{"id":19463,"date":"2023-07-13T15:12:56","date_gmt":"2023-07-13T13:12:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/08737-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:12:58","modified_gmt":"2023-07-13T13:12:58","slug":"08737-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/08737-01\/","title":{"rendered":"F\u00f6rderschwerpunkt Bioabfallverwertung (3): Das Rotenburger Konzept der dezentralen landwirtschaftlichen Bioabfallverwertung"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Mit dem Inkrafttreten des Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetzes im Jahr 1996 und dem dort festgeschriebenen Verwertungsgebot, wurde die stoffliche und energetische Verwertung von biogenen Reststoffen gesetzlich gefordert.<br \/>\nZeitgleich suchten die landwirtschaftlich organisierten Brennereigesellschaften einen sinnvollen Verwertungsweg f\u00fcr ihren Brennereiabfall (Kartoffelschlempe). Auch dem Landkreis stellte sich die Frage einer sinnvollen und kosteng\u00fcnstigen Verwertung getrennt gesammelter Bioabf\u00e4lle. Hier kam die Idee auf, die hei\u00dfe Kartoffelschlempe und die im Landkreis zuk\u00fcnftig anfallenden Bioabf\u00e4lle aus der Biotonne zu verg\u00e4ren. Es wurde daraufhin ein Konzept entwickelt, bei dem die Landwirtschaft mit ihren Dispositionsf\u00e4higkeiten von der Sammlung bis zur Verwertung in die Wertsch\u00f6pfung direkt mit einbezogen werden konnte.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenEs soll eine Bioabfallaufbereitungsanlage und Biogasanlage errichtet werden, in der organische Abf\u00e4lle von St\u00f6rstoffen befreit, verfl\u00fcssigt, hygienisiert und auf Inhaltsstoffe untersucht werden. Das erzeugte fl\u00fcssige Bio-Mischsubstrat, durch die Vorbehandlung hervorragend f\u00fcr eine Verg\u00e4rung in Biogasanlagen geeignet, wird anschlie\u00dfend zu einer Vielzahl von landwirtschaftlichen Hof-Biogasanlagen gefahren, wo das anfallende Biogas in Blockheizkraftwerden in Strom und W\u00e4rme umgewandelt wird. Durch die gemeinsame Verg\u00e4rung von G\u00fclle und Bio-Mischsubstrat wird die Wirtschaftlichkeit der Hof-Biogasanlagen gef\u00f6rdert. Der anfallende G\u00e4rrest wird auf den hofeigenen landwirtschaftlichen Nutzfl\u00e4chen bedarfsgerecht als Sekund\u00e4rrohstoffd\u00fcnger verwertet.<br \/>\nDie Verg\u00e4rung von biogenen Abf\u00e4llen stellt in diesem Konzept ein zentrales Element zur Schlie\u00dfung von Stoffkreisl\u00e4ufen, zur Produktion erneuerbarer Energie und zur Vermeidung klimawirksamer Spurengasemissionen dar.<br \/>\nProjektrealisierung<br \/>\nDie Gr\u00fcndung der Rotenburger Rohstoff und Energie GmbH &#038; Co. durch 7 Brennereigesellschaften und die B\u00e4uerliche Dienstleistungs- und Verwertungsgesellschaft mit insgesamt ca. 200 Landwirten war der erste Schritt zur Realisierung des Projektes. Daraufhin erfolgte die Beauftragung der TBW Frankfurt eine Machbarkeitsstudie \u00fcber das Rotenburger Bioabfall-Verwertungskonzept zu erstellen. Nach Bewilligung von F\u00f6rdermitteln durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt wurde die TBW mit der Planung beauftragt. Ein eingesetzter Bauausschuss pr\u00fcfte die Vorgaben und vergab die Auftr\u00e4ge.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Anlagentechnik<br \/>\nEs wurde eine ca. 20 x 40 m gro\u00dfe Halle erstellt, in die 1998 eine Sortierlinie mit manueller St\u00f6rstoffsortierung und anschlie\u00dfender Hygienisierung installiert wurde.<br \/>\nDie Annahme der Bioabf\u00e4lle erfolgt in einer geschlossenen Halle. \u00dcber einen Annahmebunker werden die Bioabf\u00e4lle der Sortierung zugef\u00fchrt und manuell von St\u00f6rstoffen befreit. In einem Vormischbeh\u00e4lter wird hei\u00dfe Schlempe und andere fl\u00fcssige Bioabf\u00e4lle hinzugegeben, in einer Hammerm\u00fchle vermahlen und dann in zwei 40 t fassenden Tanks mit 70 \u00b0C f\u00fcr 1 Std. hygienisiert. Alle verfahrenstechnischen Vorg\u00e4nge sind automatisiert, visualisiert und werden protokolliert. Die Kapazit\u00e4t der Anlage liegt bei ca. 15.000 Jahrestonnen.<br \/>\nIm Au\u00dfenbereich ist eine Biogasanlage mit ca. 2.500 m\u00b3 Fermentervolumen installiert, die mit einem Teil des Substrates betrieben wird. Das hier verwirklichte Verfahrenskonzept des Fermentermanagements hat sich hervorragend bew\u00e4hrt. Das erzeugte Biogas wird in drei Blockheizkraftwerden mit zusammen ca. 420 kW verstromt. Mit der entstehenden Abw\u00e4rme der Blockheizkraftwerke wird die Erhitzung und Hygienisierung der Bioabf\u00e4lle sichergestellt. Ca. 20% der erzeugten elektrischen Energie wird f\u00fcr den Eigenbedarf der gesamten Anlage gebraucht. Das Gesamtinvestitionsvolumen betr\u00e4gt etwa 4,3 Mio. DM.<br \/>\nEingesetzte Stoffe<br \/>\nDie Bioabfallaufbereitungsanlage wurde speziell f\u00fcr die Verwertung der Biotonne konzipiert. Es k\u00f6nnen aber auch fl\u00fcssige und andere sch\u00fcttf\u00e4hige Abfallfraktionen verarbeitet werden. Der bestehende Genehmigungskatalog erlaubt die Annahme der Biotonne, von Fettabscheiderresten, Kartoffelschlempe, St\u00e4rkeabf\u00e4llen und f\u00fcr Verzehr oder Verarbeitung ungeeigneter Stoffe, um nur die wichtigsten zu nennen. Seit einiger Zeit hat die RoRo die Ausnahmegenehmigung gem\u00e4\u00df \u00a7 8 Abs. 3 Nr. 2 Tierk\u00f6rperbeseitigungsgesetz erhalten, Speiseabf\u00e4lle zu verarbeiten und diese hygienisiert an andere landwirtschaftliche Biogasanlagen abzugeben. Dazu musste der gesamte Betrieb auf die schwarz-wei\u00df Trennung umgestellt werden. Hiermit ist die klare Trennung von unhygienischen und hygienischen Bereichen gemeint. Die Veterin\u00e4rmediziner \u00fcberpr\u00fcften den Verfahrensablauf und die sichere Abt\u00f6tung von Krankheitskeimen durch die Hygienisierung. Da es keine Beanstandungen gab, konnte der Auftrag angenommen werden die Gastronomieabf\u00e4lle der EXPO 2000 zu verwerten. So wurden im Jahr 2000 etwa 9.000 t Bioabf\u00e4lle verarbeitet und davon ca. 5.500 t Bio-Mischsubstrat an landwirtschaftliche Biogasanlagen abgegeben.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Das Vorhaben wurde auf zahlreichen Fachveranstaltungen, -tagungen und auch -messen pr\u00e4sentiert. Der Anlagenkomplex ist Anlaufpunkt zahlreicher Fachbesucher aus dem In- und Ausland.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Das Rotenburger Konzept zur zentralen Bioabfallaufbereitung und dezentralen landwirtschaftlichen Verwertung zur Schlie\u00dfung lokaler Stoffkreisl\u00e4ufe und Schaffung neuer Einnahmem\u00f6glichkeiten f\u00fcr die Landwirtschaft konnte nicht im vollen Rahmen verwirklicht werden. Der Preisverfall auf dem Markt biogener Reststoffe, vor allem jedoch die politische Entscheidung, dass die Getrenntsammlung von Bioabf\u00e4llen im Landkreis Rotenburg\/W\u00fcmme nicht eingef\u00fchrt wird, zwang die Rotenburger Rohstoff und Energie GmbH vermehrt biogene Abfallstoffe aus anderen Landkreisen einzuweben. Somit konnte das Teilziel des transparenten KrW-\/AbfG innerhalb des Landkreises nicht verwirklicht werden. Die Landwirtschaft ist als Betreiber der Bioabfall-Aufbereitungsanlage und als Abnehmer des Bio-Mischsubstrates als Kofermentat weiterhin beteiligt. Eine Verwertungsgeb\u00fchr f\u00fcr das Bio-Mischsubstrat wird nicht gezahlt. Das energiereiche und problemlos zu verg\u00e4rende Substrat tr\u00e4gt aber entscheidend zur Effizienzsteigerung der beteiligten Biogasanlagen bei.<br \/>\nDie sich abzeichnende Seuchen- und Hygieneproblematik macht deutlich, dass nur eine zentrale Bioabfallaufbereitung die gestellten Anforderungen sicher erf\u00fcllen kann. Die get\u00e4tigten N\u00e4hr- und Schadstoffanalysen garantieren eine effektive \u00dcberwachung der wichtigsten Parameter. Damit erhalten Teile des Konzeptes eine ganz neue Gewichtung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Mit dem Inkrafttreten des Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetzes im Jahr 1996 und dem dort festgeschriebenen Verwertungsgebot, wurde die stoffliche und energetische Verwertung von biogenen Reststoffen gesetzlich gefordert. Zeitgleich suchten die landwirtschaftlich organisierten Brennereigesellschaften einen sinnvollen Verwertungsweg f\u00fcr ihren Brennereiabfall (Kartoffelschlempe). 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