{"id":19545,"date":"2023-07-13T15:11:53","date_gmt":"2023-07-13T13:11:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/07200-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:11:56","modified_gmt":"2023-07-13T13:11:56","slug":"07200-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/07200-01\/","title":{"rendered":"F\u00f6rderschwerpunkt Bioabfallverwertung: Auswirkungen einer fl\u00e4chenhaften Ausbringung von Gr\u00fcngut auf landwirtschaftlich genutzten Fl\u00e4chen auf die N\u00e4hrstoffdynamik und Schadstoffakkumulation der B\u00f6den unter Ber\u00fccksichtigung der Ertragswirksamkeit"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Durch pflanzliche Reststoffe aus privaten Haushalten sowie dem kommunalen Bereich fallen im Bundesgebiet neben anderen biogenen Abfallstoffen j\u00e4hrlich ca. 8 &#8211; 10 Millionen Tonnen Gr\u00fcngut an, die einer Entsorgung &#8211; derzeit zumeist einer Verbrennung oder Kompostierung &#8211; zugef\u00fchrt werden. Im Gegensatz dazu lassen sich pflanzliche Reststoffe auch sinnvoll im Rahmen einer verk\u00fcrzten, dezentralen Kreislaufwirtschaft direkt auf landwirtschaftliche Fl\u00e4chen ausbringen und in den Stoffkreislauf zur\u00fcckf\u00fchren. Als Alternative zur bisherigen energieaufwendigen Praxis von Sammlung, Transport und anschlie\u00dfender Kompostierung durch einen kommunalen Abfallverband auf dem Festland in Ostholstein sollte in  diesem Projektes die Wirkung einer direkten Gr\u00fcngutausbringung auf landwirtschaftliche Fl\u00e4chen im Rahmen eines kommunalen Stoffkreislaufkonzeptes exemplarisch auf der Insel Fehmarn untersucht werden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenVor Beginn der Ausbringung wurde bodenkundliche Parameter und das Ertragsniveau des Standortes ermittelt. Die Ausgangsmaterialien des Gr\u00fcngutes wurden au\u00dferdem auf ihre organische Substanz sowie auf ihre Korngr\u00f6\u00dfenverteilung hin untersucht. In den unterschiedlichen Gr\u00fcngutbestandteilen wurde das N\u00e4hrstoff- und Schadstoffpotential erfasst. Zus\u00e4tzlich zu dem kommunal anfallenden Gr\u00fcngut wurde in einer weiteren Versuchsvariante das auf Fehmarn im Rahmen der Strandreinigung anfallende Seegras in den Versuch integriert. W\u00e4hrend der gro\u00dffl\u00e4chigen Ausbringung wurde das Streubild (Quer- und L\u00e4ngsverteilung) des verwendeten Gro\u00dffl\u00e4chenstreuers erfasst. Neben der Ausbringung nach der Ernte auf die Stoppeln wurde auch eine Ausbringung in den Bestand im Fr\u00fchjahr (Mulchvariante) durchgef\u00fchrt, um den optimalen Applikationstermin des Gr\u00fcngutes zu ermitteln.<br \/>\nDurch regelm\u00e4\u00dfige Zwischenernten und die Entnahme von Bodenproben sollte der Ern\u00e4hrungszustand der Kulturpflanzen, die N\u00e4hrstoffdynamik im Boden und die potentielle Anreicherung von Schadstoffen dokumentiert werden. Begleitend wurden w\u00e4hrend der Vegetationszeit phytopathologische Untersuchungen der Best\u00e4nde durchgef\u00fchrt.<br \/>\nZur Charakterisierung und Quantifizierung des Stoffumsatzes der ausgebrachten organischen Substanz wurden mehrj\u00e4hrige Geh\u00f6lzpflanzen, die mit 15N markiertem D\u00fcngemittel versorgt wurden, geschreddert und auf die Fl\u00e4che ausgebracht. Durch den Einsatz von 15N sollte der aus dem Gr\u00fcngut mineralisierte und durch die Kulturpflanze aufgenommene Stickstoff bestimmt werden.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die vorliegende Untersuchung ergab, dass geschreddertes Gr\u00fcngut gute Voraussetzungen f\u00fcr eine landbauliche Verwertung besitzt. Jahreszeitlich bedingte Schwankungen in der Zusammensetzung des Materials f\u00fchren zu variierende N\u00e4hrstoffgehalten und unterschiedlichen C\/N-Verh\u00e4ltnissen. Gr\u00fcngut, das \u00fcber die Sommermonate gesammelt wurde und im Herbst auf die Stoppeln der Versuchsfl\u00e4che ausgebracht wurde, besa\u00df h\u00f6here N\u00e4hrstoffgehalte und ein engeres C\/N-Verh\u00e4ltnis (18\/1), als Gr\u00fcngut, das \u00fcber den Winter anfiel. Zudem wurden relative niedrige Salzgehalte im Gr\u00fcngut festgestellt, so dass unter Freilandbedingungen keine negativen Auswirkungen bzgl. dieses Parameters zu erwarten sind.<br \/>\nIm Rahmen des 3j\u00e4hrigen Versuches wurden verschiedene D\u00fcngungsvarianten und zwei Applikationszeitpunkte (Herbst und Fr\u00fchjahr) untersucht. Die Ergebnisse zeigten, dass lediglich der Ausbringungszeitpunkt des Gr\u00fcngutes eine geringf\u00fcgige, die Ertragsparameter beeinflussende Wirkung auf die verschiedenen Kulturpflanzen besitzt. Bei Winterweizen weist eine Applikation des Gr\u00fcngutes im Fr\u00fchjahr Vorteile auf, w\u00e4hrend bei Winterraps eine fr\u00fche Applikation im Herbst g\u00fcnstiger war. Allgemein haben die Zusammensetzung des Ausbringungsmaterials, die Ausbringungstechnik und bodenphysikalische Gesichtspunkte den gr\u00f6\u00dften Einfluss auf ertragsphysiologische Parameter. Demgegen\u00fcber ergaben phytopathologische Bonituren der Best\u00e4nde w\u00e4hrend der Vegetationszeit keinen erh\u00f6hten Befallsdruck durch das applizierte Gr\u00fcngut.<br \/>\nMittels einer 15N-Untersuchung wurde die spezielle Stickstoffdynamik nach einer Gr\u00fcngutausbringung n\u00e4her beschrieben. Es zeigte sich, dass bei einer reinen Gr\u00fcngutapplikation ohne mineralische Erg\u00e4nzungsd\u00fcngung zu Winterraps die Pflanzen bei einer Fr\u00fchjahrsausbringung mehr gr\u00fcngutb\u00fcrtigen Stickstoff enthielten, als bei der zeitlich fr\u00fcheren Ausbringung im Herbst. Insgesamt wurden jedoch in zu beiden Ausbringungsterminen vernachl\u00e4ssigbar geringe Stickstoffmengen im ersten Vegetationsjahr aufgenommen. Des weiteren wurden die Ergebnisse, dieses unter absoluten Freilandbedingungen durchgef\u00fchrten Versuches mit Ergebnissen der herk\u00f6mmlichen CaCl2-Aufschlu\u00df-Methode verglichen. Dabei zeigte sich, dass die Aufschlussmethode, die als Ma\u00df des pflanzenverf\u00fcgbaren Stickstoffs bei Sekund\u00e4rrohstoffd\u00fcnger herangezogen wird, eine gute \u00dcbereinstimmung mit den Ergebnissen der 15N-Untersuchung besa\u00df.<br \/>\nDie w\u00e4hrend der Versuchsdauer (1996-1998) anfallenden Gr\u00fcngut-, Boden- und Pflanzenproben wurden auf anorganische (Schwermetalle) und teilweise auf organische Schadstoffe untersucht. Das ausgebrachte Gr\u00fcngut war nur gering mit Schwermetallen belastet. Eine Beeinflussung der Schwermetallgehalte des Bodens oder des Erntegutes konnte nicht festgestellt werden. Die Untersuchungen unterschiedlicher Bodentiefen ergab, dass eine potentielle Verlagerung in tiefere Bodenschichten auszuschlie\u00dfen ist. Die organischen Schadstoffe des in dem Versuch verwendeten Seegras\/Gr\u00fcngutgemisches lagen an der Nachweisgrenze. Eine Gef\u00e4hrdung der Umwelt durch Gr\u00fcngutapplikationen ist in diesem Fall auszuschlie\u00dfen.<br \/>\nEin betriebswirtschaftlicher Vergleich zweier als sinnvoll erachteter Verwertungswege des Gr\u00fcngutes im l\u00e4ndlichen Raum ergab einen eindeutigen Kostenvorteil der direkten Verwertung gegen\u00fcber einer dezentralen Kompostierung. Dieser betrug etwa 40 &#8211; 60 DM pro t Frischmasse bei einem j\u00e4hrlichen Gr\u00fcngutaufkommen von 5.000 m\u00b3\/a (FM). Die durchgef\u00fchrte Berechnung basiert auf der Grundlage einer Transport- und Ausbringungskette von weniger als 1 km. Somit wurden f\u00fcr die direkte Verwertung spezifische Gesamtkosten von rd. 15 DM\/m\u00b3 FM ermittelt. Das entspricht je nach Dichte des Ausgangsmaterial ca. 75-120 DM\/t FM Gr\u00fcngut. F\u00fcr die offene Mietenkompostierung ergaben sich h\u00f6here spezifische Gesamtkosten von rd. 22 DM\/m\u00b3 FM, was im Bereich von 115 bis 180 DM\/t FM liegt.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Ziele und Ergebnisse des Projektes wurden in diversen Fachorganen publiziert, auf verschiedenen wissenschaftlichen Fachtagungen vorgestellt und im Rahmen von Betriebs- und Feldf\u00fchrungen der Offizialberatung und landwirtschaftlichen Administration pr\u00e4sentiert.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die direkte Verwertung von Gr\u00fcngut hat ihre besonderen Vorteile im l\u00e4ndlichen Raum. Hier kann sie zur Schlie\u00dfung regionaler Stoffkreisl\u00e4ufe beitragen. Aufgrund des hohen Pufferverm\u00f6gens des Femahraner Standortes konnten weder deutliche Ertragseffekte noch eine potentielle Belastung des Bodens mit Schadstoffen durch die Ausbringung von Gr\u00fcngut beobachtet werden. Weiterf\u00fchrende Untersuchungen \u00fcber die mittel- bzw. langfristige Verf\u00fcgbarkeit der nachweislich akkumulierten N\u00e4hrstoffe sowie eine potentielle Anreicherung von Schadstoffen sind w\u00fcnschenswert. Die Untersuchungen zur Wirtschaftlichkeit belegen die Vorteile der direkten Verwertung von Gr\u00fcngut gegen\u00fcber der Kompostierung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Durch pflanzliche Reststoffe aus privaten Haushalten sowie dem kommunalen Bereich fallen im Bundesgebiet neben anderen biogenen Abfallstoffen j\u00e4hrlich ca. 8 &#8211; 10 Millionen Tonnen Gr\u00fcngut an, die einer Entsorgung &#8211; derzeit zumeist einer Verbrennung oder Kompostierung &#8211; zugef\u00fchrt werden. 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