{"id":20019,"date":"2023-07-13T15:10:46","date_gmt":"2023-07-13T13:10:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/05454-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:10:47","modified_gmt":"2023-07-13T13:10:47","slug":"05454-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/05454-01\/","title":{"rendered":"Entwicklung und Bau einer Pflanzenkl\u00e4ranlage sowie Einrichtung einer Labor- und Lehrh\u00fctte"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Im Rahmen des Gesamtvorhabens Energie\u00f6kologische Modellstadt Ostritz- St. Marienthal soll auch der sogenannte Baustein Nr. 3 &#8211; die Pflanzenkl\u00e4ranlage- \u00f6kologisches und \u00f6konomisches, ganzheitliches Handeln dokumentieren. Das Entsorgungsgebiet des st\u00e4dtischen Abwasserentsorgers, der Ver- und Entsorgungs GmbH Ostritz, umfa\u00dft ca. 3.600 Einwohner. Aufgrund topographischer Verh\u00e4ltnisse, der langen Wegstrecke (Entfernung zum \u00f6ffentlichen Kanalnetz: 680 m bei 80 H\u00f6henmetern) und dem streckenweise felsigen Baugrund entschied sich die VEGO 1995 zur Errichtung einer dezentralen L\u00f6sung zur abwassertechnischen Entsorgung im l\u00e4ndlichen Raum f\u00fcr den Ortsteil Bergfrieden mit 50 Einwohnen und zwei Gewerbeeinrichtungen.<br \/>\nBeispielhaft f\u00fcr kleine Kommunen und Siedlungsgebiete im l\u00e4ndlichen Raum sollte eine \u00f6konomisch und \u00f6kologisch sinnvolle L\u00f6sung aufgezeigt werden. Im Rahmen von Weiterbildungsma\u00dfnahmen im Internationalen Begegnungszentrum Ostritz-St. Marienthal besteht die M\u00f6glichkeit, gerade kleineren Gemeinden auch aus den osteurop\u00e4ischen L\u00e4ndern \u00e4hnliche L\u00f6sungswege zur dezentralen Abwasserbehandlung aufzuzeigen. Eine kleine Lehrh\u00fctte sollte das Informationsangebot f\u00fcr den Besucher noch unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie f\u00fcr den OT Bergfrieden errichtete vertikal durchflossene Pflanzenkl\u00e4ranlage (PKA) basiert auf einer Lizenz f\u00fcr den Anlagentyp: Phytofilt MS &#8211; DD 300 015 A7 von Herrn Professor L\u00f6ffler\/Institut Frisenius. Die Anlage ist f\u00fcr 70 EW bemessen. Der Gesetzgeber sieht f\u00fcr diese Anlagengr\u00f6\u00dfe die Grenzwerte: CSB < 150 ml\/l, BSB5 < 40 ml\/l vor.\nNeben der allgemeinen Skepsis gegen\u00fcber PKAen war f\u00fcr den Genehmigungsproze\u00df die Tatsache besonders problematisch, da\u00df das gereinigte Abwasser nicht direkt einer Vorflut, sonder unmittelbar am Standort versickert werden sollte. Es wurden Auswirkungen des zus\u00e4tzlichen N\u00e4hrstoffeintrages infolge der Ableitung gekl\u00e4rter Abw\u00e4sser durch eine Hohlrinne in den angrenzenden Schluchtwald auf Flora und Fauna bef\u00fcrchtet. Eine vergleichm\u00e4\u00dfigte Ableitung des gereinigten Abwassers sollte vom Anlagenbetreiber sichergestellt werden.\n\n\nErgebnisse und Diskussion\n\nDie PKA besteht aus einem vertikal durchstr\u00f6mten, mehrschichtigen Sand-Kiesfilter mit selbst\u00e4ndiger Intervallbeschickung des mechanisch vorgereinigten Abwassers. Der Anlagentyp unterscheidet sich von den in den 80ziger Jahren h\u00e4ufig gebauten, meist horizontal durchflossenen PKAen insbesondere hinsichtlich: Filteraufbau, Durchstr\u00f6mungsrichtung, Beschickungsart, besserer Verfahrensstabilit\u00e4t und guter, nachgewiesener Reinigungsleistung unter Fl\u00e4cheneinsparung. Besondere Leistungsst\u00e4rken sind der weitestgehende Abbau der sauerstoffzehrenden organischen Substanzen des Abwassers (BSB5) und die extrem hohe Keimzahlverminderung, wodurch ein klares, praktisch geruchloses Wasser abgegeben wird. Das Abwasser wird \u00fcber die Mindestanforderungen an den Kl\u00e4ranlagenablauf hinaus gereinigt, so da\u00df die vom Gesetzgeber vorgegebenen Grenzwerte eingehalten bzw. weit unterschritten werden.\nZus\u00e4tzlich kann noch ein teilweiser, nicht unerheblicher Abbau der Pflanzenn\u00e4hrstoffe: Stickstoff (durch den Wechsel aerober und anoxischer Schichten) und Phosphor (durch Einbau eisenhaltiger Sand-Kies-Gemische) erreicht werden. Der Bodenk\u00f6rper der PKA besteht aus mehreren, hinsichtlich der Wassersickergeschwindigkeit unterschiedlichen, nichtbindigen Bodenschichten, deren Milieu durch gezielte Ma\u00dfnahmen zur Bel\u00fcftung teilweise aerob gehalten wird. F\u00fcr eine ordnungsgem\u00e4\u00dfe Funktion und eine hohe Reinigungsleistung sind die Beschaffenheit und die Erf\u00fcllung der hydraulischen Bedingungen jeder einzelnen Filterschicht ausschlaggebend. Der Bodenk\u00f6rper wurde mit standorttypischen Helophyten bepflanzt.\nDie geforderte vergleichm\u00e4\u00dfigte Ableitung des gereinigten Abwassers in die Hohlrinne wurde durch die zus\u00e4tzliche Anordnung eines Puffer- und Ausgleichteiches sichergestellt. Mit Hilfe einer Praktikumsarbeit der HTWS Zittau vom Oktober 1997 bis M\u00e4rz 1998 wurde unterstrichen, da\u00df die mitunter beschriebene Leistungsreduktion des Abbaues von CSB, BSB5, P, NH4-N und Nges in der kalten Jahreszeit f\u00fcr die Anlage in Ostritz-Bergfrieden nicht eintrat. Die Ablaufkonzentrationswerte im Winter sind auffallend gut.\n\n\n\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation\n\nKontaktadressen:\nVEGO Ver- und Entsorgungs GmbH Wasser - Abwasser, Markt 1, 02899 Ostritz, Ansprechpartner: Herr Schwarzbach, Telefon 035823 \/ 86-254 und Fax 86-584;\nIngenieurgemeinschaft UWETEC, K\u00f6penicker Stra\u00dfe 126, 10122 Berlin, Ansprechpartner: Herr Willing, Tel. 030 \/ 2702311, Fax 2792258. \n\nDie PKA ist fester Bestandteil des energie\u00f6kologischen Lehrpfades. Im Rahmen der Weiterbildungen im IBZ ist das Konzept der PKA fest integriert und bietet eine gute M\u00f6glichkeit der Demonstration und Bildung. Auf einer Schautafel am Stadtort werden Funktionsweise und technische Daten dreisprachig f\u00fcr jedermann dargestellt. \nIn der Schriftenreihe der energie\u00f6kologischen Modellstadt Ostritz- St. Marienthal wurde die PKA als \u0082Bausteinheft Nr. 3 publiziert. Die Auflagenst\u00e4rke betr\u00e4gt 5.000 Exemplare. Das Heft verf\u00fcgt \u00fcber ein Einlegeblatt in tschechischer und polnischer Sprache.\nDie Anlage ist f\u00fcr einige Studienrichtungen der HTWS Zittau Lehrplanbestandteil. Im Rahmen von Praktika der Hochschule soll die PKA weiterhin wissenschaftlich begleitet werden.\n\n\nFazit\n\nDas Projekt ist ein weiteres gelungenes Beispiel daf\u00fcr, da\u00df die dezentrale naturnahe Abwasserbehandlung im l\u00e4ndlichen Raum aus \u00f6kologischen und \u00f6konomischen Gr\u00fcnden im Vergleich mit dem Anschlu\u00df an ein zentrales Netz die sinnvollere Form der Abwasserreinigung sein kann. Zu den Kosten von Pflanzenkl\u00e4ranlagen kann allgemein festgestellt werden, da\u00df deren Investitionskosten sich nicht wesentlich von technischen Kl\u00e4ranlagen vergleichbarer Gr\u00f6\u00dfe unterscheiden. Der Wartungsaufwand und die Betriebskosten sind dagegen deutlich niedriger.\nDie Abbauleistung des Phytofilt-Systems kann als hervorragend eingestuft werden. Die Ablaufkonzentrationswerte liegen bei 10 v. 100 der geforderten Grenzwerte (CSB 13-15 ml\/l, BSB5 2-4 ml\/l). Auch die Reinigungsleistung im Winterbetrieb ist auffallend gut. Die mit dem Abwasser anfallenden Phosphate werden besser mit dreiwertigem Eisen im Bodenk\u00f6rper der PKA durch chemische F\u00e4llung gebunden, als mit zweiwertigem Calcium.\n\nDie Vergleichm\u00e4\u00dfigung des Ablaufes \u00fcber einen Ausgleichsteich hat sich im OT Bergfrieden bew\u00e4hrt. Die Bedenken gegen die Versickerung des Abwassers vor Ort konnten mit den Ergebnissen zerstreut werden.\n<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Im Rahmen des Gesamtvorhabens Energie\u00f6kologische Modellstadt Ostritz- St. Marienthal soll auch der sogenannte Baustein Nr. 3 &#8211; die Pflanzenkl\u00e4ranlage- \u00f6kologisches und \u00f6konomisches, ganzheitliches Handeln dokumentieren. 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