{"id":19870,"date":"2023-07-13T15:13:26","date_gmt":"2023-07-13T13:13:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/09567-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:13:27","modified_gmt":"2023-07-13T13:13:27","slug":"09567-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/09567-01\/","title":{"rendered":"Untersuchung der Funktionst\u00fcchtigkeit von Aufstiegshilfen f\u00fcr Fische und wirbellose Organismen und Auswirkungen der Reaktivierung einer Wasserkraftanlage auf das angrenzende \u00d6kosystem"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Bisher ist Energieerzeugung in der Regel mit hohem CO2-Aussto\u00df oder der Entstehung radioaktiver Abf\u00e4lle verbunden. Das Interesse an regenerativen Energiequellen zum Schutz von Mensch und Umwelt ist deutlich angestiegen. Neben Sonnen- und Windenergie wird vielerorts wieder die Wasserkraftnutzung betrieben. Oft werden bestehende Kleinwasserkraftanlagen rekonstruiert und einer Nutzung zugef\u00fchrt. Da Wehre eine Unterbrechung der Flie\u00dfwasser\u00f6kosysteme darstellen, sollen Fischaufstiegshilfen die Wanderung aquatischer Organismen gew\u00e4hrleisten. H\u00e4ufig werden Funktionskontrollen der erbauten Aufstiegsanlagen f\u00fcr Fische und wirbellose Organismen unterlassen. Am Beispiel der Reaktivierung der Wasserkraftanlage in J\u00e4gersdorf (Saale\/Th\u00fcringen) soll die Funktionst\u00fcchtigkeit der Aufstiegshilfen und die Entwicklung des angrenzenden \u00d6kosystems untersucht werden. Weitere von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gef\u00f6rderte Wasserkraftanlagen werden in die Untersuchungen einbezogen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenMittels saisonaler Aufstiegsz\u00e4hlungen (ein Jahr lang in monatlichen Abst\u00e4nden f\u00fcr jeweils f\u00fcnf Tage) soll die Funktionst\u00fcchtigkeit der Aufstiegshilfen untersucht und die Hauptwanderzeit der einheimischen Fische ermittelt werden. Die Wanderaktivit\u00e4t der Makroinvertebraten (wirbellose Organismen) soll mit Kastenreusen beobachtet werden. Zur Hauptwanderzeit der Fische, die aus den obigen Untersuchungen hervorgeht, ist eine intensive Aufstiegsz\u00e4hlung (ca. 6 Wochen) mit t\u00e4glichen Z\u00e4hlungen geplant. Eine Einsch\u00e4tzung der Fischfauna durch Elektrobefischung im Bereich der Anlage soll die Beurteilung der Aufstiegsz\u00e4hlungen erm\u00f6glichen. Zur Einsch\u00e4tzung der Funktionst\u00fcchtigkeit werden abiotische Parameter wie Temperatur, Sauerstoffgehalt, pH-Wert, Flie\u00dfgeschwindigkeiten sowie Str\u00f6mungs- und Abflussverh\u00e4ltnisse in den Fischrampen erfasst. Weiterhin soll untersucht werden, ob ein Abstieg der Fische \u00fcber die Fischrampen m\u00f6glich ist und ob turbinenbedingte Verletzungen bei den Fischen auftreten. Des Weiteren soll die Stabilit\u00e4t der Aufstiegshilfen, das angrenzende \u00d6kosystem und die Entwicklung der geplanten Ausgleichsma\u00dfnahmen untersucht und fotografisch dokumentiert werden. Erg\u00e4nzend zu den Freilanduntersuchungen sollen in einem Modellgerinne div. Einflussgr\u00f6\u00dfen, wie Sohlsubstrat, Gef\u00e4lle, Gerinnemorphologie, Str\u00f6mungs- und Abflussverh\u00e4ltnisse, variiert und deren Auswirkungen auf das Wanderverhalten von Makroinvertebraten untersucht werden.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Das Projekt umfasst die Untersuchung von insgesamt vier Kleinwasserkraftanlagen in Th\u00fcringen: Einhausen\/Werra, Tiefenort\/Werra, J\u00e4gersdorf\/Saale und Mattstedt\/Ilm. Neben einer Projektausweitung waren Bauma\u00dfnahmen, Bauverz\u00f6gerungen und Hochwasserereignisse daf\u00fcr verantwortlich, dass die Projektdauer von 2 auf \u00fcber 4 Jahre ausgeweitet wurde. Defekte oder anderweitig nicht optimal funktionierende Fischaufstiegsanlagen erforderten Schwerpunktverlagerungen zwischen den Teilprojekten. Nicht erfolgte Ausgleichsma\u00dfnahmen an der Wasserkraftanlage Einhausen und Br\u00fcckenbauarbeiten verhinderten hier die geplante Untersuchung des angrenzenden \u00d6kosystems. Statt dessen erfolgten detaillierte Aufnahmen der kritisch einzusch\u00e4tzenden konstruktiven und hydraulischen Parameter an der Fischaufstiegsanlage. Verschiedene Varianten zur Behebung der M\u00e4ngel wurden ausgearbeitet. Selbiges erfolgte an den Fischp\u00e4ssen in Mattstedt, deren Bauausf\u00fchrung von den Konstruktionsvorgaben abwich. Die Ergebnisse zeigen, dass das Einhalten der Parametervorgaben des DVWK-Merkblattes zur Wasserwirtschaft 232 f\u00fcr die Funktion von Fischaufstiegsanlagen eine wichtige Voraussetzung darstellt. Die geforderten maximalen Wasserspiegeldifferenzen und Str\u00f6mungsgeschwindigkeiten zwischen den Becken spielen dabei eine Schl\u00fcsselrolle. Anlagen, die diesbez\u00fcglich M\u00e4ngel aufweisen, k\u00f6nnen generell nicht als komplett funktionsf\u00e4hig eingestuft werden und sollten entsprechend korrigiert werden. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Leit- bzw. Lockstr\u00f6mung. Sie f\u00fchrt die Fische an die Fischaufstiegsanlage heran. Durch Untersuchungen der Leitstr\u00f6mung wurde deutlich, dass Ausleitungskraftwerke zwei Fischaufstiegsanlagen ben\u00f6tigen, eine im Mutterbett zur Umgehung des Wehres und eine im M\u00fchlgraben (Werkgraben) zur Umgehung der Turbine bzw. M\u00fchle.<br \/>\nF\u00fcr die Wanderung und Besiedlung der Makrozoobenthos-Organismen ist die Rauhigkeit des Bodensubstrats ausschlaggebend. Dieses sorgt f\u00fcr langsamere Str\u00f6mungsgeschwindigkeiten im Bodenbereich und bietet wichtige Lebensraumstrukturen. In Laboruntersuchungen konnte gezeigt werden, dass auf glattem Beton die an Flie\u00dfgew\u00e4sser angepassten Tiere abgedriftet wurden. Somit stellen Bereiche aus reinem Beton in Fischaufstiegsanlagen Wanderhindernisse f\u00fcr diese Organismengruppe dar. Dagegen bietet nat\u00fcrliches Substrat, verbunden mit einem heterogenen Str\u00f6mungsmuster, Lebensraum f\u00fcr verschiedene Wirbellose-Arten.<br \/>\nAus den Fischaufstiegsuntersuchungen ergaben sich zwei Hauptwanderzeitr\u00e4ume f\u00fcr Fische, die vorwiegend durch die Wassertemperatur beeinflusst wurden. Im Fr\u00fchjahr dominierte die gro\u00dfe Artengruppe der Karpfenfische (Cyprinidae), w\u00e4hrend im Herbst die Lachsfische (Salmonidae) ein Wandermaximum aufwiesen. Durch gezielte Aufstiegskontrollen, abh\u00e4ngig vom Arteninventar des jeweiligen Gew\u00e4ssers, k\u00f6nnte der Untersuchungsaufwand reduziert werden. Funktionskontrollen, die die Makrozoobenthos-Wanderungen und -Besiedlung mit einbeziehen, sind ein wichtiger Bestandteil aller erbauten Fischp\u00e4sse. Nur sie lassen den Schluss zu, ob eine Aufstiegsanlage voll funktionst\u00fcchtig ist. Probleme bei der Durchf\u00fchrung k\u00f6nnen Hochwasserereignisse und starker Laubfall bereiten.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>VI. Internationale Naturschutztagung, 17.-19.10.97 in Bad Blankenburg:Zimmermann\/G\u00f6rlach: 2 Poster zum Thema Untersuchungen und Funktionskontrollen am Rauhgerinne-Beckenpass an der Wasserkraftanlage Einhausen\/Werra.<br \/>\nExkursion mit Studenten der Bauhaus-Universit\u00e4t an die Wasserkraftanlage in Einhausen.<br \/>\nZu der Fischaufstiegsanlage in J\u00e4gersdorf wurde eine Schautafel errichtet, die vor Ort \u00fcber Daten und Funktion der Anlage informiert.Ver\u00f6ffentlichung: Zimmermann, U.; G\u00f6rlach, J. (1999): Fischaufstiegsanlagen in Th\u00fcringen &#8211; aktuelle Situation und Probleme. &#8211; Artenschutzreport (im Druck).<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Untersuchungsergebnisse zeigen, dass der Fischaufstieg mit Hilfe gut funktionierender Aufstiegsanlagen realisierbar ist. Die Funktionalit\u00e4t errichteter Anlagen sollte \u00fcberpr\u00fcft und bei negativ ausfallenden Kontrollen korrigiert werden. Eine speziell f\u00fcr Aufstiegsanlagen konzipierte Standardmethode f\u00fcr Makrozoobenthos-Beprobungen konnte im Rahmen dieser Untersuchungen noch nicht entwickelt werden. Zu testen w\u00e4ren normierte Besiedlungsk\u00f6rper, die nach einer bestimmten Expositionsdauer zuverl\u00e4ssige Daten \u00fcber die Makrozoobenthos-Besiedlung in Fischaufstiegsanlagen liefern. Besonders interessant w\u00e4re der Einsatz der von Elser [Els99] entwickelten kombinierten Richtungsfalle (Multidirectional Cage-Trap), die zus\u00e4tzliche Aussagen \u00fcber die Wanderrichtungen der Wirbellosen erm\u00f6glicht. Noch unzureichend ist ein funktionierender Fischabstieg realisiert. Das vom Hydrolabor Schleusingen bearbeitete Projekt M\u00f6glichkeiten der Anwendung und Effektivit\u00e4t verschiedener akustischer Scheucheinrichtungen zum Schutz der Fischfauna vor Turbinensch\u00e4den, gef\u00f6rdert von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (AZ 15864), soll hierzu einen Beitrag leisten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Bisher ist Energieerzeugung in der Regel mit hohem CO2-Aussto\u00df oder der Entstehung radioaktiver Abf\u00e4lle verbunden. Das Interesse an regenerativen Energiequellen zum Schutz von Mensch und Umwelt ist deutlich angestiegen. Neben Sonnen- und Windenergie wird vielerorts wieder die Wasserkraftnutzung betrieben. Oft werden bestehende Kleinwasserkraftanlagen rekonstruiert und einer Nutzung zugef\u00fchrt. 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