{"id":19819,"date":"2023-07-13T15:11:58","date_gmt":"2023-07-13T13:11:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/07318-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:11:59","modified_gmt":"2023-07-13T13:11:59","slug":"07318-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/07318-01\/","title":{"rendered":"Modellvorhaben: Ressourcenschonende Substanzerhaltung von Holzbauteilen in der Benediktinerinnenabtei Kloster Burg Dinklage"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Untersuchung der M\u00f6glichkeiten der ressourcenschonenden und substanzerhaltenden Sanierung wesentlicher Tragwerksteile aus Eichenholz durch Abfangungen aus Stahl und Edelstahl. Umlenkung und Einleitung der vorhandenen Lasten in die bestehenden Fundamente sowie in ein aus 4 Bohrpf\u00e4hlen bestehendes neues Fundament im Geb\u00e4udeinnern. Statische Sanierung des Dachstuhls.<br \/>\nDurchf\u00fchrung der geplanten Ma\u00dfnahmen nach Abstimmung mit der Denkmalpflege und der Bauaufsichtsbeh\u00f6rde des Landkreises Vechta unter erschwerten Bedingungen, da das Geb\u00e4ude ununterbrochen bewohnt und als Konventgeb\u00e4ude genutzt wird.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie gravierenden Sch\u00e4den am vorhandenen Tragwerk des Konventgeb\u00e4udes wurden bei Voruntersuchungen f\u00fcr den geplanten K\u00fcchenumbau im Januar 1995 entdeckt.<br \/>\nEs wurden die M\u00f6glichkeiten untersucht, die nicht mehr tragf\u00e4higen h\u00f6lzernen Tragwerksteile gegen entsprechende neue aus Eichenholz auszutauschen. Der Vergleich der Massen der zu ersetzenden h\u00f6lzernen Tragwerksteile mit den Massen der insgesamt vorhandenen Tragwerke ergab nahezu eine v\u00f6llige Entkernung in gro\u00dfen Bereichen des Konventgeb\u00e4udes.<br \/>\nEs wurden Untersuchungen und Berechnungen mit alternativen Varianten angestellt zur Abfangung und Unterfangung der gesch\u00e4digten h\u00f6lzernen Tragwerksteile. Das gew\u00e4hlte Konzept sah lediglich den ersatzlosen Ausbau von einem Unterzug und zwei abg\u00e4ngigen \u00dcberz\u00fcgen vor. Die Plazierung und Dimensionierung der st\u00e4hlernen Abfangungen und Unterfangungen konnte erst nach Ermittlung der tats\u00e4chlich vorhandenen Lasten aus den einzelnen Deckenbalken und der Messung der Resttragf\u00e4higkeit der abfan-gungsfreien Deckenbalken vorgenommen werden.<br \/>\nZur Ermittlung der tats\u00e4chlichen Lasten an den Auflagern der einzelnen Regelbalken wurde eine spezielle Exertionsanalytik entwickelt und erstmalig eingesetzt.<br \/>\nDie Resttragf\u00e4higkeit der freigespannten Deckenbalken wurde mit der Ultraschallmethode und der Berechnung des Elastizit\u00e4tsmoduls ermittelt.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Das Ziel der den Gegebenheiten angepa\u00dften minimal invasiven Sanierung des Konventgeb\u00e4udes war es, die Eingriffe in R\u00e4ume und Konstruktion so gering wie m\u00f6glich zu halten und dennoch das Geb\u00e4ude insgesamt ebenso wie seine Einzelbauelemente in einen durablen Zustand zu versetzen, der mit dem Charakter der Anlage und ihrer Nutzung im Einklang steht. Durch den Einbau st\u00fctzender Konstruktionen wurde die Tragf\u00e4higkeit der Bauelemente unter gr\u00f6\u00dftm\u00f6glicher Bewahrung nichttragender Bauteile wiederhergestellt:<br \/>\n&#8211; Im Dachgescho\u00df wurden etwa in der L\u00e4ngsachse des Geb\u00e4udes zwei Gittertr\u00e4ger von jeweils ca 1\/3 der Geb\u00e4udel\u00e4nge eingebaut, die auf die massive Westwand bzw. die Schornsteine auflagern. Um eine \u00dcberlastung der Schornsteinfundamente zu vermeiden, wurde ein Schornstein teilweise zur\u00fcckgebaut. Die Balken der Obergescho\u00dfdecke wurden an die Gittertr\u00e4ger angeh\u00e4ngt und ihre St\u00fctzweite damit halbiert. Dadurch tr\u00e4gt die Decke keine Lasten mehr in die Zwischenw\u00e4nde des Obergeschosses ein.<br \/>\n&#8211; Die Deckenbalken der K\u00fcche wurden durch zwei Stahltr\u00e4ger unterst\u00fctzt. Auch diese Tr\u00e4ger lagem auf den Schomsteinen bzw. auf einer Mittelst\u00fctze aus Edelstahl, die eine eigene Gr\u00fcndung aus vier Bohrpf\u00e4hlen erhielt.<br \/>\n&#8211; Die Deckenbalken im Refektorium wurden durch zwei Stahltr\u00e4ger unterst\u00fctzt, die ebenfalls in einem Schornstein, bzw. auf vier Stahlst\u00fctzen aufliegen, deren Lasten durch Abfangungen im Keller abgetragen werden.<br \/>\nDie Summe der Kostenverpflichtungen betr\u00e4gt bisher rund 988.000,- DM.<br \/>\nDie Vorteile dieses Verfahrens: Es wurde kaum Material ausgebaut; der Anfall von Bauschutt war gering. Die originale Bausubstanz blieb weitgehend erhalten; der Denkmalwert des Geb\u00e4udes wurde nur in geringem Ma\u00dfe beeintr\u00e4chtigt. Alle neu eingebauten Bauwerksteile wurden in reversibler Form geplant und eingebaut. Der Verbrauch an neuen Baustoffen war gering; die nat\u00fcrlichen Ressourcen wurden ge-schont. Die Zufahrten mu\u00dften nur in einem Ausnahmefall, mit geringem Aufwand, f\u00fcr schwere Fahrzeuge vorbereitet werden. Das Geb\u00e4ude als Ganzes blieb w\u00e4hrend der Bauzeit bewohnbar.<\/p>\n<p>Die gew\u00e4hlte Form des oben beschriebenen minimal invasiven Verfahrens war die Alternative zu einer konventionellen Sanierung durch Entkernung. Diese h\u00e4tte den Einbau tempor\u00e4rer Tragkonstruktionen erfordert, um die Lasten w\u00e4hrend der Bauzeit zu \u00fcbernehmen. Gescho\u00dfweise w\u00e4ren alle betroffenen H\u00f6lzer durch Ausbau der Fu\u00dfb\u00f6den und Decken freigelegt, ausgetauscht und mit neuen, unverformten und DIN-gerechten Materialien wiederhergestellt worden. Die Kosten wurden auf ca 3-4 Mio. DM gesch\u00e4tzt.<br \/>\nBei der Abw\u00e4gung wurden folgende Nachteile dieser Methode deutlich: R\u00e4umung des Geb\u00e4udes w\u00e4hrend der gesamten Bauzeit; kompletter Abbruch und Erneuerung der Wohnr\u00e4ume der Schwestem im Dachgescho\u00df; hoher Verbrauch an neuen Baumaterialien und sehr gro\u00dfes Aufkommen an Bauschutt; starke Eingriffe in das Gel\u00e4nde durch Schwertransportzufahrten; erhebliche Beeintr\u00e4chtigung des Denkmalwertes des Geb\u00e4udes durch den Verlust an originaler Bausubstanz sowie die deutlich h\u00f6heren Kosten f\u00fcr eine derartige Ma\u00dfnahme.<\/p>\n<p>Seit Fr\u00fchsommer dieses Jahres sind K\u00fcche und Refektorium wieder in Betrieb. Lediglich die Kellerr\u00e4ume f\u00fcr Gem\u00fcsek\u00fcche und Vorratshaltung k\u00f6nnen erst in den n\u00e4chsten Wochen, endg\u00fcltig bis Ende Dezember, fertiggestellt werden.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Wir werden \u00fcber das Projekt und seinen umweltspezifischen Ansatz und die Unterst\u00fctzung der DBU bei den Besuchern des Klosters und der immer wieder vorkommenden Zusammenarbeit mit diversen Medien berichten.<br \/>\nEin ausf\u00fchrlicher Abschlu\u00dfbericht nach den Kriterien der Datei MONUFAKT liegt vor.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Erhaltung der Sch\u00f6pfung ist ein Eckpfeiler der benediktinischen Spiritualit\u00e4t und Sendung. Von daher fiel die Entscheidung der Schwesternschaft f\u00fcr eine minimal invasive Vorgehensweise bei den notwendigen Sanierungsma\u00dfnahmen am Konventgeb\u00e4ude. Nicht nur die Erhaltung der alten Substanz, sondern auch die Schonung der nat\u00fcrlichen Ressourcen durch Minimierung des Holz- und Materialverbrauchs, Vermeidung von Schuttmengen und ein in jeder Hinsicht umweltgerechtes Verhalten sind Grundlagen des Projektes. Dies wurde Schritt um Schritt unter sorgf\u00e4ltiger Einbeziehung der besonderen Gegebenheiten des Klosters und der Burg als Baudenkmal erarbeitet und umgesetzt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Untersuchung der M\u00f6glichkeiten der ressourcenschonenden und substanzerhaltenden Sanierung wesentlicher Tragwerksteile aus Eichenholz durch Abfangungen aus Stahl und Edelstahl. Umlenkung und Einleitung der vorhandenen Lasten in die bestehenden Fundamente sowie in ein aus 4 Bohrpf\u00e4hlen bestehendes neues Fundament im Geb\u00e4udeinnern. Statische Sanierung des Dachstuhls. 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