{"id":19422,"date":"2023-07-13T15:15:00","date_gmt":"2023-07-13T13:15:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/11950-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:15:00","modified_gmt":"2023-07-13T13:15:00","slug":"11950-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/11950-01\/","title":{"rendered":"Untersuchung \u00fcber umweltvertr\u00e4gliche Bergung und Entsorgung des Treibsels"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>An den Deichen der Oberl\u00e4ufe der in die Nordsee einm\u00fcndenden Fl\u00fcsse und an der Nordseek\u00fcste selbst werden insbesondere durch die Herbst- und Fr\u00fchjahrsst\u00fcrme gro\u00dfe Mengen Treibgut angeschwemmt. Das auch als Treibsel oder Teek bezeichnete Material besteht zum gr\u00f6\u00dften Teil (ca. 90%) aus abgestorbenen Pflanzenteilen des Vorlandes. Daneben enth\u00e4lt es auch Holz (5-9%) und anderes schwimmf\u00e4higes Material wie Plastikbeh\u00e4lter und Glasflaschen (1-5%).<br \/>\nDie Menge des anfallenden Treibsels ist besonders hoch an den westlich ausgerichteten Deichen, wie am Dollart, an der Leybucht und am Ostufer des Unterlaufes der Weser. Je nach Materialanfall und Witterungseinfl\u00fcssen erreicht der sich an der Au\u00dfenb\u00f6schung des Hauptdeiches ablagernde Saum H\u00f6hen von 1 m und mehr und Breiten bis zu 30 m.<br \/>\nIm Rahmen der Deichunterhaltung und -pflege mu\u00df der angeschwemmte Teeksaum m\u00f6glichst umgehend beseitigt werden, da andernfalls die darunterliegende Grasnarbe erstickt wird. Au\u00dferdem kann wegen der sich dann ausbildenden g\u00fcnstigen Lebensbedingungen f\u00fcr W\u00fchlm\u00e4use die Stabilit\u00e4t des Deiches beeintr\u00e4chtigt werden. F\u00fcr die Deichpflege und den K\u00fcstenschutz werden allein in der Bundesrepublik Deutschland mehrere hundert Millionen DM aufgewendet.<br \/>\nSeit Inkrafttreten des Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetzes gilt Treibsel als pflanzlicher Abfall zur Verwertung aus einem anderen Herkunftsbereich als aus Haushaltungen. Die Beseitigung erfolgt haupts\u00e4chlich dadurch, da\u00df der Teek weitgehend von Unrat befreit, nach einer gewissen Trockenphase zu W\u00e4llen zusammengeschoben und dann verbrannt wird. Ab dem 01.06.1998 tritt nach Ablauf einer \u00dcbergangsfrist das generelle Brennverbot in Kraft.<br \/>\nUm vor diesem Hintergrund eine effiziente Kostenentlastung zu erreichen, wird der Einsatz von Teek in der Biomassefeuerung des Heizkraftwerkes Weener vorgeschlagen. Zur fundierten Vorbereitung dieser Nutzung des Teeks sollte eine detallierte Machbarkeitsanalyse durchgef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenIm Zuge der Bearbeitung sollen Antworten auf die essentiellen Fragen gefunden werden, wie z. B.<br \/>\n\u00b7\twie kann Treibsel umweltvertr\u00e4glich geborgen werden?<br \/>\n\u00b7\tWie kann Treibsel zu einem Biobrennstoff aufbereitet werden, um in dem Biomassenheizkraftwerk Weener einer thermischen Verwertung zugef\u00fchrt werden zu k\u00f6nnen?<br \/>\nDie Arbeitsmethodik kann anhand der untenstehenden Bearbeitungsinhalte aufgezeigt werden:<br \/>\n1.\tBasisdaten und Randbedingungen<br \/>\n\u00b7\tDie Deichverb\u00e4nde<br \/>\n\u00b7\tDeichunterhaltung durch andere Tr\u00e4ger<br \/>\n2.\tDer Brennstoff Treibsel<br \/>\n\u00b7\tErmittlung des verf\u00fcgbaren Aufkommens an Treibsel<br \/>\n\u00b7\tZusammensetzung\/Eigenschaften von Treibselarten<br \/>\n\u00b7\tVerf\u00fcgbare Beseitigungsverfahren und deren Kosten<br \/>\n3.\tLogistisches Konzept zur Treibgutbereitstellung<br \/>\n\u00b7\tArbeitsschritte der Bereitstellungslogistik<br \/>\n\u00b7\tVariantenbetrachtung<br \/>\n4.\tTreibselbergung und Transportlogistik<br \/>\n\u00b7\tRandbedingungen der Treibselbergung<br \/>\n\u00b7\tMethodik der Treibselbergung<br \/>\n\u00b7\tMaschinentechnik<br \/>\n\u00b7\tZeit- und Energiebedarf<br \/>\n\u00b7\tTransportlogistik<br \/>\n\u00b7\tErforderliche Lagerkapazit\u00e4ten<br \/>\n5.\tLagerung, Aufbereitung und Beschickung des Treibgutes<br \/>\n\u00b7\tSortierung<br \/>\n\u00b7\tZerkleinerung<br \/>\n\u00b7\tLagerung\u00b7\tF\u00f6rdertechnik<br \/>\n\u00b7\tBeschickung<br \/>\n\u00b7\tLogistik innerhalb des Kraftwerkgel\u00e4ndes<br \/>\n6.\tFeuerungsspezifische Eigenschaften von Treibsel und daraus folgende Auswirkungen auf die Brennstoffaufbereitung<br \/>\n\u00b7\tBrennstoffuntersuchungen zur Analyse der nat\u00fcrlichen Schwankungsbreite der chemischen Zusammensetzung des Treibsels<br \/>\n\u00b7\tUntersuchungen mit dem Ziel, den Chlorgehalt des Treibsels vor der Verbrennung zu reduzieren<br \/>\n\u00b7\tBestimmung der verbrennungstechnischen Eigenschaften: Wassergehalt, Ascheanteil, Gehalt an fl\u00fcchtigen Bestandteilen,      Gehalt des Restkohlenstoffs nach Austreiben der fl\u00fcchtigen Bestandteile<br \/>\n\u00b7\tBrennwertermittlungen<br \/>\n\u00b7\tErweichungsverhalten und chemische Zusammensetzung der Asche<br \/>\n       Erstellung eines Pflichtenheftes aus den Ergebnissen der vorgenannten Untersuchungen, um zu einer f\u00fcr das Treibsel ad\u00e4quaten   Feuerung zu kommen<br \/>\n7. \u00d6kologische Betrachtungen<br \/>\n\u00b7\tSchutz der Umwelt bei der Bergung des Treibsels:<br \/>\n       Erhaltung des dynamischen Lebensraumes Salzwiesen mit seiner gro\u00dfen, nat\u00fcrlichen Artenvielfalt in seinem jetzigen Zustand,<br \/>\n\u00b7\tLuftschadstoffemissionen derzeitiger Entsorgungsverfahren des Treibsels<br \/>\n\u00b7\tAbgasreinigung und Emissionen der thermischen Verwertung des Treibsels, CO\u00b2-Bilanz<br \/>\n8. Dokumentation<br \/>\nErstellung des Abschlussberichtes<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Das Ziel f\u00fcr die Deichverb\u00e4nde eine effektive Kostenentlastung aufgrund einer g\u00fcnstigen Entsorgung des Treibsels zu erreichen, wurde verfehlt; die Kosten f\u00fcr die thermische Verwertung des Treibsels liegen \u00fcber den Kosten der zur Zeit angewandten Entsorgungsverfahren Verkuhlen, Humifizieren und freies Verbrennen am Deich.<br \/>\nDas Ziel den Einsatz von Treibsel in einem Heizkraftwerk fundiert vorzubereiten wurde voll erreicht. Sowohl das erschlie\u00dfbare Potential an Treibsel, als auch dessen Zusammensetzung wurden erarbeitet. Mehrere alternative L\u00f6sungen unter Favorisierung einer Variante zur Treibselbergung, Transportlogistik, Lagerung, Aufbereitung und Beschickung des Treibgutes sind gefunden und dokumentiert worden. Die feuerungsspezifischen Eigenschaften des Treibsels wurden herauskristallisiert.<br \/>\nS\u00e4mtliche erarbeiteten Konzepte standen unter der Pr\u00e4misse, da\u00df keinerlei Besch\u00e4digung des dynamischen Lebensraumes Salzwiesen stattfinden darf und die Luftschadstoffemissionen der anderen Entsorgungsverfahren weit unterschritten werden m\u00fcssen. Dies ist ebenso voll und ganz gelungen. Die bei der vollst\u00e4ndigen (Gro\u00dfanlagen) Verbrennung und der unvollst\u00e4ndigen (Verbrennung am Deich) anfallenden EmissionenStickoxide, Schwefeldioxide und Staub fallen bei einer Verbrennung im Kraftwerk in einem wesentlich geringeren Ausma\u00df an.<br \/>\nCO2-Bilanz:<br \/>\nIm Herbst\/Winter 1994\/95 fielen im Deichland von Niedersachsen 227.700 m3 Treibsel an. Bei einer Sch\u00fcttdichte von 0,1 t\/m\u00b3 ergibt sich eine Jahresmenge von 22.770 t Treibsel. Anhand der Treibselmenge l\u00e4\u00dft sich unter Einbeziehung des Heizwertes die erzielbare Stromproduktion f\u00fcr eine projektierte Anlage ermitteln. Da Treibsel ein biogener Brennstoff ist und die selbe Menge CO2 auch bei der Kompostierung anf\u00e4llt, ist die Treibselverbrennung CO2-neutral. F\u00fcr die Alternative eines 20 MWel GuD-Kraftwerkes und eines Steinkohlekraftwerkes mit Dampfturbine wird aus der errechneten Stromproduktion die erforderliche Brennstoffmenge und produzierte CO2-Menge errechnet. \u00dcber die Treibselverbrennung werden die CO2-Emissionen um ca. 9.000 bis 23.000 t\/a reduziert.<br \/>\nDie Arbeits- Zeitplan und Kostenkalkulation wurden bis auf die Abgabe des Abschlu\u00dfberichtes eingehalten.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Ergebnisse wurden dem nieders\u00e4chsischen Umweltministerium, dem Wasserverbandstag und den Deichachten als den Tr\u00e4gern der Deichunterhaltung im Rahmen von pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4chen vorgestellt.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Es ist technisch und wirtschaftlich m\u00f6glich das Treibsel umweltvertr\u00e4glich vom Deich zu bergen, und ebenso umweltschonend als Brennstoff in einem Biomassenheizkraftwerk zu verwerten. Die zur Zeit vorherrschenden Verwertungen wie das Verkuhlen und Humifizieren sind kosteng\u00fcnstiger als die Erzeugung von elektrischer Energie und Abw\u00e4rme in einem Biomassenheizkraftwerk sind jedoch bez\u00fcglich ihrer Auswirkungen auf die Umwelt und der Qualit\u00e4t der Verwertung zu bewerten. Aufgrund der neuen energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen, dem EEG und der geplanten Biomasseverordnung wird der Verwertungspreis f\u00fcr Treibsel in einem Biomassenheizkraftwerk fallen k\u00f6nnen, so da\u00df der Verwertungs-weg f\u00fcr die Deichachten auch wirtschaftlich eine wirkliche Alternative zu den jetzigen Verwertungswegen darstellt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens An den Deichen der Oberl\u00e4ufe der in die Nordsee einm\u00fcndenden Fl\u00fcsse und an der Nordseek\u00fcste selbst werden insbesondere durch die Herbst- und Fr\u00fchjahrsst\u00fcrme gro\u00dfe Mengen Treibgut angeschwemmt. 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