{"id":19747,"date":"2023-07-13T15:10:46","date_gmt":"2023-07-13T13:10:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/05491-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:10:48","modified_gmt":"2023-07-13T13:10:48","slug":"05491-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/05491-01\/","title":{"rendered":"Innerdeutsches Modellprojekt: Konservierung von umweltgesch\u00e4digten Bronze- und Galvanoplastiken mit besonderem Schwerpunkt der Weiterbildung von mittelst\u00e4ndischen Restauratorenbetrieben"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Die Sch\u00e4den an Bronzen und Galvanoplastiken im Freien stehen in direktem Zusammenhang mit den Umweltbedingungen am jeweiligen Aufstellungsort. Besonders an Galvanoplastiken zeigen sich Sch\u00e4den in erschreckendem Ausma\u00df. Deshalb sollen an einer Reihe von Denkm\u00e4lern in Sachsen und Sachsen-Anhalt beispielhafte Restaurierungen ausgef\u00fchrt werden. Publikationen und Fortbildungsveranstaltungen werden das \u00f6ffentliche Interesse an der Aufgabenstellung st\u00e4rken. Insbesondere mittelst\u00e4ndischen Restauratorenbetrieben soll die M\u00f6glichkeit zur Einarbeitung in die speziellen Arbeitstechniken bzw. zur Vertiefung bereits vorhandener Kenntnisse geboten werden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenEs handelt sich um ein Verbundprojekt. Die Restaurierungsarbeiten an Bronzen und Galvanoplastiken erfolgen in Sachsen und Sachsen-Anhalt durch Restaurierungsfirmen unter Aufsicht des jeweils zust\u00e4ndigen Denkmalamtes. Restaurierungsbegleitende Analysen und Spezialuntersuchungen besorgt das Bayerische Landesamt f\u00fcr Denkmalpflege.<br \/>\nF\u00fcr jedes zur Restaurierung vorgesehene Denkmal m\u00fcssen folgende Arbeitsschritte geleistet werden:<br \/>\nArchivrecherche, Aufstellung des Untersuchungsprogramms, Analysen, Vorzustandsbericht, Beschluss des Restaurierungskonzeptes, Diskussion von Restaurierungsalternativen z.B. anhand von Musterfl\u00e4chen, Restaurierung, Restaurierungsbericht.<br \/>\nZeitlich parallel zu den auf konkrete Denkm\u00e4ler bezogenen Aufgabenstellungen werden die grundlegenden Arbeitsmethoden durch eigene Entwicklungen sowie durch Austausch mit anderen Forschungsprojekten st\u00e4ndig \u00fcberpr\u00fcft und optimiert. Als Beispiele seien genannt: 3D-Rauhigkeitsmessung zur Quantifizierung des Korrosionsschadens auf der Basis von Oberfl\u00e4chenabformungen, Dokumentation mit Hilfe von Laservermessung und dreidimensionaler Bildverarbeitung, vergleichende Gegen\u00fcberstellung von Schutz\u00fcberz\u00fcgen auf unterschiedlicher chemischer Basis usw.<br \/>\nErfahrungsaustausch, Diskussion, Fortbildung und Weiterverbreitung der Ergebnisse erfolgen in erster Linie \u00fcber Projektbesprechungen in halbj\u00e4hrlichem Abstand, Werkstattaufenthalte, Ortstermine, Vortragsveranstaltungen, Referate bei Seminaren und \u00fcber Publikationen.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Folgende Objekte sind im Rahmen dieses Projektes restauriert worden: Mendebrunnen in Leipzig, Herzog Heinrich in Marienberg, eine Grabgalvanoplastik in Dresden (alle Sachsen), Dr. Eisenbart in Magdeburg, das Reiterstandbild Friedrich Wilhelm III. in Merseburg, Martin Luther in Wittenberg, Friedrich Friesen in Magdeburg und eine Grabgalvanoplastik in Halle (alle Sachsen-Anhalt).<br \/>\nIm allgemeinen haben die Restaurierungsergebnisse gro\u00dfen Anklang bei der Bev\u00f6lkerung gefunden. Dies war am Beispiel des Herzog Heinrich zu sehen, \u00fcber dessen Restaurierung viel in der \u00f6rtlichen Presse berichtet wurde. Seine Wiederaufstellung nach einem Jahr zum Marienberger Stadtfest wurde ebenfalls sehr feierlich begangen und von der Presse mitverfolgt. Die gro\u00dfe Anteilnahme an der Restaurierung zeigen auch die im Vorfeld gelaufenen Spendenaktionen, die zur finanziellen Unterst\u00fctzung des Vorhabens beigetragen haben.<br \/>\nDie in situ-Bearbeitung eines Denkmals, wie sie am Wittenberger Martin Luther-Denkmal stattgefunden hat, hat sich im Verlauf des Projektes ebenfalls als positiv herausgestellt, denn auch hier wird das gro\u00dfe Interesse der Bewohner der jeweiligen Stadt an ihrem Denkmal deutlich.<br \/>\nAn allen Objekten wurden Musterachsen angelegt, um die Eignung verschiedener Werkzeuge und Konservierungswachse zu beurteilen. Am Hippokampen des Leipziger Mendebrunnens wurde zudem der neu entwickelte Lack Ormocer\u00d2 getestet; eine endg\u00fcltige Bewertung steht noch aus.<br \/>\nDie Vermessung und dreidimensionale Bildverarbeitung konnte an der Dresdner Kerngalvanoplastik durchgef\u00fchrt werden. In verschiedenen analytischen Untersuchungen konnten zudem neue Erkenntnisse \u00fcber das Kernmaterial gewonnen werden. Das Projekt erm\u00f6glichte auch umfangreiche Literaturrecherchen zur historischen Seite der Galvanoplastik, sowohl kunst- als auch herstellungsgeschichtlich, die unter anderem zu einer Ver\u00f6ffentlichung dieser Ergebnisse in der Restaurierungszeitschrift restauro f\u00fchrte.<br \/>\nBei gemeinsamen Ortsterminen an den Objekten mit allen Projektbeteiligten wurden regelm\u00e4\u00dfig Zwischenstadien der Restaurierungen vorgestellt und diskutiert. Restaurierungsbegleitend wurden z. B. die Korrosionsschichten analysiert, um die Notwendigkeit der Entfernung oder Belassung dieser Schichten zu bewerten. Die Frage, wie viel von den Korrosionsschichten abgenommen werden sollte, wurde zu einem zentralen Diskussionspunkt. Bei der Bearbeitung der ersten Objekte wie dem Reiterstandbild Friedrich Wilhelm III. oder der Brunnenfigur Dr. Eisenbart wurden die unterschiedlichen Auffassungen \u00fcber die Vorgehensweise bei Restaurierungen deutlich.<br \/>\nEs erfolgten dar\u00fcber hinaus auch Arbeitstreffen zu den Themen Begriffsdefinition und Schadenskartierung. Zu beiden Themenbereichen sind inzwischen Musterentw\u00fcrfe entstanden, die zu einer Vereinheitlichung der Restaurierungssprache unter allen Beteiligten beitragen werden.<br \/>\nZu allen Objekten wurden au\u00dferdem im Vorfeld genaue analytisch-chemische Untersuchungen sowohl der Legierungszusammensetzung als auch der Oberfl\u00e4chenbeschaffenheit und der Korrosionsprodukte durchgef\u00fchrt. Anhand dieser Daten konnte eine statistische Zuordnung einzelner Korrosionsph\u00e4nomene zum klimatischen Standort und zum Legierungstypus der Objekte gemacht werden. Die Untersuchungen bezogen eine gr\u00f6\u00dfere Auswahl an Objekten ein (z. B. Francke-Denkmal in Halle, Marx-B\u00fcste in Chemnitz, Turniers\u00e4ulen in Dresden), um anhand von Legierung und Schadstoffauflagen R\u00fcckschl\u00fcsse auf Schadensbild und -verlauf ziehen zu k\u00f6nnen.<br \/>\nRegelm\u00e4\u00dfige Fortbildungsveranstaltungen, auf denen nicht nur die am Projekt beteiligten Restauratoren angesprochen wurden, trugen zur Verbreitung des erworbenen Wissens bei. So wurde am Rietschel-Denkmal in Dresden erstmalig eine Hei\u00dfwachskonservierung mit mikrokristallinem Wachs erprobt. Diese moderne Konservierungsmethode wurde auch an den Dresdner Vier Tageszeiten mit Erfolg angewendet- eine Restaurierung, die ebenso wie das Hallenser H\u00e4ndel-Denkmal aus dem neu erworbenen Wissen des Projektes partizipierte.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>\u00d6rtliche Presse bei Restaurierungen und Wiederaufstellungen der Plastiken anwesend; Vortrag bei Metallrestaurierung 97; Publikationen in Metal 98 und restauro; Vortr\u00e4ge bei Gro\u00dfveranstaltungen im Rahmen des COPAL-Projektes 98 in M\u00fcnchen und 99 in Lissabon; Erstellung AdR Arbeitsblatt Galvanoplastik; Abschlusspublikation als gemeinsames Arbeitsheft der LfD Sachsen und Sachsen-Anhalt<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Das Projekt hat sich nicht nur mit rein restauratorischen Aspekten befasst, sondern ist dar\u00fcber hinaus bem\u00fcht gewesen, Akzente in der Materie der (Metall-) Restaurierung zu setzen. Hierf\u00fcr seien die Modell-Dokumentation, Begriffsdefinitionen, Inventarisierung und der Computereinsatz in der Restaurierung genannt. Es wurden aber auch grundlegende Erkenntnisse \u00fcber die Korrosion von Bronze und Kupfer im Freien gewonnen und eine erh\u00f6hte Aufmerksamkeit auf die Galvanoplastiken gelenkt. Wichtige Fragen der Restaurierung aus denkmalpflegerischer Sicht konnten er\u00f6rtert werden und schufen ein besseres Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Bronze- und Galvanoplastiken.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Die Sch\u00e4den an Bronzen und Galvanoplastiken im Freien stehen in direktem Zusammenhang mit den Umweltbedingungen am jeweiligen Aufstellungsort. Besonders an Galvanoplastiken zeigen sich Sch\u00e4den in erschreckendem Ausma\u00df. Deshalb sollen an einer Reihe von Denkm\u00e4lern in Sachsen und Sachsen-Anhalt beispielhafte Restaurierungen ausgef\u00fchrt werden. 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