{"id":19975,"date":"2023-07-13T15:14:26","date_gmt":"2023-07-13T13:14:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/11149-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:14:29","modified_gmt":"2023-07-13T13:14:29","slug":"11149-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/11149-01\/","title":{"rendered":"Neuartige Rekultivierungsb\u00f6den aus gereinigten Altlasten, Abf\u00e4llen und biogenen Zusatzstoffen"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>In den Ballungsgebieten der ostdeutschen Grundstoffindustrie befinden sich gro\u00dfr\u00e4umige Altlastfl\u00e4chen, Asche- und R\u00fcckstandsdeponien, Industriebrachen, Halden und Tagebaufl\u00e4chen f\u00fcr deren Sanierung der \u00fcbliche Auftrag von 1 m Kulturboden regional nicht m\u00f6glich ist. Ziel des Projektes ist die Herstellung von Rekultivierungsb\u00f6den aus gereinigten Altlasten, Abf\u00e4llen und biogenen Zusatzstoffen, die in ihren physikalischen, chemischen und biologischen Eigenschaften weitgehend die Parameter von Kulturb\u00f6den erf\u00fcllen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenThermisch bzw. mikrobakteriell gereinigte B\u00f6den wurden entsprechend ihres vorgesehenen Verwendungszwecks auf Plateaufl\u00e4chen bzw. Hanglagen mit nativ-organischen verwertbaren Reststoffen intensiv durchmischt. Nach etwa 3-w\u00f6chiger Zwischenlagerung verbunden mit mehrmaligen maschinellen Umsetzen erfolgte, nach vorheriger Beprobung und Bodenuntersuchung gem\u00e4\u00df den landesrechtlichen Vorschriften, der bodenschonende Auftrag auf dem Versuchsfeld mit 1 m M\u00e4chtigkeit. Vegetationsabh\u00e4ngig wurden auf den Pr\u00fcfgliedern des Feldversuches rekultivierungsspezifische Anpflanzungen und Ansaaten durchgef\u00fchrt. Im 3-j\u00e4hrigen Feldversuch wird die N\u00e4herung physikalischer, chemischer und biologischer Eigenschaften der neuartigen Rekultivierungsb\u00f6den an die vergleichswerten Bodenfruchtbarkeitskennziffern der Rekultivierung  im Braunkohlebergbau f\u00fcr den Bereich Ackerkrume 30 cm und den Unterboden untersucht. Als Vergleichsparzelle wurde ein zus\u00e4tzliches Pr\u00fcfglied  Kulturboden der Bodengruppe 3 unbehandelt in den Feldversuch aufgenommen. F\u00fcr den Nachweis ausreichender pflanzenverf\u00fcgbarer N\u00e4hrstoff- und Humusgehalte sowie die Entwicklung der Mikro- und Mesofauna sollen die 3-j\u00e4hrigen Untersuchungen sichere Erkenntnisse bringen. Die Herausbildung der physikalischen Bodenfruchtbarkeitskennziffern insbesondere eines stabilen Bodengef\u00fcges kann nach 3 Jahren prognostiziert werden, bedarf jedoch weitere Untersuchungen, die von der RRB GmbH Borna weitergef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die dreij\u00e4hrigen Ergebnisse aus den Ansaat- und Pflanzenversuchen entsprechen insgesamt den Erwartungen. Aufgrund der relativ hohen pH-Werte aller Pr\u00fcfglieder zeigten s\u00e4ureliebende Pflanzen, wie z.B. verschiedene Lupinearten, keine befriedigenden Ergebnisse. Sehr gute Ergebnisse wiesen hingegen alle angebauten Gr\u00e4ser und auch Sommer\u00f6lsaaten auf. Ein Anbau von Feldpflanzen zur Nahrungsg\u00fcter und Futtergewinnung scheidet aus, da sowohl biologische als auch thermisch gereinigte B\u00f6den die Anforderungen der L\u00e4nderarbeitsgemeinschaft Abfall an die Zuordnungswerte f\u00fcr Kulturboden(ZO) nicht erf\u00fcllen, zum anderen im Hintergrund von Fl\u00e4chenstillegung bester Ackerb\u00f6den eine landwirtschaftliche Nachnutzung von Kulturersatzb\u00f6den nicht zu rechtfertigen w\u00e4re. Eine spezifische von Tod Fruchtfolge zum Abbau nachwachsender Rohstoffe w\u00e4re theoretisch denkbar, erscheint jedoch gemessen an den Herstellungs- und Aufbringungskosten \u00f6konomisch nicht vertretbar und war aus diesen Gr\u00fcnden kein Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen.<br \/>\nUnter Vermeidung von Bodenverdichtungen beim Bodenauftrag wiesen anspruchslose Flurgeh\u00f6lze (Hundsrose, Schlehe, Wei\u00df- und Rotdorn sowie Ginster) die besten Anw\u00fcchse auf. Besonders muss auf einen schonenden Bodenauftrag zur Vermeidung von Bodenverdichtungen geachtet werden.<br \/>\nZur Verbesserung des Anwuchses hat sich auf dem biologischen gereinigten Boden eine Zugabe von bis zu 20 Masse % Kompost als einmalige Pflanzlochd\u00fcngung bew\u00e4hrt.<br \/>\nIm Ergebnis der chemischen Bodenuntersuchung wird eine ausreichende Grundversorgung der Feldversuchsfl\u00e4chen mit den Makron\u00e4hrstoffen Stickstoff, Phosphor und Kalium nachgewiesen. Ab dem zweiten Anbaujahr bed\u00fcrfen biologisch gereinigte und Kulturb\u00f6den beim Feldanbau einer j\u00e4hrlichen N- D\u00fcngung von 120kg\/ha. Mit organischen D\u00fcngestoffen versetzte thermisch gereinigte B\u00f6den ben\u00f6tigen mittelfristig keine D\u00fcngung. Bei der Zugabe von Komposten aus biogenen nativen Reststoffen ist zur Vermeidung zu hoher Makron\u00e4hrstoffanteile, insbesondere Stickstoffe, eine Limitierung der Kompostbeigaben auf 15 bis 20 Masse % zu beachten. Problemlos zeigte sich die Einstellung einer vegetationsfreundlichen Bodenreaktion im \u00fcberwiegend alkalischen Bereich. Calcium und Magnesium waren auf allen Bodenpr\u00fcfgliedern von Versuchsbeginn an ausreichend vorhanden. Die Einsparung von Makron\u00e4hrstoffen (N, P, K,) und Kalk stellen einen wesentlichen Faktor f\u00fcr die \u00f6konomische Beurteilung neuartiger Rekulti-vierungsb\u00f6den dar.<br \/>\nPhysikalische Bodenuntersuchungen  weisen eine weitgehende Normalit\u00e4t im Vergleich zu bekannten Versuchsergebnissen auf gewachsene B\u00f6den aus, wobei die hohe Fl\u00fcgelscherfestigkeit zu einer hohen Erosionsfestigkeit der biologischen und thermisch gereinigten B\u00f6den f\u00fchrte, die auf die Verwendung von Hangabdeckung hinweist.<br \/>\nZur Verminderung der Bodendichte k\u00f6nnen bis zu 10Masse % feingeschreddertes, schadstofffreies Naturholz, speziell bei Hangabdeckung, verwendet werden. Physikalische Kennwerte, wie z.B. die Bodendichte, der S\u00e4ttigungsgrad und die Wasserdurchl\u00e4ssigkeit z\u00e4hlen zu den stabilen, schwer ver\u00e4nderbaren Bodenfruchtbarkeitskennziffern, deren Ver\u00e4nderungen in 3 Jahren nicht signifikant bestimmt werden k\u00f6nnen.<br \/>\nFaunistische Untersuchungen erbrachten den Nachweis f\u00fcr eine relativ hohe biologische Belebtheit insbesondere des thermisch gereinigte Bodens als eine wesentliche Voraussetzung der Bodenentwicklung. Von Interesse sind die Artenspezifit\u00e4t und ihre H\u00e4ufigkeit sowohl aus den Bodenproben als such durch die Fangergebnisse. Die Untersuchungen sind aufgrund ihrer Einmaligkeit nicht signifikant. Es bedarf zu einer wissenschaftlichen Aussage weitergehende Untersuchungen. Mit den durchgef\u00fchrten Feld- und Pflanzenversuchen konnte eine deutliche Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit auf allen Pr\u00fcfgliedern festgestellt werden, ohne dass die erreichten Ergebnisse insbesondere der physikalischen und biologischen Bodenuntersuchungen Anspruch auf Signifikanz erheben k\u00f6nnen. Das ergibt sich aus den unterschiedlichen klimatischen Einflu\u00dffaktoren auf den Grad und die Art des Bodenlebens.<br \/>\nAus \u00f6konomischer Sicht ist eine wesentliche Erkenntnis die, dass aufgrund der bestehenden Preislage f\u00fcr Abfallstoffe und der Verfahrenkosten f\u00fcr die Herstellung der neuartigen Rekultivierungsb\u00f6den der geldwerte Vorteil bei der Entgegennahme verwertbarer biologischer Abf\u00e4lle die Verfahrenkosten finanziell nicht deckt. Um den Kostenaufwand zu minimieren und gleichzeitig alle stand\u00f6rtlichen Bedingungen zu erf\u00fcllen, werden standortspezifische Einzelfallregelungen zur Diskussion gestellt.   Diese Regelungen sollen sowohl die geltenden Bodenrechtsvorschriften als auch die relevanten chemischen, physikalischen und biologischen Eigenschaften des Bodens sowohl vom Bodenauftrag als auch von der vorhandenen Auftragsfl\u00e4che her beinhalten. Das setz sowohl umfassende Kenntnisse der zu sanierenden Standorte, aus der Sicht der Eigent\u00fcmer bzw. Bewirtschafter als auch spezifisch bodenkundliches Wissen bei den Hersteller der Rekultivierungsb\u00f6den voraus. Gest\u00fctzt auf rechtsverbindliche Laborateste der Ersatzkulturb\u00f6den sowie aller Ausgangsstoffe (z.B. Tagesatteste der thermisch gereinigten B\u00f6den) und unter Einbeziehung der zust\u00e4ndigen Fachbeh\u00f6rden sind standortspezifische Einzelfallentscheidungen zu treffen, die auch eine differenzierte Preisfeststellung enthalten.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Das Versuchskonzept und erste Ergebnisse wurden zun\u00e4hst mit den Bodenherstellern Umweltschutz Nord GmbH (bis 1997 BROERIUS) und der Espenhainer Bodensanierung ESBO besprochen und erste Diskussionen zur Verwendung neuartiger Rekultivierungsb\u00f6den mit speziellen Beh\u00f6rden ( STUFA Leipzig, Bergamt Borna auf  Veranlassung der LMBV\/L\u00e4nderberich Sachsen\/Th\u00fcringen durchgef\u00fchrt. In Vorlesungen, u.a. an der Fachhochschule Merseburg und der FAA Borna wurden den Studenten und Lehrgangsteilnehmer theoretisch und praktische Kenntnisse zum Projekt vermittelt.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Zusammenfassend kann aus den dreij\u00e4hrigen Versuch geschlu\u00dffolgert werden, dass es grunds\u00e4tzlich m\u00f6glich ist, biologisch und thermisch dekontaminierte B\u00f6den nach entsprechender Behandlung als neuartige Rekultivierungsb\u00f6den auf Industriebrachen der ehemaligen Grundstoffindustrie zum Einsatz zu bringen. Die im Versuch erreichten Ergebnisse der Ansaaten und Geh\u00f6lzpflanzungen, der chemischen, physikalischen und biologischen belegen naturwissenschaftlich die Wertsch\u00e4tzung einer starken Ann\u00e4he-rung der Bodeneigenschaften im Vergleich zu Kulturb\u00f6den. Die \u00f6konomische Einsch\u00e4tzung des Projektes ist auf die Grenzen des S\u00fcdraumes Leipzig beschr\u00e4nkt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens In den Ballungsgebieten der ostdeutschen Grundstoffindustrie befinden sich gro\u00dfr\u00e4umige Altlastfl\u00e4chen, Asche- und R\u00fcckstandsdeponien, Industriebrachen, Halden und Tagebaufl\u00e4chen f\u00fcr deren Sanierung der \u00fcbliche Auftrag von 1 m Kulturboden regional nicht m\u00f6glich ist. 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