{"id":19350,"date":"2023-07-13T15:13:41","date_gmt":"2023-07-13T13:13:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/10063-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:13:43","modified_gmt":"2023-07-13T13:13:43","slug":"10063-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/10063-01\/","title":{"rendered":"Handlungsformen und Handlungsm\u00f6glichkeiten von Mitarbeitern bei \u00f6kologischem Strukturwandel in den Klein- und Mittelbetrieben der chemischen und kunststoffverarbeitenden Industrie"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Erfassung der Handlungsformen und Erm\u00f6glichung der Partizipation von Mitarbeitern und Betriebsr\u00e4ten bei \u00f6kologischem Strukturwandel in Betrieben. &#8211; Der in der chemischen Industrie zumeist praktizierte additive Umweltschutz st\u00f6\u00dft an seine Grenzen. Integrierte Ma\u00dfnahmen, die \u00f6kologische Fragen pr\u00e4ventiv behandeln, k\u00f6nnen aufgrund ihres systematischen Charakters eine umweltgerechtere Produktion bewirken. Da die hierzu notwendigen \u00c4nderungen nicht allein technischer Natur sind, sondern alle betriebliche Akteure betreffen, kann integrierter Umweltschutz nur dann erfolgreich sein, wenn alle Hierarchieebenen in Kooperation am Wandel beteiligt werden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDas Projekt zielt auf eine Erfassung der formellen und informellen Voraussetzungen f\u00fcr eine von allen Mitarbeitern getragenen betrieblichen Umweltpolitik. Im ersten Schritt werden \u00e4hnliche Studien zum betrieblichen Umweltschutz ausgewertet und die rechtlichen Rahmenbedingungen erfa\u00dft. Mit Hilfe von Materialanalysen, Betriebsbegehungen und Interviews erfolgt eine Bestandsaufnahme zum Umweltschutz in den beteiligten Unternehmen.<br \/>\nIm zweiten Schritt, dem Hauptteil des Projektes, werden die Handlungskonstellationen in der betrieblichen Arbeitspolitik und im Umweltschutz untersucht, die \u00f6kologischen Handlungsorientierungen und Deutungsmuster der Belegschaften erfa\u00dft und die Einflu\u00dffaktoren f\u00fcr ein \u00f6kologisches Engagement er\u00f6rtert. Hierzu bedarf es leitfadengest\u00fctzter Interviews und Gruppengespr\u00e4che mit den relevanten Personengruppen.<br \/>\nUm auszuloten, wie die \u00f6kologische Kompetenz der Mitarbeiter zu verbessern ist, sollen im dritten Schritt Interviews (Expertengespr\u00e4che) mit Gewerkschaften, Bildungseinrichtungen, IHK etc. gef\u00fchrt werden. &#8211; Als vierter Schritt folgt eine schriftliche Befragung aller Betriebe der chemischen Industrie in der Region zu ihren umweltpolitischen Aktivit\u00e4ten (die \u00fcber den gesetzlichen Rahmen hinausgehen).<br \/>\nIm letzten, f\u00fcnften Schritt werden die Ergebnisse der Untersuchung zusammengefa\u00dft und als Leitfaden den Interessenten zug\u00e4nglich machen. In diesem Zusammenhang sind betriebliche und \u00fcberbetriebliche Workshops geplant, in denen Wege zur beteiligungsoffenen \u00f6kologischen Unternehmenspolitik erarbeitet werden sollen.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>In einer Bestandsaufnahme des betrieblichen Umweltschutzes in den Betrieben der chemischen Industrie der Region Weser-Ems hat sich gezeigt, da\u00df additiv-nachsorgende Techniken dominieren. Alle Betriebe orientieren sich v. a. an den beh\u00f6rdlich vorgeschriebenen Grenzwerten. Das Recht beg\u00fcnstigt in einigen F\u00e4llen die Beibehaltung der End-of-pipe-Technologien. Auch vom Markt gehen nur geringe Anreize zum integrierten Umweltschutz aus. Es dominiert trotz einiger vielversprechender Versuche der Einbindung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine technische Sicht auf den Umweltschutz.<br \/>\nMit seiner Konzentration auf die organisationalen Aspekte des Umweltschutzes kann das Projekt Innovationshindernisse ausmachen, die den (scheinbar) harten Fakten Wirtschaftlichkeit und Technik vorgelagert sind. Als theoretische Grundlage dient hierbei ein mikropolitischer Ansatz, der das unternehmerische Handeln auch aus machtorientierten Handlungen der betrieblichen Akteure ableitet. Aus diesen Gr\u00fcnden fokussiert das Projekt auf die unterschiedlichen Sichtweisen und Deutungsmuster im Betrieb. Ob betrieb-licher Umweltschutz am Arbeitsplatz intensiviert und umgesetzt wird, bzw. welchen Stellenwert er in Konkurrenz zu den anderen Anforderungen hat, ist abh\u00e4ngig von den Sichtweisen der Akteure auf den Umweltschutz in ihrem jeweiligen Arbeitsbereich. Zusammengefa\u00dft ergibt sich folgendes Bild:<br \/>\nDie Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer und Werkleiter sind nur dann Motoren des Umweltschutzes, wenn sie einen direkten \u00f6konomischen Nutzen erkennen k\u00f6nnen. F\u00fcr die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist der Einflu\u00df der \u00f6kologischen Ver\u00e4nderungen auf die Arbeitsroutinen von entscheidender Bedeutung. Die mittlere Ebene (Meister\/Vorarbeiter\/Abteilungsleiter) erweist sich als Blockadeebene, da sie in Ver\u00e4nderungen den geringsten Gewinn erkennt. Die Betriebsr\u00e4te sehen den Umweltschutz nicht als eigenst\u00e4ndiges Arbeitsfeld. Sie konzentrieren sich in ihrer T\u00e4tigkeit auf die klassischen Bereiche Personalbestandssicherung und Arbeitssicherheit. Der Umweltschutz findet v. a. dann Unterst\u00fctzung, wenn zugleich die Arbeitssicherheit erh\u00f6ht wird. Die freiwilligen Umweltschutzbeauftragten sind Motoren des Umweltschutzes, auch im Sinne der Mitarbeiterorientierung. Ihre geringen Machtbefugnisse und die Arbeits\u00fcberlastung machen erfolgreiches Arbeiten nur dann m\u00f6glich, wenn es ihnen gelingt, den Umweltschutz in allen Ebenen des Unternehmens zu verankern.<br \/>\nDer betriebliche Umweltschutz wird als Zusammenspiel dieser Ebenen analysiert. Die vorgefundenen L\u00f6sungen, v. a. die mangelnde Einbindung der Belegschaft mit den daraus resultierenden Umsetzungsdefiziten sind aus den eingefahrenen Sichten und Deutungsmustern zu erkl\u00e4ren.<br \/>\nWie kann der Umweltschutz trotz dieser unterschiedlichen Sichtweisen wirksam werden? &#8211; In den Workshops mit den Vertretern aller Ebenen hat sich gezeigt, wie wichtig die bereichs\u00fcbergreifende Kommunikation \u00fcber den Umweltschutz und die fr\u00fchzeitige Einbindung aller Akteure in die \u00f6kologischen Ver\u00e4nderungsprozesse ist. Im gleichen Ma\u00dfe wurde deutlich, wie schwer es den Betrieben f\u00e4llt, sich von den eingespielten Mustern zu verabschieden. Vielf\u00e4ltige Ma\u00dfnahmen wurden in den Workshops in die Wege geleitet (z. B. Umweltschutz im BVW, Arbeitskreise zum Umweltschutz, Betriebszeitungen etc.), die die Innovationsf\u00e4higkeit steigern und den betrieblichen Umweltschutz verbessern werden.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Zwischenergebnisse des Projektes sind in Aufsatzform dokumentiert unter: D\u00fcckert, T.\/ Groth, T.\/ K\u00f6nig, S. 1998: \u00d6kologie, Organisation und Partizipation &#8211; betrieblicher Umweltschutz in der chemischen Industrie, in: Kooperationsstelle Hochschule-Gewerkschaften (Hg.) 1998: Umbruch der Arbeitsgesellschaft und Kooperation. Oldenburg: BIS-Verlag, S. 63-76. Das Projekt ist aufgenommen in die GESIS-Datenbank. In naher Zukunft werden ausgew\u00e4hlte Ergebnisse den interessierten Unternehmen des Projektes vorgestellt. Zus\u00e4tzlich findet im Dezember eine \u00f6ffentliche Veranstaltung statt, die die Ergebnispr\u00e4sentation und -diskussion zum Inhalt hat. &#8211; Der Projektendbericht ist \u00fcber die Kooperationsstelle Hochschule-Gewerkschaften, die IG BCE Verwaltungsstelle Oldenburg und die IHK Oldenburg zu beziehen. Eine Buchpublikation ist in Planung.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Konzentration auf Fragen der Einbindung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im betrieblichen Umweltschutz war einigen Betrieben anfangs schwer zu vermitteln, dies erschwerte die Suche nach Kooperationsbetrieben. Im Laufe des Projektes erwies sich die Leitidee aber als ad\u00e4quater Zugang zu den betrieblichen Problemen bei der Umsetzung von Innovationen im allgemeinen und Umweltschutzinnovationen im speziellen.<br \/>\nGerade in den Workshops wurde den Betriebsvertretern bewu\u00dft, da\u00df die mittelst\u00e4ndischen Unternehmen mit \u00e4hnlichen organisationalen Problemen zu k\u00e4mpfen haben, die in den Schlagworten Information, Kommunikation und Mitarbeiterbeteiligung zusammenzufassen sind. Das Projekt konnte in dieser Hin-sicht wichtige Anregungen liefern, innerbetriebliche Diskussionen anregen und auch \u00f6kologisch wirksame Ver\u00e4nderungen herbeif\u00fchren. Eine weitere Begleitung der eingeleiteten Ma\u00dfnahmen im Unternehmen w\u00e4hrend der Implementationsphase konnte aus Zeitgr\u00fcnden nicht erfolgen. Diese \u00f6kologische Organisa-tionsentwicklung w\u00e4re eine sinnvolle Weiterf\u00fchrung des Projektes.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Erfassung der Handlungsformen und Erm\u00f6glichung der Partizipation von Mitarbeitern und Betriebsr\u00e4ten bei \u00f6kologischem Strukturwandel in Betrieben. &#8211; Der in der chemischen Industrie zumeist praktizierte additive Umweltschutz st\u00f6\u00dft an seine Grenzen. Integrierte Ma\u00dfnahmen, die \u00f6kologische Fragen pr\u00e4ventiv behandeln, k\u00f6nnen aufgrund ihres systematischen Charakters eine umweltgerechtere Produktion bewirken. 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