{"id":19803,"date":"2023-07-13T15:12:48","date_gmt":"2023-07-13T13:12:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/08553-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:12:50","modified_gmt":"2023-07-13T13:12:50","slug":"08553-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/08553-01\/","title":{"rendered":"Anwendung populationsgenetischer Methoden zur nachhaltigen Sicherung der Biodiversit\u00e4t in Wirtschaftsw\u00e4ldern"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Forstbaumschulen beziehen ihr Saat- und Pflanzgut aus Best\u00e4nden, die in Mitteleuropa langer forstwirtschaftlicher Beeinflussung unterliegen. Dabei wurden und werden im Zuge der Selektion im Herkunftsbestand und beim Anzuchtproze\u00df die genetischen Strukturen des Ausgangsbestandes ver\u00e4ndert. Dieses Projekt versucht in Zusammenarbeit mit einer Baumschule die Effekte auf das genetische System einer Saat- und Pflanzgutpopulation zu erfassen, sie unter dem Aspekt der Biodiversit\u00e4t als Basis f\u00fcr die An-passungsf\u00e4higkeit von Wald\u00f6kosystemen zu bewerten und das Ergebnis als marktwirtschaftlichen Qualit\u00e4tsparameter f\u00fcr forstliches Saat- und Pflanzgut zu etablieren.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenAuf der Basis etablierter Methoden der Populationsgenetik, insbesondere der Gelelektrophorese, wurden in mehreren Vermehrungsgutpopulationen die Einfl\u00fcsse der Produktion auf die genetische Struktur des Vermehrungsgutes \u00fcber den Zeitraum von drei Jahren untersucht. Der Produktionsprozess umfasste alle Produktionsphasen von der Ernte bis zur Vertriebsreife des Pflanzgutes in der Baumschule. Die Bereitstellung der dazu notwendigen Proben wurde von der Fa. Conrad Appel AG sowie der Darmst\u00e4dter Forstbaumschule vorgenommen. Aufbauend auf den H\u00e4ufigkeitsverteilungen der genetischen Informationen in den Produktionsphasen wurde der populationsgenetische Kennwerte der Selektionslast zur Bewertung der genetischen Eigenschaften des Vermehrungsgutes zu einem Ma\u00df weiterentwickelt, welches das Vermehrungsgut hinsichtlich der Angepasstheit an die Bedingungen des Produktionsprozesses bewertet. Diese Ma\u00df z &#8211; Zeta bildet die Grundlage ein Zertifikat \u00fcber die genetischen Eigenschaften des Vermehrungsgutes. Zur Charakterisierung der Bewertung werden in dem Zertifikat neben den Standortdaten der Quellpopulation auch die Untersuchungsmethode und ihre Rahmenbedingungen dargestellt. Die Umsetzung dieser Parameterberechnung \u00fcbernimmt eine Software, welche die beteiligte Baumschule in die Lage versetzt, ihr Vermehrungsgut unter adaptiven Gesichtspunkten zu bewerten. Da diese Methode auf eine breite konzeptionelle Basis gestellt ist, kann sie neben der Produktion von Vermehrungsgut auch im Dienstleistungssektor eingesetzt werden (Beratung und Restauration genetisch verarmter Populationen).<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Aufbauend auf institutsinternen Daten konnte gezeigt werden, dass die Untersuchungsbest\u00e4nde und ihre Nachkommenschaften repr\u00e4sentativ f\u00fcr die Verbreitung genetischer Informationen bei der Buche (Fagus sylvatica L.) ausgew\u00e4hlt wurden. Trotz dieser repr\u00e4sentativen Auswahl wurde deutlich, dass die Entwicklungen des Vermehrungsgutes in Abh\u00e4ngigkeit diverser Einflussfaktoren, wie der Auswahl und Durchmischung des Saatgutes oder der Stratifizierung, variieren. Als wesentliche Einflussgr\u00f6\u00dfe konnte dabei die Durchmischung dieser gro\u00dffr\u00fcchtigen Samen in Verbindung mit einer fr\u00fchzeitigen Bildung von Teilpopulationen festgestellt werden, welche zur Ver\u00e4nderung der genetischen Strukturen beitr\u00e4gt. Mit Ausnahme der Sortierung des Pflanzgutes, welches eine weitere Teilmengenbildung des Vermehrungsgutes bewirkt, konnten in der Phase der Pflanzenanzucht in der Baumschule keine f\u00fcr beide Populationen konsistenten Ver\u00e4nderungen der genetischen Struktur festgestellt werden. Als wesentliche Produktionsphasen, in welchen die genetische Struktur des Vermehrungsgutes deutlichen Ver\u00e4nderungen unterliegen kann, stellten sich alle Teilmengenbildungen der Population bei inhomogener Verteilung der genetischen Information in der Grundgesamtheit heraus. Dazu geh\u00f6ren besonders die Phase der Saatgutbehandlung sowie der Verkauf von Vermehrungsgut, bevor eine homogene Verteilung genetischer Informationen erreicht wurde. Vergleichbare Wirkungen wird auch durch die Sortierung des Vermehrungsgutes erreicht.<br \/>\nDiese Ver\u00e4nderung genetischer Informationen w\u00e4hrend des Produktionsprozesses kann anhand des weiterentwickelten Ma\u00dfes z (Zeta) im Hinblick auf die Angepasstheit des Vermehrungsgutes an die Produktionsbedingungen bewertet werden. Im Gegensatz zu der bislang theoretischen Verwendung des Begriffs der Angepasstheit, kann erstmals eine retroperspektive Messung und Bewertung der Angepasstheit des Vermehrungsgutes vorgenommen werden. Aufgrund seiner den gesamten Produktionsprozess zusammenfassenden Wirkung bildet das Ma\u00df der Angepasstheit die Grundlage f\u00fcr ein Zertifikat, welches diese genetische Eigenschaft des Vermehrungsgutes verbraucherfreundlich pr\u00e4sentiert und die Bewertungsgrundlagen nennt. Zur Erstellung des Zertifikates wurde eine Softwarel\u00f6sung entwickelt, welche nach Eingabe der genetischen Rohdaten eine selbst\u00e4ndige Berechnung der Parameter und eine graphische Erstellung des Zertifikats vornimmt. Mit dieser konzeptionell fundierten Methode der Bewertung genetischer Eigenschaften forstlichen Vermehrungsgutes wird es m\u00f6glich, den Produktionsprozess hinsichtlich seiner adaptiven Bedeutung messbar so zu bewerten, dass sowohl die Produktionsbedingungen f\u00fcr die Anzucht von Vermehrungsgut adaptiv optimiert als auch die Vermarktungsm\u00f6glichkeiten der Produkte durch die Zertifizierung verbessert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Methode der Bewertung wurde in der Arbeit von Gregorius &#038; von Werder (zur Ver\u00f6ffentlichung eingereicht) dargestellt. Teile der Ergebnisse wurden im Rahmen einer EU-Konferenz (1999) in G\u00f6ttingen vorgestellt und waren Teil eines Vortrages auf der IUFRO-Tagung 9\/1999 in M\u00fcnchen. Die Umsetzung dieser Methode wird zuk\u00fcnftig besonders von dem Einsatz dieses Verfahrens bei der beteiligten Baumschule und von dem Bekanntheitsgrad unter den Vermehrungsgut-K\u00e4ufern abh\u00e4ngen. Aus diesem Grunde sind zuk\u00fcnftig Ver\u00f6ffentlichungen mit praxisnaher Anwendung in dem forstnahen Bereich ratsam. Durch die konzeptionelle Fundierung dieser Methode (Gregorius &#038; von Werder, zur Ver\u00f6ffentlichung eingereicht) bietet sie langfristig Anwendungsm\u00f6glichkeiten, welche weit \u00fcber die Vermehrungsgutproduktion hinausgehen.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Dieses Projekt baute durch die notwendige Analyse des gesamten Produktionsablaufes bei der Produktion von Vermehrungsgut auf einem sehr gro\u00dfen Anteil an Laborarbeiten auf. Mehr als 8000 Proben wurden zur Analyse des Produktionsprozesses in Zusammenarbeit mit dem Beerntungsunternehmen, der Fa. Conrad Appel GmbH und den Darmst\u00e4dter Forstbaumschulen hergestellt und untersucht. Die Koordination durch die Bundesforschungsanstalt in Gro\u00dfhansdorf und die Zusammenarbeit mit diesen Unternehmen war sehr konstruktiv und hat insbesondere eine praxisnahe Analyse des Produktionsprozesses gew\u00e4hrleistet. Die mit diesem Projekt entstandenen Daten und Ergebnisse besitzen daher f\u00fcr den beteiligten Vermehrungsgutproduzenten einen hohen Authentizit\u00e4tswert und gew\u00e4hrleisten eine rasche Umsetzung dieser Methode in den Produktionsprozess dieses und auch anderer Unternehmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Forstbaumschulen beziehen ihr Saat- und Pflanzgut aus Best\u00e4nden, die in Mitteleuropa langer forstwirtschaftlicher Beeinflussung unterliegen. 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