{"id":19741,"date":"2023-07-13T15:10:33","date_gmt":"2023-07-13T13:10:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/05123-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:10:35","modified_gmt":"2023-07-13T13:10:35","slug":"05123-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/05123-01\/","title":{"rendered":"Erstmalige Praxiserprobung des neuartigen Konzepts Dezentrale Hochwasserschutzma\u00dfnahmen am Beispiel der Bauna"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Am 31.07.1992 verursachte ein schweres Hochwasserereignis im Einzugsgebiet der Bauna einen Schaden von ca. 13 Mio. DM. In den Jahren von 1993 bis 1995 wurde vom Fachgebiet Wasserbau und Wasserwirtschaft ein Hochwasserschutzkonzept f\u00fcr das Niederschlagsgebiet der Bauna (Auftraggeber: Stadt Baunatal und Gemeinde Schauenburg) bearbeitet. Folgende Ma\u00dfnahmen wurden vorgeschlagen: Renaturierung der Bachl\u00e4ufe, Regenwasserbewirtschaftung, Klein- und Kleinstr\u00fcckhalte und lokale Ma\u00dfnahmen. Dabei wurden mit Kleinstr\u00fcckhalten Staur\u00e4ume mit maximal 2 m Wassertiefe und mit Kleinr\u00fcckhalten Staur\u00e4ume mit maximal 5 m Wassertiefe bzw. maximal 100.000 m\u00b3 Volumen bezeichnet. Die beiden Bauherren beabsichtigen, j\u00e4hrlich 200.000,- DM bis 300.000,- DM zu investieren, um das Konzept umzusetzen. Mit der Planung und dem Bau einzelner lokaler Ma\u00dfnahmen wurde begonnen. Mit dem hier vorgestellten Projekt wird die Umsetzung der Ma\u00dfnahmen begleitet und die Auswirkungen auf das Abflussverhalten erfasst. Die dabei gewonnenen Erfahrungen k\u00f6nnen f\u00fcr weitere Projekte dieser Art nutzbar gemacht werden und damit zu Einsparungen bei Planung und Umsetzung dezentraler Hochwasserschutzma\u00dfnahmen f\u00fchren.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDas Projekt gliedert sich in drei Teile:<br \/>\na)\tMessprogrammMit vier Niederschlagsschreibern und 2 Pegeln werden Abflussbildung und -verlauf pr\u00e4ziser erfasst.<br \/>\nb)\tAuswertungDas Niederschlag-Abfluss-Modell wird geeicht. Alternative technische L\u00f6sungen werden bei den beauftragten Ingenieurb\u00fcros angeregt und hydrologisch\/hydraulisch \u00fcberrechnet. Damit wird eine angepasste umweltgerechte Planung m\u00f6glich.<br \/>\nc)\tVorschl\u00e4ge f\u00fcr die bauliche und betriebliche Umsetzung<br \/>\nDie gemeinsam erarbeiteten Ausf\u00fchrungsvorschl\u00e4ge werden mit den Fachbeh\u00f6rden unter Einbeziehung der \u00d6ffentlichkeit er\u00f6rtert und abgestimmt.<br \/>\nZu Beginn des Projektes wurden drei Niederschlagsschreiber aufgestellt, zwei Pegelmessstellen und eine Wetterstation installiert. Zur Einrichtung der Pegelmessstellen wurden ein Modellversuch und Ab-flussmessungen vor Ort durchgef\u00fchrt. Die Wetterstation ist \u00fcber Telefonleitung mit einem Rechner in der Universit\u00e4t Kassel verbunden; die Wetterdaten k\u00f6nnen jederzeit von dort abgerufen werden. Die anderen Stationen werden mit Memorykarten ausgelesen. Zur Beurteilung der statistischen Wiederkehrdauer einzelner gemessener Niederschlagsereignisse wurden langj\u00e4hrige Aufzeichnungen von Tageswerten und Niederschlagsstatistiken ausgewertet. Die in den Jahren 1997 bis 1999 gewonnenen hydrologischen und hydraulischen Messwerte wurden \u00fcberpr\u00fcft und f\u00fcr die Verwendung im Niederschlag-Abfluss-Modell aufbereitet. Da f\u00fcr das untersuchte Einzugsgebiet keine Bodenkarten vorliegen, wurden eigene Bodenuntersuchungen und Messungen der Bodenfeuchte durchgef\u00fchrt. Neben den zwei kontinuierlich betriebenen Abflussmessstellen wurde das Abflussverhalten des ganzen Einzugsgebietes an ausgew\u00e4hlten Tagen erfasst. Die im Einzugsgebiet vorhandenen versiegelten Fl\u00e4chen wurden f\u00fcr die einzelnen Ortslagen er-fasst, damit ist eine genauere Abbildung dieser Fl\u00e4chen im Modell m\u00f6glich. Dar\u00fcber hinaus dienen diese Angaben als Grundlage f\u00fcr die Entwicklung verschiedener Entsiegelungsszenarien. Das mit dem Programm NASIM der Firma Hydrotec erzeugte Modell des Einzugsgebietes wurde an den aktuellen Kenntnisstand angepasst und anhand der verschiedenen gemessenen Abfl\u00fcsse kalibriert. Parallel zu den Untersuchungen setzen die beteiligten Gemeinden bereits erste Ma\u00dfnahmen zum dezen-tralen Hochwasserschutz um. F\u00fcr die Ausweisung eines neuen Baugebietes wurde ein Handlungspapier f\u00fcr die Regenwassernutzung erarbeitet. Ma\u00dfnahmen der zur Zeit durchgef\u00fchrten Umweltvertr\u00e4glichkeitsuntersuchung werden begleitet, ebenso wie die Vergabe von Planungsauftr\u00e4gen f\u00fcr verschiedene R\u00fcckhalte. Ein 1997 angelegter Retentionsraum ist inzwischen voll begr\u00fcnt und hat schon bei kleineren Ereignissen seine Wirksamkeit gezeigt. Inzwischen ist auch der Bau von zwei R\u00fcckhaltebecken mit 5.600 m\u00b3 und 234.000m\u00b3 weitgehend abgeschlossen. Die Umsetzung dieser Ma\u00dfnahmen wurde im Rahmen die-ses Projektes begleitet. Im November 1997 wurde der dezentrale Hochwasserschutz im Einzugsgebiet der Bauna wegen seines innovativen Charakters als weltweites Projekt der EXPO 2000 registriert.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Mit Beginn der Einrichtung der Messstellen wurde die Presse \u00fcber die Aktivit\u00e4ten informiert. Das Fachgebiet Wasserbau und Wasserwirtschaft ist in die politischen Entscheidungsprozesse zur Umsetzung des Hochwasserschutzkonzeptes eingebunden und ber\u00e4t die beteiligten Kommunen. Im Rahmen der Planung der verschiedenen dezentralen Hochwasserschutzma\u00dfnahmen sind die betroffenen B\u00fcrger beteiligt und informiert worden. Die Presse hat regelm\u00e4\u00dfig \u00fcber das Projekt berichtet.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Durch das Messprogramm wurden die wesentlichen Prozesse der Abflussbildung, insbesondere der Niederschlag, detailliert erfasst. Bei der Anpassung des Modells ergab sich, dass die oben beschriebenen zus\u00e4tzlichen Untersuchungen zu den Bodenverh\u00e4ltnissen und zu den Abfl\u00fcssen in den Nebengew\u00e4ssern notwendig sind, um die Auswirkungen der vielf\u00e4ltigen dezentralen Hochwasserschutzma\u00dfnahmen im Modell zutreffend simulieren zu k\u00f6nnen. Die Untersuchungen ergaben, dass durch die r\u00e4umliche N\u00e4he der R\u00fcckhalte eine Steuerung der einzelnen Anlagen im Verbund notwendig ist, um die optimale R\u00fcck-haltewirkung zu erzielen. Durch eine solche Steuerung kann das erforderliche R\u00fcckhaltevolumen und damit der Eingriff in den Naturhaushalt deutlich reduziert werden. Durch die wissenschaftliche Begleitung des Projektes konnte der modellhafte Charakter der Ma\u00dfnahmen auch in der praktischen Umsetzung erhalten werden. Durch die fr\u00fche B\u00fcrgerbeteiligung konnte das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Ma\u00dfnahmen zum Hochwasserschutz und die komplexen Zusammenh\u00e4nge erh\u00f6ht werden. Eine Fortf\u00fchrung der Messungen ist anzustreben, um die Wirksamkeit der inzwischen umgesetzten Ma\u00dfnahmen zu dokumentieren und mit den Modellrechnungen zu vergleichen. Neben der Untersuchung der Realisierbarkeit einer Steuerung der R\u00fcckhalte im Verbund steckt auch in der Untersuchung der Wechselwirkung von Ma\u00dfnahmen in den Ortslagen und R\u00fcckhalten vor der Ortslage noch ein Potential zur Reduzierung des erforderlichen R\u00fcckhaltevolumens.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Am 31.07.1992 verursachte ein schweres Hochwasserereignis im Einzugsgebiet der Bauna einen Schaden von ca. 13 Mio. DM. 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