{"id":19415,"date":"2023-07-13T15:14:43","date_gmt":"2023-07-13T13:14:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/11490-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:14:44","modified_gmt":"2023-07-13T13:14:44","slug":"11490-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/11490-01\/","title":{"rendered":"Intensit\u00e4tsdifferenzierung in der Forstwirtschaft &#8211; Wege zu einer umweltvertr\u00e4glichen Waldnutzung"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Anla\u00df des Vorhabens ist einerseits die f\u00fcr viele Forstbetriebe problematische Aufwands- und Ertragsentwicklung (insbesondere durch steigende Arbeitskosten und stagnierende Holzpreise) und andererseits die steigenden Anforderungen des Natur- und Umweltschutzes an die Bewirtschaftung des Waldes. Ziel des Projektes ist die Beantwortung der Frage, wieviel Totholz (als ein wichtiger Indikator f\u00fcr den \u00f6kologischen Zustand des Waldes) in welcher Verteilung aus Gr\u00fcnden des Arten- und Biotopschutzes erforderlich ist. Durch den betriebswirtschaftlichen Vergleich abgestufter Bewirtschaftungsintensit\u00e4ten sollen Formen einer umweltvertr\u00e4glichen Waldnutzung gefunden werden, die sowohl den Anforderungen des Naturschutzes gerecht werden als auch \u00f6konomisch tragf\u00e4hig sind<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenIn der ersten Phase des Projektes wurde eine biologisch-\u00f6kologische Bestandsaufnahme und betriebswirtschaftliche Vergleichsrechnungen durchgef\u00fchrt. Hierzu wurden auf 9 Untersuchungsfl\u00e4chen, die sich durch Nutzungsintensit\u00e4t, Baumart und Bestandesalter unterscheiden, das Totholzangebot sowie an Totholz gebundenen Tiergruppen (K\u00e4fer und Stechimmen) mit den f\u00fcr die jeweilige Tiergruppe spezifischen Methoden erfasst. Parallel dazu wurde ein betriebswirtschaftlicher Vergleich von 7 Nutzungsvarianten (normal, Verl\u00e4ngerung des Durchforstungsintervalls, Nutzungsverzicht bestimmter B\u00e4ume, Nutzungsverzicht geringwertiger Sortimente, Nutzung hochwertiger Sortimente alle 25 Jahre, Umtriebszeit 200 Jahre, keine Nutzung) durchgef\u00fchrt.<br \/>\nIn einem interdisziplin\u00e4ren Ansatz, der betriebswirtschaftliche, forstwissenschaftliche und biologisch-\u00f6kologische Aspekte gleicherma\u00dfen ber\u00fccksichtigt, wurde darauf aufbauend ein modellhaftes Handlungskonzept erarbeitet, welches in die kurz-, mittel- und langfristige forstliche Planung integriert werden kann. Durch Fortbildungs-Seminare sollen zuk\u00fcnftig betriebseigene Mitarbeiter f\u00fcr eine optimale Umsetzung der vorgeschlagenen Ma\u00dfnahmen geschult und andere Waldbesitzer und Forstverwaltungen angeregt werden, die modellhaften Bestandteile des Handlungskonzeptes auf ihren Wald zu \u00fcbertragen.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die \u00dcberpr\u00fcfung der ausgew\u00e4hlten Untersuchungsfl\u00e4chen bzgl. der tats\u00e4chlich durchgef\u00fchrten Nutzungen der letzten 20 Jahre und bzgl. des Totholzanteiles ergab, da\u00df die aufgrund ihrer ung\u00fcnstigen Lage als extensiv eingestuften Best\u00e4nde tats\u00e4chlich seltener oder weniger stark durchforstet wurden und da\u00df alle Extensivvarianten einen deutlich h\u00f6heren Totholzanteil aufwiesen als die Variante normale Nutzung. Der im sog. Urwald Zwetschenbr\u00e4uke (Variante ohne Nutzung) gefundene Totholzanteil war vergleichbar mit Totholzvorr\u00e4ten, wie sie f\u00fcr bayerische Naturwaldreservate nachgewiesen wurden. Extensive Waldnutzungsformen k\u00f6nnen demnach zu einer deutlichen Erh\u00f6hung der Totholzvorr\u00e4te beitragen.<\/p>\n<p>Die Erfassung der xylobionten Fauna (K\u00e4fer und Stechimmen) zeigte, da\u00df mit zunehmendem Extensivierungsgrad und parallel dazu mit zunehmender Quantit\u00e4t und Diversit\u00e4t des Totholzangebotes insgesamt eine Erh\u00f6hung der Artenvielfalt einher geht. Insbesondere seltene und gef\u00e4hrdete Arten profitieren von einem verbesserten Totholzangebot. Eine differenzierte Analyse der \u00f6kologischen Anspruchstypen zeigte, da\u00df die Existenz bestimmter Totholzformen (besonntes, stehendes Starkholz) und die Vernetzung mit bl\u00fctenreichen S\u00e4umen von besonderer Bedeutung f\u00fcr die Xylobionten-Fauna ist. Im Laufe des Projektes wurde deutlich, da\u00df die gew\u00e4hlte Untersuchungsmethodik zur Bearbeitung der Fragestellung prinzipiell geeignet ist, eine h\u00f6here Erfassungsintensit\u00e4t zur besseren Absicherung der Ergebnisse jedoch w\u00fcnschenswert ist.<\/p>\n<p>Der betriebswirtschaftliche Vergleich der 7 untersuchten Nutzungsvarianten mittels Reinertragskalkulation f\u00fcr Betriebsklassen auf Grundlage der Ertragstafeln ergab f\u00fcr die  Extensivvarianten nahezu gleich hohe Reinertr\u00e4ge wie f\u00fcr die Variante Normale Nutzung und lediglich f\u00fcr die Variante Keine Nutzung eine erheblich schlechtere Ertragssituation. Unter Ber\u00fccksichtigung potentieller zus\u00e4tzlicher Ertr\u00e4ge aus Eintrittsgeldern sowie aus Mitteln des Vertragsnaturschutzes sind sogar h\u00f6here Reinertr\u00e4ge m\u00f6glich. Noch g\u00fcnstiger kann sich die Situation darstellen, wenn f\u00fcr die Best\u00e4nde, die extensiv genutzt werden sollen, ertragsschwache Standorte, Best\u00e4nde an Steilh\u00e4ngen oder Best\u00e4nde von geringer Holzqualit\u00e4t ausgew\u00e4hlt werden.<\/p>\n<p>Die vorliegenden Ergebnisse zeigen, da\u00df es in der Forstwirtschaft &#8211; \u00e4hnlich wie in der Landwirtschaft die Mutterkuhhaltung im Bergland &#8211; M\u00f6glichkeiten der extensiven Nutzung gibt, die betriebswirtschaftlich tragf\u00e4hig und gleichzeitig mit positiven Effekten f\u00fcr die Umwelt verbunden sind.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Besucher des Naturerlebnisgebietes NATURERLEBNIS WILDWALD wurden anhand einer Informationstafel, die in unmittelbarer N\u00e4he zu einer weithin sichtbaren K\u00e4fer-Fangeinrichtung (Leimring) aufgestellt war, \u00fcber die wesentlichen Inhalte und Fragestellungen des Forschungsprojektes informiert. Dar\u00fcber hinaus ist in der monatlich erscheinenden Besucher-Zeitschrift Wilwald Aktuell \u00fcber Funde bemerkenswerter Wespen- und K\u00e4ferarten berichtet worden, die im Rahmen des Projektes nachgewiesen worden sind. Erste wissenschaftliche Publikationen zur Faunistik sowie Umsetzungsm\u00f6glichkeiten des modellhaften Handlungskonzeptes sind in Vorbereitung. In Seminaren und Vortr\u00e4gen sollen die betriebseigene Mitarbeiter und andere Forstbetriebe \u00fcber die Ergebnisse des Projektes informiert werden.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Im Laufe des Projektes zeigte sich, da\u00df die angewandten Methoden geeignet sind die formulierten Fragestellungen zu bearbeiten, auch wenn eine intensivere Erfassung der xylobionten Fauna und eine exaktere Methode zur betriebswirtrschaftlichen Bewertung der Extensivvarianten w\u00fcnschenswert gewesen w\u00e4re, um die Ergebnisse wissenschaftlich besser absichern zu k\u00f6nnen.<br \/>\nDie Erarbeitung eines modellhaften Handlungskonzeptes f\u00fcr den Forstbetrieb, welches betriebswirtschaftliche, forstwissenschaftliche und biologisch-\u00f6kolgische Aspekte gleicherma\u00dfen ber\u00fccksichtigt, zeigt M\u00f6glichkeiten auf ohne \u00f6konomische Nachteile eine umweltgerechte Waldnutzung zu realisieren. Bei Inanspruchnahme von Nutzungsentsch\u00e4digungen (z.B. Warburger Vertr\u00e4ge) lassen sich bei einigen Nutzungsvarianten sogar h\u00f6here Ertr\u00e4ge erzielen als bei normaler Nutzung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Anla\u00df des Vorhabens ist einerseits die f\u00fcr viele Forstbetriebe problematische Aufwands- und Ertragsentwicklung (insbesondere durch steigende Arbeitskosten und stagnierende Holzpreise) und andererseits die steigenden Anforderungen des Natur- und Umweltschutzes an die Bewirtschaftung des Waldes. 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