{"id":19319,"date":"2023-07-13T15:14:52","date_gmt":"2023-07-13T13:14:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/11872-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:14:55","modified_gmt":"2023-07-13T13:14:55","slug":"11872-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/11872-01\/","title":{"rendered":"Durchf\u00fchrung einer Expertentagung: Bildung f\u00fcr Nachhaltigkeit als Chance in den Zeiten knapper Kassen"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Zielsetzung der Tagung war es, Beispiele f\u00fcr innovative Bildungsprozesse zu finden, die zukunftsf\u00e4hige Entwicklungen auf dem Hintergrund gesellschaftlicher Realit\u00e4ten ausloten. Die Ergebnisse werden die Diskussion der Bildungsexperten untereinander und mit Vertretern anderer gesellschaftlicher Gruppen bereichern. Sie werden in Form eines Tagungsbandes publiziert, der positive Erfahrungen vorstellt und Handlungsempfehlungen f\u00fcr die Bildungspraxis gibt. Ein entscheidendes Defizit der beginnenden Diskussion liegt in der Vernachl\u00e4ssigung realer gesellschaftlicher Entwicklungen. Es gibt bereits Agenda-Prozesse in verschiedenen gesellschaftlichen Teilbereichen, in denen Bildungsprozesse oder bildungs\u00e4hnliche Prozesse eine Rolle spielen. Diese Prozesse sollten auf der Tagung untersucht werden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenEine der Hauptfragen der Veranstaltung war: Wie kann die Beteiligung der B\u00fcrger gelingen und wie sollen zukunftsgewandte Prozesse nachhaltigen Lebens und Wirtschaftens gestaltet werden? Dazu wurden im Vorfeld der Tagung Agenda-Prozesse analysiert und Vertreter modellhafter Implementierungsprojekte eingeladen. Die Referenten wurden mit den folgenden leitenden Fragestellungen konfrontiert:<br \/>\n1. Welche Motivation hat Ihre Organisation bewogen, das geschilderte Projekt durchzuf\u00fchren?<br \/>\n2. Welche Erfolge und Mi\u00dferfolge haben sich bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitsprojekten ergeben?<br \/>\n3. Wie haben Sie B\u00fcrgerInnen, die vorher nicht in solche Prozesse integriert waren, beteiligen k\u00f6nnen?<br \/>\n4. Welche Rolle spielten Bildungsprozesse bei der Implementation von Nachhaltigkeit?<br \/>\nWorkshop I: B\u00fcrgerbeteiligung.<br \/>\nWo gibt es Beispiele f\u00fcr Ver\u00e4nderungsprozesse zur nachhaltigen Kommunalentwicklung, bei denen die B\u00fcrgerInnen entscheidend beteiligt waren? Berichte aus Heidelberg, H\u00e4rnosand, Seattle und Aargau.<br \/>\nWorkshop II: Zukunft der Erwerbsarbeit.<br \/>\nWelche Chance haben Projekte nachhaltiger Entwicklung in Zeiten von Arbeitslosigkeit und Sozialabbau? Berichte \u00fcber nachhaltige Unternehmen in Deutschland, den Strukturwandel im Ruhrgebiet, die Krise des deutschen Schiffbaus und die Position des Deutschen Gewerkschaftsbundes.<br \/>\nWorkshop III: Implementationsstrategien.<br \/>\nWelche Rolle spielen Effizienz- und Suffizienzstrategien in der Alltagspraxis? Berichte \u00fcber die Umsetzung von Least-Cost-Planning, \u00fcber \u00d6kologischen Landbau, Car-Sharing und langlebige Produkte.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die Bildungstagung fand zu einem g\u00fcnstigen Zeitpunkt statt, meinte Bremens B\u00fcrgermeister Henning Scherf, als er die Tagungsteilnehmer in seiner Gru\u00dfrede im Bremer Rathaus willkommen hie\u00df. Er erkl\u00e4rte dies damit, da\u00df der Lokale Agenda 21-Proze\u00df in Bremen vor einer entscheidenden Schwelle stand. Seine Senatskollegen sollten in K\u00fcrze einer Vorlage zustimmen, die die Grundlage einer breiteren &#8211; auch finanziellen &#8211; Verankerung des Agendaprozesses bilden sollte. G\u00fcnstig war der Zeitpunkt auch aus einem anderen Grund. In diesen Tagen j\u00e4hrte sich der gro\u00dfe Erdgipfel von Rio zum f\u00fcnften Mal. Wenn dies auch aus dramaturgischer Sicht ein Zufall war, so flossen damit in die Tagungsplanung und ihren Verlauf eine Reihe von kritischen Einsch\u00e4tzungen und Bewertungen ein. Vorherrschender Tenor der meisten Analysen war die Entt\u00e4uschung \u00fcber den Stand des nach f\u00fcnf Jahren Erreichten. Der politische Schwung aus den Rio-Tagen scheint verpufft, das Leitbild Nachhaltigkeit spielt im politischen Alltag keine gro\u00dfe Rolle mehr. Nur sehr z\u00f6gerlich beginnen einige Kommunen, eine Lokale Agenda 21 aufzustellen, wobei sich die Diskussionen in den meist noch auf der Ebene von Verfahrensfragen bewegen.<br \/>\nDie Tagung hat wichtige Beitr\u00e4ge zur Pr\u00e4zisierung neuer Arbeitsfelder und -methoden einer Bildung f\u00fcr Nachhaltigkeit erbracht. In den Workshops \u00fcber B\u00fcrgerbeteiligung, Zukunft der Erwerbsarbeit und Implementationsstrategien wurden wichtige neue Handlungsfelder gesellschaftlicher Realit\u00e4t beschrieben, in denen Bildungsprozesse eine Rolle spielen. Allerdings wurde deutlich, da\u00df diese Rolle eine sehr ver\u00e4nderte gegen\u00fcber traditionellen Bildungsprozessen ist. Alle Referentinnen und Referenten haben in ihren Vortr\u00e4gen die wichtige Bedeutung der Bildung betont. Allerdings gilt f\u00fcr sie alle, da\u00df klassische Bildungsprozesse in ihren Projekten kaum auszumachen sind. Es geht bei den erzielten Ver\u00e4nderungen des Verbraucherverhaltens vielmehr um unterschiedliche Kombinationen von Eigennutz und Umweltnutzen. Information, Beratungst\u00e4tigkeiten und finanzielle Anreize erg\u00e4nzen sich. Eine aus ethischen Motiven gespeiste Verhaltens\u00e4nderung ist kaum vorhanden. Bildung, verstanden als klassische Bildung, hat in den vorgestellten Effizienz- und Suffizienzprojekten offenbar nur eine nachrangige Bedeutung. Wichtiger sind moderne Formen von Marktforschung, Beratung und \u00d6ffentlichkeitsarbeit im Zusammenwirken mit finanziellen oder materiellen Anreizen. Diese Eigennutzmotive scheinen in der Alltagspraxis leitmotivisch zu sein. Sie werden offensichtlich dann besonders wirksam, wenn man sie obendrein noch mit der richtigen Motivation nach au\u00dfen verkaufen kann. Insgesamt betrachtet scheinen f\u00fcr diejenigen Bildungseinrichtungen, die im Agenda-Proze\u00df eine Rolle spielen wollen, zuk\u00fcnftig st\u00e4rker Kenntnisse von Umweltpsychologie und der Lebensstilforschung sowie die praktische Handhabung von Moderation, Mediation und Methoden der Sozialforschung wichtig zu werden.<br \/>\nUnter Bildung wird die sich aneignende Auseinandersetzung mit der Welt durch Sprache und Literatur, Wissenschaft und Kunst verstanden. Wolfgang Klafki, einer der f\u00fchrenden deutschen Bildungstheoretiker, versteht unter Bildung ein geschichtlich vermitteltes Bewu\u00dftsein von zentralen Problemen der gemeinsamen Gegenwart und der voraussehbaren Zukunft gewonnen zu haben, Einsicht in die Mitverantwortlichkeit aller angesichts solcher Probleme und Bereitschaft, sich ihnen zu stellen und am Bem\u00fchen um ihre Bew\u00e4ltigung teilzunehmen. Klafki schreibt gesellschaftlichen Schl\u00fcsselproblemen eine zentrale Rolle f\u00fcr Bildungsprozesse zu. Diese Schl\u00fcsselprobleme sollen bei offener Diskussion zu einem jeweils hinreichenden Konsens gef\u00fchrt haben, allerdings lediglich f\u00fcr eine gewisse Zeit g\u00fcltig sein, denn Schl\u00fcsselprobleme m\u00fcssen gem\u00e4\u00df den sich wandelnden historischen Verh\u00e4ltnissen immer wieder neu bestimmt werden.<br \/>\nEs werden neue Fragen und Anforderungen an die Umweltbildung gestellt, die eine Weiterentwicklung zu einer Bildung f\u00fcr Nachhaltigkeit sinnvoll erscheinen lassen. Es ist zu fragen, ob die Bildung f\u00fcr Nachhaltigkeit nicht ein Sammelsurium aus Umweltbildung, Politischer Bildung, Umweltpsychologie, Umweltkommunikation und weiteren Teilgebieten ist, bzw. diese wird zu einer neuen Qualit\u00e4t verschmelzen mu\u00df.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Der Tagungsband erscheint als Band 3 in der econtur-Reihe Positionen. Die Publikation wurde allen Tagungsteilnehmern sowie wichtigen Multiplikatoren kostenlos zu Verf\u00fcgung gestellt. Dar\u00fcberhinaus werden die Ergebnisse in Fachzeitschriften und den wichtigen Diskussionszirkeln verbreitet.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Nichts ist teurer als die Nicht-Reform, sagte Oskar Negt, und das Problem ist also nicht die Frage, wie man die Reform bezahlen kann, sondern wie man auf Dauer die Nicht-Reform bezahlen kann, weil sie mit Verschwendung verkn\u00fcpft ist. Stephen Sterling spricht in seinem Beitrag von Education for Change, Bildung f\u00fcr Ver\u00e4nderung. Gerd de Haan gar von einer Revision des Bildungssystems in Richtung Partizipation und Konstruktivismus. Eine Analyse gesellschaftlicher Ver\u00e4nderungen und Str\u00f6mungen ist notwendig, um den Weg f\u00fcr eine zuk\u00fcnftige Bildung aufzuzeigen. Der Nachhaltigkeitsbegriff bekommt in der Bildungspraxis erst Kontur.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Zielsetzung der Tagung war es, Beispiele f\u00fcr innovative Bildungsprozesse zu finden, die zukunftsf\u00e4hige Entwicklungen auf dem Hintergrund gesellschaftlicher Realit\u00e4ten ausloten. Die Ergebnisse werden die Diskussion der Bildungsexperten untereinander und mit Vertretern anderer gesellschaftlicher Gruppen bereichern. 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