{"id":19373,"date":"2023-07-13T15:14:22","date_gmt":"2023-07-13T13:14:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/10960-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:14:23","modified_gmt":"2023-07-13T13:14:23","slug":"10960-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/10960-01\/","title":{"rendered":"PVC-Analytik im Kl\u00e4rschlamm &#8211; M\u00f6glichkeit zur Reduzierung des AOX-Eintrags und der Kostenreduzierung bei der Kl\u00e4rschlammentsorgung"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Ziel dieses Projektes ist es, die analytische und konzeptionelle Grundlage daf\u00fcr zu schaffen, den Kl\u00e4rschlamm, der abgesehen vom AOX allen Anforderungen der AbfKl\u00e4rV gen\u00fcgt, durch Senkung der AOX-Belastung einer landwirtschaftlichen Verwertung zuf\u00fchren zu k\u00f6nnen und damit f\u00fcr die Stadt Herrieden Kosten bei der Kl\u00e4rschlammentsorgung einzusparen.<br \/>\nPVC-Staub, der beim Transport oder der Verarbeitung mit dem Abwasser in Kl\u00e4ranlagen gelangt, ist h\u00e4ufig die Ursache f\u00fcr hohe AOX-Werte im Kl\u00e4rschlamm. Eine gezielte Kl\u00e4rschlamm- und Sielhautanalytik mittels Kernresonanzspektroskopie (NMR) erm\u00f6glicht die Identifizierung von PVC als Ursache hoher AOX-Werte, ebenso kann der Einleiter des PVCs genau ermittelt werden. Durch entsprechende technische Ma\u00dfnahmen beim Einleiter lassen sich weitere PVC-Emissionen verhindern und der AOX-Wert kann gesenkt werden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenZur Lokalisierung des PVC-Einleiters wurden Sielhautproben verschiedener Gewerbebetriebe und anderer Kanalschnittstellen, verteilt \u00fcber das gesamte Stadtgebiet, auf PVC untersucht. Die Auswahl der Probenstellen geschah derart, da\u00df durch die Analysen systematisch eine Eingrenzung des AOX-Einleiters m\u00f6glich ist und letztlich eine genaue Identifizierung der Einleiter erfolgen kann. Weiterhin ist mehrmals Kl\u00e4rschlamm vergleichend auf PVC und AOX untersucht worden. Die Untersuchung auf PVC erfolgte mit der NMR-Methode, die AOX-Bestimmung wurde nach DIN 38 141 durchgef\u00fchrt.<br \/>\nBei der NMR-Methode wird die getrocknete Probe (Kl\u00e4rschlamm, Sielhaut) zun\u00e4chst mit einem organischen L\u00f6sungsmittelgemisch und anschlie\u00dfend mit Tetrahydrofuran (THF) im Soxhlet extrahiert. Durch das THF wird selektiv PVC herausgel\u00f6st. Der THF-Extrakt wird zur Trockene eingedampft und in deuteriertem THF\/Benzol zur 1H-NMR-Messung eingesetzt. Die charakteristischen Resonanzen im NMR-Experiment erm\u00f6glichen dabei die direkte Bestimmung von PVC.<br \/>\nDer Chlorgehalt in PVC (57%) kann in einen theoretischen AOX-Wert umgerechnet und somit der Anteil von PVC am AOX (nach DIN 38141) bestimmt werden.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die Befunde der Sielhautanalysen weisen einen PVC-Fensterhersteller (Fa. HAPA) eindeutig als PVC-Einleiter und Verursacher der hohen AOX-Werte in Herrieden aus. Neben dem Fensterbetrieb wurde PVC in geringen Mengen auch an Probenstellen von Gewerbebetrieben ohne PVC-Verarbeitung und in Wohngebieten gefunden. Die Frage nach der Herkunft dieses PVC konnte im Rahmen des Projektes nicht beantwortet werden. Zwei Erkl\u00e4rungsans\u00e4tze liegen dazu jedoch vor:<br \/>\n1.  Es existieren diffuse Eintragsquellen f\u00fcr PVC, die nicht im Zusammenhang mit dem PVC-Verarbeiter HAPA stehen, die aber auch nicht n\u00e4her benannt werden k\u00f6nnen.<br \/>\n2.  Das PVC stammt aus den Abluftfiltern des Fensterbetriebes und verteilt sich durch Wind \u00fcber die Stadt und gelangt an verschiedenen Stellen mit dem Oberfl\u00e4chenwasser in die Sielhaut.<\/p>\n<p>Am Beispiel des PVC-Verarbeiters HAPA ist vom Ingenieurb\u00fcro ETA-plus ein Konzept f\u00fcr bauliche, technische und organisatorische Ma\u00dfnahmen eines PVC-verarbeitenden Betriebes zur Verhinderung von PVC-Eintr\u00e4gen in das kommunale Abwasser erstellt worden, das \u00fcbertragbar ist auf \u00e4hnliche F\u00e4lle.<br \/>\nIm Rahmen dessen wurde bei HAPA eine Betriebsanalyse durchgef\u00fchrt, in der sowohl der Umgang mit PVC als auch Proze\u00dfabl\u00e4ufe und Produktstr\u00f6me untersucht sind. Basierend darauf zeigt das Konzept Schwachstellen auf und unterbreitet drei L\u00f6sungsvarianten f\u00fcr den Betrieb, die sich hinsichtlich der An-forderungen an die Wirksamkeit sowie der Investitionskosten unter-scheiden.<\/p>\n<p>Seit Projektbeginn im Juni 1997 zeigt der Verlauf der AOX-Gehalte im Kl\u00e4rschlamm zun\u00e4chst einen deutlichen Anstieg des AOX von 780 auf 1070 mg\/kg, der dann bis knapp unterhalb des Grenzwertes auf 490 mg\/kg zur\u00fcckgeht. Aus diesem Verlauf kann allerdings derzeit keine eindeutige Tendenz der Entwicklung abgelesen werden. Einerseits pa\u00dft die deutliche Zu- und Abnahme in den \u00fcbrigen AOX-Verlauf seit Beginn der Messungen im Jahre 1992 und k\u00f6nnte somit im Bereich der normalen Schwankungen liegen. Andererseits k\u00f6nnte der AOX-R\u00fcckgang seit Oktober 1997 ein Anzeichen f\u00fcr die Auswirkungen eines umsichtigeren Verhaltens beim Fensterbetrieb im Umgang mit dem PVC sein. Um diese Frage zu kl\u00e4ren, m\u00fc\u00dfte der AOX-Verlauf noch mindestens 3 weitere Monate verfolgt werden.<br \/>\nDie bisherigen Ma\u00dfnahmen des Betriebes, die m\u00f6glicherweise schon einen R\u00fcckgang bewirkt haben, bestehen darin, da\u00df die offene Lagerung vom Betriebsgl\u00e4nde in die Halle verlegt wurde und versch\u00fcttetes PVC-Pulver umgehend aufgekehrt wird. Es liegt jedoch die Vermutung nahe, da\u00df diese, m\u00f6glicherweise positiven Effekte, nur kurzfristig und auf die erh\u00f6hte Aufmerksamtkeit der Gesch\u00e4ftsleitung und entsprechende Anweisungen an die Mitarbeiter w\u00e4hrend des Projektes zur\u00fcckzuf\u00fchren sind.<br \/>\nEine langfristige und sichere Unterschreitung des AOX-Grenzwertes ist jedoch nur nach fachtechnisch geplanten Ma\u00dfnahmen zu erwarten (Umstellung auf geschlossene Systeme f\u00fcr das PVC-Pulver, Filteranlage f\u00fcr das Oberfl\u00e4chenwasser), weshalb f\u00fcr den Fensterbetrieb die Einbeziehung von entsprechenden Firmen f\u00fcr die Planung und Umsetzung empfohlen wird.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>\u00b7 Vortr\u00e4ge \u00fcber das Projekt bei der InCom (Analytik-Symposium) am 23. + 25.04.1998 in der Uni D\u00fcsseldorf<br \/>\n\u00b7 Fachbeitrag \u00fcber das Projekt in der Juni-Ausgabe 1998 der Korrespondenz Abwasser (Herausgeber: Gesellschaft zur F\u00f6rderung der Abwassertechnik, GFA)<br \/>\n\u00b7 Infobrief an 250 Kl\u00e4ranlagen<br \/>\nweitere Ver\u00f6ffentlichungen in Fachzeitschriften sind in Vorbereitung<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Projektziel des Vorhabens war, die Grundlagen f\u00fcr eine Senkung der AOX-Werte und der Kosteneinsparung bei der Kl\u00e4rschlammentsorgung zu schaffen. Dieses Ziel ist vollst\u00e4ndig erreicht worden. Die durchgef\u00fchrten Analysen weisen den Fensterbetrieb eindeutig als PVC-Einleiter und Verusacher der hohen AOX-Werte im Kl\u00e4rschlamm aus, und das erstellte Konzept enth\u00e4lt konkrete Ma\u00dfnahmeempfehlungen f\u00fcr den PVC-Betrieb zur Emissionsverhinderung. Die Realisierung der Ma\u00dfnahmen liegt nun im Ermessen der Stadt und des Fensterbetriebes.<br \/>\nVor dem Hintergrund, da\u00df sowohl die Analytik als auch die entsprechende Filtertechnik zur Verf\u00fcgung stehen und mehrfach erfolgreich in der Praxis realisiert sind, kann dieses Projekt als Anreiz f\u00fcr andere Kommunen dienen, das Know-how zu nutzen und vermeidbare Emissionen zu verhindern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Ziel dieses Projektes ist es, die analytische und konzeptionelle Grundlage daf\u00fcr zu schaffen, den Kl\u00e4rschlamm, der abgesehen vom AOX allen Anforderungen der AbfKl\u00e4rV gen\u00fcgt, durch Senkung der AOX-Belastung einer landwirtschaftlichen Verwertung zuf\u00fchren zu k\u00f6nnen und damit f\u00fcr die Stadt Herrieden Kosten bei der Kl\u00e4rschlammentsorgung einzusparen. 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