{"id":19576,"date":"2023-07-13T15:12:28","date_gmt":"2023-07-13T13:12:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/08173-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:12:31","modified_gmt":"2023-07-13T13:12:31","slug":"08173-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/08173-01\/","title":{"rendered":"F\u00f6rderschwerpunkt Holz: Verfahrensentwicklung zur Hausbockkontrolle mit arteigenen Sexuallockstoffen"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Aufgrund der versch\u00e4rften Umweltbestimmungen und einem gesteigerten Umweltbewusstsein bei den Verbrauchern soll ein<br \/>\numweltgerechtes Verfahren als bek\u00e4mpfende Schutzma\u00dfnahme f\u00fcr verbautes Holz gegen den Hausbock (Hylotrupes bajulus) entwickelt werden. Ziel des Projekts war es, die M\u00f6glichkeit, Effektivit\u00e4t und Rentabilit\u00e4t einer biologischen Bek\u00e4mpfung des Sch\u00e4dlings mit arteigenen Sexuallockstoffen zu untersuchen. Mit der Entwicklung und Optimierung eines Lockstoff-Dispensers sowie einer Lockstofffalle wurde der Einsatz biologischer Schutzma\u00dfnahmen (Monitoring, Massenabfang oder Verwirrtechnik) \u00fcberpr\u00fcft.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDer Anlockungseffekt der Sexuallockstoffe gegen\u00fcber Weibchen unterschiedlichen Alters wurde zuerst im Windkanal in Testserien mit authentischen Pheromonkomponenten, analogen Vergleichssubstanzen, eventuell wirksamen Additiven und unterschiedlichen Stabilisierungsmitteln untersucht. F\u00fcr die Kontrollverfahren des Monitoring oder des Massenabfangs wurden dann Dispenser mit den wirksamen Lockstoffmischungen hinsichtlich der Abdampfraten applizierter Testsubstanzen temperaturabh\u00e4ngig charak-terisiert. Eine optimale und konstante Dosierung der Substanzabgaben wurde unter Einsatz von Formulierungsmitteln bei den Lockstofftr\u00e4gern eingestellt. Begleitend wurde die Stabilit\u00e4t der applizierten Lockstoffe als Reinstoff und unter Zusatz von Stabilisierungsmitteln untersucht. Geeignete Fallenkonstruktionen (Fallenform und -\u00f6ffnung, Arretierungsvorrichtung) wurden entwickelt. Die F\u00e4ngigkeit der Fallensysteme wurde zuerst im Windraum mit differenzierter Freilandsimulation getestet, da hier Untersuchungen zu kritischen Parametern, wie z. B. zu den Reichweiten der Lockstoffallen und zum Langzeitflug, durchgef\u00fchrt werden konnten. Jeweils in den Sommerperioden 1997 und 1998 wurde die F\u00e4ngigkeit der bisher in Laborversuchsserien erprobten Fallenprototypen durch Wiederfangversuche mit Zuchtk\u00e4fern sowie an Freilandpopulationen im nat\u00fcrlichen Lebensraum an stark befallenen Dachst\u00fchlen und Scheu-nen, getestet. Die entsprechenden Untersuchungsobjekte wurden durch \u00d6ffentlichkeitsarbeit in Privathaushalten rekrutiert.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Verschiedene K\u00f6dereins\u00e4tze und Fallensysteme wurden entwickelt und in Versuchsserien zuerst im Windkanal, dann im Windraum unter Freilandsimulation und schlie\u00dflich an nat\u00fcrlichen Standorten in Dachst\u00fchlen und Scheunen getestet und modifiziert: Um die Abdampfraten eines Dispensers einstellen zu k\u00f6nnen, wurde der Konzentrationsbereich der Sexuallockstoffe, der f\u00fcr Hausbockweibchen attraktiv ist, eingegrenzt. Es wurde ein Dispensersystem entwickelt, dessen Abdampfrate der Emissionsrate der Sexualpheromone von m\u00e4nnlichen Hausbockk\u00e4fern entspricht bzw. durch Konzentrationserh\u00f6hung in der K\u00f6derformulierung variiert werden kann. Die Pheromonhauptkomponente, die unter Licht- und Temperatureinfluss schnell zerf\u00e4llt, kann durch Zusatz eines Radikalf\u00e4ngers im K\u00f6der stabilisiert werden. Die eingestellten Abgaberaten waren \u00fcber einen l\u00e4ngeren Versuchszeitraum relativ konstant und unterlagen im Temperaturbereich von 20-30\u00b0C tolerierbaren Schwankungen. Aufgrund der unterschiedlichen \u00d6rt-lichkeiten der befallenen Holzbauteile wurden 3 verschiedene Schlitzfallen-Typen (Bodenfalle, Wandfalle und Balkenfalle) entwickelt. Eine umweltgerechte und toxikologisch unbedenkliche Arretierung bzw. Abt\u00f6tung der K\u00e4fer wird durch die Kombination eines mechanischen Schleusensystems und Silikatstaub im Falleninneren erreicht. Die F\u00e4ngigkeit von Hausbockweibchen durch Lockstoffallen wurde in Feldversuchen erstmalig nachgewiesen. Sowohl Weibchen an nat\u00fcrlichen Befallsherden als auch in Wiederfangversuchen eingesetzte Zuchtweibchen wurden von den Fallen angelockt. Die Untersuchungen unter Freilandbedingungen waren aufgrund der witterungsbedingt schlechten Fangperioden in den k\u00fchlen Sommern 1997 und 1998 problematisch und nur stark eingeschr\u00e4nkt durchf\u00fchrbar, so dass eine Einstufung der Falleneffizienz an nat\u00fcrlichen Populationen der Hausbockk\u00e4fer zum heutigen Zeitpunkt nicht m\u00f6glich ist. In Wiederfangversuchen zeigte sich, dass die Fangeffizienz der entwickelten Fallensysteme gegen\u00fcber Hausbockweibchen den verschiedensten Standortfaktoren (Lichtintensit\u00e4t, Temperatur, Windverh\u00e4ltnisse, Konkurrenz durch Pheromon-emittierende M\u00e4nnchen am Befallsherd) unterliegt. Auch Fallencharakteristika (z. B. Zusammensetzung und Konzentration der Lockstofformulierung) spielen bei der F\u00e4ngigkeit von Hausbockweibchen eine Rolle (ca. 10-70 % Wiederfang). Da die Synthese des au-thentischen Pheromons sehr aufw\u00e4ndig ist, wurden zus\u00e4tzlich Substanzen getestet, die im Vergleich zum authentischen Ketol entweder in der Stereochemie oder in der Kettenl\u00e4nge modifiziert wurden. Diese analogen Substanzen l\u00f6sten in Verhaltensversuchen unter den verschiedensten Standortbedingungen im Windkanal, Windraum und Freiland jedoch keine oder eine nur geringe Attraktion aus. Der Zusatz von wirtsspezifischen Additiven erm\u00f6glicht es wiederum, die Falleneffizienz einer kosteng\u00fcnstigen, jedoch nicht optimalen Zusammensetzung der Sexuallockstoffe signifikant zu erh\u00f6hen. Nichtzielorga-nismen, wie z. B. Honigbienen und xylophile Aculeaten, deren Bienenk\u00e4sten bzw. Nisthilfen sich in n\u00e4chster Umgebung befanden, wurden von der Pheromonfalle nicht angelockt. Unter Einbeziehung verschiedener Au\u00dfenparameter wurde der Einfluss einer Fallenanwendung auf das Flugverhalten der Hausbockweibchen getestet. Als flugausl\u00f6sende Stimulanzien konnten Standortfaktoren, wie z. B. hohe Lichtintensit\u00e4ten und begrenzte Lauffl\u00e4chen, nachgewiesen werden. Die Abflugrichtung der Weibchen wurde von der Windrichtung und der Pheromonkonzentration beeinflusst. Eine Anlockung unverpaarter Weibchen aus befallenen Nachbargeb\u00e4uden ist demnach nicht vollst\u00e4ndig auszuschlie\u00dfen und muss nach den witterungsbedingt stark eingeschr\u00e4nkten Fangperioden 1997\/98 in weiteren Feldversuchen getestet werden.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die \u00d6ffentlichkeitsarbeit zur Rekrutierung geeigneter Versuchsfl\u00e4chen mit Hausbockbefall in Nordbayern und im S\u00fcden Schleswig-Holsteins erforderte einen hohen Zeit- und Arbeitsaufwand. In einer Erhebung zum Hausbockbefall wurden z. B. im norddeutschen Raum 60.000 Frageb\u00f6gen an private Haushalte verteilt. Kurzvortrag in der Sektion Chemische \u00d6kologie\/\u00d6kophysiologie bei der Entomologen-Tagung der DgaaE vom 18.-22. M\u00e4rz 1997, Bayreuth und bei der 21. Holzschutztagung vom 21.-23. April 1998, Rosenheim; Pr\u00e4sentation auf der Oberfrankenausstellung 1998.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Aufgrund der nachgewiesenen Falleng\u00e4ngigkeit und -effizienz bei Hausbockweibchen ist die Durchf\u00fchrbarkeit eines Monitorings gegen\u00fcber eines Sch\u00e4dlingsbestands belegt. Erfahrungen der Fallenerpro-bung in den witterungsbedingt stark beeintr\u00e4chtigten Fangperioden 1997 und 1998 haben weiterhin gezeigt, dass die Verfahrenstechniken Massenabfang und Verwirrtechnik nur \u00fcber einen l\u00e4ngeren Ver-suchszeitraum \u00fcberpr\u00fcft werden k\u00f6nnen. Die bisherige Vorgehensweise hat sich jedoch bew\u00e4hrt und vielversprechende Ergebnisse f\u00fcr die Entwicklung eines marktreifen Produkts erzielt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Aufgrund der versch\u00e4rften Umweltbestimmungen und einem gesteigerten Umweltbewusstsein bei den Verbrauchern soll ein umweltgerechtes Verfahren als bek\u00e4mpfende Schutzma\u00dfnahme f\u00fcr verbautes Holz gegen den Hausbock (Hylotrupes bajulus) entwickelt werden. Ziel des Projekts war es, die M\u00f6glichkeit, Effektivit\u00e4t und Rentabilit\u00e4t einer biologischen Bek\u00e4mpfung des Sch\u00e4dlings mit arteigenen Sexuallockstoffen zu untersuchen. 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