{"id":19727,"date":"2023-07-13T15:10:46","date_gmt":"2023-07-13T13:10:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/05468-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:10:47","modified_gmt":"2023-07-13T13:10:47","slug":"05468-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/05468-01\/","title":{"rendered":"Entwicklung und Erstellung einer Experimentalanlage zur industriellen Herstellung von Universalbauplatten aus Lehm und nachwachsenden Rohstoffen"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Ziel des Projektes ist die erstmalige Erprobung und Optimierung eines patentierten Verfahrens zur automatisierten Herstellung einer ebenfalls patentierten und neuartigen, mehrschichtigen Bauplatte aus Pflanzenfasern und Leichtlehmkomponenten<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDer Projektablauf entspricht dem \u00fcblichen Ablauf einer technischen Entwicklung: Konstruktion, Bau , Erprobung, Optimierung der Anlagentechnik. Ein besonderes Merkmal dieses Projektes stellt die Kooperation zwischen einem Klinkerhersteller (Fa. Muhr) und einem Hersteller von Lehmprodukten (Fa. Breidenbach) dar. Der Entwicklungsproze\u00df zur Konstruktion der Anlage wird von beiden gemeinsam durchgef\u00fchrt. Die Fa. Muhr baut die Anlage und befasst sich insbesondere mit der Optimierung der Anlagentechnik. Der Kooperationspartner Fa. Breidenbach \u00fcbernimmt im weiteren Verlauf des Projektes die auf das Produkt ausgerichteten Entwicklungsaufgaben (z.B. bauphysikalische Pr\u00fcfungen). Generell hat die Inbetriebnahme und Funktionsf\u00e4higkeit der Anlagentechnik vorrang vor experimentellen Arbeitsschritten des Projektes. Daneben stellt die Vorbereitung und Durchf\u00fchrung bauphysikalischer Pr\u00fcfungen ein Novum im Lehmbau dar, die hier f\u00fcr ein neu entwickeltes Lehmbauteil erstmals umfassend durchgef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>1. Das Herstellungsverfahren<br \/>\nDie technische Problemstellung besteht darin, das Leichtlehmgemisch auf ein Textilgewebe aus Jute schichtweise aufzutragen mit dazwischen eingebetteten mehrlagigen Schilfrohrhalmen zur Armierung. Das grundlegende Verst\u00e4ndnis dieser technischen Aufgabe als eine Beschichtung von Textilgewebe f\u00fchrte zu einer Systeminnovation, die auf der TechTextil den Innovationspreis 1997 erhielt. Die Anlage besteht im wesentlichen aus 4 Teilen &#8211; von der Mischanlage bis zur Kalibrierung &#8211; und weist eine L\u00e4nge von \u00fcber 50 m auf, wobei jede Teilstrecke technische Detailprobleme birgt. Nach bisherigen Erfahrungen haben sich die anf\u00e4nglichen Probleme bei F\u00f6rderung des Materialgemisches \u00fcber l\u00e4ngere Distanzen durch den Einsatz feinstk\u00f6rniger Lehme mit h\u00f6heren Tonanteilen verbessert. Dar\u00fcber hinaus konnte bewiesen werden, da\u00df technische Detailprobleme mit den schwankenden Qualit\u00e4ten nat\u00fcrlicher Rohstoffe (Lehmarten, Jutegewebe, Schilfrohr etc.) sich auch im Rahmen eines automatisierten Industrieverfahrens l\u00f6sen lassen. Die Abkehr von einer chargenweisen Trocknung, wie z.B. bei Lehmbausteinen, hin zu einer kontinuierlichen Trocknung des Plattenstranges hat Innovationscharakter. Vor allem durch ein besseres Verst\u00e4ndnis der technisch-physikalischen Zusammenh\u00e4nge im laufenden Betrieb konnten L\u00f6sungswege erarbeitet werden, die in Zukunft zu einer wesentlichen Senkung des Energiebedarfs f\u00fchren werden. Dabei erscheint es aus heutiger Sicht besonders wichtig, eine kontinuierlichere und h\u00f6here Produktionsleistung zu erzielen.<br \/>\n2. Kreislauff\u00fchrung<br \/>\nDie gut verwertbaren ausgefilterten St\u00e4ube und feste Zuschnittreste werden in den Mischer zur\u00fcckgef\u00fchrt und auf diese Weise direkt im Produktionsproze\u00df wiederverwertet.<br \/>\n3. Bauphysikalische Eigenschaften der neuen Platte<br \/>\nDie Lehmbauplatte wurde entsprechend amtlicher Pr\u00fcfbedingungen der Klasse B1 zugeordnet. Selbst bei einfachsten Konstruktionen gelang der Nachweis eines Feuerwiderstandes entsprechend F30. In orientierenden Pr\u00fcfungen konnte sogar ein F90 Feuerwiderstand erreicht werden. Die hervorragenden Schallschutzeigenschaften mit bis zu 57 dB bei einfachen Trockenbaukonstruktionen bieten auch unter Kostengesichtspunkten beim Bau von Decken, Innenw\u00e4nden und Vorsatzschalen eine leistungsf\u00e4hige Alternative. F\u00fcr viele Planungsentscheidungen wird die Lehmbauplatte damit eine berechenbare Gr\u00f6\u00dfe und kann bei Ausschreibung besser als bisher ber\u00fccksichtigt werden.<br \/>\n4. Verarbeitungstest<br \/>\nOhne Nutung der Platte erweist sich eine Sto\u00dfausbildung im Feld als stabil. Die Armierung der St\u00f6\u00dfe mit Gewebestreifen gen\u00fcgt selbst bei hohen Torsionskr\u00e4ften. Handels\u00fcbliche Gipskarton- und Hohlraumd\u00fcbel lassen sich problemlos in der Platte befestigen. Ebenso berichten die Tester vom Zuschnittverhalten, da\u00df \u00fcbliche Kreiss\u00e4gen und Stichs\u00e4gen sauber, schnell und relativ staubarm arbeiten. Insgesamt zeigt sich, da\u00df f\u00fcr die Verarbeitung keine zus\u00e4tzlichen Entwicklungen f\u00fcr Kleber, Befestigungsmaterial oder Werkzeuge notwendig sind. Die hohe Stabilit\u00e4t bei Durchfeuchtung der Platte und ihre ausreichende kapillare Leitf\u00e4higkeit erlauben den Einsatz als verlorene Schalung. Damit ergeben sich Arbeitserleichterungen bei bestimmten Innenausbauten.<br \/>\n5.Modifikationen<br \/>\nZum einen konnte eine Lehmbaufliese hergestellt werden, deren einlagige Schilfrohrarmierung bei einer St\u00e4rke von 15 mm zu erheblich besserer Auslastung der Produktionsanlage f\u00fchrt. Die Fliese l\u00e4\u00dft sich auf schadhaften, unsauberen Untergr\u00fcnden leicht und ohne gro\u00dfe Vorbereitung verarbeiten. Die Verformbarkeit der leicht restfeuchten Fliese und die reversiblen Lehmkleber erf\u00fcllen Anforderungen des Denkmalschutzes, z.B. zum Erhalt lebendig geformter Oberfl\u00e4chen. Zum anderen zeigen Experimente zur Integration einer Wandfl\u00e4chenheizung in die Platte bei Hexatherm und die Entwicklung einer Akustikplatte durch Beschichtung mit einem speziellen Feinputz weitere  Ans\u00e4tze f\u00fcr Produktvariationen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Lehmbauplatte wurde auf der DEUBAU in Essen 1996, auf der Lehm \u00b497 und im Rahmen der Swissbau in Basel als Neuheit pr\u00e4sentiert. Auf der wichtigsten britischen Baumesse Interbuilt in Birmingham im Dezember 1997 sorgte ein namhafter Vertriebspartner in Gro\u00dfbritannien f\u00fcr gro\u00dfe Aufmerksamkeit. Ferner ist die Platte als ein Bauteil in die neu verfassten Regeln zum Bauen mit Lehm des Dachverbandes Lehm aufgenommen und beschrieben worden.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Erst am Ende des Jahres \u00b498 wird eine ca. 30%-Kapazit\u00e4tsauslastung der Anlage erreicht. Mit Hilfe der F\u00f6rderung lie\u00dfen sich die Anlaufprobleme bei allen Einzelkomponeten der Anlage, von der Steuerung bis zum Zuschnitt und beim Zusammenspiel der insgesamt vier Module der Anlage l\u00f6sen oder es wurden L\u00f6sungswege herausgearbeitet. Aus einem nur als Patentschrift bestehenden Plan ist eine funktionsf\u00e4hige und teilweise schon optimierte Produktionsanlage entstanden, die ein neues Produkt aus Leichtlehm und nachwachsenden bzw. nat\u00fcrlichen Rohstoffen in verschiedenen Varianten umweltfreundlich herstellt. Damit h\u00e4lt die Industrialisierung auch im Lehmbau Einzug. Zusammen mit den amtlichen Baustoffpr\u00fcfungen und Verarbeitungstests erschlie\u00dfen sich neue Anwendungsgebiete (z.B. im Trockenbau) f\u00fcr den Baustoff Lehm. Das doppelte Risiko einer Markteinf\u00fchrung f\u00fcr ein neues Produkt bei gleichzeitiger Erprobung des daf\u00fcr n\u00f6tigen automatisierten Herstellungsverfahrens im industriellen Ma\u00dfstab konnte im wesentlichen gemeistert werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Ziel des Projektes ist die erstmalige Erprobung und Optimierung eines patentierten Verfahrens zur automatisierten Herstellung einer ebenfalls patentierten und neuartigen, mehrschichtigen Bauplatte aus Pflanzenfasern und Leichtlehmkomponenten Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDer Projektablauf entspricht dem \u00fcblichen Ablauf einer technischen Entwicklung: Konstruktion, Bau , Erprobung, Optimierung der Anlagentechnik. 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