{"id":20114,"date":"2023-07-13T15:11:25","date_gmt":"2023-07-13T13:11:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/06478-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:11:26","modified_gmt":"2023-07-13T13:11:26","slug":"06478-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/06478-01\/","title":{"rendered":"\u00d6kologische, wasserbauliche und \u00f6konomische Untersuchungen zur Renaturierung von Flie\u00dfgew\u00e4ssern mit Totholz"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Herk\u00f6mmliche Renaturierungsverfahren von Flie\u00dfgew\u00e4ssern verursachen hohe Kosten bis zu mehreren hunderttausend DM pro Flie\u00dfkilometer. Das Vorhaben dient der exemplarischen Entwicklung und praktischen Erprobung eines kosteng\u00fcnstigen und \u00fcbertragbaren Verfahrens, das die eigendynamische R\u00fcckentwicklung begradigter Gew\u00e4sser f\u00f6rdert und an tiefenerodierten B\u00e4chen zur Anhebung der Gew\u00e4ssersohle f\u00fchrt. Kern der Ma\u00dfnahme ist das gezielte Einbringen von Totholz in begradigte und eingetiefte Gew\u00e4sser.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie Untersuchungen wurden an zwei B\u00e4chen (Eifa und Haberbach) im Raum Alsfeld (Vogelsbergkreis, Hessen) durchgef\u00fchrt. In der ersten Phase (Juni 1997 &#8211; Januar 1998) wurde der Ausgangszustand der Gew\u00e4sser aufgenommen. Dabei wurden sowohl gew\u00e4ssermorphologische, hydrologische und hydraulische Parameter (Universit\u00e4t Karlsruhe), als auch die Besiedlung der B\u00e4che (Makrozoobenthos, Fische, Uferfauna) (Universit\u00e4t Marburg, ab 1.2.1999 Universit\u00e4t Hannover) untersucht. Die Ma\u00dfnahmen selbst wurden im Januar 1998 in Zusammenarbeit mit dem Forstamt Alsfeld, der Stadt Alsfeld und dem Zweckverband Schwalm erfolgreich durchgef\u00fchrt. Dazu wurden gr\u00f6\u00dfere Baumst\u00e4mme aus der direkten Gew\u00e4sserumgebung so gef\u00e4llt, dass sie teilweise im Gew\u00e4sser zu liegen kamen. Es wurde erwartet, dass sich dadurch nat\u00fcrliche Schwellen, bzw. dammartige Strukturen bilden, die sowohl zu Seitenerosion als auch zur Aufschotterung und Anhebung der Gew\u00e4ssersohle f\u00fchren. In der zweiten Phase (Februar 1998 &#8211; M\u00e4rz 2001) sollten die eintretenden Ver\u00e4nderungen in der Gew\u00e4ssermorphologie und Hydrologie und ihre Auswirkungen auf die Besiedlung der Gew\u00e4sser und ihrer Ufer dokumentiert und bewertet werden. \u00d6konomische Untersuchungen (Universit\u00e4t Greifswald, WAGU GmbH) zu den Kosten der durchgef\u00fchrten Renaturierungsma\u00dfnahmen, im Vergleich mit herk\u00f6mmlichen Verfahren, erm\u00f6glichten abschlie\u00dfend eine umfassende Kosten-Nutzen-Analyse des neuen Verfahrens. Alle Projektbeteiligten und betroffene Anlieger wurden in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden im Rahmen von Arbeitsgruppen (Runder Tisch) in das Vorhaben eingebunden. Auf einem abschlie\u00dfenden Workshop am 5. und 6.9.2001 wurden die Ergebnis-se vor potenziellen Anwendern und Multiplikatoren vorgestellt und diskutiert.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die Ma\u00dfnahmen wurden am 13.1.1998 durchgef\u00fchrt. Ufernahe B\u00e4ume wurden gef\u00e4llt und mit Seilwinden bzw. R\u00fcckeschleppern in Position gebracht. Als besonders positiv ist hervorzuheben, dass die Ma\u00dfnahmen an beiden B\u00e4chen innerhalb eines einzigen Tages durchgef\u00fchrt werden konnten, dass praktisch keine Eingriffe im Ufer- und Auebereich verursacht wurden und keine Spezialkenntnisse oder spezielle Maschinen erforderlich waren.<br \/>\nDie Ma\u00dfnahmen f\u00fchrten bereits in der vergleichsweise kurzen Projektlaufzeit zu einer deutlichen Erh\u00f6hung der Strukturvielfalt auf der Gew\u00e4ssersohle. Die Retention von fein- (FPOM) und grobpartikul\u00e4rem (CPOM) organischem Material wurde deutlich erh\u00f6ht. Dadurch, und durch die h\u00f6here Habitatdiversit\u00e4t wurden auch die Lebensbedingungen f\u00fcr das Makrozoobenthos deutlich verbessert. Auch die Bedingungen f\u00fcr die Fischfauna, insbesondere die autochthone Bachforellenpopulation, haben sich durch die Ma\u00dfnahme verbessert. Vor allem die Jugendstadien profitierten durch die h\u00f6here Strukturvielfalt. Fang-Wiederfang Experimente zeigten, dass die eingebrachten Totholzstrukturen auf die Mobiltit\u00e4t der Bachforelle keinen Einfluss hatten.<br \/>\nDie zeitlich unmittelbare hydraulische Wirkung der Totholzstrukturen zeigte sich an beiden Gew\u00e4ssern durch den R\u00fcckstau oberhalb der Elemente. Zeitlich mittelbare hydraulische Wirkungen durch Sohlh\u00f6henauflandungen sind auf Grund der relativ langsamen morphodynamischen Entwicklung innerhalb des Projektzeitraumes noch nicht nachweisbar, aber langfristig zu erwarten. Die Lage des Totholzes war sehr stabil, Lagever\u00e4nderungen innerhalb der Messgenauigkeit nicht nachweisbar. Die Sohlh\u00f6he hat sich im Projektzeitraum oberhalb der ersten Totholzstrukturen leicht aufgelandet, dabei traten an der Eifa Akkumulationen von wenigen dm, am Haberbach von wenigen cm auf. An beiden Gew\u00e4ssern tritt ein erheblicher Mangel an nat\u00fcrlichem Geschiebeeintrag als limitierender Faktor der Bettbildung auf. F\u00fcr die Totholzstrukturen ist derzeit eine Gef\u00e4hrdung von Unterliegern nicht nachweisbar, vielmehr wurde im Oberwasser eingetriebenes Totholz in den neu eingebrachten Strukturen zur\u00fcckgehalten.<br \/>\nF\u00fcr 81 konventionelle Renaturierungsprojekte wurden durchschnittlich Kosten der durchgef\u00fchrten Ma\u00dfnahmen in H\u00f6he von 358 \u0080 \/ lfd. m ermittelt. Die tats\u00e4chlichen Kosten lagen an Eifa und Haberbach, auf Grund der vielen Eigenleistungen, nur bei ca. 3 bzw. 1 \u0080\/m. W\u00e4ren die Ma\u00dfnahmen nicht im Rahmen des Projektes durchgef\u00fchrt worden, h\u00e4tten die Kosten f\u00fcr Planung, Ma\u00dfnahmen und Grunderwerb ca. 29 bzw. 25 \u0080\/m betragen. F\u00fcr beide B\u00e4che wurden auch konventionelle Renaturierungsplanungen erstellt, die zu Kosten von 170 bzw. 98 \u0080\/m  gef\u00fchrt h\u00e4tten. Renaturierungskonzepte mit Totholz sind also wesentlich kosteng\u00fcnstiger, und sind auch aus \u00f6kologischer Sicht als sehr positiv zu bewerten. Allerdings verlaufen die Prozesse der eigendynamischen Gew\u00e4sserentwicklung je nach Gew\u00e4ssertyp zum Teil sehr langsam. Das Renaturierungsziel wird also erst in l\u00e4ngeren Zeitr\u00e4umen erreicht.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Das Projekt und seine Ergebnisse wurden in 14 Fachver\u00f6ffentlichungen publiziert, weitere Arbeiten sind in Druck bzw. in Vorbereitung. Dazu kommen \u00fcber 20 Vortr\u00e4ge auf nationalen und internationalen Tagungen und bei Naturschutz-Akademien, verschiedene Beitr\u00e4ge in der regionalen und \u00fcberregionalen Presse und im Fernsehen. Mitarbeiter haben das Projekt bei einer Vielzahl von Weiterbildungsveranstaltungen der Fachverwaltungen, Zweckverb\u00e4nde und Gew\u00e4ssernachbarschaften vorgestellt und so in mehreren Bundesl\u00e4ndern Multiplikatorenschulung betrieben. Ein Workshop wurde 1997 in Marburg veranstaltet, um das Projekt mit Fachwissenschaftlern zu diskutieren. Ein Tagungsband liegt vor. Der zweite Workshop im September 2001 diente dazu, die Projektergebnisse vor den potenziellen Anwendern zu pr\u00e4sentieren, und die M\u00f6glichkeiten und Grenzen der k\u00fcnftigen Anwendung zu diskutieren. Ein Tagungsband befindet sich in Vorbereitung und wird noch 2002 erscheinen, ein Internetauftritt mit den wichtigsten Projektergebnissen wird bis dahin ebenfalls erstellt.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Das neue Verfahren hat sich aus \u00f6kologischer und aus \u00f6konomischer Sicht sehr bew\u00e4hrt und stellt damit eine echte Alternative zu konventionellen Konzepten dar. Auch aus wasserbaulicher Sicht waren positive Ver\u00e4nderungen zu beobachten, die aber langsamer erfolgten als erwartet. Das Verfahren wird deshalb besonders f\u00fcr geschiebereiche Gew\u00e4sser empfohlen. An geschiebearmen Gew\u00e4ssern m\u00fcssen l\u00e4ngere Zeitr\u00e4ume einkalkuliert, oder das Verfahren durch zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen (z.B. Geschiebezugaben) op-timiert werden. Eine wichtige Rolle spielt die Vermeidung von Risiken durch Treibholz. Neben der Aus-wahl unkritischer Renaturierungsstrecken werden hier verschiedene punktuelle Ma\u00dfnahmen vorgestellt und diskutiert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Herk\u00f6mmliche Renaturierungsverfahren von Flie\u00dfgew\u00e4ssern verursachen hohe Kosten bis zu mehreren hunderttausend DM pro Flie\u00dfkilometer. 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