{"id":19808,"date":"2026-04-12T10:32:02","date_gmt":"2026-04-12T08:32:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/08643-01\/"},"modified":"2026-04-12T10:32:04","modified_gmt":"2026-04-12T08:32:04","slug":"08643-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/08643-01\/","title":{"rendered":"Modellvorhaben: Wirkungen von partikelf\u00f6rmigen Luftschadstoffen auf Oberfl\u00e4chenmaterialien im Einflu\u00dfbereich spezifischer Emittenten"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>In der Region \u00f6stlich der Achse Leuna-Merseburg-Schkopau bestand in der Vergangenheit eine starke Beeinflussung durch Gro\u00dfemittenten der chemischen Industrie. Die Untersuchungen dienen der Charakterisierung von partikelf\u00f6rmigen An- und Umlagerungen (vor allem St\u00e4ube) an Bauwerksoberfl\u00e4chen ausgew\u00e4hlter Objekte, von Schadstoffanreicherungen in Bildungen auf Oberfl\u00e4chen sowie der Erfassung von Schadstoffanreicherungen im Reinigungsgut, das bei der Sanierung derartiger Oberfl\u00e4chen anfallen kann. Empfehlungen f\u00fcr flankierende Ma\u00dfnahmen bei der Anwendung von Reinigungs- oder anderen Abtragverfahren zur Vorbereitung von Sanierungma\u00dfnahmen an schadstoffbeeinflu\u00dften Bauwerksoberfl\u00e4chen werden abgeleitet. F\u00fcr die Region typische und verallgemeinerungsf\u00e4hige Besonderheiten werden hervorgehoben.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenIn Abh\u00e4ngigkeit von der Lage zu den industriellen Schwerpunkten in der Region sind verschiedene Objekte (Schlo\u00df in Schkopau, Friedenskirche in Leuna, Kirchen in Kollenbey, Kreypau, W\u00f6lkau und Wallendorf) ausgew\u00e4hlt worden. Zun\u00e4chst wurden Staubab- und -anlagerungen, Oberfl\u00e4chenbildungen und Ver\u00e4nderungen an Oberfl\u00e4chenbereichen von Materialien unter verschiedensten Expositionsbedingungen sowie zum Vergleich einzelne Bodenproben in unmittelbarer N\u00e4he der Geb\u00e4ude an den Einzelobjekten entnommen. Die Untersuchung erfolgte mittels chemischer Methoden (Hauptbestandteile, anorganische und teilweise organische Spurenstoffe), R\u00f6ntgendiffraktometrie, Differentialthermoanalyse, Elektronen- und Lichtmikroskopie. Nach Auswertung der Ergebnisse f\u00fcr die einzelnen Objekte und der Proben vergleichbarer Exposition verschiedener Objekte sind Wandfl\u00e4chen am Schlo\u00df in Schkopau und an der Friedenskirche in Leuna f\u00fcr Reinigungsversuche ausgew\u00e4hlt und diese auch durchgef\u00fchrt worden. Zum Einsatz kamen manuelle (trocken und mit Wasser) und maschinelle Reinigungsverfahren (traditionelles Sandstrahl- und JOS-Verfahren). Bei den maschinellen Reinigungsverahren wurde zus\u00e4tzlich mit unterschiedlichem Strahlgut (Quarzsande, Calcitpudermehl, Glaspudermehl) gearbeitet. Das Reinigungsgut ist aufgefangen und nach Fraktionierung in Teilproben analysiert worden. Hierbei wurden die gleichen Analysenmethoden wie bei der Charakterisierung der Ausgangssituation angewendet.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>An allen untersuchten Objekten gehen die gr\u00f6\u00dften sch\u00e4digenden Wirkungen auf die Bauwerksoberfl\u00e4chen von Schwefelverbindungen aus. In vergleichbar exponierten Proben ergibt sich eine Abh\u00e4ngigkeit von der Entfernung zu den industriellen Zentren. Mit der Zunahme der Entfernung von den Standorten Leuna bzw. Schkopau ist eine Abnahme der Gipsgehalte in vergleichbar exponierten Proben festzustellen. Insgesamt tritt aber trotzdem eine sehr hohe Belastung auf. Neben Gips ergibt sich vor allem f\u00fcr Gehalte an Quecksilber eine Abh\u00e4ngigkeit von m\u00f6glichen Emittenten. F\u00fcr andere Spurenstoffe deuten sich ebenfalls spezifische Einfl\u00fcsse an. An allen untersuchten Geb\u00e4uden sind in Staubproben aus den Dachbereichen die h\u00f6chsten Gehalte an Spurenstoffen nachgewiesen worden. Die Art der Spurenstoffe und deren Gehalte signalisieren m\u00f6gliche Zusammenh\u00e4nge zu Staubzusammensetzungen, die im Rahmen von Messungen in der N\u00e4he der Standorte ermittelt wurden. An den \u00e4u\u00dferen Oberfl\u00e4chen der Geb\u00e4ude bestehen sehr gro\u00dfe Unterschiede hinsichtlich der Staubanlagerungen und der Ver\u00e4nderungen an den Oberfl\u00e4chen. Hierf\u00fcr sind verschiedenste Einflu\u00dffaktoren verantworlich. Die Gehalte an Spurenstoffen nehmen in der Tendenz mit den Wandh\u00f6hen zu und erreichen, verglichen mit unmittelbar dar\u00fcber befindlichen Wandbereichen, durchschnittlich h\u00f6here Werte in den B\u00f6den in Wandn\u00e4he. Starke Sch\u00e4den an den Wandfl\u00e4chen waren vor allem an Putzen nachweisbar. Auch an den Natursteinen waren starke Sch\u00e4digungen vorhanden. Neben Anlagerungen und Krusten sind Schalenbildungen, die \u00e4u\u00dferlich einen nur gering gesch\u00e4digten Stein vermuten lassen, vorhanden. Profiluntersuchungen lie\u00dfen aber Sch\u00e4digungen in den oberfl\u00e4chennahen Steinbereichen erkennen. Daraus und auch aus den partiell sehr hohen Belastungen mit bausch\u00e4dlichen Salzen ergeben sich einige Konsequenzen f\u00fcr Reinigungs- und Abri\u00dfarbeiten. Neben der Umlagerung auf den Oberfl\u00e4chen mu\u00df auch eine direkte Ablagerung von Gips mit den Flugst\u00e4uben oder anderen Niederschl\u00e4gen erfolgen. Seit einigen Jahren kommt es zu einer merklichen Reduzierung der Luftbelastung mit Schwefelverbindungen. Damit verbunden ist auch eine Verminderung der Belastung der Materialoberfl\u00e4chen und eine Freisetzung von in den Agglomeraten gebundenen Stoffen. Vergleiche zwischen den in den Dachbereichen abgelagerten Altst\u00e4uben und Ergebnisse von neueren Staubniederschlagsuntersuchungen weisen auffallende \u00c4hnlichkeiten hinsichtlich der Gehalte an Spurenstoffen auf. Folgende Schlu\u00dffolgerungen lassen sich ableiten: Bei Dachdeck- und \/ oder Abri\u00dfarbeiten in Dachbereichen k\u00f6nnen abgelagerten Altst\u00e4ube mobilisiert werden. Es sind deshalb unbedingt Ma\u00dfnahmen zur Verminderung einer Staubausbreitung vorzunehmen. Da die in der Region verbauten Sandsteine dolomithaltige Bestandteile enthalten k\u00f6nnen und diese leichtl\u00f6sliche Salze mit Sulfaten bilden, daneben aber auch hohe Belastungen mit anderen bausch\u00e4dlichen Salzen auftreten, sind bei der Reinigung von Natursteinoberfl\u00e4chen trocken arbeitende Verfahren oder Verfahren in denen nur der entstehende Staub mit Wasser gebunden wird zu favorisieren. Bei den Reinigungsarbeiten ist neben dem Reinigungserfolg selbst auch der Erhaltungszustand der Untergr\u00fcnde zu ber\u00fccksichtigen. Manuelle Reinigungen f\u00fchren lediglich zu einer Reduktion des Volumens der Anlagerungen. Gute Reinigungseffekte sind mit schonend arbeitenden maschinellen Verfahren erzielt worden. Hier ist jedoch eine spezifische Anpassung an die jeweiligen Objekte erforderlich. Anpassungen m\u00fcssen hinsichtlich Strahlgut, Strahldruck, Intensit\u00e4t des Materialabtrags und Belastung der Untergr\u00fcnde mit bausch\u00e4dlichen Salzen erfolgen. Die nach der Reinigung freiliegenden Oberfl\u00e4chen m\u00fcssen in der Regel nachbehandelt werden. Bei Sandsteinuntergr\u00fcnden ist im Territorium mit Magnesiumsulfaten zu rechnen und den daraus resultierenden Problemen bei der Auswahl geeigneter Materialien f\u00fcr Sanierungen. Als problematisch einzusch\u00e4tzen sind die Sch\u00e4digungen an der Schaumkalkverkleidung im Bereich der westlich exponierten Wandfl\u00e4chen der Friedenskirche in Leuna. Die Anfallstoffe von Reinigungsarbeiten in der Region k\u00f6nnen mit verschiedensten Spurenstoffen belastet sein. In Schkopau und \u00f6stlich davon ist mit Quecksilber zu rechnen. Daneben k\u00f6nnen aber auch Belastungen mit Zink, Kupfer und Blei auftreten. Vor der Durchf\u00fchrung von Reinigungsarbeiten an Fassaden sollten Untersuchungen an Reinigungsg\u00fctern von bauwerkstypischen Musterfl\u00e4chen vorgenommen werden.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Ergebnisse der Untersuchungen sollen 1999 (Jahresanfang) in einer Vortragsveranstaltung in Merseburg Interessenten aus dem Territorium vorgestellt werden. (Der konkrete Termin steht noch nicht fest.)<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Untersuchungen best\u00e4tigen einige der erwartenden Probleme von Ansatz her. Bereits w\u00e4hrend der Bearbeitung sind Teilergebnisse in Sanierungsarbeiten am Schlo\u00df in Schkopau eingeflossen. F\u00fcr die Friedenskirche in Leuna ergaben die Reinigungsversuche wichtige Hinweise f\u00fcr die Auswahl m\u00f6glicher Reinigungsvarianten. Zur Kl\u00e4rung der Zusammenh\u00e4nge zwischen Ablagerungen von Altst\u00e4uben an Bauwerksoberfl\u00e4chen und deren Rolle beim aktuellen Staubniederschlag w\u00e4ren aber weitere Unter-suchungen n\u00f6tig. Ein weiteres Problem ist die Nachbehandlung von gereinigten Fassadenfl\u00e4chen unter den spezifischen Umweltbedingungen und der verbauten Materialien in der hier untersuchten Region<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens In der Region \u00f6stlich der Achse Leuna-Merseburg-Schkopau bestand in der Vergangenheit eine starke Beeinflussung durch Gro\u00dfemittenten der chemischen Industrie. 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