trampoline-Stall h\u00e4ufiger vorkamen, in Werlte dagegen im konventionellen Stall (bis 6% der Milbenfauna).<br \/>\nIm Trampoline-Stall sind trotz geringerer Feuchtigkeit im Substrat deutlich mehr Schimmelpilze zu finden. Es ist im Verlauf eines Mastdurchganges eine Zunahme der Schimmelpilze zu beobachten und nach drei bis vier Wochen ein Zusammenbruch. In Werlte wurde im Substrat ein Maximalwert von 353 Mio. Keimen\/g erreicht, der damit 23,5 mal so hoch war wie im konventionellen System. Nach dem Zusammenbruch der Schimmelpilzpopulation ist das Schimmelpilzvorkommen im Trampoline-System noch 530 mal so hoch wie im konventionellen Stallsystem. Eine quantitative Erfassung der Schimmelpilze in der Stalluft w\u00e4hrend eines Mastdurchganges ergab im Trampoline-System w\u00e4hrend eines Mastdurchganges einen viermal so hohen Wert wie im konventionellen Stall.<br \/>\nSancassania berlesei ern\u00e4hrt sich von Schimmelpilzen. Es ist sehr wahrscheinlich, da\u00df diese Milben im Substrat im konventionellen Stall die Schimmelpilze fressen und damit eine bisher nicht bekannte Bedeutung bei der Begrenzung des Schimmelpilzwachstums haben. Gegen Ende der Mastperiode befinden sich im konventionellen Stall die Milben und Schimmelpilze auf einem niedrigen Niveau.<br \/>\nEs liegen bisher keine Angaben vor, da\u00df Sancassania berlesei Allergien ausl\u00f6sen kann. Untersuchungen des Staubs in den H\u00e4hnchenmastst\u00e4llen (auch aus der Luft) haben f\u00fcr die beiden Stallsysteme keine signifikanten Unterschiede ergeben.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>&#8211; Ehrnsberger, R. &#038; Dabert, J. (1998): Comparison of dynamic of acaridid mites population in two different types of poultry breeding systems in Germany. &#8211; Posterpr\u00e4sentation auf dem 10th Intern. Congr. Acarology, Australia, im Juli 1998.<br \/>\n&#8211; Ehrnsberger, R. &#038; Blaszak, C. (1999): Mesostigmate Milben im Bodensubstrat in der H\u00e4hnchenmast in zwei Stallsystemen in Niedersachsen. &#8211; Osnabr\u00fccker Naturwiss. Mitt. 25: im Druck.<br \/>\n&#8211; Ehrnsberger, R. &#038; Dabert, J. (1999): Einflu\u00df der Einstreutrocknung auf die Milbenpopulationen in H\u00e4hnchenmastst\u00e4llen. &#8211; Archiv f\u00fcr Gefl\u00fcgelwirtschaft, in Vorbereitung.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Einstreutrocknung im Trampoline-System f\u00fchrt im Vergleich zum konventionellen System zu einer Reduktion der Milbenpopulation auf ca. 0,1%. Gleichzeitig ist trotz der geringeren Substratfeuchte ein deutlich h\u00f6heres Schimmelpilzvorkommen festzustellen, was zu einer erh\u00f6hten Pilzsporen-Emission f\u00fchren mu\u00df. Im konventionellen Stall begrenzt die massenhaft auftretende Milbe Sancassania berlesei das Pilzwachstum. Da diese Milbe nach bisherigem Kenntnisstand wahrscheinlich keine Allergene produziert, f\u00fchrt die Substrattrocknung im Trampoline-System demnach auch nicht zu einer Reduzierung der Allergenbelastung durch Milben in der Umgebung der St\u00e4lle.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Es soll untersucht werden, welchen Einflu\u00df die Einstreutrocknung auf die Artenzusammensetzung und H\u00e4ufigkeit von Milbenpopulationen in H\u00e4hnchenmastst\u00e4llen hat. Die Untersuchungen werden vergleichend in einem doppelst\u00f6ckigen Stallgeb\u00e4ude mit einem konventionellen und einem nach dem Trampoline-Stallsystem durchgef\u00fchrt. 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