{"id":20020,"date":"2023-07-13T15:08:31","date_gmt":"2023-07-13T13:08:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/01604-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:08:32","modified_gmt":"2023-07-13T13:08:32","slug":"01604-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/01604-01\/","title":{"rendered":"Modellvorhaben: Innovative Analyse- und Dokumentationsverfahren zur Erarbeitung von Therapiekonzepten im Bereich der umweltgesch\u00e4digten Wandmalereien in der Stiftskirche K\u00f6nigslutter"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Belastungen historischer Innenr\u00e4ume und dazugeh\u00f6render Ausstattungsteile stellen ein essentielles denkmalpflegerisches Problem dar: Feuchteinfl\u00fcsse, Lichteinwirkungen, Schwankungen des Raumklimas, vor allem aber auch Einfl\u00fcsse von Luftverunreinigungen erzeugen komplexe Umgebungsbedingungen, worauf Objekte und Materialien empfindlich reagieren. Die verschiedenen Entstehungsfaktoren, insbesondere das spezifische Schadenspotential und die Umwelteinfl\u00fcsse, m\u00fcssen bei der Vorbereitung und Durchf\u00fchrung von Erhaltungsma\u00dfnahmen ber\u00fccksichtigt werden. Dabei gilt es, bisweilen sehr heterogene Informationen zu erfassen, zu vernetzen und in der Regel interdisziplin\u00e4r auszuwerten.<br \/>\nDie Entwicklung und \u00dcberpr\u00fcfung von innovativen Verfahren f\u00fcr die Erfassung aller Schadenskomplexe wurde in einem Modellvorhaben von 1994-97 an der als Kulturdenkmal von besonderen Rang geltenden Stiftskirche in K\u00f6nigslutter durchgef\u00fchrt. Da die Stiftskirche als potentieller Tr\u00e4ger von vielf\u00e4ltigen Umweltbelastungen im industriell verdichteten Raum galt, entschied sich das Nieders\u00e4chsische Landesamt f\u00fcr Denkmalpflege f\u00fcr eine tiefgreifende Dokumentation und Analyse aller vorhandenen Sch\u00e4den und ihrer Entstehungszusammenh\u00e4nge. Ein besonderes Augenmerk richtete man dabei auf umweltbedingte Probleme der Innenraummalerei.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie Wandmalereien der romanischen Stiftskirche stellen das hervorstechende Moment und zugleich ein Charakteristikum f\u00fcr historisierende Ausmalungen von Kirchenr\u00e4umen im ausgehenden 19. Jahrhundert dar. Zu Beginn des Projektes im Jahr 1992 zeigten sie gravierende Besch\u00e4digungen in Form von Salzausbl\u00fchungen, Farbver\u00e4nderungen und auffallender mikrobieller Besiedlung, die auf Beeintr\u00e4chtigungen auch der unterliegenden mittelalterlichen Substanzen schlie\u00dfen lie\u00dfen.<br \/>\nIn einem ersten Arbeitsschritt galt es, s\u00e4mtliche Prim\u00e4rquellen zur Nutzung- Umbau- und Restaurierungsgeschichte des Objektes zusammenzutragen und f\u00fcr weiterf\u00fchrende Untersuchungen aufzubereiten. Innerhalb dieser Phase der Anamnese wurden vor allem auch die Unterlagen, die den Bauzustand vor den letzten Instandsetzungen und die statischen Sicherungsma\u00dfnahmen dokumentierten, archivarisch erfasst und ausgewertet. Die detaillierte kunsthistorische Erfassung der Wandmalereien sowie die Anlage eines Raum-Orientierungssystems geh\u00f6rte ebenfalls in diese erste Arbeitsphase.<br \/>\nIn einer darauffolgenden, gemeinsamen Anamnese zwischen Naturwissenschaftlern und Restauratoren wurden die wichtigsten Parameter zur Lage des Objektes, essentielle Klimadaten, Jahresniederschlag, Immissionen und Heizung erfasst und ausgewertet. In diese Phase geh\u00f6rte ebenfalls die kartierende Untersuchung und Aufnahme von Schadensbildern an den historischen Wandmalereien. Auf diese Weise gewann man in einem ersten Diagnoseschritt einen \u00dcberblick \u00fcber die Verteilung und H\u00e4ufigkeit der vorhandenen Defekte.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Ein hervorzuhebendes Resultat aus der Erhebung der klimatischen Umweltbedingungen war die Feststellung, dass die Lage K\u00f6niglutters an der Spitze des Elms in einer Talsenke f\u00fcr die mit dem Wind transportierten Emissionen von nicht zu untersch\u00e4tzender Bedeutung sind. Besondere Schadstoffe f\u00fchren die meist von Westen, aber auch h\u00e4ufig von S\u00fcd-Osten kommenden Niederschl\u00e4ge mit sich. Aufgrund der Ergebnisse konnte vermutet werden, dass Sch\u00e4den an den Wandmalereien im Innenraum aufgrund der Diffusion von Schadstoffen durch die Kirchenw\u00e4nde unter anderem aus der hohen Luftbelastung resultierten, die in dem industriell verdichteten Raum in S\u00fcdost-Niedersachsen verursacht werden.<br \/>\nAls Ergebnis der im Anschluss an die Schadenskartierung durchgef\u00fchrten mikrobiologischen Untersuchung der Malschichten bleibt festzuhalten, dass sich ein Zusammenhang zwischen Luftbelastungen in der Kirche und dem biogenen Befall der Ausmalung feststellen lie\u00df. Dieser war besonders in wenig bel\u00fcfteten Feuchtbereichen des Innenraumes zu beobachten.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Ergebnisse wurden in einem am 22. April 1996 in Braunschweig stattfindenden Fachseminar durch die jeweiligen Bearbeiter vorgestellt. Weiterhin sind die Projektresultate in folgender Publikation dokumentiert: Der Kaiserdom in K\u00f6nigslutter &#8211; Ein Kulturdenkmal auf dem Pr\u00fcfstand, Interdisziplin\u00e4re Service-Leistungen der Denkmalpflege an einem national bedeutenden Kunstwerk, Hannover 1996<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Nicht zuletzt infolge einer iterativ aufgebauten und straff durchgef\u00fchrten Arbeitssystematik des Untersuchungsprojektes wurde es m\u00f6glich, im Rahmen einer integralen Objekterfassung wichtige Erkenntnisse \u00fcber den Bauk\u00f6rper, dessen Umfeld und die wandmalereitragenden Kernbereiche zu gewinnen. Die ge-wonnenen Resultate wurden im Rahmen interner Bildungsveranstaltungen und Fachdiskussion fortgeschrieben und verdichtet. Als hervortretendes Moment wurde dabei von allen Seiten die Notwendigkeit einer behutsamen Stabilisierung des Raumklimas durch einen entsprechenden Regelmechanismus von Feuchtigkeit und Temperatur betont. Dieser Mechanismus m\u00fcsse so angelegt sein, dass das Innenraumklima nicht durch kurzfristige Einwirkungen von au\u00dfen beeinflusst werden kann.Aus dem Projekt konnten weitere, f\u00fcr die Baupflege der Kirche notwendige Arbeitsschritte f\u00fcr ein Erhaltungskonzept abgeleitet werden. Dazu geh\u00f6rt die st\u00e4ndige Korrelation von Problemen des Au\u00dfenbaues mit denen des Kircheninnern, als auch die fortlaufende detaillierte messtechnische Erfassung der Feuchtenbelastung im Mauerinnern. Dar\u00fcber hinaus werden die innerhalb des Projektverlaufes deutlich gewordenen Schadensparameter durch ein gr\u00fcndliches Langzeit-Monitoring kontinuierlich beobachtet und dokumentiert.<br \/>\nUmweltbelastungen auf Kulturg\u00fcter im Innenraum wurden bis dato wenig ber\u00fccksichtigt. Innerhalb des Untersuchungsprojektes best\u00e4tigte sich, dass diese ganz erheblich sind. Sie bilden mit anderen Einflussfaktoren ein kritisches Sch\u00e4digungspotential.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Belastungen historischer Innenr\u00e4ume und dazugeh\u00f6render Ausstattungsteile stellen ein essentielles denkmalpflegerisches Problem dar: Feuchteinfl\u00fcsse, Lichteinwirkungen, Schwankungen des Raumklimas, vor allem aber auch Einfl\u00fcsse von Luftverunreinigungen erzeugen komplexe Umgebungsbedingungen, worauf Objekte und Materialien empfindlich reagieren. 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