{"id":19831,"date":"2023-07-13T15:10:33","date_gmt":"2023-07-13T13:10:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/05110-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:10:35","modified_gmt":"2023-07-13T13:10:35","slug":"05110-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/05110-01\/","title":{"rendered":"Studie zur Abwasserbeseitigung in den neuen Bundesl\u00e4ndern, erarbeitet am Beispiel der Abwasserbeseitigung im Einzugsgebiet der Helme (Sachsen-Anhalt)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>In den neuen Bundesl\u00e4ndern bestehen enorme Defizite hinsichtlich der Abwasserentsorgung. Es kann eingesch\u00e4tzt werden, da\u00df nur ca. 1\/3 des anfallenden Abwassers entsprechend den gesetzlichen Forderungen entsorgt wird. Ausgehend von dieser Sachlage wurden f\u00fcr die Kommunen bzw. gebildeten Abwasser-Zweckverb\u00e4nde L\u00f6sungskonzepte f\u00fcr die Abwasserentsorgung entwickelt, die h\u00e4ufig eine zentralisierte Abwasserentsorgung vorsehen.<br \/>\nIm Rahmen des geplanten Vorhabens sollten deshalb am Beispiel des Einzugsgebiets der Helme allgemeing\u00fcltige Kriterien f\u00fcr die Planung kommunaler Abwasserentsorgungssysteme entwickelt werden.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>F\u00fcr den Bereich der neuen Bundesl\u00e4nder konnten folgende Feststellungen abgeleitet werden, die bei der Entwicklung von Abwasserbeseitigungskonzepten im \u00fcberwiegend l\u00e4ndlichen Raum ber\u00fccksichtigt werden sollten:<br \/>\nF\u00fcr die Ortsentw\u00e4sserung m\u00fcssen oft bis zu 80 % der gesamten Investitionskosten der Abwasserentsorgung aufgewendet werden. Fehlentscheidungen, z. B. bei der Wahl des Entw\u00e4sserungsverfahrens f\u00fchren in der Regel zu einer erheblichen Verteuerung der Abwassergeb\u00fchren. Die Planung der Ortsentw\u00e4sserung hat in zwei Schritten zu erfolgen:<\/p>\n<p>1. Festlegung der von dem Anschlu\u00df an die kommunale Abwasserentsorgung freigestellten Grundst\u00fccke.<br \/>\n2. Wahl des Entw\u00e4sserungsverfahrens durch eine Variantenuntersuchung.<\/p>\n<p>Entscheidungskriterien sind Wirtschaftlichkeit und nichtmonet\u00e4re Aspekte wie z. B. Betriebssicherheit, Gew\u00e4sserschutz und Auswirkung auf die Entwicklung der Kommunen.<br \/>\nIm Einzugsgebiet der Helme ergeben sich hinsichtlich der Ortsentw\u00e4sserung nachstehende wesentliche Ergebnisse:<\/p>\n<p>&#8211; In der Regel ist eine zentrale Entw\u00e4sserungsl\u00f6sung einer Freistellung vorzuziehen.<br \/>\n&#8211; Eine kostenminimierte Freigef\u00e4lleentw\u00e4sserung, je nach \u00f6rtlichen Verh\u00e4ltnissen im Misch- oder Trennsystem ausgef\u00fchrt, ist in der Regel die wirtschaftlichste L\u00f6sung.<\/p>\n<p>Die Abwasserbehandlung verursacht einen gro\u00dfen Teil der Betriebskosten, so da\u00df f\u00fcr sie in Bezug auf Gruppenl\u00f6sungen eine wirtschaftliche Optimierung erfolgen mu\u00df. In diesem Zusammenhang spielen die Investitions- und Betriebskosten f\u00fcr Abwassertransportleitungen, sowie deren praktische Durchf\u00fchrbarkeit, eine wesentliche Rolle.<br \/>\nGrundlage f\u00fcr die Realisierung \u00f6konomisch und \u00f6kologisch akzeptabler Abwasserbeseitigungskonzepte ist die Bildung hinreichend gro\u00dfer Verb\u00e4nde (ca. \u00b3 2000 Einwohner).<br \/>\nIn kleineren Verb\u00e4nden haben die notwendigen Verwaltungskosten eine unvertretbar hohe finanzielle Belastung zur Folge.<br \/>\nDurch eine rechnergest\u00fctzte Variantenberechnung k\u00f6nnen auf der Grundlage weniger, aber hinreichender Eingangsdaten aus einer Vielzahl technisch machbarer Varianten die kosteng\u00fcnstigsten (Invest- und Kapitalkosten) ausgew\u00e4hlt werden. Diese Vorgehensweise kann aber eine detaillierte Kostenplanung f\u00fcr die Variante der Wahl nicht ersetzen.<br \/>\nIm Ergebnis der im Untersuchungsgebiet durchgef\u00fchrten Variantenbetrachtung k\u00f6nnen f\u00fcr die einzelnen Zweckverb\u00e4nde in der Regel Konzepte vorgeschlagen werden, die einen spezifischen Investaufwand von < 5.000,- DM\/E erfordern und einen Abwasserpreis von < 6,- DM\/m\u00b3 gew\u00e4hrleisten. F\u00fcr die Berechnung des Abwasserpreises wurde eine Abwasseranfall von 150 l\/E x d zugrunde gelegt. W\u00fcrde der derzeit we-sentlich geringere Anfall an Abwasser auch mittel- und langfristig beibehalten werden, m\u00fc\u00dfte mit einem entsprechend h\u00f6heren Abwasserpreis gerechnet werden.\nDie Entwicklung neuer Abwasserkonzepte kann vielfach aus \u00f6konomischer Sicht nur in Teilschritten erfolgen.\nWegen der zentralen Bedeutung f\u00fcr das Untersuchungsgebiet wurde der Ausbau der Kl\u00e4ranlage Sangerhausen beispielhaft behandelt und eine Kostenvergleichsrechnung nach der LAWA-Studie durchgef\u00fchrt. Als Varianten wurden untersucht:\n\n- Rekonstruktion und Ausbau am vorhandenen Standort mit Einleitung in die Gonna, einen abflu\u00dfarmen Nebenflu\u00df der Helme, oder Neubau an einem neuen Standort an der Helme.\n- Stufenweiser oder kompletter Ausbau.\n- Die Wirtschaftlichkeit des Anschlusses der Gemeinden des Abwasserzweckverbandes Helmetal an die Kl\u00e4ranlage Sangerhausen.\n\nAls kosteng\u00fcnstigste Ausbauvariante ergab sich der stufenweise Ausbau am vorhandenen Standort. Nur 0,7 % teurer und damit wirtschaftlich gleichwertig ist die Vorzugsvariante, die zun\u00e4chst eine minimale Investition als Sofortma\u00dfnahme am alten Standort und danach einen Neubau an der Helme unter Einbeziehung der Gemeinden des AZV Helmetal vorsieht.\nNicht monet\u00e4re Gr\u00fcnde, wie Probleme mit der Gew\u00e4sserg\u00fcte bei Einleitung in die Gonna, die Lage in der Schutzzone III des Wasserschutzgebietes und die Lage im Westen der Stadt in unmittelbarer Nachbar-schaft zu Gewerbe- und Industriefl\u00e4chen sprechen gegen die Beibehaltung des vorhandenen Standortes. Empfohlen wird der Neubau der Kl\u00e4ranlage Sangerhausen an der Helme.\nBei fachgerechten dezentralen Konzepten sind f\u00fcr die Gew\u00e4sserg\u00fcte (Grundwasser- oder Oberfl\u00e4chenwassereinleitung) die Grunds\u00e4tze der DIN 4261 (Kleinkl\u00e4ranlagen) zu beachten, und es ist eine geordnete Beseitigung der Schl\u00e4mme sicherzustellen. Bei zentralen Konzepten (Ortskanalisation mit zugeh\u00f6riger Ortskl\u00e4ranlage) fehlen vielfach leistungsf\u00e4hige Vorfluter mit ausreichender Niedrigwasserf\u00fchrung. In diesen F\u00e4llen ist von den Wasserbeh\u00f6rden zu pr\u00fcfen, ob eine vor\u00fcbergehende G\u00fcteverschlechterung bei einer zeitlichen Staffelung hinzunehmen ist, eine erh\u00f6hte Ablaufqualit\u00e4t der Kl\u00e4ranlage \u00fcber den Normalanforderungen eine G\u00fcteverbesserung bringt und wirtschaftlich zu vertreten ist, oder eine Gruppenl\u00f6sung (Zusammenfassung mehrerer Orte \u00fcber Transportleitungen zu einem Gruppenkl\u00e4rwerk) an einen leistungsf\u00e4higen Vorfluter nicht \u00f6konomisch und \u00f6kologisch anzustreben ist.\nDie Einfl\u00fcsse der Abwassereinleitung k\u00f6nnen in erster N\u00e4herung \u00fcber eine einfache Verd\u00fcnnungsrechnung ermittelt werden. Vielfach wird die Gew\u00e4sserg\u00fcte II der LAWA angestrebt.\nWird f\u00fcr die zentralen Konzepte, die vielfach kleinere Ortskl\u00e4ranlagen bedeuten, die G\u00fcteklasse II\/III als erster Sanierungsschritt angesehen, so kann in Abh\u00e4ngigkeit von der Flie\u00dfgeschwindigkeit im Vorfluter eine NH4-N-Konzentration von 0,5 bis 3 mg\/l zugelassen werden, da nach der LAWA-Liste vielfach die kritische Verd\u00fcnnung f\u00fcr diesen Parameter \u00fcberschritten wird. Dies gilt aber nur, wenn das Oberfl\u00e4chengew\u00e4sser nicht f\u00fcr die Trinkwasserversorgung genutzt wird.\nDas Land kann nach \u00a7 7a WHG f\u00fcr die \u00dcbergangsregelung Fristen festlegen. Mittelfristig sollen g\u00fcteorientierte Bewirtschaftungspl\u00e4ne aufgestellt werden.\nDie Wahl von Verfahren f\u00fcr Abwasserbehandlungsanlagen wird an Randbedingungen wie z. B. Abwassermenge und -beschaffenheit, G\u00fcteanforderungen, Platzverh\u00e4ltnissen eingegrenzt. Das wirtschaftlich jeweils optimale Verfahren ist aber nur mit konkretem Bezug zur Situation zu ermitteln.\nGenerell bieten sich bei kleineren Anlagen mit ausreichenden Platzverh\u00e4ltnissen oft naturnahe L\u00f6sungen an, w\u00e4hrend mit wachsende Gr\u00f6\u00dfe zunehmend technische Verfahren dominieren.Die angesprochene Zusammenfassung von Ortsnetzen zu Gruppenl\u00f6sungen f\u00fcr die Abwasserbehand-lung kann unter den betrachteten Randbedingungen oft nur durch eine stufenweise Realisierung erreicht werden. In einem derartigen Proze\u00df ist es wichtig, bei allen Bauma\u00dfnahmen, z. B. auch beim Ausbau von Stra\u00dfen, das angestrebte Ziel zu ber\u00fccksichtigen. Bei der Planung von Abwasserbehandlungsanlagen ergeben sich wirtschaftliche L\u00f6sungen nur, wenn entsprechende Erweiterungsm\u00f6glichkeiten, oder eine Umwidmung bei Standortaufgabe, ber\u00fccksichtigt werden.\n\n\nFazit\n\nDie durchgef\u00fchrten Kostenbetrachtungen haben gezeigt, da\u00df eine Realisierung der Abwasserbeseitigung im Rahmen der F\u00f6rdergrenzen des Landes Sachsen-Anhalt generell m\u00f6glich ist.\n<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens In den neuen Bundesl\u00e4ndern bestehen enorme Defizite hinsichtlich der Abwasserentsorgung. Es kann eingesch\u00e4tzt werden, da\u00df nur ca. 1\/3 des anfallenden Abwassers entsprechend den gesetzlichen Forderungen entsorgt wird. Ausgehend von dieser Sachlage wurden f\u00fcr die Kommunen bzw. gebildeten Abwasser-Zweckverb\u00e4nde L\u00f6sungskonzepte f\u00fcr die Abwasserentsorgung entwickelt, die h\u00e4ufig eine zentralisierte Abwasserentsorgung vorsehen. 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