{"id":19877,"date":"2023-07-13T15:13:30","date_gmt":"2023-07-13T13:13:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/09694-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:13:31","modified_gmt":"2023-07-13T13:13:31","slug":"09694-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/09694-01\/","title":{"rendered":"Modellhafte Untersuchungen zu Umweltbelastungen und Altlasten in der industriellen Kulturlandschaft Erzgebirge"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Charakterisierung ehemaliger mittelalterlicher H\u00fcttenstandorte in der Kulturlandschaft Erzgebirge. Ziel des Projektes ist die Schaffung eines Wissens \u00fcber ausgew\u00e4hlte historische H\u00fcttenstandorte im Erzgebirge sowie der Erhalt sch\u00fctzenswerter Zeugen der Erzschmelzkunst des Mittelalters. Weiterhin ist zu pr\u00fcfen, inwieweit die jahrhundertealten Aufsch\u00fcttungen hinsichtlich ihrer Menge, Art und Eigenschaften als Altlasten anzusehen sind. Hierbei sind Relationen zu j\u00fcngeren Ablagerungen (z. B. Wismut- Bergbau) zu finden. Einfl\u00fcsse auf die Umwelt, insbesondere das Grundwasser sollen dokumentiert werden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenNoch vor Beginn des Winters 1996\/97 werden an zwei ausgew\u00e4hlten ehemaligen mittelalterlichen H\u00fcttenstandorten in der n\u00e4heren Umgebung von Freiberg erste orientierende Untersuchungen stattfinden. Die Auswahl der Standorte erfolgte nach den Kriterien der Arch\u00e4ometallurgie (gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche historische Unversehrtheit) und Beschaffenheit des Gel\u00e4ndes. Umfangreiche Literaturrecherchen erfolgten bereits. Sch\u00fcfe und Einzelproben geben Aufschlu\u00df \u00fcber die M\u00e4chtigkeit und das Ausma\u00df der Aufsch\u00fcttungen. Eine Kartierung und Abgrenzung der Standorte erfolgt synchron. An den gewonnenen Proben werden im Winter die notwendigen Untersuchungen vorgenommen.  Hierzu z\u00e4hlen arch\u00e4ometallurgische Verfahren (Phasenanalysen mittels D\u00fcnn- bzw.  Anschliffen) an aufgefundenen Schlacken, chemische Analysen (Schwermetalle, Eluate, Grundwasser, Pflanzen), physikalische Altersbestimmungen sowie Datierungen an aufgefundenen Bruchst\u00fccken. Auf der Grundlage dieser ersten Ergebnisse k\u00f6nnen im Fr\u00fchjahr 1997 weitere gezielte Untersuchungen erfolgen. Dazu z\u00e4hlt insbesondere die Einbeziehung des n\u00e4heren unbelasteten Gel\u00e4ndes zur Erarbeitung geogener Hintergrundswerte als Bewertungsgrundlage. Im Herbst begonnene Schnitte werden vervollst\u00e4ndigt und dabei die Suche nach arch\u00e4ologisch wertvollen St\u00fccken fortgesetzt. Die erwarteten Ergebnisse bilden die Grundlage der Auskennzeichnung der Standorte als bergm\u00e4nnische Denkmale.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die Problematik der Vielzahl der noch vorhandenen historischen H\u00fcttenstandorte im Erzgebirge konnte erstmals in ihrer gesamten Tragweite aufgezeigt werden, wobei allerdings eine ersch\u00f6pfende Bearbeitung von vornherein ausgeschlossen war. Es wurde eine interdisziplin\u00e4re methodische Herangehensweise erarbeitet und Vorschl\u00e4ge zum weiteren Umgang mit Alth\u00fcttenstandorten<br \/>\nunterbreitet.<br \/>\nDemnach sind die Standorte des mittelalterlichen und fr\u00fchneuzeitlichen H\u00fcttenwesens sowohl als Schwermetallkontaminationsherde f\u00fcr das Umfeld und das Grundwasser, aber auch als bergm\u00e4nnische Denkmale anzusehen. Die beispielhafte Untersuchung zweier ehemaliger H\u00fcttenstandorte im Freiberger Bergrevier erbrachte historische und umweltrelevante Ergebnisse.<\/p>\n<p>Die betroffenen Fl\u00e4chen haben ein Ausma\u00df von 0,5 bzw. 2,5 ha, wobei die M\u00e4chtigkeiten der abgelagerten Verh\u00fcttungsr\u00fcckst\u00e4nde (vornehmlich Schlacken) zwischen 1,5 und 0,1 Meter liegen.<br \/>\nIn den schlackef\u00fchrenden Horizonten treten sehr hohe Gehalte an Arsen, Blei, Kupfer und Zink auf. Aber auch angrenzende Schichten, wie der Oberboden und das anstehende zersetzte Grundgebirge wurden durch die Schlacken kontaminiert. Als Grund f\u00fcr die Kontamination des Oberbodens konnten die Humusbildung durch Pflanzen und die Fixierung von Schwermetallen und Arsen an Huminstoffen herausgearbeitet werden.<br \/>\nDas mittels chemischer Analysen an ausgew\u00e4hlten Bodenproben gewonnene Datenmaterial wurde in ein bereits vorhandenes, gro\u00dffl\u00e4chiges Me\u00dfraster des Landesamtes f\u00fcr Umwelt und Geologie eingef\u00fcgt, womit ein Beitrag zur Erstellung gebiets- und objektbezogener Clark-Werte geleistet wurde. Das Mobilit\u00e4tsverhalten der toxikologisch wirksamen Elemente wurde anhand ihrer Bindungsverh\u00e4ltnisse und ihres Elutionsverhaltens, unter Simulation der nat\u00fcrlichen Bedingungen charakterisiert, wobei in den Eluaten hohe Schwermetall- und Arsengehalte festgestellt wurden. In Abh\u00e4ngigkeit vom Standort befinden sich die Schlacken teilweise in einem fortgeschrittenen Verwitterungsstadium.<br \/>\nAus radiologischer Sicht konnten die Standorte als unbelastet eingestuft werden.<\/p>\n<p>Bei der historischen Bewertung wurden unter den auftretenden Schlacken 3 makroskopisch und mikroskopisch unterscheidbare Typen festgestellt.<br \/>\nMittels arch\u00e4ometallurgischer Verfahren (Phasenanalytik) konnten die Schlacken der Silber- bzw- der Silber- und Kupferverh\u00fcttung zugeordnet werden. Ein Vergleich der chemischen Zusammensetzung mit der Mineralisation der in der unmittelbaren N\u00e4he der H\u00fctten befindlichen Erzg\u00e4nge machte eine Verh\u00fcttungst\u00e4tigkeit nur f\u00fcr die anliegenden Gruben wahrscheinlich. Aufgrund der radiologischen Situation kann die Verh\u00fcttung von Fremderz aus dem Mittel- und Westerzgebirge ausgeschlossen werden.<br \/>\nArch\u00e4ologische und physikalische Methoden der Altersbestimmung erg\u00e4nzten die Ergebnisse der historischen Erkundung und ergaben einen produktiven Zeitraum von etwa 1300 bis 1650.<\/p>\n<p>Die Ausbildung einer spezifischen Flora auf ehemaligen H\u00fcttenstandorten wurde beobachtet und ansatzweise dokumentiert.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Ver\u00f6ffentlichungen sind derzeit in Vorbereitung. Vorgesehen ist eine popul\u00e4rwissenschaftliche Darstellung in einer regionalen Tageszeitung sowie die Ver\u00f6ffentlichung in einer Fachzeitschrift.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Im Ergebnis des umweltrelevanten Teilbereiches des Projektes sind f\u00fcr die untersuchten Standorte Nutzungsbeschr\u00e4nkungen abzuleiten, was mit den Interessen des Denkmalschutzes im Einklang steht. Die Ergebnisse der historischen Bewertung rechtfertigen eine Aufnahme der untersuchten historischen H\u00fct-tenstandorte in die Denkmalschutzliste. F\u00fcr diese einzig erhaltenen Zeugen fr\u00fcher Erzschmelzkunst ist auch eine touristische Erschlie\u00dfung, wie die Einbeziehung der Standorte in den Bergbaulehrpfad anzuregen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Charakterisierung ehemaliger mittelalterlicher H\u00fcttenstandorte in der Kulturlandschaft Erzgebirge. Ziel des Projektes ist die Schaffung eines Wissens \u00fcber ausgew\u00e4hlte historische H\u00fcttenstandorte im Erzgebirge sowie der Erhalt sch\u00fctzenswerter Zeugen der Erzschmelzkunst des Mittelalters. Weiterhin ist zu pr\u00fcfen, inwieweit die jahrhundertealten Aufsch\u00fcttungen hinsichtlich ihrer Menge, Art und Eigenschaften als Altlasten anzusehen sind. 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