{"id":19475,"date":"2023-07-13T15:10:36","date_gmt":"2023-07-13T13:10:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/05209-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:10:38","modified_gmt":"2023-07-13T13:10:38","slug":"05209-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/05209-01\/","title":{"rendered":"Umbau und Erweiterung des Kindergartens Gro\u00df Lengden unter \u00f6kologischen Gesichtspunkten"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Der Altbaubestand enth\u00e4lt ein erhebliches Potential zur Einsparung von Heizenergie und Minderung der CO2-Emission. Auch die Anforderungen an die Behaglichkeit des Wohnens sind in den letzten Jahre st\u00e4ndig gestiegen. Erreicht wird die thermische Behaglichkeit durch ein ver\u00e4ndertes Heizverhalten in Verbindung mit dem verbesserten W\u00e4rmeschutz der Geb\u00e4udeh\u00fclle.<br \/>\nJedoch ergeben sich bei der Integration von modernen energiesparenden Techniken in historische Geb\u00e4ude h\u00e4ufig Konflikte mit den denkmalpflegerischen Belangen. Durch falsche Sanierungsma\u00dfnahmen verringert sich der Bestand an Fachwerkgeb\u00e4uden in Deutschland kontinuierlich. Damit verbunden ist der Verlust der traditionellen Ortsbilder und Hauslandschaften. Sanierungsfehler resultieren weitgehend aus den Versuchen, neuzeitliche Anforderungen ohne Kenntnis \u00fcber deren Auswirkungen in Fachwerkw\u00e4nden umzusetzen. Der Umbau des ortsbildpr\u00e4genden Fachwerkhauses zu einem Niedrigenergiehaus zeigt den Umgang mit den Anforderungen in besonders deutlicher Weise.<\/p>\n<p>Mit dem Projekt soll demonstriert werden, wieweit sich auch im Altbaubereich energiesparendes Bauen praktizieren l\u00e4\u00dft. Angestrebt wird eine erhebliche Umweltentlastung, ohne da\u00df es zu einem Widerspruch zwischen traditionellem Erscheinungsbild und W\u00e4rmeschutz kommen mu\u00df.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDas Geb\u00e4ude wies einen hohen Sanierungsbedarf auf. Weder das Raumangebot noch der Zustand der R\u00e4ume und der haustechnischen Ausstattung lie\u00dfen eine weitere Nutzung als Kindergarten zu. Ein angenehmes Raumklima und Behaglichkeitsempfinden waren nicht gegeben. Da sowohl die Bausubstanz saniert, als auch die technische Ausstattung komplett erneuert werden mu\u00dfte, bot sich die M\u00f6glichkeit einer umfassenden \u00f6kologischen Sanierung.<br \/>\nFolgende Ziele wurden definiert:<br \/>\n&#8211; Beheizung des Geb\u00e4udes \u00fcber ein ausgereiftes, energiesparendes und abgasarmes Heizsystem<br \/>\n&#8211; Reduzierung der L\u00fcftungsverluste und optimale Frischluftzufuhr durch Einbau einer L\u00fcftungsanlage<br \/>\n&#8211; D\u00e4mmung der Dach-, Fu\u00dfbodenfl\u00e4chen und Fenster gem\u00e4\u00df dem Standard in Niedrigenergiegeb\u00e4uden<br \/>\n&#8211; Optimierung des W\u00e4rmeschutzes der Au\u00dfenw\u00e4nde ohne Gefahr von Substanzsch\u00e4den<br \/>\n&#8211; luftdichte Geb\u00e4udeh\u00fclle zur Vermeidung von Tauwasser und als Voraussetzung f\u00fcr die L\u00fcftungsanlage<\/p>\n<p>Besonders problematisch war die Ausf\u00fchrung der starken Innend\u00e4mmung der Fachwerkwand und die Realisierung der Luftdichtigkeit der Bauh\u00fclle. Die Umsetzung des anspruchsvollen technischen Konzeptes war mit erh\u00f6htem Zeitaufwand f\u00fcr alle Beteiligten verbunden. Von Planern und Handwerkern war besondere Sorgfalt gefordert. Eine Begleitmessung soll die langfristige Substanzvertr\u00e4glichkeit der gew\u00e4hlten Konstruktion belegen.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Drei Jahre nach Sanierung des Geb\u00e4udes ist es Zeit, erste Erfahrungen und Me\u00dfergebnisse zu bewerten. Mit Einschr\u00e4nkungen kann f\u00fcr das Bauvorhaben des Kindergartens in Gro\u00df Lengden eine positive Bilanz gezogen werden. Die Atmosph\u00e4re und Funktionalit\u00e4t des Geb\u00e4udes beeindrucken, der Energieverbrauch tendiert zu den angestrebten Verbrauchsziffern, die Feuchtebeanspruchung der Holzkonstruktion ist zwar deutlich erkennbar, aber weitgehend noch zu tolerieren.<br \/>\nDer hohe Zeitaufwand in Planung und Ausf\u00fchrung resultiert zum gr\u00f6\u00dften Teil nicht aus der speziellen Situation, sondern aus der Pilotfunktion. Das D\u00e4mmprinzip ist unter Ber\u00fccksichtigung \u00f6rtlicher Gegebenheiten evtl. mit abgeminderten D\u00e4mmst\u00e4rken auf eine Vielzahl von F\u00e4llen anwendbar. Bew\u00e4hrt hat sich die Verwendung traditioneller und \u00f6kologischer Materialien (Lehmputz etc.) als wichtige Komponenten im bauphysikalischen Konzept. Neben den rein technischen Ergebnissen der Qualit\u00e4tssicherung sind die Erfahrungen, die mit der Qualifizierung der Ausf\u00fchrenden vor Ort gemacht wurden, positiv herauszustellen.<br \/>\nDie Auslegung der Heizungs- und L\u00fcftungstechnik ist dem Niedrigenergiegeb\u00e4ude angemessen und hat sich bew\u00e4hrt. Hinsichtlich der Nutzung der Regelm\u00f6glichkeiten von Heizung und L\u00fcftung bestanden anfangs erhebliche Unsicherheiten beim Personal. Nach einer nochmaligen gr\u00fcndlichen Besprechung unter allen Beteiligten hat sich die Akzeptanz noch einmal deutlich erh\u00f6ht. Insofern kann f\u00fcr die Zukunft auch ein weiter verminderter Energieverbrauch prognostiziert werden.<br \/>\nDie Holzfeuchten liegen zur Zeit \u00fcberwiegend im Bereich um die kritische 20 %-Marke. Damit ist zwar keine unmittelbare Gefahr f\u00fcr einen Neubefall mit pflanzlichen oder tierischen Sch\u00e4dlingen gegeben, jedoch bleibt ein Risiko. W\u00fcnschenswert ist eine weitere Abtrocknung. Die weitere Beobachtung der Feuchteentwicklung und eventuell eine Wiederholung der Luftdichtigkeitsmessung zu Pr\u00fcfzwecken sind notwendig.<br \/>\nIn Gro\u00df Lengden wurde demonstriert, da\u00df eine energetische Sanierung mit der unverzichtbaren D\u00e4mmung der Bauh\u00fclle unter Bewahrung der alten Fachwerkkonstruktion m\u00f6glich und sinnvoll ist. Schon darin liegt ein gro\u00dfer Erfolg. Der Kindergarten steht nicht unter Denkmalschutz. Bei vergleichbaren Konzepten in Baudenkm\u00e4lern, wo es nicht nur um den Erhalt des \u00e4u\u00dferen Erscheinungsbildes geht, m\u00fc\u00dften zweifellos wesentliche Aspekte der Planung und Ausf\u00fchrung neu durchdacht werden.<br \/>\nBei guter Abstimmung aller Beteiligten sind im Altbaubestand gro\u00dfe Energiesparpotentiale zu erschlie\u00dfen. Voraussetzungen daf\u00fcr sind aber eine sorgf\u00e4ltige Untersuchung der Bausubstanz und die Erarbeitung eines an diese Substanz angepa\u00dften Ma\u00dfnahmenkataloges. Zu ber\u00fccksichtigen ist der Umstand, da\u00df in Gro\u00df Lengden die Belastung durch Schlagregen und innere Feuchtequellen eher gering ist. Weitere Ursachen f\u00fcr die gute Zwischenbilanz waren die hohe Motivation und Fachkunde der Beteiligten. Die Einbeziehung von Sonderfachleuten und die spezielle Schulung der Handwerker sind im Alltag nicht die Regel.<br \/>\nDiese Umst\u00e4nde schr\u00e4nken die direkte \u00dcbertragbarkeit der Projektergebnisse auf andere Geb\u00e4ude etwas ein. Der Modellcharakter des Vorhabens bleibt davon unber\u00fchrt, die Pilotfunktion ist unbestritten.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>ZHD-Publikation Niedrigenergie-Bauweise im alten Fachwerkhaus<br \/>\nZHD-Ausstellung Luft zum Atmen &#8211; H\u00e4user zum Leben<br \/>\nVorstellung des Projektes auf zahlreichen Seminaren und Messen<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Sanierung des alten Fachwerkhauses zu einem Kindergarten in Niedrigenergiebauweise ist gelungen. Hinsichtlich der langfristigen Auswirkung der D\u00e4mma\u00dfnahmen auf die alte Fachwerkkonstruktion ist eine weitere Beobachtung angemessen.<br \/>\nAllgemein: In Einzelf\u00e4llen k\u00f6nnen auch in empfindlichen historischen Fachwerkgeb\u00e4uden durchaus anspruchsvolle Energiesparkonzepte verwirklicht werden. Das setzt einen \u00fcberdurchschnittlichen Aufwand f\u00fcr Planung und Ausf\u00fchrung sowie g\u00fcnstigen Rahmenbedingungen voraus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Der Altbaubestand enth\u00e4lt ein erhebliches Potential zur Einsparung von Heizenergie und Minderung der CO2-Emission. Auch die Anforderungen an die Behaglichkeit des Wohnens sind in den letzten Jahre st\u00e4ndig gestiegen. Erreicht wird die thermische Behaglichkeit durch ein ver\u00e4ndertes Heizverhalten in Verbindung mit dem verbesserten W\u00e4rmeschutz der Geb\u00e4udeh\u00fclle. 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