{"id":19328,"date":"2023-07-13T15:10:43","date_gmt":"2023-07-13T13:10:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/05381-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:10:44","modified_gmt":"2023-07-13T13:10:44","slug":"05381-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/05381-01\/","title":{"rendered":"Wasserkraftnutzung an der Fl\u00f6ha"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Reaktivierung der Wasserkraftanlage Fl\u00f6ha-G\u00fcckelsberg unter m\u00f6glichst umweltgerechten Gesichtspunkten. Dabei sollen nicht nur Faktoren der Wirtschaftlichkeit sondern besonders auch der \u00d6kologie ber\u00fccksichtigt werden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDer Bauablauf wird kurz in Stichworten aufgelistet:<\/p>\n<p>\u00b7 Okt. 1993 \t                     Erwerb der Anlage und aller Betriebsfl\u00e4chen<br \/>\n\u00b7 Mai 1993 &#8211; Mai 1994 \t Abbrucharbeiten und Verschrottung der teilweise noch vorhandenen Anlagen in Eigenleistung<br \/>\n\u00b7 Juni 1994 \t                     Beginn des Entschlammens des M\u00fchlgrabens sowie dessen Sanierung.<br \/>\n                                         Neusetzen von Teilen der Trockenmauer<br \/>\n\u00b7 Okt. 1994 &#8211; Febr. 1995 Beseitigung der Reste des alten Holzbockwehres und Errichten des neuen \tWehres inklusive Fischaufstieg<br \/>\n\u00b7 Jan. 1995 &#8211; Juni 1995 \t Neugestaltung der Turbinenkammern, Einbau neuer Schutztafeln am<br \/>\n                                   \t M\u00fchlgrabeneinlauf sowie vor den Turbinen<br \/>\n\u00b7 Juni 1995 \t                     Einbau und Vergie\u00dfen der Turbinen<br \/>\n\u00b7 Juli 1995 &#8211; Okt. 1995 \t Gestaltung des Turbinenvorhofes mit Einbau des Feinrechens, der Saugrohre sowie des Freifluters<br \/>\n\u00b7 Okt. 1995 \t                     Aufnahme des Probebetriebes und erste Einspeisung ins Netz der EVS<br \/>\n\u00b7 April 1996 \t               Installation des Schlauchaufsatzes auf dem Wehrk\u00f6rper und Inbetriebnahme der Steuerung<br \/>\n\u00b7 Mai 1996 \t                     Nachr\u00fcstung der Wasserkraftanlage mit einem hydraulischen Rechenreiniger<br \/>\n\u00b7 Bis heute verschiedene Nachbesserungen im Turbinenhaus, am Wehr und Fischaufstieg.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die Energiegewinnung aus Wasserkraft hat eine Jahrhunderte alte Tradition. Viele Kleinwasserkraftanlagen mu\u00dften jedoch in der Vergangenheit ihren Betrieb einstellen, da sie auf Grund der geringen Stromverg\u00fctungen der Energieversorger (EVU) nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben waren. Seit dem Inkrafttreten des Stromeinspeisegesetzes ist die Verg\u00fctung in Abh\u00e4ngigkeit vom Gewinn der EVU festgelegt. Auf dieser Basis k\u00f6nnten viele Anlagen wieder in den Bereich der Wirtschaftlichkeit zur\u00fcckgef\u00fchrt werden. An vielen Orten wird deshalb \u00fcber eine Reaktivierung der Anlagen nachgedacht, insbesondere in den neuen Bundesl\u00e4ndern. Dort wurden im Zuge der Energiepolitik der ehemaligen DDR besonders viele Wasserkraftanlagen au\u00dfer Betrieb genommen.<\/p>\n<p>Die hier beschriebene Anlage liegt an der Fl\u00f6ha kurz vor deren M\u00fcndung in die Zschopau an der Ortschaft Fl\u00f6ha-G\u00fcckelsberg in Sachsen. Der urspr\u00fcngliche Betreiber dieser Anlage, Herr Kreyss, war fr\u00fcher Angestellter der Baumwollspinnerei in Fl\u00f6ha-G\u00fcckelsberg zu der auch die Wasserkraftanlage geh\u00f6rte. Er hat die Anlage nach der Wende sowie alle zum Betrieb notwendigen Fl\u00e4chen erworben und die Reaktivierung durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Die Anlage geh\u00f6rt zu der Klasse der Ausleitungskraftwerke. Das Triebwasser wurde fr\u00fcher \u00fcber ein Holzbockwehr in den Triebwasserkanal abgeleitet und weiter unterhalb wieder in die Fl\u00f6ha zur\u00fcckgegeben. Die noch vorhandenen Wehrteile befanden sich in einem extrem desolaten Zustand, so da\u00df eine Sanierung nicht mehr m\u00f6glich war. Das Krafthaus selbst konnte jedoch noch verwendet werden. Der Betriebsgraben war ebenfalls stark in Mitleidenschaft gezogen, doch konnte hier eine Sanierung erfolgen. Das Sachverst\u00e4ndigenb\u00fcro f\u00fcr Wasserwirtschaft \u00fcbernahm die Planung der Anlage.<\/p>\n<p>Im Zuge der Reaktivierung wurde an der Stelle des alten Wehres ein komplett neues mit einem regulierbaren Schlauchaufsatz errichtet. Neben dem Wehr ist  eine Fischtreppe installiert, um die lineare Durchg\u00e4ngigkeit wieder herzustellen. Das Einlaufbauwerk wurde \u00fcberholt. Es erfolgte eine umfangreiche Sanierung des Betriebsgrabens. Das Krafthaus wurde soweit notwendig umgebaut, um die neuen Turbinen aufnehmen zu k\u00f6nnen. Der am Krafthaus vorhandene Freischu\u00df wurde durch den Einbau von Sch\u00fctzen so gestaltet, da\u00df er als Fischschleuse dienen kann. Somit ist die Durchg\u00e4ngigkeit an beiden Gew\u00e4sserarmen gew\u00e4hrleistet.<\/p>\n<p>Mit der Reaktivierung der Anlage ist ein sch\u00f6nes Objekt entstanden, das die Vorteile der ressourcenschonenden Wasserkraftnutzung bei m\u00f6glichst geringer Beeintr\u00e4chtigung der Umwelt demonstriert. Bei einer Ausbauleistung von 280 kW und einer durchschnittlichen Jahresenergieerzeugung von 1.616 MWh erzielt die Anlage eine CO2-Einsparung von rund 1300 t\/a.<\/p>\n<p>Die sehr starke \u00dcberschreitung der gesch\u00e4tzten Baukosten tr\u00fcbt das Bild der Anlage stark. Insbesondere der Wehrbau, der Tiefbau im Krafthaus und die Sanierung des Krafthauses haben den vorgesehenen Rahmen deutlich gesprengt. Die Wirtschaftlichkeit war f\u00fcr Herrn Kreyss, der die Anlage ohne nennenswertes Eigenkapital finanzierte, nicht mehr gegeben und musste daher ver\u00e4u\u00dfert werden. <\/p>\n<p>Insgesamt ist inzwischen jedoch eine Anlage entstanden, die durch das Vorhandensein von Fischaufstiegsm\u00f6glichkeiten, sowohl am Wehr als auch an der Wasserkraftanlage selbst, beispielhaft ist. Der abgegebene Restwasserabflu\u00df ist nach Untersuchungen des NABU ebenfalls ausreichend, um die Bioz\u00f6nose in der Ausleitungsstrecke zu erhalten.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Hier ist eine Wasserkraftanlage entstanden, die beispielhaft aufzeigt, wie mit Engagement und Phantasie eine Anlage geschaffen werden kann, die auch den \u00f6kologischen Anspr\u00fcchen gerecht wird. Es wird hierdurch gezeigt, da\u00df umweltgerechte Wasserkraftnutzung durchaus m\u00f6glich ist<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Reaktivierung der Wasserkraftanlage Fl\u00f6ha-G\u00fcckelsberg unter m\u00f6glichst umweltgerechten Gesichtspunkten. Dabei sollen nicht nur Faktoren der Wirtschaftlichkeit sondern besonders auch der \u00d6kologie ber\u00fccksichtigt werden. 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