{"id":19649,"date":"2023-07-13T15:14:11","date_gmt":"2023-07-13T13:14:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/10678-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:14:11","modified_gmt":"2023-07-13T13:14:11","slug":"10678-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/10678-01\/","title":{"rendered":"Umweltmanagement und Umweltberatung in Klein- und Mittelbetrieben &#8211; Unternehmensinteressen, Implementationsprobleme, Beratungsbedarf und Ergebnistransfer"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>An der Einf\u00fchrung von Umweltmanagementsystemen sind vor allem Unternehmen mit bereits etablierter Umweltschutzorganisation interessiert. Kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) lassen hingegen kaum Bereitschaft zur Implementierung von Umweltmanagementsystemen erkennen. Ziel des Projektes ist es, Motive und Hintergr\u00fcnde f\u00fcr eine Beteiligung bzw. Nichtbeteiligung am \u00d6ko-Audit aufzudecken und KMU-typische Probleme bei der Implementation von Umweltmanagementsystemen zu identifizieren. Ein darauf abgestimmter Beratungsansatz soll entwickelt und erprobt werden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten Methoden1. Standardisierte Unternehmensbefragung zu Erwartungen, Widerst\u00e4nden und Bedenken hinsichtlich einer Beteiligung bzw. Nichtbeteiligung am \u00d6ko-Audit-System; Schwerpunkt: KMU der Druckindustrie<br \/>\n2. Drei Monate nach Projektbeginn wird mit Unternehmensberatern, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrern und Umweltschutzfachleuten ein Workshop zur Identifizierung von Implementationsproblemen von Umweltmanagementsystemen durchgef\u00fchrt.<br \/>\n3. Unter Ber\u00fccksichtigung der Ergebnisse der ersten beiden Arbeitsschritte \u00fcber insgesamt sechs Monate werden \u00fcber einen Zeitraum von drei bis vier Monaten in den kooperierenden Unternehmen vertiefende Intensivfallstudien und eine begleitende Analyse der Beratungsprozesse durchgef\u00fchrt.<br \/>\n4. Nach einer Zwischenbilanz der Erfolgsfaktoren f\u00fcr die Einf\u00fchrung von Umweltmanagementsystemen (zwei Monate) beginnt die modellhafte Einf\u00fchrung eines ma\u00dfgeschneiderten Umweltmanagementsystems und Durchf\u00fchrung einer darauf abgestimmten Beratung in ein oder zwei Unternehmen. Dieser Proze\u00df wird vier Monate lang wissenschaftlich begleitet und evaluiert.<br \/>\n5. Auswertung und Pr\u00e4sentation der Ergebnisse auf einer Tagung werden drei Monate in Anspruch nehmen.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die Ergebnisse der standardisierten Befragung von kleinen und mittleren Unternehmen belegen die These, da\u00df betrieblicher Umweltschutz in den deutschen Unternehmen weitgehend gesetzeskonform und auf relativ hohem technischen Niveau betrieben, inzwischen auch als eigenst\u00e4ndige Managementfunktion akzeptiert, aber immer noch an kurzfristig realisierbarer Kosten- und Ressourceneinsparung orientiert wird. Die Unternehmen setzten auf ein betriebswirtschaftlich rationales Umweltkostenmanagement, das tech-nisch und kaum mit organisatorischen oder produktbezogenen Ma\u00dfnahmen realisiert wird. Weniger die \u00f6ffentlich kritisierte \u00dcberregulierung im ordnungsrechtlichen Umweltschutz als vielmehr fehlende markt\u00f6konomische Innovationsimpulse behindern seine Weiterentwicklung.<br \/>\nDas Gros der kleinen und mittleren Unternehmen sieht mit Umweltmanagement mehr Probleme als Vorteile auf sich zukommen. Bef\u00fcrchtet werden vor allem zus\u00e4tzliche Kosten, Mehrarbeit und ein erh\u00f6hter Informations- und Schulungsbedarf. Immerhin ein Drittel der Unternehmen bef\u00fcrchtet eine Zunahme organisatorischer Probleme. Dementsprechend spielt in der mittelfristigen Planung der Unternehmen eine Verst\u00e4rkung von Umweltschutzaktivit\u00e4ten im Vergleich zu den betriebswirtschaftlichen Planungszielen Absatz f\u00f6rdern, Kosten senken und Wettbewerbsf\u00e4higkeit verbessern nur eine untergeordnete Rolle.<br \/>\nObwohl im europ\u00e4ischen Vergleich in Deutschland mit Abstand die meisten Unternehmen ein zertifiziertes Umweltmanagementsystem eingef\u00fchrt haben, handelt es sich dabei noch immer nur um wenige Vorreiter (weniger als 1% aller Unternehmen). Der Bekanntheitsgrad der EG-\u00d6ko-Audit-Verordnung und insbesondere der Normenreihe ISO 14000ff ist au\u00dferordentlich gering und im Vergleich zu fr\u00fcheren Be-fragungen hat die ablehnende Haltung gegen\u00fcber normierten Umweltmanagementsystemen sogar noch weiter zugenommen: Fast die H\u00e4lfte der befragten Unternehmen schlie\u00dft f\u00fcr sich eine \u00d6ko-Validierung aus. <\/p>\n<p>Unternehmen, die ein extern validiertes Umweltmanagementsystem einf\u00fchren, durchlaufen &#8211; wie unsere Unternehmensfallstudien zeigen &#8211; einen mehrstufigen Lern- und Entscheidungsproze\u00df: <\/p>\n<p>\u00b7 \u00d6kologisch interessiert, aber im Alltag ganz andere Probleme<br \/>\n\u00b7 \u00d6kologisch verantwortlich, \u00f6konomisch rational, organisatorisch \u00fcberfordert<br \/>\n\u00b7 Produktionsintegrierter Umweltschutz als Kosten-, Marketing- und Imageeffekt<br \/>\n\u00b7 die Inkompatibilit\u00e4t des Umweltmanagementsystems mit der gelebten Organisation<\/p>\n<p>Wie auch bei der Umsetzung der ISO Normenreihe zum Qualit\u00e4tsmanagement (9000ff) ist f\u00fcr die Einf\u00fchrung eines normierten Umweltmanagementsystems die Kompatibilit\u00e4t mit der bislang im Unternehmen gelebten Organisation ausschlaggebend. Das Interesse an zertifizierten Umweltmanagementsystemen l\u00e4\u00dft selbst bei \u00d6ko-Pionier-Unternehmen dann nach, wenn sie die \u00dcberzeugung gewinnen, ihnen werde damit etwas \u00fcbergest\u00fclpt, was zudem f\u00fcr die Aufrechterhaltung der Kundenbeziehungen keinerlei erkennbare Vorteile bringt. Auch in dem gemeinsam mit Unternehmens- und Branchenverbandsvertretern durchgef\u00fchrten Transferworkshop dominierte die Einsch\u00e4tzung, da\u00df Umweltschutz in den Unternehmen immer noch und unn\u00f6tigerweise ein isolierter Aufgabenbereich ist und deshalb mit zus\u00e4tzlicher Arbeit und hohen Kosten verbunden bleibt. Ohne abteilungs\u00fcbergreifende Integration des betrieblichen Umweltschutzes als umfassende Querschnittsfunktion umweltorientierter Produktionsplanungs- und -steuerungssysteme sind seine Innovationspotentiale nicht zu realisieren. Seine Fixierung auf technische und materialbezogene Ma\u00dfnahmen einerseits, auf ordnungsrechtliche und markt\u00f6konomische Vorgaben andererseits macht ihn jedoch zur Zeit abh\u00e4ngig von Entwicklungen, auf die die Unternehmen nur begrenzt Einflu\u00df nehmen k\u00f6nnen. Der Einstieg in einen selbstorganisierten Innovationsproze\u00df mit darauf abgestimmter Organisationsentwicklung bleibt somit blockiert. F\u00fcr die in den Unternehmen diesbez\u00fcglich ausstehenden Reorganisations- und Lernprozesse ist deshalb externe Beratung unerl\u00e4sslich, die &#8211; so die Einsch\u00e4tzung der Praktiker &#8211; kurzfristige  Probleml\u00f6sungen erarbeiten sollte f\u00fcr<\/p>\n<p>\u00b7 ein unter den aktuellen Bedingungen aufkl\u00e4rerisch, versachlichend und innovativ wirkendes \u00d6ko-Marketing,<br \/>\n\u00b7 die Koordination einer auf KMU- und Branchenanspr\u00fcche zugeschnittene Beratungsinfrastruktur,<br \/>\n\u00b7 die organisationsad\u00e4quate und -entwickelnde Gestaltung und Anwendung von Handb\u00fcchern,<br \/>\n\u00b7 eine unternehmensspezifische Integration der Umweltschutz-, Qualit\u00e4t- und Arbeitsschutzsysteme.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Projektver\u00f6ffentlichungen:<\/p>\n<p>Birke, J\u00e4ger, Schwarz: Noch kaum bekannt und schon renovierungsbed\u00fcrftig: Die EG-\u00d6ko-Audit-Verordnung. Ergebnisse einer Unternehmensbefragung, in: Wissenschaftsladen Bonn e.V. (Hrsg.): Informationsdienst Arbeitsmarkt Umweltschutz 50\/97 (1997)<\/p>\n<p>Aum\u00fcller, J\u00e4ger, Schwarz: \u00d6kologische Innovation oder b\u00fcrokratische Deformation? Erfah-rungen eines mittelst\u00e4ndischen Unternehmens mit der EG-\u00d6ko-Audit-Verordnung, in: UmweltWirtschaftsForum 6(1998)1, 37-40<\/p>\n<p>J\u00e4ger, Wellhausen, Birke, Schwarz: Umweltschutz, Umweltmanagement und Umweltberatung: Ergebnisse einer Befragung in kleinen und mittleren Unternehmen, ISO-Bericht Nr. 55, K\u00f6ln, 1998<\/p>\n<p>J\u00e4ger, Schwarz, Birke: Technologischer Fortschritt, Deregulierung oder organisationale Lernprozesse? &#8211; Umweltschutz und Umweltmanagement in kleinen und mittleren Unternehmen, (erscheint demn\u00e4chst)<\/p>\n<p>Schwarz: Die \u00d6kologisierung von Unternehmen als Managementproblem &#8211; Ergebnisse einer Unternehmensbefragung, (erscheint demn\u00e4chst)<\/p>\n<p>J\u00e4ger, Schwarz, Birke: Innerbetriebliche Handlungskonstellationen bei der Einf\u00fchrung von Umweltmanagementsystemen, (erscheint demn\u00e4chst)<\/p>\n<p>J\u00e4ger, Schwarz: Das sozial-\u00f6kologische Innovationspotential einer nachhhaltigen, zukunftsf\u00e4higen Entwicklung auf betrieblicher und kommunaler Ebene (erscheint demn\u00e4chst)<\/p>\n<p>Birke, J\u00e4ger, Schwarz, Ebinger, Ewen, Sprenger, Horst: Vom Umweltmanagement zum nachhaltigen Unternehmen, in: UmweltWirtschaftsForum 6 (1998) 2, 80 &#8211; 83<\/p>\n<p>Vortr\u00e4ge und Workshops seit Oktober 1997:<\/p>\n<p>Transfer-Workshop im Rahmen des Projektes Umweltmanagement und Umweltberatung in kleinen und mittleren Unternehmen im Rahmen der Woche der Druckindustrie, 29.10.1997 (Thomas J\u00e4ger, Michael Schwarz)<\/p>\n<p>Umweltmanagement und Umweltberatung in Klein- und Mittelbetrieben, Geographisches Institut  Universit\u00e4t K\u00f6ln, Deutscher Verband f\u00fcr Angewandte Geographie, 11.12.1997 (Thomas J\u00e4ger)<\/p>\n<p>Die Praxis der \u00d6ko-Audit-Verordnung in Klein- und Mittelbetrieben, in der Sendung Umwelt und Landwirtschaft, Deutschlandfunk, 19.12.97 (Michael Schwarz)<\/p>\n<p>Die \u00d6kologisierung von Unternehmen als Managementproblem &#8211; Ergebnisse einer Unternehmensbefragung, Tagung Innovationsf\u00e4higkeit durch Kommunikation und Kooperation &#8211; Manage-ment der Organisation in Zeiten turbulenten Wandels, artec, ASU, BIBA, TRANSform, 17.\/18.03.1998 (Michael Schwarz)<\/p>\n<p>Workshop Umweltmanagement und Innovationsf\u00e4higkeit am 29.4.1998 bei der Aum\u00fcller Druck KG in Regensburg (Martin Birke, Thomas J\u00e4ger, Michael Schwarz)<\/p>\n<p>Umweltmanagement zwischen nachhaltiger Entwicklung und Farce, TBS, IPRO, Sozialforschungsstelle, Dortmund, Erfahrungsaustausch und Perspektivworkshop, 25.06.1998 (Martin Birke)<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Der vom \u00d6ko-Audit erhoffte Einstieg in eine nichtdirigistische Umweltpolitik, mit der die ordnungsrechtlichen Defizite (\u00dcberreglementierung und Kontroll\u00fcberforderung) kompensiert werden sollen, kommt nur schleppend in Gang, weil und solange der daf\u00fcr erforderliche unternehmensinterne Resonanzboden fehlt. Die avisierte Eigenverantwortung, Selbstverpflichtung und Selbstorganisation scheitern gerade an den Reformblockaden, denen mit dem Aufbau eines Umweltmanagementsystemes begegnet werden sollte. Selbstorganisation und kontinuierliche Verbesserung scheinen prim\u00e4r nicht Ergebnis sondern Vorbedingung eines (Umwelt) Managementsystems zu sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens An der Einf\u00fchrung von Umweltmanagementsystemen sind vor allem Unternehmen mit bereits etablierter Umweltschutzorganisation interessiert. Kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) lassen hingegen kaum Bereitschaft zur Implementierung von Umweltmanagementsystemen erkennen. Ziel des Projektes ist es, Motive und Hintergr\u00fcnde f\u00fcr eine Beteiligung bzw. 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