{"id":20109,"date":"2023-07-13T15:13:34","date_gmt":"2023-07-13T13:13:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/09810-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:13:34","modified_gmt":"2023-07-13T13:13:34","slug":"09810-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/09810-01\/","title":{"rendered":"Studie: Bedingungen \u00f6kologischer Innovation im Bauhandwerk"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Trotz vielf\u00e4ltiger Beispiele ist \u00d6kologisches Bauen und (vor allem) \u00d6kologisches Sanieren noch keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit in der Baupraxis. Absicht des Vorhabens war es deshalb, einen aktiven Beitrag zur breitenwirksamen Umsetzung von nachhaltigem, \u00f6kologischem Bauen zu liefern. Ziel des Projektes war es, \u00f6kologisches Bauen in der gesamten Akteurskette, bei Architekten\/Planern, Handwerkern\/Herstellern, Beh\u00f6rden, Verb\u00e4nden, Investoren, Bautr\u00e4gern und Bauherren mehrheits- und zukunftsf\u00e4hig zu machen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDas Projekt startete mit einer ausf\u00fchrlichen Literaturauswertung. Die Literaturanalyse zeigte:<br \/>\n\u00b7\teinen deutlichen Mangel an Leitbildentwicklung und an Professionalit\u00e4t,<br \/>\n\u00b7\tein diffuses bis widerspr\u00fcchliches Verst\u00e4ndnis von \u00f6kologischem Bauen,<br \/>\n\u00b7\teine Dominanz technischer Thematisierung \u00f6kologischen Bauens,<br \/>\n\u00b7\t\u00f6kologisches Bauen als sozialer und als Lernprozess wird ausgeblendet.<br \/>\nDer zweite Arbeitsschritt waren Fallstudien in Freiburg und Bremen. Beispielhaft wurden Bauverlaufs- und Bauorganisationsprozesse analysiert und zwar von der Planung \u00fcber die Durchf\u00fchrung bis zur Vermarktung. Dabei wurden In zahlreichen Expertengespr\u00e4chen mit Bauakteuren und durch die Analyse vorhandener Materialien die Organisations-, Entscheidungs- und Bauablaufsprozesse rekonstruiert, um dadurch nicht nur verallgemeinerbare Hinweise \u00fcber die Hemmnisse \u00f6kologischen Bauens zu gewinnen, sondern auch in erster N\u00e4herung Anforderungen an den Innovationsprozess \u00f6kologisches Bauen.<br \/>\nDer dritte Schritt war die Organisation von Runden Tischen \u00f6kologisches Bauen in Freiburg wie in Bremen unter Beteiligung aller Bauakteure. Die Leitfragen waren: welche Faktoren und welche Akteurskonstellationen in der Baupraxis bef\u00f6rdern bzw. hemmen nachhaltiges Bauen und Sanieren? Was also ist zu tun? Besonders hinzuweisen ist auf die aktive Zuarbeit durch den bundesweiten Projektbeirat, der Repr\u00e4sentanten der wichtigsten am Bauen beteiligten Akteursgruppen versammelte.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Literaturauswertung, Fallstudien und Diskussionen der verschiedenen Akteursgruppen (von der \u00f6ffentlichen Verwaltung, den Bauherren, den Architekten, den Handwerkern, etc) auf den Runden Tischen haben deutlich gemacht:<br \/>\n\u00b7\tNoch immer arbeiten die Bauakteure mehr oder minder als Einzelk\u00e4mpfer: Die Verb\u00e4nde und Kammern halten sich weitgehend zur\u00fcck.<br \/>\n\u00b7\tDie Praxis ist eher konzeptlos, handgestrickt: Der Mangel an Professionalisierung nachhaltiger Baupraxis ist auffallend.<br \/>\n\u00b7\tViel an erworbenem Wissen und an Erfahrung aus der Baupraxis bleibt individuell, wird nicht weitergereicht: Wissenstransfer findet kaum statt.<br \/>\n\u00b7\tDas wichtigste Ergebnis all der vielen Diskussionen und Analysen war, dass die Bauakteure die eingetretenen, gewohnten Pfade der bisherigen Baupraxis verlassen m\u00fcssen, d.h. im einzelnen:<br \/>\n\u00b7\tEin Konsens \u00fcber ein Leitbild f\u00fcr \u00f6kologisches Bauen und Sanieren kann nur dann herbeigef\u00fchrt werden, wenn das (bestehende) Bed\u00fcrfnis, Erfahrungen und Informationen auszutauschen erf\u00fcllt wird.<br \/>\n\u00b7\tEine breitenwirksame Umsetzung \u00f6kologischer Baupraxis kann nur dann erreicht werden, wenn \u00f6kologisches Bauen als Gemeinschaftsprojekt aller Bauakteure verstanden wird.<br \/>\n\u00b7\tUm \u00f6kologisches Bauen breitenwirksam werden zu lassen, m\u00fcssen die Bauakteure nachhaltiges Bauen als Teamaufgabe begreifen und eine neue Kultur der Bauorganisation umsetzen. \u00d6kologisches Bauen ist ein gemeinsamer Lernprozess und \u00f6kologisches Bauen erfordert, dass die Beteiligten bereit sind, Gewohnheiten aufzugeben und neue Rollen zu lernen. Sie m\u00fcssen einen gr\u00f6\u00dferen Planungs- und Koordinationsaufwand leisten und neue, engere Kommunikation und Koordination sichern.<br \/>\n\u00b7\tArchitekten und Planer m\u00fcssen ihre Rolle als Generalist verlassen. Sie m\u00fcssen bereit sein, die Kompetenz von Handwerk und Bauherrn anzuerkennen, die notwendig engere Kooperation zwischen diesen voranzutreiben und ihre eigene als Planer und zugleich Moderator zu erf\u00fcllen.<br \/>\n\u00b7\tDas Handwerk muss bereit sein, aktiv die Rolle des gleichberechtigten, beratenden, mitplanenden, optimierenden Partners zwischen Architekten und Bauherrn zu erf\u00fcllen. Das erfordert neben erweiterten technischen insbesondere neue soziale Kompetenzen. Und es erfordert die Bereitschaft zu erweiterter Kooperation zwischen den Betrieben\/Branchen des Handwerks.<br \/>\n\u00b7\tDie Verb\u00e4nde und Kammern m\u00fcssen untereinander zu deutlich mehr Kooperation bereit sein. Sie m\u00fcssen verbands\u00fcbergreifende strategische Ziele entwickeln. Ihre Beratungs- und Informationsleistung f\u00fcr ihre Mitglieder muss sich deutlich mehr auf Organisationsberatung beziehen, auf kooperative Arbeitsformen des Bauprozesses. Die Aus-, Fort- und Weiterbildung muss sich entsprechend umorientieren.<br \/>\n\u00b7\tDie staatliche, l\u00e4nder- und kommunale Ebene muss ein eindeutiges, einfaches und zugleich flexibles Regelwerk \u00f6kologischen Bauens entwickeln, das sich in den Kanon der Regelungen traditioneller Baupraxis widerspruchsfrei einordnet. Dabei sind die unterschiedlichen Planungs- und Verordnungsebenen zu integrieren (Bauleitplanung, Stadt- und Regionalplanung, Energieplanung, Verkehrsplanung etc). Zudem muss sie ihre Steuer- und Subventionspraxis an Zielen nachhaltiger Baupraxis ausrichten.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Das Projekt entsprach durch die Organisation der Runden Tische, durch vielf\u00e4ltige Presseinformation und insbesondere durch die Denkschrift Modern Bauen hei\u00dft \u00f6kologisch Bauen dem Bedarf an \u00f6ffentlicher Diskussion \u00fcber nachhaltiges Bauen und Sanieren. \u00d6ffentliche Pr\u00e4sentationen:<br \/>\n&#8211;\tProjektpr\u00e4sentation z.B. bei den Umweltzentren des Handwerks, auf der Vauban-Tagung in Freiburg im Rahmen der Expo 2000,<br \/>\n&#8211;\tEinschaltung lokaler Presse, Protokolle der Runden Tische im Internet,<br \/>\n&#8211;\tExpertentagung zum Projektabschluss in Osnabr\u00fcck,<br \/>\n&#8211;\tDenkschrift (\u00fcber mehrere Adressen) als pdf-Datei im Internet,<br \/>\n&#8211;\tBuchver\u00f6ffentlichung bei Campus (in Verhandlung),<br \/>\n&#8211;\tnach Projektabschluss erfolgten zahlreiche Einladungen zur Ergebnispr\u00e4sentation.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Das Projekt hat die Debatte \u00fcber nachhaltiges Bauen und Sanieren erkennbar aufleben lassen (das zeigt sich am besten an dem gro\u00dfen Interesse an der Denkschrift; die erste Auflage mit 2.500 Exemplaren war schnell vergriffen; die zweite Auflage wurde gedruckt). Das Vorhaben hat eine Reihe neuer Projektideen und Kooperationsm\u00f6glichkeiten angesto\u00dfen, in Bremen und in Freiburg, aber auch im europ\u00e4ischen Rahmen. So soll z.B. untersucht werden, welche Konsequenzen europ\u00e4ische Umweltvorschriften in Zukunft f\u00fcr nachhaltiges Bauen haben; auch sind regionale Ans\u00e4tze zur \u00d6kologisierung des Handwerks und der Klein- und Mittelbetriebsarbeit in Diskussion (\u00d6koValley zwischen Basel und Mannheim).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Trotz vielf\u00e4ltiger Beispiele ist \u00d6kologisches Bauen und (vor allem) \u00d6kologisches Sanieren noch keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit in der Baupraxis. Absicht des Vorhabens war es deshalb, einen aktiven Beitrag zur breitenwirksamen Umsetzung von nachhaltigem, \u00f6kologischem Bauen zu liefern. 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