{"id":19737,"date":"2023-07-13T15:10:25","date_gmt":"2023-07-13T13:10:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/04858-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:10:27","modified_gmt":"2023-07-13T13:10:27","slug":"04858-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/04858-01\/","title":{"rendered":"Kl\u00e4rschlammvererdung im Schilfbeet"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>In der Vererdung des Kl\u00e4rschlamms in Schilfbeeten sieht die Gemeinde Spiegelberg ein \u00f6kologisch und \u00f6konomisch interessantes Verfahren, das auch langfristig Entsorgungssicherheit bietet. Dieses Verfahren ist derzeit nicht gen\u00fcgend bekannt. Die Ursachen des Funktionierens oder Versagens der Schlammvererdung im Schilfbeet sind bisher nicht ausreichend erforscht und wissenschaftlich belegt. Um die n\u00f6tigen Erkenntnisse f\u00fcr den Bau und Betrieb einer solchen Anlage zu gewinnen, werden Versuchsfelder mit unterschiedlichem Aufbau und verschiedenen Pflanzen angelegt. Der Versuch wird durch die Hochschule f\u00fcr Technik FH Stuttgart wissenschaftlich betreut.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenEin mit Schilfpflanzen bewachsener Sand\/Kies\/Boden-Filter dient als Ansiedlungsraum f\u00fcr abwasserreinigende Bakterien. Dabei \u00fcbernimmt die Schilfpflanze die Aufgaben der Sauerstoffversorgung und der Offenhaltung des Filters. Die Pflanzen durchwurzeln dabei den gesamten Filterraum und bilden entlang anwachsenden Schlammschicht neue Wurzeln aus. Die maximale Beschickungsh\u00f6he betr\u00e4gt ca. 1 m. Dies entspricht einer Beschickungsdauer von 8 &#8211; 10 Jahren.<br \/>\nW\u00e4hrend des Versuchs sollen insbesondere das Wachstumsverhalten, die Belastungsgrenzen und die Anwuchssicherheit der Schilfpflanzen erkundet, die Auswirkungen von Wetter und Klimadaten festgestellt, sowie die Messwerte f\u00fcr Sickerwasser und die Schlammschicht im Becken ermittelt werden.<br \/>\nDes weiteren soll die Versuchsanlage dahingehend optimiert werden, dass das entstehende Sickerwasser die Direkteinleitergrenzwerte f\u00fcr CSB und BSB erreicht. Dar\u00fcber hinaus sollen verschiedene Schichtaufbauten Aufschl\u00fcsse \u00fcber Reinigungsleistung, Wuchsverhalten und Standfestigkeit erbringen. Untersucht wird auch die Eignung verschiedener Schilfpflanzen im Vergleich zueinander.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Das Ziel, entstehendes Sickerwasser so zu reinigen, dass eine Direkteinleitung in den Vorfluter m\u00f6glich ist, wurde nicht erreicht. Zwar lag der CSB-Gehalt mit Ausnahme der Sommermonate unter den f\u00fcr die Direkteinleitung genehmigten 100mg\/l, aber insbesondere bez\u00fcglich des Ammoniumgehaltes zeigte das Sickerwasser eine permanente und gro\u00dfteils sehr deutliche \u00dcberschreitung der erlaubten Direkteinleiterwerte.<br \/>\nAls Anhaltspunkt f\u00fcr eine bez\u00fcglich der Ausbringungsmenge und der Beschickungsintervalle optimierten Beschickungsfolge sollten maximal 15 Beschickungen w\u00e4hrend der Vegetationsperiode von Ende M\u00e4rz\/Anfang April bis Ende Oktober\/Anfang November in mindestens zweiw\u00f6chigem Abstand vorgenommen werden, wobei im aufzubringenden Schlamm mit einem durchschnittlichen Trockengewichtsanteil von ca. 4 Gewichts-% (bezogen auf die Trockensubstanz) und einer Auftragsh\u00f6he von  ca. 5 cm pro Versuchsparzelle kalkuliert wurde.<br \/>\nIn den Sommermonaten wirkt sich eine d\u00fcnne Schlammkonsistenz aufgrund des hohen Wasserbedarfs der Schilfpflanzen und der Verdunstungsrate g\u00fcnstiger aus, wobei in den anderen Monaten Dickschlamm durch die weiter auseinanderliegenden Beschickungsintervalle zur Vereinfachung des Arbeitsablaufes vorzuziehen ist.<br \/>\nZwischen der Bestockungsdichte, der Durchwurzelung und der Schlammh\u00f6he besteht ein eindeutiger Zusammenhang. Die nicht oder nur unzureichend bestockten Versuchsparzellen am Rand sowie an den Trennw\u00e4nden waren praktisch \u00fcberhaupt nicht oder nur unzureichend durchwurzelt. Entsprechend war hier auch keinerlei Vererdungst\u00e4tigkeit vorhanden, sondern der Schlamm weitgehend nur mechanisch entw\u00e4ssert und in seiner urspr\u00fcnglichen Struktur erhalten. In Teilfl\u00e4chen fand aufgrund einer \u00dcberlastung  kein Schilfwachstum mehr statt (unzureichende Entw\u00e4sserung aufgrund zu hoher Schlammschichten).<br \/>\nBei den Schilfpflanzen ist die heimische Schilfpflanze aus der Umgebung gegen\u00fcber dem Zuchtschilf zu bevorzugen. Neben dem Kostenfaktor f\u00fcr die Zuchtpflanzen von ca. 3,&#8211; DM\/Pflanze und einer gepflanzten St\u00fcckzahl von 6-7\/m\u00b2 erwiesen sich die kostenneutralen Standortpflanzen als wesentlich standfester und wuchsst\u00e4rker.<br \/>\nDie Ballenpflanzung ergibt sofort eine hohe Standfestigkeit und eine gr\u00f6\u00dfere Halmzahl pro m\u00b2 , ist jedoch mit einem viel gr\u00f6\u00dferen Zeitaufwand zu verpflanzen und vergrast durch die in den Ballen mit eingebrachten Wurzeln erheblich st\u00e4rker und schneller. Ebenso gew\u00e4hrleistet sie gerade bei d\u00fcnnen Substratschichten die abschlie\u00dfend geforderte Ebenheit nicht immer. Die Rhizomansaat hingegen kann sehr schnell und ohne Anwuchsrisiko bei geeigneter Saatzeit ausgebracht werden. Die Abdeckung der Rhizome mit der Erdschicht erh\u00e4lt dabei die gew\u00fcnschte Ebenheit der Beete in vollem Ma\u00dfe.<br \/>\nAu\u00dferdem werden praktisch keinerlei Beikr\u00e4uter mit eingebracht.F\u00fcr die Kl\u00e4rschlammvererdungsanlage \u00fcberschl\u00e4gig ermittelten Baukosten  von etwa 400,&#8211; DM\/m\u00b2 mittlerer Nutzfl\u00e4che haben sich nach Abschluss des Versuchs auf knapp 350,&#8211; DM\/m\u00b2 nach unten revidiert. Bei einer zehnj\u00e4hrigen Nutzungsdauer mit einer realistischen Gesamtbetrachtung von mindestens 9 &#8211; 10 m\u00b3 Kl\u00e4rschlamm\/m\u00b2 Beetfl\u00e4che erreicht man spezifische Entsorgungskosten von ca. 35 &#8211; 45 DM\/m\u00b3 . Dabei ist zu beachten, dass nach R\u00e4umung der Kl\u00e4rschlammvererdungsanlage bei einer Weiternutzung die Kosten durch die wegfallenden Baukosten wesentlich geringer sind.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Ver\u00f6ffentlichung von zwei Berichten in der Fachzeitschrift Wasser\/Abwasser\/Praxis 6\/96 und 1\/98 Tag der offenen T\u00fcr auf der Kl\u00e4ranlage Spiegelberg am 17.09.1995<br \/>\nDurchf\u00fchrung von mehreren F\u00fchrungen\/Besichtigungen an der Versuchsanlage<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Aus der von 5 auf 10 Wochen verz\u00f6gerten Bauphase resultierte Zeitdruck und Detailfehler in der Planung der Anlage. Besonders in der Auswahl und bei der Verarbeitung der Abdichtmaterialien ergaben sich erhebliche M\u00e4ngel. Als Basisabdichtung wird eine HD-PE-Folie empfohlen, die durch einen vom Hersteller beauftragten Verleger eingebracht werden sollte. Die Vergabe der Tiefbauma\u00dfnahmen an eine Tiefbaufirma wird empfohlen, damit bei auftretenden Baum\u00e4ngeln die Fachfirma zur Nachbesserung herangezogen werden kann. Die Versuchsergebnisse ergaben, dass eine Direkteinleitung in den Vorfluter nicht m\u00f6glich ist. Eine r\u00e4umliche Trennung von Vererdungsbeet und Kl\u00e4ranlage kann somit nicht stattfinden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens In der Vererdung des Kl\u00e4rschlamms in Schilfbeeten sieht die Gemeinde Spiegelberg ein \u00f6kologisch und \u00f6konomisch interessantes Verfahren, das auch langfristig Entsorgungssicherheit bietet. Dieses Verfahren ist derzeit nicht gen\u00fcgend bekannt. Die Ursachen des Funktionierens oder Versagens der Schlammvererdung im Schilfbeet sind bisher nicht ausreichend erforscht und wissenschaftlich belegt. 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