{"id":19592,"date":"2023-07-13T15:14:22","date_gmt":"2023-07-13T13:14:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/11036-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:14:25","modified_gmt":"2023-07-13T13:14:25","slug":"11036-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/11036-01\/","title":{"rendered":"Modellvorhaben: Wissenschaftliche Untersuchungen und Restaurierung von Mauerwerk der Festungsmauer Rosenberg (Kronach\/Bayern) in beispielhafter Zusammenarbeit von Natur- und Denkmalschutz"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>An den Wallmauern der Festung Rosenberg in Kronach hat sich im Laufe der Jahrzehnte eine vielf\u00e4ltige Flora und Fauna entwickelt. Bei Restaurierungsma\u00dfnahmen wurde das Mauerwerk gereinigt und neu verfugt. Dabei war nach bisherigem Kenntnisstand nicht gekl\u00e4rt, welchen Einfluss der Pflanzenbewuchs auf die Steinsubstanz und den konstruktiven Aufbau der Mauer hat. \u00dcberlegungen zur Modifizierung des bisherigen Sanierungskonzeptes waren daher aus \u00f6konomischen und \u00f6kologischen Gr\u00fcnden lohnens-wert. Grundlage f\u00fcr ein neues Instandsetzungskonzept waren baugeschichtliche, \u00f6kologische und materialwissenschaftliche Untersuchungen \u00fcber die Auswirkungen des Pflanzenbestandes auf das Mauerwerk sowie die Folgen von restauratorischen Ma\u00dfnahmen auf die Entwicklung von Fauna und Flora.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenVoraussetzung f\u00fcr eine Neuorientierung der Instandsetzungskonzepte waren fundierte Kenntnisse zur Bau-, Restaurierungs- und Rezeptionsgeschichte der Festung. Durch Archivstudien und Bauforschung (Untersuchung repr\u00e4sentativer Mauerabschnitte) wurden Grundlagen f\u00fcr die darauf aufbauenden materialwissenschaftlichen und \u00f6kologischen Untersuchungen geschaffen. In ausgew\u00e4hlten Mauerabschnitten erfolgte w\u00e4hrend der zweij\u00e4hrigen Freilanduntersuchungsphase eine Bestandsaufnahme der hier vor-kommenden Fauna (ausgew\u00e4hlte Tiergruppen) und Flora unter besonderer Ber\u00fccksichtigung von Indikatoreigenschaften und Gef\u00e4hrdungsgrad der nachgewiesenen Arten. Zeitgleich mit den \u00f6kologischen Kartierungen wurde eine Bestandsaufnahme der Gesteine und Baumaterialien durchgef\u00fchrt, auf deren Grundlage die Kenndaten der wichtigsten Natursteinvariet\u00e4ten und deren Sch\u00e4digungsgrad bestimmt wurden. Im Mittelpunkt der materialwissenschaftlichen Untersuchungen standen die Feuchtetransporteigenschaften des Gesteins und dessen F\u00e4higkeit, Ionen abzugeben, die das Wachstum von Pflanzen f\u00f6rdern oder hemmen k\u00f6nnen. In der gemeinsamen einj\u00e4hrigen Auswertungsphase wurden die Messergebnisse der Bauaufnahme sowie der \u00f6kologischen und materialwissenschaftlichen Kartierungen zur Beschreibung positiver und negativer Korrelelationen miteinander verglichen. Die Ergebnisse der Untersu-chungen wurden zu einem vorl\u00e4ufigen Sanierungsplan zusammengefasst, der an ausgew\u00e4hlten Musterfl\u00e4chen zu erproben ist.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Mit 45 in Bayern bzw. Oberfranken gef\u00e4hrdeten Tier- und Pflanzenarten sind die Sandstein-Wallmauern der Festung Rosenberg von \u00fcberregionaler Bedeutung f\u00fcr den Naturschutz. Bemerkenswert sind insbesondere die Vorkommen von Dohle und Schlingnatter sowie die Funde von f\u00fcnf in Bayern stark gef\u00e4hrdeten Wildbienenarten und einer stark gef\u00e4hrdeten Ameisenart. An den Wallmauern befindet sich auch eines der letzten Vorkommen des in Oberfranken vom Aussterben bedrohten Schild-Ampfers. Gef\u00e4\u00dfpflanzen, Moose und Flechten bieten Schutz und Nahrung f\u00fcr Wirbeltiere und Wirbellose. Somit ist es aus \u00f6kologischer Sicht wichtig, nicht nur gesch\u00fctzte bzw. seltene Pflanzen an der Wallmauer zu erhalten, sondern durch den Erhalt von offenen Fugen eine m\u00f6glichst arten- und strukturreiche Vegetation zu f\u00f6rdern.<br \/>\nEin Vergleich von vor ca. 5 bis 10 Jahren sanierten mit nicht sanierten Wallmauerabschnitten bez\u00fcglich ihrer Besiedlung mit den indikatorisch bedeutsamen Spinnen zeigte, dass die unsanierten Mauerabschnitte erheblich mehr Spinnen aufwiesen als die sanierten Mauerabschnitte, wo kaum Mauerfugen und Pflanzen vorhanden sind. Diese Untersuchungsergebnisse werden auch durch die Untersuchungsergebnisse von anderen Tier- und Pflanzengruppen gest\u00fctzt. Die bisher \u00fcbliche Mauerverfugung zerst\u00f6rt somit \u00fcber viele Jahre die Lebensr\u00e4ume von Mauerspaltenbewohnern.<br \/>\nGef\u00e4\u00dfpflanzen sind auf offene Fugen und Ausbr\u00fcche im Mauerwerk beschr\u00e4nkt. Kr\u00e4uter und Gr\u00e4ser verursachen keine Sch\u00e4den an intakten Quadern, k\u00f6nnen aber in bereits angewitterten Quaderbereichen den Verwitterungsvorgang beschleunigen. Baumbewuchs auf dem Mauerwerk ist sowohl f\u00fcr einzelne Quader wie auch f\u00fcr den Mauerverband als deutlich sch\u00e4digend einzustufen. Weite Bereiche der Mauerfl\u00e4chen sind von Moosen und Flechten besiedelt. F\u00fcr die deckenbildenden Moose sowie f\u00fcr die Mehrzahl der an den Wallmauern vorkommenden Flechtenarten lie\u00df sich keine Sch\u00e4digung der Mauerwerksoberfl\u00e4chen nachweisen. Zwei Flechtenarten m\u00fcssen als bedingt sch\u00e4digend eingestuft werden. Bezogen auf die Gesamtheit der Mauerfl\u00e4chen sind die durch diese beiden Flechtenarten verursachten Sch\u00e4den jedoch als gering einzustufen.<br \/>\nF\u00fcr eine naturvertr\u00e4gliche Sanierung wird empfohlen, die Geh\u00f6lze regelm\u00e4\u00dfig aus der Mauerkrone und der vertikalen Mauer zu entfernen. Kr\u00e4uter, Gr\u00e4ser, Moose und Flechten sollen belassen werden. Es wird empfohlen die Flechte Lecanora campestris dort zu entfernen, wo filigrane Oberfl\u00e4chen (Steinmetzzeichen, Wappen, etc.) erhalten werden sollen.<br \/>\nReinigungsarbeiten sollen nur in Bereichen mit geplanten restauratorischen Ma\u00dfnahmen durchgef\u00fchrt werden. Festigung ist nur partiell an absandenden Oberfl\u00e4chen zur Konsolidierung des Untergrundes zu restaurierender Bereiche n\u00f6tig. Rissinjektion bzw. Rissschlie\u00dfung ist stellenweise, zur Verhinderung der Abl\u00f6sung von Quaderteilen \/ zur Vermeidung von verst\u00e4rktem Wassereintrag erforderlich. Fehlstellen sollten zur Vermeidung von Folgesch\u00e4den erg\u00e4nzt werden. Auf eine Verfugung soll nach M\u00f6glichkeit verzichtet werden. N\u00f6tig ist eine Verfugung nur bei stark aufgeweiteten Fugen, zur Stabilisierung von Quaderflanken und Neuversatz.<br \/>\nDie Humusschicht auf der Mauerkrone sollte w\u00e4hrend der Sanierungsarbeiten umgelagert und anschlie\u00dfend wiederaufgebracht werden. Am Mauerfu\u00df ist ein 2 m breiter Brachstreifen als R\u00fcckzugsort f\u00fcr verschiedene Tierarten zu entwickeln. Der Brachestreifen sollte abschnittsweise im Abstand von ca. 3-5 Jahre gem\u00e4ht werden. Das vorgelagerte Gr\u00fcnland sollte zweimal im Jahr gem\u00e4ht (Abtransport des Mahdguts) oder extensiv beweidet werden, um eine artenreiche Flora und Fauna zu f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Das Projekt wurde auf zwei Tagungen und im Stadtrat Kronach vorgestellt. Es wurde eine Internetseite \u00fcber das Projekt eingerichtet. Ergebnisse und Schlussfolgerungen wurden in einem Leitfaden des Bayerischen Landesamtes f\u00fcr Denkmalpflege (ISSN 1617-3147, Ausgabe A 87) ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Das interdisziplin\u00e4re Projekt zeigte die Bedeutung der Wallmauern f\u00fcr den Naturschutz auf. Kr\u00e4uter und Gr\u00e4ser sowie Moose und Flechten stellen keine Gefahr f\u00fcr die Mauern dar und sollen als unverzichtbare Lebensgrundlage f\u00fcr Tiere nicht entfernt werden. B\u00e4ume und Str\u00e4ucher gef\u00e4hrden das Mauerwerk und m\u00fcssen entfernt werden. Offene Fugen sind wichtige R\u00fcckzugsr\u00e4ume f\u00fcr Tierarten und sollen nur dort geschlossen werden, wo es aus statischen Gr\u00fcnden n\u00f6tig ist. \u00d6kologisch orientierte Sanierungsvarianten sind tendenziell auch kosteng\u00fcnstiger als die herk\u00f6mmlichen Sanierungsverfahren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens An den Wallmauern der Festung Rosenberg in Kronach hat sich im Laufe der Jahrzehnte eine vielf\u00e4ltige Flora und Fauna entwickelt. Bei Restaurierungsma\u00dfnahmen wurde das Mauerwerk gereinigt und neu verfugt. Dabei war nach bisherigem Kenntnisstand nicht gekl\u00e4rt, welchen Einfluss der Pflanzenbewuchs auf die Steinsubstanz und den konstruktiven Aufbau der Mauer hat. 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