{"id":20073,"date":"2023-07-13T15:15:00","date_gmt":"2023-07-13T13:15:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/11999-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:15:03","modified_gmt":"2023-07-13T13:15:03","slug":"11999-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/11999-01\/","title":{"rendered":"Modellhafte Entwicklung und Umsetzung konservatorischer Ma\u00dfnahmen an der umweltgesch\u00e4digten Renaissance-Fassade des L\u00fcbecker Rathauses (Schleswig-Holstein)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Das Vorhaben zielt auf die Entwicklung bzw. Optimierung von Verfahren zur Konservierung und Restaurierung des Natursteininventars der Renaissance-Fassade des L\u00fcbecker Rathauses. Die Fassade weist heute starke Sch\u00e4den an den verbauten Natursteinen, besonders am Ursprungsmaterial dem Gotland Sandstein auf. Im Vorhaben sollen die bisher ungel\u00f6sten Problemstellungen zu den Aspekten Festigung des Steinmaterials (Mittel, Applikation), Steinerg\u00e4nzung (Material) sowie abschlie\u00dfender Schutz (Konservierung) der Fassade mittels erneuter Farbfassung (oder anderen Methoden) in Vorversuchen erforscht und die Ergebnisse in der nachfolgenden Ma\u00dfnahme umgesetzt werden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDas Vorhaben wird durch eine Gruppe betreut, die verteilt auf unterschiedliche Schwerpunkte die verschiedenen Aspekte bearbeitet: Uni Thorn: Festigung, Hydrophobierungsm\u00f6glichkeit, Steinerg\u00e4nzung; DBM: Festigung, Farbfassung, Koordinierung; Restaurator J. Seebach: Ma\u00dfnahmenbetreuung vor Ort. Das Arbeitsprogramm wird eine Vorbereitungs-, Untersuchungs- und Ma\u00dfnahmephase umfassen: Die kurze Vorbereitungs- oder Koordinierungsphase beinhaltet Objektbegehungen, eine aktuelle Grobkartierung der kritischen Bereiche mit Darstellung der Konsequenzen f\u00fcr die Ma\u00dfnahme, Abstimmungen der konkreten Aufgabenstellung im Gesamtprojektteam und die Einbindung aller bereits abgekl\u00e4rter oder neben dem Projekt laufender Therapiema\u00dfnahmen in ein Gesamtkonzept.<br \/>\nDie Untersuchungsphase umfasst Laboruntersuchungen und Entwicklungen an Testk\u00f6rpern und Modellfl\u00e4chen an der Fassade zu den oben genannten noch offenen Fragen bei der Instandsetzung sowie die Umsetzung von Laborkonzepten in konkrete, anwendbare Vorgehensweisen am Objekt. Abschlie\u00dfend soll die Ma\u00dfnahmenphase mit der eigentlichen Umsetzung der Ergebnisse aus Vorbereitungs- und Untersuchungsphase in die Bauausf\u00fchrung stattfinden. Diese beinhaltet die Einweisung der ausf\u00fchrenden Firmen, Begleitung der Ma\u00dfnahme sowie Qualit\u00e4tskontrolle w\u00e4hrend und nach den Arbeiten und die Erstellung eines zuk\u00fcnftigen Pflegekonzeptes.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Als erster Schritt der Arbeiten wurde eine Kartierung der Fassade in Zusammenarbeit mit dem begleitenden Restaurator unternommen. Bei dieser Arbeit konnte ein Photobildplan erstellt und genutzt werden, der eine Fl\u00e4chenauswertung der verschiedenen Dokumentationsthemen mittels AUTO-CAD erm\u00f6glichte. Ermittelt wurden die Aspekte: verbautes Natursteinmaterial; Schadenstyp und Restaurierungsem-pfehlung. Der besonders interessierende Gotland Sandstein z. B. ist bei einer Gesamtoberfl\u00e4che der Fassade von ca. 350 m\u00b2 noch zu ca. 14 % darin verbaut. Die ma\u00dfstabsgerechte Aufnahme im Fotoplan und der Rechnereinsatz erm\u00f6glichte eine sehr gute Absch\u00e4tzung des Aufwandes f\u00fcr die verschiedenen Erhaltungsma\u00dfnahmen und bildete eine wichtige Grundlage f\u00fcr Ausschreibung und Umsetzung der Arbeiten. Bei dieser vorangehenden Begutachtung wurden noch die Themen Natursteinaustausch, Fugenausr\u00e4umen und Neuverfugung als wichtig im Gesamtkontext der Ma\u00dfnahme erkannt und mit den spezifischen Projektthemen in Abstimmung gebracht.<br \/>\nIm Rahmen von intensiven Laborstudien wurden zu den genannten Zielen folgende Erkenntnisse f\u00fcr die Restaurierungsarbeiten gewonnen:<br \/>\n&#8211; Hydrophobierungsm\u00f6glichkeit des Gotland Sandsteins (Uni Thorn): Untersucht wurde eine oberfl\u00e4chennahe und eine strukturelle Hydrophobierung. Als beste Schutzstoffe (Auswahl unter 15 Pr\u00e4paraten, \u00fcberwiegend Si-organische Stoffe) erwiesen sich nach den Untersuchungen (Eigenschaften der Pr\u00e4parate, Verteilung im Stein, Reduktion der Wasseraufnahme, Frostbest\u00e4ndigkeit) Maxclear water repellant und Keim Lotexan N. Auf eine Hydrobobierung der Fassade wurde schlie\u00dflich allerdings verzichtet, da eine Angleichung des Farbeindruckes des Steinmaterials erzielt werden sollte und dies mit einem sch\u00fctzenden Farbsystem angestrebt wurde. Die Ergebnisse zur Hydrophobierung bilden jedoch eine wichtige grunds\u00e4tzliche Information f\u00fcr andere Gotland-Objekte.<br \/>\n&#8211; Festigung des Gotland Sandsteins (Uni Thorn, DBM): F\u00fcr das zumeist tiefgreifend gesch\u00e4digte Material wurde eine strukturelle Festigung beschlossen; nach Voruntersuchungen wurde ein zweistufiges Kompressenverfahren mit zun\u00e4chst einem Standardfestiger Remmers Funcosil 300 gefolgt von einem elastifizierten Festiger 300E (mit einer gesamten Eindringtiefe von bis zu 7 cm) als Optimum f\u00fcr eine Anpassung der Festigkeitswerte gefunden.<br \/>\n&#8211; Steinerg\u00e4nzung (Uni Thorn, DBM): In Polen wurde eine Rezeptur speziell f\u00fcr den Gotland Sandstein entwickelt (Zement : Quarzmehl : Sand : Wasser mit 1:1:7:1,70). Diese wurde im DBM mit handels\u00fcblichen Restaurierungsm\u00f6rteln (schl\u00e4mmf\u00e4hig) verglichen und in Ihren bauphysikalischen Parametern \u00fcberpr\u00fcft. Eine entscheidende Besserstellung des experimentellen Produktes wurde nicht gesehen und wegen der Garantieaspekte das Produkt Rajasil Steinrestaurierm\u00f6rtel (&#038;- spezial schl\u00e4mmf\u00e4hig) vorgeschlagen.<br \/>\n&#8211; Farbsystem (DBM): Es wurden unterschiedliche Farbsysteme getestet (Kalk, Silikat, Siliconharz, \u00d6lfarben). Die Entscheidung fiel f\u00fcr ein hydrophobes System, um sowohl Wassereintrag zu verhindern als auch die Migration von Eisenbestandteilen (aus dem Elbsandstein an die Oberfl\u00e4che) zu vermeiden (sonst Fleckigkeit der Farbfassung). Eine Lein\u00f6l-Bleiwei\u00df-Farbe bot die beste M\u00f6glichkeit einen gebrochenen Wei\u00dfton (Wahl der Denkmalpflege) an der Fassade zu verwirklichen.<br \/>\nAlle Laborergebnisse wurden in der Ma\u00dfnahme in den Jahren 2002 bis 2003 umgesetzt und so best\u00e4-tigt.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Das Projekt wurde zu verschiedenen Stadien bei Symposien\/Workshops vorgestellt: Farbe in der Steinrestaurierung, Kloster Nimbschen 1999 (Ochwat, Br\u00fcggerhoff); EDV in der Restaurierung, Aurich, 2001 (Ochwat, Seebach), Anstriche auf Naturstein, Wunsiedel, 2003 (Br\u00fcggerhoff). Eine Ergebnisdarstellung erfolgte auch in Polen (Uni Thorn): Publikation in Biuletyn (Journal of Conservation and Restoration) 13, 2002. Die \u00d6ffentlichkeit wurde w\u00e4hrend der Restaurierungsma\u00dfnahmen durch Pressemitteilungen, Posterw\u00e4nde am Objekt und Baustellenf\u00fchrungen (Seebach) ausf\u00fchrlich informiert.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Arbeiten in L\u00fcbeck haben die Zweckm\u00e4\u00dfigkeit von ausf\u00fchrlichen Voruntersuchungen und eine wissenschaftliche Begleitung der Restaurierungsma\u00dfnahmen klar aufgezeigt. F\u00fcr das urspr\u00fcngliche Baumaterial, den Gotland Sandstein wurden geeignete Materialien f\u00fcr spezifische Fragestellungen wie Festigung, Hydrophobierung und Steinerg\u00e4nzung gefunden. Bei der Vielzahl unterschiedlicher Gesteine in einer Fassade, in L\u00fcbeck durch fr\u00fchere Austauschma\u00dfnahmen eingebracht, ist aber bei \u00fcbergreifenden Erhaltungsma\u00dfnahmen h\u00e4ufig nur ein Kompromiss m\u00f6glich. Dies zeigte sich in L\u00fcbeck besonders beim Schutz und \u00e4sthetischen Ausgleich der Gesamtfassade. Die Wahl eines Farb- bzw. Beschichtungssystems wird sowohl durch die bauphysikalischen Parameter als auch durch den Chemismus aller Gesteine beeinflusst. So resultierte am Ende die unkonventionelle Entscheidung f\u00fcr den Anstrich mit einem historischen Lein\u00f6l-Bleiwei\u00df-System und eine damit verbundene, erh\u00f6hte Pflegeaufmerksamkeit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Das Vorhaben zielt auf die Entwicklung bzw. Optimierung von Verfahren zur Konservierung und Restaurierung des Natursteininventars der Renaissance-Fassade des L\u00fcbecker Rathauses. Die Fassade weist heute starke Sch\u00e4den an den verbauten Natursteinen, besonders am Ursprungsmaterial dem Gotland Sandstein auf. 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