{"id":19689,"date":"2024-11-27T10:32:26","date_gmt":"2024-11-27T09:32:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/02848-01\/"},"modified":"2024-11-27T10:32:27","modified_gmt":"2024-11-27T09:32:27","slug":"02848-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/02848-01\/","title":{"rendered":"Verminderung des Risikos von Stickstoffaustrag aus dem Boden beim Anbau von Zuckerr\u00fcben durch pflanzenbedarfsgerechte D\u00fcngung &#8211; \u00dcberpr\u00fcfung des Pflanzenbedarfs"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Bei Zuckerr\u00fcben stellt die dem Anbau folgende Sickerwasserperiode eine kritische Phase hinsichtlich Umweltbelastung durch Nitratauswaschung dar. Niedrige Nmin-Restwerte und geringe Mengen mineralisierbaren Stickstoffs im R\u00fcbenblatt zum Erntezeitpunkt vermindern das Austragsrisiko. Um dies zu erreichen, ist eine nach Ausbringungsmenge und -zeit dem Pflanzenbedarf angepa\u00dfte mineralische Stickstoffd\u00fcngung erforderlich. Zus\u00e4tzlich m\u00fcssen weitere N\u00e4hrstoffquellen am Standort ber\u00fccksichtigt werden, aus denen die Pflanze ihren Bedarf deckt (N-Mineralisation aus Ernteresten, Wirtschaftsd\u00fcngern oder organisch gebundenem Bodenstickstoff). In der Literatur vorliegende Stickstoffbedarfszahlen k\u00f6nnen unter heutigen Produktionsbedingungen aufgrund von Z\u00fcchtungsfortschritt (engeres Blatt-R\u00fcbe-Verh\u00e4ltnis), \u00c4nderung des Produktionsziels (Bereinigter Zuckerertrag statt R\u00fcbenertrag) und Verbesserungen in der Produktionstechnik vermutlich als zu hoch angesehen werden. Ziel der Untersuchungen war es, die zur Erzielung des H\u00f6chstertrages von Zuckerr\u00fcben ben\u00f6tigte Stickstoffmenge (Pflanzenbedarf) unter modernen Produktionsbedingungen zu ermitteln.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenIn den Jahren 1993 bis 1995 wurden an 10 Standorten in den typischen Zuckerr\u00fcbenanbaugebieten Deutschlands Feldversuche mit gesteigerter N-D\u00fcngung durchgef\u00fchrt, in denen der Einflu\u00df von Standort und Jahr auf den N-Entzug von Zuckerr\u00fcben untersucht wurde. An 3 Standorten wurden zus\u00e4tzlich die Effekte unterschiedlicher Sorten auf den N-Entzug untersucht. Ermittelt wurden neben Ertrag und Qualit\u00e4t der Zuckerr\u00fcbe auch der N-Gehalt und N-Entzug von Blatt und R\u00fcbe zur Ernte im Herbst sowie zu einer Zeiternte im Sommer. Der Nmin-Gehalt des Bodens wurde zu Vegetationsbeginn und zur Ernte im Herbst untersucht. Anhand einer Ertragsfunktion (v. Boguslawski und Schneider 1964) wurde der f\u00fcr den H\u00f6chstertrag erforderliche N-Entzug berechnet. Als weitere Kenngr\u00f6\u00dfe wurde der spezifische N-Entzug ermittelt, der als N-Entzug von R\u00fcbe und Blatt bezogen auf 100 dt R\u00fcbe bzw. 10 dt Bereinigten Zuckerertrag bei Maximalertrag definiert ist. Aus dem N-Entzug wurde nach einer Formel von Bei\u00df (1977) der N-Bedarf der Zuckerr\u00fcbe beim Maximalertrag abgesch\u00e4tzt.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Der N-Entzug von Blatt und R\u00fcbe zur Endernte stieg in allen Versuchen mit steigender N-D\u00fcngung linear an. Diese Zunahme war beim Blatt in nahezu allen F\u00e4llen auf einen kombinierten Anstieg von Trockenmasseertrag und N-Gehalt zur\u00fcckzuf\u00fchren. Der Trockenmasseertrag der R\u00fcbe reagierte demgegen\u00fcber oftmals nicht oder negativ auf eine steigende N-D\u00fcngung. Der N-Gehalt im R\u00fcbenk\u00f6rper stieg wie beim Blatt mit der N-D\u00fcngung kontinuierlich an. R\u00fcbenertrag (Frischmasse) und Bereinigter Zuckerertrag reagierten nur in 12 von 30 Versuchen der Serie 1 und in 6 von 9 Versuchen der Serie 2 mit einem deutlichen Anstieg auf eine zunehmende mineralische N-Versorgung. In den \u00fcbrigen Versuchen fand sich keine oder eine negative Ertragsreaktion. Ursache daf\u00fcr war vermutlich die sehr hohe bodenb\u00fcrtige N-Nachlieferung und zus\u00e4tzlich in einigen F\u00e4llen der hohe Nmin-Wert bereits zu Vegetationsbeginn. Bei gro\u00dfen Ertragsunterschieden zwischen den Versuchen variierte der zum H\u00f6chstertrag erforderliche N-Entzug nur wenig. F\u00fcr einen maximalen R\u00fcbenertrag ergab sich ein erforderlicher N-Entzug von 230 &#8211; 240 kg N\/ha, f\u00fcr das prim\u00e4re Produktionsziel Bereinigter Zuckerertrag betrug der Wert 200 &#8211; 210 kg N\/ha. Diese Abnahme ist auf die negative Beziehung zwischen der Qualit\u00e4t der Zuckerr\u00fcbe (Zuckergehalt, a-Amino-N) und der N-Versorgung zur\u00fcckzuf\u00fchren. Wird der N-Entzug nicht f\u00fcr den H\u00f6chstertrag, sondern nur f\u00fcr 99 % vom maximalen Ertrag berechnet, so sinkt der gefundene Wert bei beiden Ertragsparametern deutlich um ca. 30 kg N\/ha. Trotz eines gro\u00dfen Einflusses der Sorte auf Trockenmasseertrag von Blatt und R\u00fcbe sowie darin enthaltenen Stickstoff konnten keine Sortenunterschiede im N-Entzug der Gesamtpflanze bei Maximalertrag gefunden werden. Eine Abh\u00e4ngigkeit des N-Entzugs bei Maximalertrag vom Ertragsniveau war nicht gegeben. Daraus ist zu folgern, da\u00df die Gr\u00f6\u00dfe des spezifischen N-Entzugs ungeeignet zur Kalkulation eines hektarbezogenen N\u00e4hrstoffentzugs ist. Abweichend von der urspr\u00fcnglich angestrebten Vorgehensweise war es nicht m\u00f6glich, die Entzugsdaten der Zeiternte f\u00fcr die Berechnung des Pflanzenbedarfs zu verwenden. Statt dessen wurde eine Kalkulationsmethode nach Bei\u00df (1977) angewandt, die den N-Entzug zur Ernte als Grundlage hat. F\u00fcr das prim\u00e4re Produktionsziel eines maximalen Bereinigten Zuckerertrages kann der Stickstoffbedarf eines Zuckerr\u00fcbenbestandes vorl\u00e4ufig mit 240 &#8211; 250 kg N\/ha angesetzt werden. Hinsichtlich einer m\u00f6glichen Umweltentlastung ist aus den Ergebnissen folgendes abzuleiten: Der gefundene N-Bedarf von Zuckerr\u00fcben l\u00e4\u00dft sehr wahrscheinlich eine Verringerung der in der Praxis gegenw\u00e4rtig noch applizierten D\u00fcngermengen ohne das Risiko von Ertragsverlusten zu. Dies gilt besonders, wenn auch die 18 Versuche betrachtet werden, in denen der H\u00f6chstertrag bereits bei unterlassener mineralischer D\u00fcngung erzielt wurde. Daraus resultiert ein R\u00fcckgang der Stickstoffmenge, die mit dem Blatt im Felde verbleibt. Dies l\u00e4\u00dft das Risiko des Nitrataustrags auch unter g\u00fcnstigen Mineralisationsbedingungen besonders nach fr\u00fcher R\u00fcbenernte deutlich sinken. Der Nmin-Restwert reagiert demgegen\u00fcber weniger eindeutig auf die mineralische N-Zufuhr und ist mehr durch andere Faktoren gepr\u00e4gt.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Koch, H.-J. und Wendenburg, C. 1996: How little nitrogen need sugar beets &#8211; plant requirement as the basis of fertilizer recommendation. Vortrag 9th Nitrogen Workshop, 9. &#8211; 12. September 1996 in Braunschweig.<br \/>\nWendenburg, C. 1996: Ermittlung des Stickstoffentzuges von Zuckerr\u00fcben als Grundlage einer pflanzenbedarfsgerechten D\u00fcngung. Postervortrag 59. IIRB &#8211; Kongre\u00df, 13. &#8211; 15. Februar 1996 in Br\u00fcssel.<br \/>\nWendenburg, C. und Koch, H.-J. 1996: Optimierung der Stickstoffd\u00fcngung. Zuckerr\u00fcbe 45, Jg (3),<br \/>\n132-135.<br \/>\nWendenburg, C. und Koch, H.-J. 1996: Zum Einflu\u00df unterschiedlicher Sorteneigenschaften auf den Stickstoffentzug von Zuckerr\u00fcben. Zuckerind. 121, Nr. 8,  623-630.<br \/>\nWendenburg, C. und Koch, H.-J. 1996: Neuere Untersuchungen zum Stickstoffentzug von Zuckerr\u00fcben -Ergebnisse einer bundesweiten Versuchsserie. Postervortrag beim 108. VDLUFA &#8211; Kongre\u00df, 16. bis 21. September 1996 in Trier.<br \/>\nDie erzielten Resultate werden landwirtschaftlichen Beratern sowie der Praxis zug\u00e4nglich gemacht.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die ermittelten Ergebnisse zum N-Bedarf von Zuckerr\u00fcben machen deutlich, da\u00df im Sinne einer umweltschonenden Zuckerr\u00fcbenproduktion die in der Praxis gegenw\u00e4rtig noch applizierten D\u00fcngermengen reduziert werden k\u00f6nnen, ohne dabei das Risiko von Ertragsverlusten einzugehen.<br \/>\nAufgrund der schmalen Datengrundlage ist zur Verallgemeinerung der Ergebnisse eine Best\u00e4tigung durch weitere Versuche unerl\u00e4\u00dflich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Bei Zuckerr\u00fcben stellt die dem Anbau folgende Sickerwasserperiode eine kritische Phase hinsichtlich Umweltbelastung durch Nitratauswaschung dar. Niedrige Nmin-Restwerte und geringe Mengen mineralisierbaren Stickstoffs im R\u00fcbenblatt zum Erntezeitpunkt vermindern das Austragsrisiko. 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