{"id":19791,"date":"2024-11-27T10:34:02","date_gmt":"2024-11-27T09:34:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/09375-01\/"},"modified":"2024-11-27T10:34:02","modified_gmt":"2024-11-27T09:34:02","slug":"09375-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/09375-01\/","title":{"rendered":"Aufbau eines zwischenbetrieblichen Stoffverwertungsnetzwerkes im Industriegebiet Heidelberg-Pfaffengrund"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>W\u00e4hrend es gro\u00dfen Unternehmen mit ihrer gro\u00dfen Produktionstiefe und Produktionsvielfalt schon heute in hohem Ma\u00dfe gelungen ist, durch betriebsinterne Stoffkreislauff\u00fchrungen die aktuellen oder potentiellen Kosten abfallwirtschaftlicher Vorg\u00e4nge deutlich zu senken und dadurch die Wirkungen des neuen Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetzes (KrW-\/AbfG) weitgehend zu kompensieren, haben kleinere Unternehmen diese M\u00f6glichkeiten nur in vergleichsweise bescheidenem Ma\u00dfe. Sie sind dadurch sowohl \u00f6konomisch als auch \u00f6kologisch gesehen in einer ung\u00fcnstigeren Position.<br \/>\nDas Projekt zum Aufbau eines zwischenbetrieblichen Stoffverwertungsnetzwerks im Heidelberger Industriegebiet Pfaffengrund hatte sich zum Ziel gesetzt, einen partiellen Nachteilsausgleich bei der Gestaltung entsorgungswirtschaftlicher Vorg\u00e4nge f\u00fcr die dort ans\u00e4ssigen KMU dadurch herbeizuf\u00fchren, da\u00df sie sich in diesem Bereich im r\u00e4umlichen Rahmen eines Industriestandorts koordinieren und kooperieren.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenMit dem Ziel, nicht nur abfallwirtschaftliche Teill\u00f6sungen zu bilden, sondern dem tats\u00e4chlichen Probleml\u00f6sungsbedarf in diesem Bereich in umfassender Weise gerecht zu werden, wurde versucht, f\u00fcr s\u00e4mtliche Abfallstoffgruppen und verschiedene Firmengr\u00f6\u00dfen L\u00f6sungen zu finden, die den gegenw\u00e4rtigen im Bereich \u00f6konomisch-\u00f6kologischer Effizienz \u00fcberlegen sind. Dabei bestand das methodische Vorgehen zun\u00e4chst einmal in einer innerbetrieblichen Datenaufnahme aller Abfallstoffstr\u00f6me nach Abfallart, Abfallmenge und Entsorgungspreiskomponenten, dem sich eine auch von qualitativen Faktoren bestimmte innerbetriebliche Schwachstellenanalyse anschlo\u00df. Erst auf der Basis entsprechend eingeleiteter Optimierungsprozesse wurden sodann die M\u00f6glichkeiten einer zwischenbetrieblichen Koordinierung eruiert, indem die entsprechenden Daten zun\u00e4chst gegen\u00fcber den Pfaffengrunder Produzenten und sodann in einer stoffspezifisch aggregierten Form auch standortextern gegen\u00fcber der Entsorgungswirtschaft kommuniziert wurden. Eine hierauf basierende entsorgungswirtschaftliche Koordination wurde im Rahmen verschiedener Treffen der Pfaffengrunder Akteure zur Umsetzung vorbereitet.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Betriebswirtschaftliche Kostenvorteile, Vorteile f\u00fcr die Umwelt sowie die Bereitschaft und der Wille zur \u00fcberbetrieblichen Kommunikation und Koordination in entsorgungswirtschaftlichen Fragen haben dazu gef\u00fchrt, da\u00df unter den 14 Projektpartnern des produzierenden Gewerbes am Industriestandort Heidelberg-Pfaffengrund folgende zwischenbetriebliche Kooperationsbeziehungen eingeleitet werden konnten:<br \/>\n\u00b7 Direkte Input-Output-Beziehungen auf der Ebene des Industriestandorts: Ein Netzwerkteilnehmer, der selbst in gro\u00dfem Ma\u00dfe PE (Polyethylen) nachfragt, fand auf der Pfaffengrunder Stoffmengenliste sortenreines PE, erkundigte sich \u00fcber dessen Herkunft, testete es und kam zu dem Ergebnis, da\u00df er diesen Stoff unter Zwischenschaltung eines einfachen Shreddervorgangs direkt dem Produktionsproze\u00df zuf\u00fchren und so den standortexternen PE-Bezug bei gleichzeitigen Kostenvorteilen reduzieren kann. Die Stabilit\u00e4t der Koordinationsl\u00f6sung ist jedoch aufgrund von Problemen mit der Sortenreinheit auf seiten der Abfallquelle noch gef\u00e4hrdet.<br \/>\n\u00b7 Entsorgungskanalisation \u00fcber standortinterne Zwischenlager: Aufgrund der Bereitschaft eines Pfaffengrunder Wellpappeherstellers bzw. eines Leuchtstoffr\u00f6hrenproduzenten, nicht verunreinigte Papierabf\u00e4lle bzw. alte Leuchtstoffr\u00f6hren benachbarter Betriebe zu monet\u00e4r recht g\u00fcnstigen Konditionen anzunehmen, k\u00f6nnen bereits vorhandene standortinterne Zwischenlagerungsm\u00f6glichkeiten und spezielle Entsorgungskan\u00e4le auch von anderen Produzenten genutzt werden. W\u00e4hrend die Leuchtstoffr\u00f6hrenl\u00f6sung f\u00fcr alle Produzenten eine interessante Alternative darstellt, ist die neue Papierl\u00f6sung insbesondere f\u00fcr kleinere Anfallstellen, die ihr Papier ungepre\u00dft abgeben, attraktiv.<br \/>\n\u00b7 Ringverkehrssystem zur externen Wiederaufbereitung und Redistribution: Mit dem Ziel einer m\u00f6glichst hochwertigen Verwertung von Altholz, wurde eine separate Entsorgung von Altpaletten angeregt. Dies erlaubte die Einf\u00fchrung eines Ringverkehrssystems, bei dem ein Altpalettenreparaturbetrieb die Altpalettensammlung am Industriestandort \u00fcbernimmt und, wenn gew\u00fcnscht, reparierte Paletten auch vor Ort wieder redistribuieren kann.<br \/>\n\u00b7 Zwischenbetrieblich koordinierte Abfallentsorgung: Auf der Basis der gemeinschaftlich erzielten Datentransparenz einigten sich die Pfaffengrunder Produzenten nach Ende der Projektlaufzeit im Januar 1998 auf ein koordiniertes Vorgehen bei der Wahl von privatwirtschaftlichen Entsorgern, wobei nicht nur \u00f6konomische sondern im Sinne von gew\u00fcnschten und nicht gew\u00fcnschten Verwertungsvorg\u00e4ngen oder Transportentfernungen auch \u00f6kologische Faktoren eine deutliche Rolle gespielt haben.<br \/>\nAuf breiter Front konnten so Entsorgungsl\u00f6sungen implementiert werden, die der ehemals vollkommen autonomen unternehmensindividuellen Vorgehensweise im allgemeinen deutlich \u00fcberlegen sind &#8211; und dies bereits ohne da\u00df ihre Realisierung an substanzielle Anlageinvestitionen verkn\u00fcpft werden mu\u00dfte.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Ergebnisse dieses Pfaffengrunder Pilotprojekts zur firmen\u00fcbergreifenden Koordinierung entsorgungswirtschaftlicher Vorg\u00e4nge am Industriestandort wurde am 26.9.97 im Gesellschaftshaus Pfaffengrund im Rahmen einer ganzt\u00e4gigen Veranstaltung einer interessierten \u00d6ffentlichkeit von \u00fcber 100 Vertretern aus Industrie und Kommune vorgestellt. Dar\u00fcber hinaus hat Herr Sterr Struktur und Ergebnisse des Pfaffengrundprojektes in vielen verschiedenen Fachvortr\u00e4gen nicht nur im Rhein-Neckar-Raum, sondern bspw. auch im Rahmen einer Veranstaltung bei der Berufsakademie Vechta vorgestellt. Im Dezember 1997 erschien ein entsprechender Artikel in der Fachzeitschrift Umweltwirtschaftsforum (uwf) und schlie\u00dflich entstand auch ein insgesamt rund 100 Seiten umfassender Projektabschlu\u00dfbericht, der im Juli 1998 auch in Buchform unter dem oben genannten Projekttitel erschienen ist und \u00fcber das IUWA Heidelberg e.V. bezogen werden kann.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Erfolge des Pilotprojekts im Heidelberger Industriegebiet Pfaffengrund basieren im wesentlichen auf<br \/>\nSkaleneffekten, die durch das virtuelle unternehmens\u00fcbergreifende Pooling von Abfallstoffen m\u00f6glich geworden sind, auf Transparenzeffekten, die durch die Herstellung einer standortweiten Informations-transparenz erzielt wurden, aber auch von Privatisierungseffekten, die direkt im Zusammenhang mit dem neuen KrW-\/AbfG gesehen werden d\u00fcrfen. \u00d6konomische Erfolge waren begleitet von \u00f6kologischen oder widersprachen sich zumindest nicht. Und gerade die firmenspezifisch erzielten Kosteneinsparungen von bis zu 50% in 2 Jahren wurden von der Unternehmerschaft allgemein als gro\u00dfe Erfolge gewertet.<br \/>\nDie positiven Ergebnisse des Pfaffengrundprojekts haben um so mehr Gewicht, als sie a) in einem Industriegebiet erzielt wurden, das ausschlie\u00dflich von KMU bestimmt wird und als sich b) die 11 gr\u00f6\u00dften Vertreter des produzierenden Gewerbes an seiner Verwirklichung beteiligt haben. Eine besondere Repr\u00e4sentativit\u00e4t erhalten die Ergebnisse zudem daraus, da\u00df es sich bei den Pfaffengrunder Produzenten im wesentlichen um kleinere und mittelst\u00e4ndische Vorprodukthersteller handelt, die im wesentlichen als \u00f6kologisch reaktiv handelnd eingestuft werden k\u00f6nnen. Diese Umst\u00e4nde lassen es als recht wahrscheinlich erscheinen, da\u00df sich entsprechende Erfolge auch an anderen Orten erzielen lie\u00dfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens W\u00e4hrend es gro\u00dfen Unternehmen mit ihrer gro\u00dfen Produktionstiefe und Produktionsvielfalt schon heute in hohem Ma\u00dfe gelungen ist, durch betriebsinterne Stoffkreislauff\u00fchrungen die aktuellen oder potentiellen Kosten abfallwirtschaftlicher Vorg\u00e4nge deutlich zu senken und dadurch die Wirkungen des neuen Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetzes (KrW-\/AbfG) weitgehend zu kompensieren, haben kleinere Unternehmen diese M\u00f6glichkeiten nur in [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":0,"featured_media":0,"template":"","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[56,2423],"class_list":["post-19791","projektdatenbank","type-projektdatenbank","status-publish","hentry","tag-baden-wuerttemberg","tag-umweltkommunikation"],"meta_box":{"dbu_projektdatenbank_az_ges":"09375\/01","dbu_projektdatenbank_medien":"","dbu_projektdatenbank_pdfdatei":"A-09375.pdf","dbu_projektdatenbank_bsumme":"99.701,92","dbu_projektdatenbank_firma":"Universit\u00e4t Heidelberg","dbu_projektdatenbank_strasse":"Grabengasse 14","dbu_projektdatenbank_plz_str":"69117","dbu_projektdatenbank_ort_str":"Heidelberg","dbu_projektdatenbank_p_von":"1996-06-27 00:00:00","dbu_projektdatenbank_p_bis":"1998-12-22 00:00:00","dbu_projektdatenbank_laufzeit":"2 Jahre und 6 Monate","dbu_projektdatenbank_telefon":"06221\/54-","dbu_projektdatenbank_inet":"","dbu_projektdatenbank_bundesland":"Baden-W\u00fcrttemberg","dbu_projektdatenbank_foerderber":"1","dbu_projektdatenbank_ab_bericht":"","dbu_projektdatenbank_ist_nachbewilligung_von":"","dbu_projektdatenbank_hat_nachbewilligung":"","dbu_headerimage_cover":"","dbu_submenu":"","dbu_submenu_position":"","dbu_submenu_entry":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/19791","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/projektdatenbank"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/19791\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":32794,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/19791\/revisions\/32794"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=19791"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=19791"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=19791"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}