{"id":19715,"date":"2023-07-13T15:13:30","date_gmt":"2023-07-13T13:13:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/09715-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:13:31","modified_gmt":"2023-07-13T13:13:31","slug":"09715-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/09715-01\/","title":{"rendered":"Modellhaftes Konservierungskonzept f\u00fcr umweltgesch\u00e4digte Email-Pretiosen im Gr\u00fcnen Gew\u00f6lbe\/Dresden"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Nachdem in einem Vorprojekt eindeutig nachgewiesen werden konnte, da\u00df die teilweise gravierenden Sch\u00e4den an den barocken Emailkunstwerken durch umweltbedingte Belastungen entstanden sind, soll nun ein Konzept f\u00fcr die k\u00fcnftige Bewahrung der Pretiosen entwickelt werden. Dabei sind einerseits optimale schadstoffarme Bedigungen in R\u00e4umen, Schr\u00e4nken und Vitrinen herauszuarbeiten und andererseits M\u00f6glichkeiten f\u00fcr eine Konservierung des jetzigen Zustands und f\u00fcr die Sicherung der noch vorhandenen aber schon beeintr\u00e4chtigten Emailschichten auf dem Edelmetalltr\u00e4ger zu finden. Aus den Untersuchungsergebnissen sollen Ma\u00dfnahmen abgeleitet werden, die bei der unmittelbar anzuschlie\u00dfenden Restaurierung im Gr\u00fcnen Gew\u00f6lbe getroffen werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie Sch\u00e4den des Bestandes an barocken Emailkunstwerken werden von den Restauratoren mit Hilfe mikroskopischer Untersuchungen erfa\u00dft; parallel dazu wird in charakteristischen F\u00e4llen eine analytische und morphologische Bestimmung durchgef\u00fchrt, bei der auch optisch scheinbar intakte Bereiche ber\u00fccksichtigt werden. Eine Identifizierung lokaler Quellen von Schadstoffemittenten (R\u00e4ume, Schr\u00e4nke, Vitrinen) wird auf zuk\u00fcnftige, f\u00fcr die neuen Ausstellungsr\u00e4ume vorgesehene Materialien erweitert. Sowohl Passivmessungen f\u00fcr Einzelgase als auch Messungen der integralen Belastungssituation (Sensoren) werden vor Ort durchgef\u00fchrt; parallel dazu werden f\u00fcr eine Anwendung vorgesehene Materialien in Emissionsme\u00dfkammern auf ihre Eignung gepr\u00fcft. Die Entwicklung geeigneter Materialien und Methoden f\u00fcr eine direkte Konservierung durch Wiederherstellen der partiell verlorengegangenen Haftung lockerer Emailschichten wird an Modellemailproben vorgenommen, die durch einen Goldschmied gefertigt und weitgehend bestimmten Formpartien der Originale entsprechen sollen. Die Sch\u00e4den werden durch Klimakammer-Bewitterung simuliert. Anorganische Polymere sowie anorganisch-organische Copolymere wie Ormocer werden als Fixierungsmittel eingesetzt. Eine Wirksamkeitspr\u00fcfung und praktische Anwendungstechniken sind zu entwickeln. F\u00fcr alle Untersuchungen wird ein Probenaustausch organisiert. Die Applikation auf ein ausgew\u00e4hltes Originale und der Transfer in die Restaurierungspraxis werden wie alle vorhergehenden Untersuchungen bereits von den Vorbereitungen an mit dem Hauptnutzer (Gr\u00fcnes Gew\u00f6lbe) gemeinsam betrieben.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Eine Bestandsaufnahme des Schadensausma\u00dfes ergab, da\u00df die h\u00f6chsten Haftverluste bei transluzidem gr\u00fcnem Email und die st\u00e4rkste Ri\u00dfbildung bei transluzidem blauem Email vorlagen. Die beiden Sorten konnten an abgefallenen Splittern analysiert werden. Der Zusammenhang zwischen dem Zerfall dieser chemisch wenig stabilen Emailzusammensetzungen und den in vielen Vitrinen sehr hohen Gehalten an Luftschadstoffen konnte in Simulationsuntersuchungen an Modellemailproben eindeutig nachgewiesen werden. Hohe Emissionen an Carbonylverbindungen (Essigs\u00e4ure, Formaldehyd) aus den Materialien innerhalb der Vitrinen wirken in Synergie mit den aus der Umwelt eingef\u00fchrten Schadstoffen (SO2, NOx, Ozon) und einer zu hohen Luftfeuchte von 55 % auf die chemisch wenig stabilen historischen Emails ein. Die in guter Absicht bei der Einrichtung der Vitrinen angestrebte Abdichtung gegen Verstaubung l\u00e4\u00dft nur einen geringen Luftaustausch zu. Mit Glassensor- und Einzelgasmessungen wurden die sch\u00e4dlichen Bedingungen quantifiziert. Als die ersten Ergebnisse vorlagen begannen sofort die Ma\u00dfnahmen zur Verbesserung der Situation durch Auswechseln emittierender Materialien, soweit Museumsbetrieb und -konzeption es zulie\u00dfen. Zus\u00e4tzlich konnte durch Schadstoffabsorber und gezielte Bel\u00fcftung in einer stark belasteten Vitrine (Gro\u00dfmogul) die Emission von Essigs\u00e4ure aus historischen, nicht auswechselbaren Bestandteilen des Exponats weitgehend neutralisiert werden. Damit wurde die grundlegende L\u00f6sung f\u00fcr das generelle, auch in vielen anderen Museen bestehende Problem gefunden und praktisch erprobt. Insgesamt waren f\u00fcr die Vorarbeiten einer passiven Konservierung Glassensor- und Einzelgasmessungen in h\u00f6herer Anzahl als veranschlagt erforderlich. Die \u00fcber die kalkulierten F\u00f6rdermittel hinausgehenden Kosten werden durch zus\u00e4tzliche Eigenanteile der BAM getragen. Parallel zu den Material- und Gasuntersuchungen wurde mit Hilfe von Modellemailproben eine Methode zur Fixierung gelockerter, rissiger Emailpartien entwickelt. Nach umfangreichen Experimenten mit Adh\u00e4siven aus mehreren Stoffklassen (Silikone, Methacrylate, Wachse u.a.) wurden Mischungen von Ormocer (Entwicklung des ISC) und Paraloid B72 in unterschiedlichen, nach dem Anwendungsfall gerichteten Verh\u00e4ltnissen an Originalen erfolgreich erprobt. Die Optimierung von Mittel und Anwendungsmethode erfolgte unter den Pr\u00e4missen Handhabbarkeit, Haftverm\u00f6gen, Penetration in feine Risse, Reversibilit\u00e4t, Alterungsbest\u00e4ndigkeit. Die zur Anwendung vorgesehenen Mischungen wurden an Modellemailproben vielfach auf diese Eigenschaften getestet. Die Ergebnisse von Hochbelastungstests in Klimakammern lassen eine Langzeitbest\u00e4ndigkeit der Fixierung erwarten. Folgende Ma\u00dfnahmen sind zu treffen: Vor dem Umzug der Ausstellung in die rekonstruierten Schlo\u00dfr\u00e4ume ist die aktive Konservierung (Fixierung lockerer Emailpartien) vorzunehmen. Die passive Konservierung erfolgt durch die Vermeidung schadstoffemittierender Materialien in den Ausstellungs- und Depotr\u00e4umen sowie in allen Vitrinen. Im Fall der Exponate, die selbst Schadstoffe emittieren (z. B. der historische Tisch mit dem Gro\u00dfmogulhofstaat) sind zus\u00e4tzliche Bel\u00fcftungen und Schadstoffabsorber einzusetzen. Hierzu wird eine umfangreiche Liste von Forderungen und Empfehlungen erarbeitet (Termin 09\/99). Der urspr\u00fcngliche Zeitplan f\u00fcr die praktische Durchf\u00fchrung wurde eingehalten, die veranschlagten Finanzmittel mu\u00dften durch zus\u00e4tzliche Eigenmittel der BAM erg\u00e4nzt werden. Die genehmigte Projektverl\u00e4ngerung (kostenneutral) wird f\u00fcr die Dokumentations- und Publikationsarbeiten ben\u00f6tigt.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>1 \u00dcbersichtsbeitrag zum Gesamtergebnis in Restauro \t\t(10\/99)<br \/>\n 10 Einzelbeitr\u00e4ge zu den Teilergebnissen in Restauro\t\t(04\/00)<br \/>\nWorkshop mit ca. 70 Anwendern\t\t\t\t             (03\/99)<br \/>\nzahlreiche Vortr\u00e4ge bei unterschiedlichen Veranstaltungen<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Im Projektergebnis sind die M\u00f6glichkeiten f\u00fcr ein Aufhalten der Zerfallsprozesse aufgezeigt. Aktive und passive Konservierungsma\u00dfnahmen k\u00f6nnen jetzt getroffen werden. Soweit es der Museumsbetrieb zulie\u00df, wurden die Erkenntnisse zur Verbesserung der Aufbewahrungssituation bereits genutzt. Die Ergebnisse sind \u00fcber das Gr\u00fcne Gew\u00f6lbe hinaus in allen Museen anwendbar, die \u00e4hnlich empfindliche Gl\u00e4ser und Emails besitzen. Eine zweckentsprechend optimierte Vitrine ist zur Zeit noch nicht auf dem Markt; sie kann nur in enger Kooperation mit einem Vitrinenbauunternehmen entwickelt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Nachdem in einem Vorprojekt eindeutig nachgewiesen werden konnte, da\u00df die teilweise gravierenden Sch\u00e4den an den barocken Emailkunstwerken durch umweltbedingte Belastungen entstanden sind, soll nun ein Konzept f\u00fcr die k\u00fcnftige Bewahrung der Pretiosen entwickelt werden. 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