{"id":19874,"date":"2023-07-13T15:11:53","date_gmt":"2023-07-13T13:11:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/07170-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:11:54","modified_gmt":"2023-07-13T13:11:54","slug":"07170-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/07170-01\/","title":{"rendered":"Biotische Regradation belasteter Waldb\u00f6den"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Ziel des Projektes war es, die wissenschaftliche Basis f\u00fcr die gro\u00dffl\u00e4chige Wiederbesiedlung degradierter Waldb\u00f6den mit endog\u00e4ischen und an\u00f6zischen Lumbriciden zu schaffen und darauf aufbauend Anwendungsstrategien zu entwickeln, damit diese Regradationsma\u00dfnahme auf verschiedenen Standorten angewendet werden kann. Die entwickelten Strategien sollten in Zusammenarbeit mit der forstlichen Praxis erprobt und f\u00fcr die gro\u00dffl\u00e4chige Anwendung optimiert werden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten Methoden1. Modelluntersuchungen zur Umgestaltung belasteter Waldb\u00f6den durch heimische Regenwurmarten<br \/>\nIn diesem Teilvorhaben sollte untersucht werden, ob in einem versauerten Waldboden die Spezies Lumbricus terrestris und Aporrectodea caliginosa bei Applikation von diversen Komposten angesiedelt werden k\u00f6nnen.<br \/>\n2. Entwicklung praktikabler Methoden zur Massenvermehrung heimischer Regenw\u00fcrmer unter Verwendung land- und forstwirtschaftlicher sowie kommunaler Abf\u00e4lle<br \/>\nOptimierung der Vermehrung von L. terrestris und A. caliginosa mittels Gemischen aus L\u00f6\u00df und diversen Kompostmengen und -qualit\u00e4ten in Bodens\u00e4ulen unter kontrollierten Temperatur- und Feuchtebedingungen. Das Wachstum und die Vermehrung wurde w\u00e4hrend eines Jahres verfolgt und analysiert.<br \/>\n3. Freilandversuch zur biologischen Umgestaltung belasteter Waldb\u00f6den<br \/>\nZur Ansiedlung von einheimischen Regenw\u00fcrmern wurden 15 l Fertigkompost pro m\u00b2 partiell (20% der Bodenoberfl\u00e4che) auf sechs Versuchsparzellen unter Buche, Fichte und Kiefer im Solling (schluffige B\u00f6den) und in Unterl\u00fc\u00df (sandige B\u00f6den) ausgebracht. Die Bestimmung der Regenwurmdichte erfolgte zu Projektbeginn und -ende mit der Formalinmethode. Der Einflu\u00df der Kompostapplikation wurde auf folgende Parameter hin untersucht: (1) chemische Zusammensetzung des Sickerwassers durch Beprobung von Lysimetersaugkerzen (2) mikrobielle Aktivit\u00e4t und Biomasse in verschiedenen Bodentiefen mit der SIR- und CFE-Methode (3) CO2-, N2O- und CH4-Fl\u00fcsse zwischen Boden und Atmosph\u00e4re mit der Haubenmethode (4) Entwicklung der Bodenvegetation.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Zu 1): Die Modellergebnisse st\u00fctzen die Hypothese, da\u00df heimische Regenw\u00fcrmer bef\u00e4higt sind in den f\u00fcr sie lebensfeindlichen Mineralboden einzudringen und sich anzusiedeln, wenn sie auf alkalische Bodenkomponenten zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen. Die Bedingungen m\u00fcssen jedoch noch weiter optimiert werden, da offensichtlich weitere Faktoren bedeutend sind.<br \/>\nZu 2): Die Verwendung in Kleincontainern hat sich als ein wenig erfolgversprechendes Verfahren erwiesen, da die Kosten zu hoch sind, um es zur Praxisreife zu bringen. Freilandverfahren, die mit Bodenaushub und Abf\u00e4llen durchgef\u00fchrt und dar\u00fcber hinaus mit einfachen landwirtschaftlichen Ger\u00e4ten realisiert werden k\u00f6nnen, weisen einen Weg auf, die Vermehrung \u00f6konomisch zu gestalten.<br \/>\nZu 3) Obwohl tendenziell auf den Kompostparzellen eine erh\u00f6hte Regenwurmdichte gegen\u00fcber den Kontrollparzellen anzutreffen war, kann das Ansiedlungsverfahren bisher noch nicht als Erfolg betrachtet werden. Die biotischen (Fra\u00dfdruck durch R\u00e4uber) und die abiotischen Randbedingungen (Trockenheit) waren in der Initialphase der Regenwurmansiedlung nicht optimal. F\u00fcr die dauerhafte Ansiedlung von an\u00f6zischen und endog\u00e4ischen Regenw\u00fcrmern in degradierten Waldb\u00f6den ist neben der Zufuhr von Alkalinit\u00e4t die Schaffung einer krautigen Flora mit leicht zersetzbarer Streu erforderlich. \u00c4hnliche Versuche zur Regenwurmansiedlung ergaben, da\u00df Erfolge erst nach mehreren Jahren nachweisbar sind. Die mikrobielle Biomasse im Mineralboden zeigte auf einigen Kompostfl\u00e4chen tendenziell eine Steigerung der mikrobiellen Aktivit\u00e4t an. Die Applikation des Kompostes bewirkte nur in der Initialphase durch Auswaschung der Salzfraktion einen erh\u00f6hten Austrag von Nitrat und anderen N\u00e4hrstoffen in das Grundwasser. Bez\u00fcglich der CO2-, N2O- und CH4-Gasfl\u00fcsse wurden im ersten Jahr erh\u00f6hte CO2- und N2O-Emissionen sowie verminderte CH4-Oxidationsraten auf den Kompostfl\u00e4chen gemessen. Im zweiten Jahr waren bei den Gasfl\u00fcssen mit wenigen Ausnahmen keine signifikanten Effekte nachzuweisen. Die Entwicklung der Bodenvegetation war stark von den Lichtverh\u00e4ltnissen abh\u00e4ngig. Auf den lichten Kiefernfl\u00e4chen entwickelte sich eine \u00fcppige \u00fcberwiegend nitrophile Bodenvegetation.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Tagungsbeitr\u00e4ge<br \/>\nGro\u00dfelindemann, K., W. Borken and F. Beese 1997: Introduction of earthworms into acidic forest soils by application of compost. Symposium and Status Seminar: Organic matter application and recultivation, 13.-15.11 1997, Cottbus.<br \/>\nBorken, W. und F. Beese 1998: Einflu\u00df von Lumbriciden auf die Spurengasfl\u00fcsse (CO2, CH4, N2O) eines Waldbodens. Tagung der Komission III der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft Bodenorganismen und ihr Lebensraum 16.-17.11.1998, Tharant.<br \/>\nBorken, W., S. Gr\u00fcndel and F. Beese 1998: Effect of earthworm inoculaion on trace gas fluxes (CO2, N2O, CH4) of a acid forest soil. 6th International Symposium on Earthworm Ecology, 31.08.-04.09.1998, Vigo, Spanien.<br \/>\nBorken, W. und F. Beese 1999: Chancen und Risiken der Biokompostverwertung zur Regradation belasteter Waldb\u00f6den. Mitteilungen der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft, 1171-1174.<br \/>\nVer\u00f6ffentlichte oder zur Ver\u00f6ffentlichung eingereichte Publikationen<br \/>\nBorken, W. und F. Beese 2000: Chancen und Risiken der Biokompostverwertung zur Regradation belasteter Waldb\u00f6den. AFZ 6: 318-321.<br \/>\nBorken W., S. Gruendel and F. Beese 2000: Potential contribution of Lumbricus terrestris L. on CO2, CH4 and N2O fluxes in a forest soil. Biol. Fert. Soils, im Druck.<br \/>\nBorken, W., A. Muhs and F. Beese 2000: Application of biocompost in spruce forests: Effects on soil respiration, basal respiration and soil microbial biomass. Eingereicht bei For. Ecol. Manage.<br \/>\nChodak, M., W. Borken, B. Ludwig and F. Beese 2000: CO2 evolution and nitrogen release of fresh and mature compost at different incubation temperatures. Eingereicht bei Z. Pflanzenern\u00e4hr. Bodenk.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die partielle Ausbringung von Bioabfallkomposten er\u00f6ffnet die M\u00f6glichkeit einer Regradation von degradierten Waldb\u00f6den. Die Zufuhr von Alkalinit\u00e4t und N\u00e4hrstoffen wird langfristig zu einer Umgestaltung des Bodens unter den behandelten Fl\u00e4chen f\u00fchren. Inwieweit dabei Regenw\u00fcrmer eine wichtige Rolle spielen, l\u00e4\u00dft sich aufgrund der K\u00fcrze der Versuchsreihe nicht abschlie\u00dfend kl\u00e4ren. Die Modellversuche haben das Potential einer solchen Ver\u00e4nderung klar demonstriert. Unter Feldbedingungen m\u00fcssen aber auch noch weitere Faktoren ber\u00fccksichtigt werden. Diese sind die Auflichtung von Best\u00e4nden und die Etablierung einer krautigen Flora sowie die Ansiedlung und Sicherung der ausgebrachten Regenw\u00fcrmer in ihrer neuen Umgebung. Diesen Fragen sollte in zuk\u00fcnftigen Arbeiten Rechnung getragen werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Ziel des Projektes war es, die wissenschaftliche Basis f\u00fcr die gro\u00dffl\u00e4chige Wiederbesiedlung degradierter Waldb\u00f6den mit endog\u00e4ischen und an\u00f6zischen Lumbriciden zu schaffen und darauf aufbauend Anwendungsstrategien zu entwickeln, damit diese Regradationsma\u00dfnahme auf verschiedenen Standorten angewendet werden kann. 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